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Stadt Luzern hat kein Herz für Liebesschlösser
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Keine Liebesgeschichte: Luzern und die metallenen Liebesbekundungen seiner Touristen. (Bild: zar)

Bis in alle Ewigkeit? Von wegen! Stadt Luzern hat kein Herz für Liebesschlösser

3 min Lesezeit 3 Kommentare 14.02.2020, 18:55 Uhr

Die einen steigen bei einem gewonnenen Fussballmatch ins Auto und hupen, die anderen behängen im Liebesrausch Brückengeländer mit Schlössern – auch in Luzern. Von einem ewigen Liebesbeweis kann aber keine Rede sein, denn die Stadt knackt die Schlösser regelmässig.

Wer über den Rathaussteg schlendert und seine Augen nicht nur auf Kapellbrücke, Wasserturm oder das spektakuläre Alpenpanorama mit See im Vordergrund gerichtet hat, der hat sie womöglich schon bemerkt: die kleinen, aber umso massiveren Liebesbeweise, die gleich zu Dutzenden vom geschnörkelten Geländer hangen. Schlösser mit eingeritzten Initialen und Namen, Versprechen und zugleich Hoffnung auf ewigwährende Zweisamkeit.

«Wir sind immer wieder erstaunt, wie kreativ Liebende sein können.»

Thomas Schmid, Strasseninspektor der Stadt Luzern

Zwar hängen an den Geländern des Rathausstegs metallene Liebesbeweise in besonders hoher Konzentration. Finden aber kann man sich auch andernorts in Luzern: An anderen Brücken, an Geländern entlang der Reuss, manchmal auch im Bereich der Museggmauern, weiss Thomas Schmid vom Stadtluzerner Strasseninspektorat. «Dabei sind wir immer wieder erstaunt, wie kreativ Liebende sein können.» Der Wunsch, seinem Glück mit einem Vorhängeschloss Ausdruck zu verleihen, kennt fast keine Grenzen, hängt immer wieder an scheinbar unmöglichen Orten.

An Geländern hängt internationale Liebe

Dabei dürften die umgehängten Liebesbeweise vor allem internationalen Ursprungs sein. Darauf deuten die Inschriften wie «Brazil» oder «Россия». Gestützt wird diese These aber auch durch die Beobachtungen von Schmid und seinen Mitarbeitern. Im Sommer, wenn Luzern von besonders grossen Touristenströmen heimgesucht wird, werden Brücken- und andere Geländer stärker behangen als in der touristisch mauen Wintersaison.

Am Rathaussteg hängt viel internationale Liebe. (Bild: zar)

Unabhängig von den saisonalen Unterschieden: Von Zuständen wie in Paris oder Venedig, wo Brücken teils so stark unter den angehängten Liebesbeweisen ächzen, dass sie gar einzustürzen drohen, ist man in Luzern weit entfernt. Erstens wegen der vergleichsweise geringen Menge an Liebesbeweisen. Vor allem aber lässt die Stadt die Schlösser «periodisch», will heissen ein- bis zweimal im Jahr, abräumen. Schätzungsweise bis zu 80 Liebesschlösser knacken die Stadtbehörden so jedes Jahr.

«Wir tragen die Verantwortung dafür, dass sich die Stadt ‹gschiid› präsentiert.»

Thomas Schmid, Strasseninspektor der Stadt Luzern

Und an dieser Praxis will die Stadt weiter festhalten, auch wenn zuletzt nach eigener Einschätzung der Liebesschloss-Trend abgeflaut sei. Warum die Schlösser früher oder später wegmüssen, erklärt Schmid vom städtischen Strasseninspektorat. Aus statischer Sicht gehe von den Liebesschlössern – anders als in anderen europäischen Metropolen – zwar keine Gefahr aus. Und doch könnten rostende Schlösser zu Schäden an Geländern führen.

Bringt das digitale Liebesschloss Abhilfe?

Vor allem aber nagt der Zahn der Zeit selbst am massivsten Metallschloss unerbittlich. Die Liebesversprechen verwitterten, würden früher oder später unansehnlich. Spätestens dann greifen Schmid und seine Mannen und Frauen ein. «Wir tragen schliesslich die Verantwortung dafür, dass sich die Stadt ‹gschiid› präsentiert.»

Was aber tun, wenn man seine Liebe nicht für sich behalten und gleichwohl nicht mit den Stadtbehörden auf Kriegsfuss stehen will? So schwierig könne das nicht sein, seinen Gefühlen auf andere Art und Weise Ausdruck zu verleihen, ist Schmid überzeugt: «Warum nicht die neuen Technologien nutzen und etwa das Liebesschloss aus Metall durch einen digitalen Liebesbeweis ersetzten?» Letzter beschädigt garantiert keine Geländer, und verwittert erst noch nicht.

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3 Kommentare
  1. Zarevna, 19.02.2020, 16:04 Uhr

    Kein Herz für Liebe?

  2. CScherrer, 15.02.2020, 14:12 Uhr

    Das macht die Stadt Luzern vollkommen richtig. Ein weiterer Nonsens, welcher an Sauglattismus nicht zu überbieten ist. Unglaublich wie vollkommen verblödet gewisse Individuen sind.

  3. Kasimir Pfyffer, 15.02.2020, 09:57 Uhr

    Schön, dass die Stadt diesen rostigen Quatsch regelmässig entfernt. So ein „Liebesbeweis“ ist etwa auf der emotionalen Höhe einer Diddl-Maus aus dem Brocki.

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