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Stadt halbiert Filmsubvention – wegen «Tatort»-Kritik?
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Vorpremiere zum neusten Luzerner Tatort «Ihr werdet gerichtet» in Luzern. (Bild: Filmlocation Luzern)

Sparpaket trifft Filmförderung hart Stadt halbiert Filmsubvention – wegen «Tatort»-Kritik?

4 min Lesezeit 12.09.2015, 11:43 Uhr

Um fast 50 Prozent kürzt die Stadt Luzern die Gelder für die Filmförderung. Davon sind in erster Linie die Luzerner Tatort-Krimis betroffen. zentral+ hat bei der Stadt nachgefragt, was das mit der teils harschen Kritik an der Serie zu tun hat, wie die Verantwortlichen das Loch füllen wollen und warum neu auch andere Kantone mitzahlen sollen.

Die Stadt muss jährlich bis zu 14 Millionen Franken sparen, um in den nächsten Jahren nicht Millionendefizite einzufahren. Vom letzte Woche präsentierten Sparpaket ist auch das Filmmarketing betroffen. Denn eine der 83 Spar-/Entlastungsmassnahmen betrifft die massive Senkung der Gelder auf das städtische Konto Film und Fernsehen. Fast halbiert wird der bisherige Betrag von jährlich 130’000 Franken, auf neu 70’000 Franken. Und zwar schon auf nächstes Jahr.

Laut Stadtrat wurden mit diesen Geldern in den letzten Jahren schwergewichtig die Luzerner Tatort-Krimis mitfinanziert. Und bekanntlich überlegt es sich das Schweizer Fernsehen, am bisherigen Tatort-Gefüge etwas zu ändern. Ob ein Wegzug von Luzern ein Thema oder ob das Kommissaren-Duo ersetzt wird, ist aber völlig offen. zentral+ wollte von Niklaus Zeier, Chef Kommunikation Stadt Luzern, Präsident der SRG Zentralschweiz sowie Mitglied der Arbeitsgruppe Film + Fernsehen Luzern-Zentralschweiz,  wissen, was die Kürzungen für Auswirkungen haben.
 
zentral+: Niklaus Zeier, zahlt die Stadt weniger in den Film-Pot, weil der Luzerner Tatort eh bald eingestellt wird?
 
Niklaus Zeier: Nein, sicher nicht, zumal von Einstellen keine Rede sein kann. Die Kürzung der Gelder hat nichts mit dem Tatort zu tun.

Vorpremiere zum neusten Luzerner Tatort «Ihr werdet gerichtet» in Luzern. Niklaus Zeier begrüsst die Anwesenden.

Vorpremiere zum neusten Luzerner Tatort «Ihr werdet gerichtet» in Luzern. Niklaus Zeier begrüsst die Anwesenden.

(Bild: Filmlocation Luzern)

 
zentral+: Wie hat das SRF auf die Kürzung reagiert? Wird das in Zürich nicht als mangelnde Wertschätzung registriert?
 
Zeier: Nein, wir haben keine Probleme mit dem SRF. Wir können die Leistung aufrecht erhalten. SRF wurde im Vorfeld informiert.
 
zentral+: Die Stadt kann die Leistung aufrecht erhalten? Wer übernimmt die fehlenden 70’000 Franken?
 
Zeier: Bislang verlief die Finanzierung ja so: Die Stadt hat 80’000 Franken in eine Kasse gezahlt, und Luzern Tourismus AG hat zusätzlich den gleichen Betrag beigesteuert. Mit diesem Geld werden vor allem der Betreuer der jeweiligen Film- und TV-Projekte finanziert, aber auch Hotelvergünstigungen für die rund 60-köpfige Tatort-Crew oder die Grundmiete der Studioräume in der Viscosistadt in Emmenbrücke. Jeder Tatort-Beitrag bringt für Luzern über 1’000 Übernachtungen. Mit den restlichen 50’000 Franken finanziert die Stadt städtische Leistungen wie Absperrungen von Strassen bei Filmdrehs, Signalisationen, die Reservation von Parkfeldern und Elektroinstallationen. Auch an den Vorpremieren der Tatort-Krimis beteiligen wir uns. Zu denen werden unter anderem Leute eingeladen, die zum Beispiel eine Location für den Dreh ermöglichten.

Tatort-Szene in Luzerns Gassen: Die Gelder der Stadt für die Filmförderung werden auch für die Kosten von solchen Sperrungen verwendet.

Tatort-Szene in Luzerns Gassen: Die Gelder der Stadt für die Filmförderung werden auch für die Kosten von solchen Sperrungen verwendet.

(Bild: DANIEL WINKLER www.danielwinkler)

 
Nun fehlen uns ab nächstem Jahr die 70’000 Franken. Doch wir sind zuversichtlich, dass wir diesen Betrag durch Beiträge von privater Seite ausgleichen können.
 
zentral+: Wer soll dafür Geld geben?
 
Zeier: Verhandlungen sind am Laufen, Details kann ich noch keine nennen. Es sind Institutionen zum Beispiel aus dem Tourismus oder aus tourismusnahen Bereichen. Parallel dazu möchten wir nun die Gründung eines neuen Trägervereins namens Film und Fernsehen Luzern-Zentralschweiz vollziehen.
 
zentral+: Möchten Sie folglich die Trägerschaft und damit auch die Mitfinanzierung der Filmförderung auf die Zentralschweiz ausweiten?
 
Zeier: Wie gesagt, wir sind in Verhandlungen. Noch ist nichts spruchreif. Aber Dreharbeiten erfolgen nicht nur in Luzern, sondern auch in Kantonen der Zentralschweiz, was auch diese Landschaften einem internationalen TV-Publikum näher bringt.

«Die Produktion von Film- und TV-Produktionen aus Luzern und Umgebung ist beste Werbung für die Zentralschweiz.»

zentral+: Warum kommt das SRF für diese Kosten eigentlich nicht selber auf? Oder anders gefragt: Was bringt diese Form der Subventionierung der Stadt Luzern?
 
Zeier: Wir betreiben mit diesen Geldern ja nicht direkt Filmförderung. Sondern Standort- und Wirtschaftsförderung. Die Realisierung von Film- und TV-Produktionen aus Luzern und Umgebung sind beste Werbung für die Zentralschweiz. Das generiert unter anderem höhere Touristenzahlen aus nah und fern. Dafür lohnt es sich, etwas zu investieren. Zudem bleibt mit dieser kleinen Mitfinanzierung bei den rund acht Film- und Fernsehproduktionen im Jahr eine Mitsprache gewährleistet.

Tatort-Szenen wie diese werden in den Räumen der Emmer Viscosistadt gedreht.

Tatort-Szenen wie diese werden in den Räumen der Emmer Viscosistadt gedreht.

(Bild: Daniel Winkler)

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