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Sprungfeder: Was bleibt nach dem Sieg?
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Ein Abend Jubel und Ehre ist auf sicher – doch wie geht’s weiter? Bild vom letztjährigen Final in der Schüür.  (Bild: zvg)

Durchbruch bleibt Ausnahme – eine Bilanz Sprungfeder: Was bleibt nach dem Sieg?

7 min Lesezeit 11.10.2016, 07:36 Uhr

Die Sprungfeder wird dieses Jahr volljährig: Seit 18 Jahren bietet der Nachwuchswettbewerb jedes Jahr jungen Bands aus der Region eine grosse Bühne und Aussicht auf den begehrten Sieg. Doch der Ruhm ist meist von kurzer Dauer, Bands kommen und gehen. Der Durchbruch nach dem Sieg bleibt die Ausnahme.

Schub, einen Sprung nach vorn, einen Gump: Der Wettbewerb Sprungfeder soll Nachwuchsbands aus dem tristen Proberaumdasein in die Konzertsäle katapultieren. Bald finden wieder die Vorausscheidungen dazu statt (siehe Box am Ende). Nicht alle schaffen das, aber für einen Abend ist zumindest den fünf Finalisten viel Applaus, eine grosse Bühne mit gutem Sound und die Aufmerksamkeit einer kompetenten Jury auf sicher.

Der Gesamtsieger schliesslich zehrt noch etwas länger vom Ruhm. Denn der Gewinn soll nachhaltig sein und weit über den Kater nach dem Konzert hinaus seine Wirkung entfalten. Darum gibt’s bei der traditionellen, nun schon 18-jährigen Sprungfeder einen Studioaufenthalt zu gewinnen sowie drei weitere Konzerte im Jahr drauf.

Doch mit der Kontinuität im Musikbusiness ist das so eine Sache – Bands kommen und gehen wie die Fruchtfliegen im Sommer (manche bleiben hartnäckig). Wie nachhaltig ist der Preis denn wirklich? Was ist aus den bisherigen Siegern geworden? Um es vorwegzunehmen: Es ist ganz unterschiedlich. Einige Bands gibt es nicht mehr, manche Musiker verschwanden ganz in der Versenkung, andere sind in neuen Projekten aktiv. Und es gibt die Ausnahmen, die seit dem Sieg durchgestartet sind – etwa Damian Lynn, der 2009 mit Sway89 gewann. Sieben Jahre später spulte er diesen Sommer die Schweizer Festivals ab und ist gerade auf Deutschlandtour. Aber ansonsten ist die Bilanz nicht berauschend, wie ein Überblick über die letzten 10 Jahre zeigt.

Was wurde aus den Gewinnern zwischen 2006 bis 2015?

2015 – Shoot the Satellite: Das ist der 24-jährige Thomas Seidmanns als One-Man-Show: Gitarre, Stimme und Elektronik. Während früher junge Bands noch mit sympathischer Naivität vom Durchbruch träumten, scheint Seidmann ganz Realist geblieben. Leidenschaft für die Musik Ja, aber davon leben: Nein, danke! Trotz Erfolg versucht er gar nicht erst, seinen Job als Mediamatiker an den Nagel zu hängen, sagte er kürzlich gegenüber dem Magazin «Young Swiss». Und auch schon vor dem Sprungfeder-Sieg vor einem Jahr sagte er zu zentralplus: «Ich will die Musik nicht zum Beruf machen – ich will nicht irgendwann einen Ausgleich zur Musik suchen müssen. Dann wäre etwas falsch.»

Shoot the Satellite bei seinem Siegerauftritt an der Sprungfeder 2015.  (Bild: zvg)

Shoot the Satellite bei seinem Siegerauftritt an der Sprungfeder 2015.  (Bild: zvg)

Die Sprungfeder hat ihm Schub verliehen: Der Name ist in der Szene ein Begriff, er ist beim Luzerner Label Little Jig und hat im Januar dieses Jahres eine 5-Song-EP herausgegeben. Der Sieg brachte ihm zudem Auftritte am Glücklich-Festival oder am Rock the Docks in Zug – und wer ihn live gesehen hat, weiss, dass der junge Mann überzeugt. Trotzdem: nationales Radioairplay? Fehlanzeige. Aktuelle Konzerte? Ebenfalls nicht. Für Shoot the Satellite ist im Jahr nach dem Sprungfeder-Sieg grad Pause angesagt.

2014 – In Limbo: Im Mai hat die fünfköpfige Band aus Sursee ihre EP «Pentachrome» in der Bar 59 getauft. Seither ist nichts mehr gelaufen. Falls es die Band überhaupt noch gibt, ist sie zumindest recht inaktiv.

Die Band In Limbo beim Sprungfeder-Finale 2014.  (Bild: zvg)

Die Band In Limbo beim Sprungfeder-Finale 2014.  (Bild: zvg)

2013 – Nevermind: Die vierköpfige Metal-Band aus Hünenberg, die sich nach einem der bekanntesten Rockalben aus den 90ern benannt hat, existierte bereits beim Sprungfeder-Sieg seit vier Jahren. 2014 kam dann noch der Förderpreis der Gemeinde Hünenberg dazu. Es dauerte schliesslich bis November 2015, bis Nevermind eine EP veröffentlichte. Dann folgte ein Abschiedskonzert in der Industrie 45 – danach hat man von der Band nichts mehr gehört.

2012 – Stuck in Traffic: Gerade mal drei Monate alt war die Band, als sie 2012 abräumte. Zudem war es die erste Zuger Band, die bei der Sprungfeder reüssierte. Erfreulich ist auch, dass die Combo bis heute durchgehalten hat und vier Jahre später noch rege Konzerte spielt. Dieses Jahr etwa am Züri Fest, am Rock the Docks in Zug oder dem schönen Silo-Open-Air in Hünenberg (zentralplus war dabei). Stuck in Traffic bezeichnet sich selber als «heissestes Zuger Eisen» – und bei so viel Selbstvertrauen glauben wir an die Zukunft. Ihr bisher einziges Album heisst «Midnight Show» und stammt vom März 2015.

Stuck in Traffic am Silo-Open-Air dieses Jahr:

 

2011 – End of Silence: Das Metal-Dreiergespann aus Luzern und Nidwalden überzeugte 2011 Kritiker und Publikum beim Wettbewerb. 2012 folgte das erste Album und seither spielt die Band fleissig. «Auch nach sechs Jahren Bandgeschichte ist noch lange nicht genug, und es wird noch lange weitergehen», schreiben sie. Ihre Facebook-Seite lebt: Es gibt immer mal wieder Fotos, neue Videos und natürlich Musik. Im April veröffentlichen sie ein neues Video, Ende August folgte eine EP.

 

2010 – Without Problems: Nach der Sprungfeder 2010 gewann die Band 2011 auch den Wettbewerb am Soundcheck-Festival in Neuenkirch (das Open-Air gibt’s inzwischen leider nicht mehr). Doch der letzte Eintrag auf der Facebook-Seite der Rothenburger Band stammt von 2013, ihre Website ist down, die Band gibt’s nicht mehr. Könnte man meinen! Das Quartett machte einfach unter dem Namen Max Bailey weiter: «Vier junge Persönlichkeiten, die ohne grosse Probleme ihren Platz in der Musiklandschaft gefunden haben …», steht in ihrer Bio. Ein Album kam 2013, diesen Sommer spielten sie unter anderem am Lakeside-Festival.

 

2009 – Sway 89: Ihr Sänger war gerade mal 18 Jahre alt, als sie 2009 die Sprungfeder gewannen und hiess Damian Lingg. Die Band machte bis 2012 weiter, existiert aber heute nicht mehr. Trotzdem trug der Sprungfeder-Erfolg späte Früchte: Heute ist genannter Sänger 24 und unter dem Namen Damian Lynn sehr erfolgreich als Singer/Songwriter unterwegs – im Oktober etwa mit einer ganzen Reihe von Konzerten in Deutschland, im November eröffnet er in Basel für Norah Jones, auf ihren Wunsch (zentralplus berichtete). Es ist die Mustererfolgsstory der Sprungfedergeschichte, die es öfters geben dürfte.

 

(2008 gab’s keine Sprungfeder)

2007 – Implosion Circle: Auch die Metaller aus Meggen gewannen den Final, damals sogar noch im KKL. Mit gelegentlichen Unterbrüchen war immer mal wieder von den vier Herren zu hören – bald soll eine neue EP erscheinen. Und am 31. Oktober spielen sie im Bruch Brothers. Das ist doch was!

2006 – The Classic: Die Band aus Dierikon gewann den Final ebenfalls im KKL – zehn Jahre später ist die Band von der Bildfläche verschwunden. (Lustiger Nebenaspekt: Sie nannten sich tatsächlich vor The Classic einmal Dead Squirrel und The Mentos.) Trotzdem war der Sprungfeder-Sieg der Anfang von etwas Grossem. Drei der vier Mitglieder sind heute noch erfreulich aktiv in der Szene unterwegs: Nick Furrer spielte Bass bei Alvin Zealot und mischt inzwischen als Haubi Songs die Szene auf. Jeremy Sigrist spielt unter anderem bei Hanreti Gitarre. Und Elia Lobina spielt Keyboard und singt bei Kapnorth.

Aus dem Classic-Erbe gingen also gleich zwei der spannendsten Luzerner Bands hervor: Alvin Zealot (leider inzwischen auch wieder verschwunden) und Kapnorth. Alvin Zealot kann man getrost als derzeit meistvermisste Indie-Band aus der Region bezeichnen.

Sprungfeder 2016

Die Sprungfeder existiert seit 1998 und ist der grösste und wichtigste Bandnachwuchswettbewerb der Zentralschweiz. Der Anlass ging aus der Jugendkulturbewegung Jugendarbeit Region Luzern (JARL) hervor und wurde 2015 neu aufgegleist (zentralplus berichtete). Der Wettbewerb wurde in den Verein Glücklich Events integriert, neuer Leiter des Anlasses ist seitdem Marquito Müller.

Vorgaben für Bands sind: Sie müssen jung sein (Mitglieder maximal 25-jährig) und sie dürfen noch kein Album auf dem Markt haben. Ansonsten kann jede Band mitmachen. Die diesjährige Vorausscheidung der Sprungfeder findet am Samstag, 15. Oktober statt: 20 Bands aus der Zentralschweiz treten in fünf Vorrunden in Stans, Horw, Sursee, Zug und Luzern gegeneinander an. Die fünf Sieger kommen in den Final am Samstag, 3. Dezember, in der Schüür Luzern.

Und so geht das Ganze vonstatten: In jeder Vorrunde bestimmt zur einen Hälfte das Publikum und zur anderen Hälfte eine dreiköpfige Jury die Siegerband. Die fünf Sieger treten dann im Final gegeneinander an und haben die Ehre, auf die Schüür-Bühne zu treten. Im Final ist das Prozedere etwas anders: Die 5-köpfige professionelle Jury hat 75 Prozent Stimmkraft. Zudem werden alle fünf Bands von drei Kameras professionell gefilmt.

Die besten drei Bands gewinnen einen Preis: Die erstplatzierte erhält einen Studioaufenthalt im Krienser Soundfarm Studio im Wert 6000 Franken sowie drei Folgeauftritte im 2017: einmal als Support in der Schüür, am Glücklich-Festival und am Zuger Rock the Docks. Die zweit- und drittplatzierten erhalten immerhin Gutscheine für neues Band-Equipment. «So garantiert die Sprungfeder eine Nachhaltigkeit, die sehr wichtig ist für jede Band», so Marquito Müller. Durch den Abend führt SRF-Musikredaktor Dominique Iten (auch Schlagzeuger bei Rival Kings).

Die diesjährigen Bands:

Senkel in Stans: Sir Donkey’s Revenge (OW), Riverstones (NW), Môla (NW), Cabinets (NW)

Zwischenbühne Horw: Blue Rage (LU), Unidentify (LU), The Poncho Brothers (SZ), Matteo (UR)

Kulturwerk118, Sursee: Irie Noise (LU), Rümbold (LU), The Influence (SZ), Kevin Guerreiro (SZ)

Industrie 45, Zug: Down Side Up (SZ), Carpet Stain (ZG), Lia (ZG), Fuse (ZG)

Treibhaus, Luzern: M’Ghadi (LU), Soul Station (LU), Tame as Tempest (LU), Weibello (ZG)

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