Sportvereine auf Händen zu tragen, zahlt sich aus
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Sportanlagen Herti-Allmend: Kostenlos benützt durch verschiedene Zuger Sportvereine. (Bild: Andreas Busslinger)

Zuger Stadtrat will Geld aus Coronafonds ausschütten Sportvereine auf Händen zu tragen, zahlt sich aus

5 min Lesezeit 14.04.2021, 05:00 Uhr

Mit zusätzlichen 1,9 Millionen Franken aus dem Coronafonds möchte der Zuger Stadtrat zahlreiche Löcher stopfen. Die Hilfsbedürftigen finden sich in allen möglichen Bereichen. Nur die 60 Sportvereine kommen finanziell gut durch die Krise – ausser dem EV Zug. Der Grund liegt in einer zivilisatorischen Errungenschaft.

10 Millionen Franken für subsidiäre Hilfeleistungen enthält der Stadtzuger Coronafonds, der vergangenes Jahr eingerichtet wurde. 4,7 Millionen Franken wurden bereits letztes Jahr als 100-Franken-Konsumationsgutscheine an Einwohner oder an Not leidende Einrichtungen verteilt (zentralplus berichtete).

5,3 Millionen Franken liegen immer noch im Topf. Davon sollen nun nach dem Willen des Zuger Stadtrates weitere 1,9 Millionen Franken an Einrichtungen ausgerichtet werden, die durch das Netz von kantonalen oder bundesstaatlichen Hilfen fallen.

Kultur braucht am meisten Hilfe

«Alle Departemente haben sorgfältig geprüft, wo Unterstützungsbedarf besteht», sagt Finanzvorsteher André Wicki (SVP). Zusammengestellt wurde so eine Liste, die Empfänger aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens umfasst. Selbst die Fraktionen im Stadtparlament sind darin enthalten. Weil sie wegen der Pandemie mehr Arbeit mit Sitzungen haben, aber vor allem wegen erschwerten Bedingungen bei Abstimmungen, sollen die Fraktionen eine Entschädigung bekommen..

Die beiden grössten Gruppen, die unter der Pandemie leiden und nicht anderweitig genügend Unterstützung bekommen, sind zum einen die Zuger Kultureinrichtungen und Kulturschaffenden, die mit zusätzlichen 900’000 Franken unterstützt werden sollen. Ausserdem die Kunsteisbahn (KEB), die Profisportabteilung und der Gastrobereich des EV Zug, welcher mit 350’000 Franken alimentiert werden soll.

Der Kanton hat nach den Vorgaben des Bundes keine Möglichkeit, die KEB zu unterstütze, da dies bei Organisationen, die zu mehr als 10 Prozent von der öffentlichen Hand finanziert werden, unmöglich ist.

Nur Handballerinnen möchten Geld

Erstaunlich: Ausser dem Flaggschiff des Zuger Sports scheinen alle andern Sportvereine einigermassen unbeschadet durch die Krise gekommen zu sein. Denn beim Stadtrat ist nur ein einziges Unterstützungsgesuch eingetroffen: Es stammt vom LK Zug Handball, der sich vom übrigen Leichtathletik-Klub gelöst hat und sich im Frauenhandball an der nationalen Spitze bewegt.

Der LK Zug Handball wollte 35’000 Franken an Coronahilfen. Damit sollten unter anderem die entgangenen Eintrittsgelder und die Mindereinnahmen aus dem Kioskverkauf gedeckt werden. Das will die Stadt Zug nicht übernehmen. Unter anderem jedoch die Ermässigungen bei Mitgliederbeiträgen für Leute, die von der Krise getroffen wurden. Gut 16’000 Franken soll der Klub nun erhalten.

60 Vereine betreiben Sport

Neben dem LK Zug Handball und dem EV Zug gibt es aber noch rund 60 weitere Vereine, Verbände oder Zusammenschlüsse, die auf der Homepage der Stadt Zug aufgeführt sind und vor Ort Sport betreiben.

Sportvereine wurden von den Unterstützungsmassnahmen des Bundes und Kantons verhältnismässig gut getragen. Sie erhalten Trainerentschädigungen des Sportförderungswerks Jugend + Sport und können auch Kurzarbeitsentschädigungen beziehen. «Der wichtigste Grund ist aber, dass die Sportvereine in der Stadt Zug keine Mietgebühren für die Anlagen bezahlen müssen», sagt die zuständige Stadträtin Vroni Straub (CSP). So entfalle ein grosser Aufwandposten.

Ein spezieller Vorteil von Zug

Zug ist zwar vor allem bekannt für sein niedriges Steuerniveau. Aber daneben gibt es einige zivilisatorische Annehmlichkeiten: So ist der Eintritt in städtische Badis kostenlos, ebenso die Benützung der Bibliothek. Und zu den Sportvereinen wird sehr gut geschaut. Sie benützen städtische Anlagen nicht nur gratis, sondern die Stadt investiert auch kontinuierlich darin – wie etwa vergangenes Jahr in eine neue Tartanbahn im Leichtathletikstadion.

«Wir übernehmen auch einen Teil der Mietkosten von Sportvereinen, die bei Platzmangel in andere Gemeinden ausweichen müssen.»

Vroni Straub (CSP), Bildungsvorsteherin und Stadtratsvizepräsidentin

Dem lokalen Fussballklub Zug 94 wird nicht nur ein ganzes Stadion gratis überlassen – auch die angegliederte Beiz wurde von der Stadt renoviert. Mehr noch als mit den Leistungen der 1. Mannschaft haben die Klubverantwortlichen die Stadträte mit ihrer breiten und guten Nachwuchsarbeit überzeugt.

Grenzen der Grosszügigkeit

«Die Unterstützung von Sportvereinen auf diesem Weg ist eine Spezialität von Zug, die von den Betroffenen sehr geschätzt wird», sagt Bildungsvorsteherin Vroni Straub. Man gehe sogar so weit, Mietkosten von Zuger Sportvereinen, die bei Platzmangel auf Anlagen in andern Gemeinden ausweichen müssen, teilweise zu übernehmen.» J + S-Gelder liegen speziell für Kinder – und Jugendsport bereit, aus dem städtischen Sportfonds werden sportliche Veranstaltungen zusätzlich unterstützt.

«Restaurationsbetriebe bezahlen in städtischen Liegenschaften erhebliche und marktgerechte Mieten.»

André Wicki (SVP), Finanzvorsteher

Eigentliche Umsatzausfälle von Sportvereinen jedoch würden weder in Corona- noch in pandemiefreien Zeiten ausgeglichen. «Wenn ein Verein etwa ein Grümpelturnier veranstaltet, um damit Einnahmen zu erzielen, dann bezahlen wir nichts, wenn es ausfallen muss», sagt Vroni Straub zur Veranschaulichung.

Nachlass für Brocki

Doch zurück zum Coronafonds der Stadt Zug. Aus dem Bildungsdepartement, wo der Sport angesiedelt ist, kommen also wenig Unterstützungsgesuche. Ebenso aus dem Baudepartement, wo lediglich dem Brockenhaus ein winziger Mieterlass gewährt wird.

Dem Finanzdepartement sind die übrigen Immobilien unterstellt, daher fällt auch der ganze Einnahmekomplex von Kunsteisbahn und EVZ Gastro in dessen Zuständigkeit. Daneben sind aber auch noch weitere Läden und Gastronomiebetriebe auf städtischem Grund einquartiert, von denen vorab die Gastwirtschaften durch Corona hart getroffen werden.

20 Beizen erhalten Hilfen

Der Stadtrat will diese Betriebe nun mit knapp 100’000 Franken Miet- und Pachterlass unterstützen. «Restaurationsbetriebe bezahlen in städtischen Liegenschaften sehr erhebliche und marktgerechte Mieten», sagt Finanzvorsteher André Wicki. 24 Anträge aus dem Gastrobereich gingen ein, drei wurden abgelehnt, einer wurde zurückgezogen.

Gut durch die Krise gekommen sind die Beizli in den Zuger Freibädern. Vorab aus dem Strandbad und der Badi Seeliken kommen erwähnenswerte Einnahmen. Im guten Sommer konnten sie genügend Einnahmen erzielen, um ihre Pacht zu bezahlen – obwohl sie wegen Corona erst spät ihre Tore öffnen konnten (zentralplus berichtete).

Die zweite Tranche der Gelder aus dem städtischen Coronafonds wurde übrigens bereits ausbezahlt, soweit sie vom Stadtrat bewilligt werden konnte. Die grossen Brocken kommen indes vors Stadtparlament, werden voraussichtlich im Mai beraten und Mitte Jahr ausbezahlt.  

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