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Warum die FCL-Männer die Frauen jetzt integrieren sollten

Wollen in Zukunft noch öfter jubeln: die Spielerinnen des FC Luzern. (Bild: Andy Scherrer-Nicca)

Die Frauen des FC Luzern haben im Cupfinal im Juni Vereinsgeschichte geschrieben und als Underdog den FC Zürich mit 2:0 besiegt. Zweifache Torschützin war Nachwuchstalent Svenja Fölmli. Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Und damit es so weitergeht, muss eine wichtige Bedingung erfüllt sein.

Als Svenja Fölmli am 5. Juni mit einer Finte die Zürcher Innenverteidigerin und FCZ-Captain Riana Fischer ins Leere laufen lässt und zum 1:0 für die Luzernerinnen ins untere lange Eck einschiebt, sitzt ihr ehemaliger Nachwuchstrainer Sandro Waser auf der Tribüne im Letzigrund. Für ihn ist der Erfolg Fölmlis und der ersten Mannschaft keine Überraschung (zentralplus berichtetet).

Als langjähriger Nachwuchstrainer weiss Waser nur zu gut, wie wichtig die Integration eigener Talente ins Fanionteam sein kann. Er prophezeit auch Alena Bienz, zentrale Mittelfeldspielerin bei den Luzernerinnen, eine goldene Zukunft. Denn auf guter Nachwuchsarbeit gründet unter anderem auch der jüngste Erfolg im Cupfinal.

Von steigenden Ansprüchen und anderen Aufwänden

Wer zu Hause vor dem Fernseher dachte, dieser geschichtsträchtige Abend sei dem Zufall geschuldet, den muss Marie-Andrea Egli, Mitglied des Sportvorstands der Luzernerinnen, korrigieren: «Spätestens nach dem Halbfinal-Sieg gegen den FC Basel (1:0) wussten wir, dass ein Coup auch gegen den FC Zürich möglich sein würde.» Folglich habe man mehrere Wochen auf diesen Tag X hingearbeitet, sodass jedes Teammitglied bestens auf den Matchplan vorbereitet war. Es wäre aber falsch, sich jetzt auf diesen Lorbeeren auszuruhen.

«Der Cup-Titel kam nicht zufällig zustande.»

Marie-Andrea Egli, Mitglied des Sportvorstands im FC Luzern Spitzenfussball

Wie schwierig es auch für die Frauen im Spitzenfussball geworden ist, auf nationaler Ebene mitzuhalten, musste der Verein spätestens in der abgelaufenen Saison erfahren, als das Team den sechsten Schlussrang belegte. Ähnlich sieht es Nachwuchstrainer Waser: «Sollte die Eingliederung in die Spitzensportabteilung der Männer nicht funktionieren, weiss ich nicht, ob es uns in fünf Jahren noch gibt.» Denn neben den infrastrukturellen und finanziellen Möglichkeiten werden auch bei den Frauen die Ansprüche und der Aufwand des Verbands immer grösser, erklärt Waser.

Bereits heute ist man in der Axa Women's Super League (AWSL) eines der wenigen Teams ohne Angliederung an die Männerabteilung. Auch Edvaldo Della Casa, der den Trainerposten bei der ersten Mannschaft kürzlich von Glenn Meier als scheidendem Trainer übernommen hatte, möchte diese Entwicklung weiter forcieren. In Luzern lassen es die Strukturen bisher (noch) nicht zu – wie beispielsweise in Zürich, Genf oder Basel –, Saläre an die Spielerinnen auszuzahlen. Deshalb setzt man nach wie vor bewusst auf den eigenen Nachwuchs.

Der Blick auf den Kader des Cupfinal-Siegerteams zeigt, dass sich diese Arbeit lohnt. Schliesslich haben fast die Hälfte der Spielerinnen die eigenen Nachwuchsteams durchlaufen. Fakt ist aber auch, dass es im Frauenfussball schnell vorwärtsgeht und es nur eine Frage der Zeit sein wird, bis man den Anschluss an semi-professionelle Teams verliert, ist sich FCL-Präsident Robert Schürch sicher. Mit einer Integration in die FCL Innerschweiz AG wäre dieses Problem (vorerst) gelöst. Man würde von Synergien wie beispielsweise Trainern, Athletik, medizinischer Betreuung oder Infrastruktur profitieren.

Cupsieger-Mädels: Die Frauen des FC Luzern feiern den Gewinn des Pokals (Bild: Andy-Scherrer Nicca). (Bild: )

Neuer Trainer, neue Vision?

Ein wichtiger Sparringpartner könnte der neue Trainer Edvaldo Della Casa auch hinsichtlich Integration werden. Als langjähriger Coach in den Nachwuchsteams der Männer kennt er den Verein und die Funktionäre bereits. «Im Frauenfussball gibt es ein enormes Potenzial. Und der Frauenfussball wächst weltweit enorm stark. Auch in Luzern gibt es tolle Möglichkeiten, auf höchstem Niveau im Fussball zu arbeiten», erklärt Della Casa seinen Entscheid, zu den Frauen zu wechseln.

Eine weitere Eigenart des Frauenfussballs, die ihn während der Gespräche mit den Verantwortlichen des FCL überzeugte, sind die Freundlichkeit und die Bodenständigkeit, mit der man in Luzern arbeitet. «Hier hilft der Finanzchef mit, an den Spielen die Eintritte einzukassieren», lobt der FCL-Präsident. Darin spiegelt sich die grundsätzliche Kultur des Vereins. Jeder und jede packt an, wo es sie oder ihn braucht. Diese Elemente werden immer wichtiger, die Entwicklung darf an diesen Punkten aber nicht aufhören. Das weiss auch Della Casa, der in grosse Fussstapfen tritt.

«Wir versuchen, die Euphorie aus dem Cuptitel optimal für die Akquirierung neuer Spielerinnen zu nutzen.»

Robert Schürch, FCL-Präsident

Als Trainer der ersten Mannschaft ersetzt Della Casa Glenn Meier, der den Verein in den letzten vier Jahren massgeblich als Trainer und technischer Leiter geprägt hat. Daneben muss er auch die sportlichen Abgänge auf dem Platz von Captain Irina Pando, Svenja Fölmli und Flavia von Känel kompensieren. «Dieses Vakuum zu füllen ist aber nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Chance für junge Spielerinnen», erklärt er.

In erster Linie möchte Della Casa aber dem Charakter und der Persönlichkeit Teams, das den Schweizer Cup gewonnen hat, neue Elemente hinzufügen. Die Ranglistenposition ist dabei eher nebensächlich. Die Nachwirkungen aus dem Cup-Titel sollen neue Türen öffnen. «Wir müssen nun versuchen, die Euphorie aus dem Cup-Titel optimal für die Akquirierung neuer Spielerinnen zu nutzen», erklärt Schürch. Sportlich heisst das, möglichst viele eigene Talente ans Niveau der AXA Women’s Super League heranzuführen.

Kommt es jetzt zu einem Fussballerinnen-Boom?

Auf der operativen Stufe sieht es etwas anders aus. In erster Linie ist man bestrebt, einen neuen Hauptsponsor zu finden. Für Schürch ist nämlich klar, dass Spielerinnen wie Fölmli oder Bienz nicht einfach aus dem Nichts auftauchen. «Es wäre wünschenswert, wenn junge Mädchen auf unseren Cup-Sieg und jener der Männer aufmerksam würden und sich dazu entschliessen würden, mit dem Fussballspielen zu beginnen», hofft Schürch. Wenn damit sogar noch ein Hauptsponsor gefunden werden könnte, wäre das ein «Idealfall».

Bleibt zu hoffen, dass das gute Abschneiden der Schweizer Nationalmannschaft auch bei den Frauen wie bei ihren männlichen Kollegen einen nachweislichen Boom auszulösen vermag. Schürch: «Es wäre genial, wenn sich zu Beginn der neuen Saison zahlreiche junge Mädchen bei den Fussballclubs in der Innerschweiz für F- oder E-Juniorenteams anmelden würden.»

Die FCL-Frauen sind gut beraten, dies zu fördern. Denn letztlich ist es gerade diese Breite, welche die Spitze formt. Das zeigte sich kürzlich, als vom Partnerverein FCL Breitensport ehemalige Nachwuchsspielerinnen aus der Nationalliga B zurückgeholt wurden. Spielerinnen, die mit guten Leistungen aus der zweithöchsten Schweizer Liga auf sich aufmerksam machen konnten.

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