Sport
Luzerner Polizeichef im Interview

So geht die Polizei gegen Hooligans vor

Mit besseren Kameras sollen «Chaoten» an FCL-Heimspielen in Schach gehalten werden. (Bild: zvg)

Mehr Repression, hochauflösende Kameras und eine personelle Aufstockung mit Experten: Mit diesen Mitteln will die Luzerner Polizei künftig härter gegen «Chaoten» vorgehen. Polizeikommandant Adi Achermann räumt im Interview ein, dass das Hooligan-Problem damit noch nicht gelöst ist.

Die Diskussion am vergangenen Dienstagabend rund um die Fantransporte von FCL-Spielen sorgte für viel Emotionen. Hauptthema waren die Fans, insbesondere die gewaltbereiten, und deren Transport zur Swisspor-Arena (zentral+ berichtete). Gleichzeitig wurde darüber informiert, dass die Polizei mit besseren Kameras und mehr Repression gegen «Chaoten» an Heimspielen des FC Luzerns vorgehen will.

«Wir wollen zum einen bessere Technik, etwa hochauflösende Videokameras. Zum anderen wollen wir personell mehr Ressourcen in die Ermittlungsarbeit stecken», sagte Polizeikommandant Adi Achermann vor den Gästen. Das Personal sei bereits letztes Jahr erweitert worden, die besseren Videokameras sollten dieses Jahr folgen.

Viele Fragen sind noch offen, etwa, wie viel die neuen Kameras kosten dürften und wer für diese Kosten aufkommt. Polizeikommandant Adi Achermann nimmt im Interview Stellung.

(Bild: zentral+)

zentral+: Herr Achermann. Während dem Infoabend war immer wieder von Repression die Rede. Wie genau will die Polizei mit Repression besser Herr über die «Chaoten» werden?

Adi Achermann: Oberstes Ziel ist bei jedem unfriedlichen Ordnungsdienst dafür zu sorgen, dass die Bevölkerung von «Chaoten» möglichst wenig tangiert wird und es somit zu keinen Gewaltausschreitungen mit Verletzten und Sachschäden kommt. Je nach Lage ist diese Aufgabe schwierig zu bewältigen, bleibt jedoch das primäre Ziel. Künftig möchten wir vermehrt mit besserem Bildmaterial dafür sorgen, dass gesetzeswidrige Handlungen zur Dokumentation für den Sachbeweis und für die Identifikation zur Verfügung stehen.

zentral+: Personell wurde bereits aufgestockt bei der Polizei. Was bringen diese Experten genau?

Achermann: Die polizeiliche Arbeit im Umfeld von Fussballspielen beschränkt sich nicht nur auf die Dauer des Spiels. Auswertungen von Bildmaterial und Ermittlungen beschäftigen unsere Einsatzkräfte über Tage. Mit mehr personellen Ressourcen können gerade diese zusätzlichen Arbeiten besser bewältigt werden.

zentral+: Die besseren Kameras sollen noch dieses Jahr angeschafft werden. Wie teuer wird das und wer trägt die Kosten?

Achermann: Eine genaue Zahl kann aktuell nicht beziffert werden. Eine Projektgruppe ist beauftragt, Aufnahme- und Auswertungsgeräte zu evaluieren, die sich für die geplanten Einsätze bewähren. Ausserdem müssen Bediener an den neuen Geräten ausgebildet werden. Die Beschaffungen der besseren Kameras läuft über das Budget der Luzerner Polizei.

zentral+: Auf welche Erfahrungen anderer Städte kann die Luzerner Polizei bezüglich hochauflösender Kameras zurückgreifen?

Achermann: Wir pflegen den Austausch mit allen Städten, die eine Super League Mannschaft haben. Der gegenseitige Erfahrungsaustausch ist ein stetiger Prozess. Zudem ist die Entwicklung bei solchen elektronischen Geräten sehr schnelllebig.

«Nebst verdecktem Gesicht gibt es weitere Identifikationsmöglichkeiten.»

zentral+: Am Dienstagabend sprachen Sie als Beispiel von St. Gallen, wo der Weg vom Bahnhof zum Stadion vollumfänglich mit hochauflösenden Kameras überwacht ist. Wo ist geplant, die Kameras in Luzern zu installieren?

Achermann: Wo und wie viele Kameras eingesetzt werden, wird aus polizeitaktischen Gründen nicht kommuniziert.

zentral+: Was bringen bessere Kameras, wenn insbesondere die «Unverbesserlichen» vermummt sind?

Achermann: Oft ist es so, dass die Vermummung nicht permanent getragen wird. Nebst verdecktem Gesicht gibt es weitere Identifikationsmöglichkeiten.

zentral+: Welche anderen Möglichkeiten gibt es?

Achermann: Aus ermittlungstaktischen Gründen nehme ich dazu keine Stellung. Wir wollen keine Tipps veröffentlichen und potenziellen Tätern Verhaltensanweisungen liefern, welche ihre Identifikation erschweren.

zentral+: Müssen künftig Privatpersonen damit rechnen, in ihrer Freizeit von hochauflösenden Kameras überwacht zu werden?

Achermann: Wenn sich jemand im sichtbaren Bereich von Kameras aufhält, ist es durchaus möglich, dass diese Person aufgezeichnet wird. Der Persönlichkeitsschutz ist aber in jedem Fall gewährleistet. Zudem werden Privatpersonen täglich und überall von Kameras aufgezeichnet. Bahnhof, Warenhäuser, Tankstellen und Parkhäuser – um nur einige zu nennen.

«Es wäre blauäugig zu behaupten, das Hooligan-Problem damit zu lösen.»

zentral+: Bessere Kameras, mehr Repression und personelle Aufstockung: Besteht dank diesen Mitteln Hoffnung, dass das Hooligan-Problem gelöst werden kann?

Achermann: Es wäre blauäugig zu behaupten, das Hooligan-Problem damit zu lösen. Es ist jedoch ein wichtiger Schritt, um Auswüchsen im Umfeld von Fussballspielen besser entgegenzuwirken.

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