Sport
Saisonabbruch: Klubs entscheiden nächste Woche

Schweizer Spitzenfussball sucht dringend nach einer Finanzspritze

Kann sich der FCL bis im Sommer noch über Tore und Punkte freuen? (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Um die wegen des Corona-Virus unterbrochene Meisterschaft zu Ende spielen zu können, braucht es eine Reglementsänderung, die über den 30. Juni hinausgeht. An der ausserordentlichen Generalversammlung der 20 Klubs aus der Super und der Challenge League geht es um deren Existenz.

Ab dem 11. Mai darf das Mannschaftstraining im Schweizer Profisport wieder aufgenommen werden – unter Einhaltung der von den Behörden genehmigten Schutzmassnahmen gegen das Corona-Virus . Ab dem 8. Juni ist sogar der Meisterschaftsbetrieb im Fussball mit Geisterspielen möglich. Das ist der Rahmen, den der Bundesrat am Mittwoch gesteckt hat.

Aber wollen das die Klubs in den beiden höchsten Schweizer Spielklassen überhaupt?

Es geht um viel Geld. Um eine Kosten-/Nutzenrechnung. Und vor allem um das Überleben vieler Vereine. In dieser Not ist sich jeder selbst der Nächste (zentralplus berichtete).

Ein sonderbares «Gschmäckle»

Nächste Woche stimmen der FC Luzern, der SC Kriens und die weiteren Vereine aus der Super und der Challenge League darüber ab, ob die Meisterschaft vor leeren Rängen zu Ende geführt wird. Das Liga-Komitee hat heute Donnerstag die dafür nötigen Vorkehrungen getroffen.

Die Durchführung eines Geisterspiels kostet jeden Klub Geld im unteren sechsstelligen Bereich. Zusätzlich erlischt der Anspruch auf die durch die Staatskasse finanzierte Kurzarbeit der Profis, wenn wieder Meisterschaftsspiele ausgetragen werden. Der Antrag der Swiss Football League beim Staatssekretariat für Wirtschaft, den Profis selbst bei Ausführung des Jobs weiterhin Kurzarbeit zu gewähren, hat ein sonderbares «Gschmäckle».

Für die Weiterführung der Meisterschaft spricht die Verpflichtung gegenüber Klubsponsoren – und das ausstehende TV-Geld für das letzte Quartal, das bei den zehn Klubs in der Super League aber höchstens einen Zehntel aller Einnahmen ausmacht. Darüber hinaus stehen die budgetrelevanten Transferwerte der Profis auf dem Spiel. Allerdings befinden sie sich wegen der Corona-Krise ohnehin im Sinkflug.

Ein Wunder in Bundesbern

Kurzum: Es braucht aller Voraussicht nach eine (staatliche) Finanzspritze, um die Vertreter der Super und der Challenge League zur Fortsetzung der Meisterschaft bewegen zu können. Doch die an einem ganz kleinen Ort beheimatete Sport-Lobby in Bundesbern müsste dafür fast schon ein Wunder vollbringen.

Zwar hat der Bund ein Darlehen von 50 Millionen Franken für den Schweizer Spitzensport zur Verfügung gestellt – aber Geld beantragen kann nur, wer in Zahlungsunfähigkeit geraten ist. Und diese Blösse gibt sich ein Verein nur, wenn alle Stricke gerissen sind.

Über allem schwebt die Ungewissheit

Die dem Thema Saisonabbruch übergeordnete Ungewissheit lautet so: Wann können der FC Luzern und seine Konkurrenten wieder Einnahmen generieren?

Bis Ende August sind laut Landesregierung Grossveranstaltungen mit mehr als 1'000 Teilnehmenden verboten.

Aber wer sagt, dass die (Sport-)Welt ab September schlagartig wieder so ist, wie wir sie vor dem Corona-Virus gekannt haben? Wer kann und will bei dieser Ungewissheit ein Saisonabo kaufen oder als ein durch die Corona-Krise gebeutelter Sponsor (weiterhin) in einen Verein investieren?

Denn der Bundesrat behält sich vor, die Massnahmen bei steigenden Infektionsraten wieder zu verschärfen.

Themen
Deine Ideefür das Community-Voting

Die Redaktion sichtet die Ideen regelmässig und erstellt daraus monatliche Votings. Mehr zu unseren Regeln, wenn du dich an unseren Redaktionstisch setzt.

Deine Meinung ist gefragt
Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert. Bitte beachte unsere Netiquette.
Apple Store IconGoogle Play Store Icon