Sport
Künstler in einem körperbetonten Spielsystem

Samuele Campo personifiziert den sanften FCL-Aufschwung

Seit Spielgestalter Samuele Campo in der Startformation steht, hat der FC Luzern nicht mehr verloren. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Es ist ein Anachronismus. Als sein Förderer Fabio Celestini Trainer des FC Luzern und das Spielsystem auf ihn zugeschnitten war, performte Samuele Campo (26) nicht. Unter dem neuen Chefcoach Mario Frick und einem aggressiveren Stil scheint der Regisseur aufzublühen. Wie geht das?

Der Aufschwung der Luzerner ist nach wie vor ein zartes Pflänzchen. Nichts verdeutlicht das besser als der Blick zurück: Gegen Ende des letzten Oktobers hatte der FCL nach dem ersten Saisonsieg gegen St. Gallen (2:0), dem 2:0 im Cup-Achtelfinal in Schaffhausen und dem 1:1 in Lausanne eine Serie von drei Spielen ohne Niederlage hingelegt. Ein Hoffnungsschimmer.

Aber das Ganze entpuppte sich letztlich als Ruhe vor dem Sturm. Nach zwei weiteren Niederlagen in den darauffolgenden Meisterschaftsspielen gegen Sion (0:1) und Lugano (1:3) wurde der damalige FCL-Trainer Fabio Celestini von der Allmend gejagt.

Mit dem Vorstoss in den Cup-Halbfinal in Biel (5:0), dem 1:0-Heimsieg gegen Sion und dem jüngsten 1:1 in Genf bei Servette hat der aktuelle FCL-Coach Mario Frick die beste Serie des FC Luzern in der laufenden Spielzeit zumindest egalisiert. Die Folge: Seine Mannschaft hat den direkten Abstiegsplatz aus der Super League an den FC Lausanne-Sport abtreten können.

In Lausanne heisst das FCL-Motto: Verlieren verboten!

Mit einem einzigen Pünktchen aus den letzten acht Meisterschaftsspielen liegen die Westschweizer in der Tabelle mittlerweile drei Zähler hinter dem Tabellenvorletzten aus Luzern. Darüber hinaus weisen sie auch das deutlich schlechtere Torverhältnis (–29) aus als der FCL (–19).

«Wenn es letztlich nur ein Punkt sein sollte, werden wir damit leben können.»

FCL-Trainer Mario Frick

Aber das kann sich schnell ändern: Denn Lausanne-Sport empfängt die Zentralschweizer am Sonntag (16.30 Uhr) vor eigenem Publikum. Der FCL fahre dorthin, um zu gewinnen, gibt Mario Frick eine Kostprobe des gewachsenen Luzerner Selbstvertrauens.

Das Minimalziel der Luzerner ist aber, nicht zu verlieren. «Wenn es letztlich nur ein Punkt sein sollte, werden wir damit leben können», bekennt Frick. Anders ausgedrückt lautet das FCL-Motto: Verlieren verboten!

FCL: Mit Campo gibt es auch spielerische Ansätze

Für den sanften Aufschwung und das gewachsene Selbstvertrauen des FC Luzern steht Samuele Campo. Er war zum Start der Luzerner Zeitrechnung unter Mario Frick und dessen ungeniessbaren Kick nicht mit von der Partie, als die Truppe gegen Basel (0:3) und Lugano (1:2) keine offensiven Lösungen fand (zentralplus berichtete).

Der gebürtige Basler stand erst nicht im Aufgebot. Danach schmorte der Regisseur über die gesamte Spieldauer auf der Luzerner Ersatzbank.

«Nach der harten Vorbereitung über die Winterpause fühle ich mich so fit wie noch nie beim FCL.»

FCL-Regisseur Samuele Campo

Aber als der aktuelle Cupsieger gegen den um zwei Klassen tiefer engagierten FC Biel gefordert war, das Spiel zu gestalten, stand Samuele Campo erstmals in der Startformation. Er schoss dabei sein überhaupt erstes Saisontor für den FCL und gab seine dritte Torvorlage 2021/22.

Das sind nun, weiss der Fussball-Gott, keine beeindruckenden Skorer-Werte. Aber mit dem begnadeten Linksfuss in der Startformation sollte es mit dem FCL schrittweise aufwärts gehen. Und bekamen Mario Frick und der FCL eine Vorstellung davon, dass der Erfolg auch mit spielerischen Mitteln zu erreichen ist.

FCL: Jetzt steht Campo auch defensiv seinen Mann

Die Entwicklung, dass Samuele Campo in dem neu körperbetonten FCL-Spielstil eine zentrale Rolle einnehmen kann, ist aber eine erstaunliche. In der Vorrunde mimte der 1,77 Meter grosse Künstler meist einen zerbrechlichen Freigeist, der im Angriffsspiel seine Ideen nicht umsetzen und in der Rückwärtsbewegung erst recht nichts Positives bewirken konnte.

In jüngster Zeit ist seine Anbindung an das Spiel der Luzerner so gut wie noch nie. Als Ideengeber im Vorwärtsgang kommt der 26-Jährige viel besser zur Geltung und defensiv arbeitet er nach bestem Wissen und Gewissen zurück. Wie erklärt sich Samuele Campo seine positive Entwicklung?

Er sagt zu zentralplus, dass seine lange Anlaufzeit beim FCL mit Blinddarm-Operation und Knieverletzung in der Vorrunde zu berücksichtigen sei. «Der Fussball unter Fabio Celestini war sicher auch gut. Aber die Situation, in der sich die Mannschaft damals mental befand, war eine schwierige.»

Jetzt ist offenbar alles anders. «Wir haben als Team mehr Selbstvertrauen. Das hohe Anpressen liegt mir. Zudem fühle ich mich nach der harten Vorbereitung über die Winterpause so fit wie noch nie beim FCL», sagt Samuele Campo.

Allerdings wird erst das Resultat im Duell der beiden abstiegsgefährdeten Klubs am Sonntagabend einen weiteren Anhaltspunkt dafür liefern, wie die aktuelle Entwicklung beim FC Luzern zu bewerten ist.

Verwendete Quellen
  • Persönliches Gespräch mit Samuele Campo und Mario Frick.
  • FCL-Statistik.

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