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Überleben der Klubs steht im Vordergrund
Lohnverzicht beim EVZ? Das rät ein Spieleragent seinen Klienten

  • Lesezeit: 4 min
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Zugs Topskorer Grégory Hofmann ist einer der Klienten von Spieleragent Daniel Giger. (Bild: Marc Schumacher/freshfocus)

Die Corona-Krise bringt viele Klubs in der National League in Existenznot. Je länger sie dauert, desto ernster wird der Überlebenskampf. Die Spieler mit zum Teil fürstlichen Salären stellen den höchsten Ausgabenposten dar. Welches Entgegenkommen darf man nun von ihnen erwarten?

Ende April wird der EVZ seinen gut 120 Festangestellten noch den vollen Lohn überweisen. Wie es mit dieser Praxis danach weitergeht, will die Klubführung erst noch entscheiden.

CEO Patrick Lengwiler befürchtet, dass die Corona-Krise einen Rückgang beim Saisonaboverkauf, negative Auswirkungen im Sponsoringbereich und wegen des Meisterschaftsabbruchs weniger TV-Geld nach sich ziehen könnte. Deshalb erwartet er auch von den Profis einen Lohnverzicht in ungenannter Höhe (zentralplus berichtete).

Soll der Lohnverzicht über die 20 Prozent hinausgehen, welche die EVZ-Profis mit der am 20. März eingeleiteten Kurzarbeit hinnehmen müssen?

Gut 200’000 pro Monat aus der Staatskasse

Der maximal versicherte Jahreslohn bei der Arbeitslosenversicherung (ALV) beträgt 148’000 Franken. Bei Kurzarbeit werden 80 Prozent vom Staat übernommen, also 118’400 Franken. Die Differenz zwischen den 148’000 Franken und dem im Spielervertrag vereinbarten Salär richtet weiterhin der Klub aus.

Ein Spieler büsst während der Dauer der Kurzarbeit also rund 2’500 Franken pro Monat ein. Das trifft einen Topverdiener vergleichsweise weit weniger als einen Arbeitnehmer, der mit einem Monatslohn von 6’000 Franken Kurzarbeit schlucken muss.

Geht man davon aus, dass mindestens drei Viertel eines 23-Mann-Kaders im den maximalen ALV-Jahreslohn von 148’000 Franken übertreffen, kann ein Klub pro Monat gut 200’000 Franken an Löhnen der Staatskasse zur Auszahlung überlassen.

Giger: Zusammenstehen und mithelfen

Aus Sicht eines NL-Klubs ist das aber bloss ein Tropfen auf den heissen Stein. Denn er ist fortwährend auf neue Einnahmen angewiesen, um das Geschäft am Laufen zu halten.

Aber die Liquidität geht wegen der Ungewissheit und den Auswirkungen von Corona zur Neige. Der für gewöhnlich im Mai lancierte Verkauf von Saisonabos muss vielleicht hinausgeschoben werden, solange nicht klar ist, ob die neue Saison Mitte September gestartet werden kann.

«Im Vordergrund steht das Überleben des Klubs und des Schweizer Eishockeys.»

Spielerberater Daniel Giger

Je länger die Corona-Krise geht, umso mehr sind die NL-Klubs in ihrer Existenz bedroht.

Spielerberater Daniel Giger von der in Zug domilizierten Beratungsfirma «4sports» kann sich sehr gut vorstellen, dass die Spieler sich bereit erklären werden, in einer solch aussergewöhnlichen Krise ihren Anteil zu leisten, um das Überleben ihrer Klubs zu unterstützen: «Wenn ein Klub wahr und klar darlegen kann, welche Mindereinnahmen durch die Corona-Krise ausgelöst wurden, müssen wir alle, die vom Eishockeybusiness leben, zusammenstehen und mithelfen», sagt er. «Im Vordergrund steht das Überleben des Klubs und des Schweizer Eishockeys. Geht ein Klub Konkurs, schadet das allen Beteiligten.»

Der Haken an der Geschichte

Giger, der in der EVZ-Mannschaft Titulare wie Grégory Hofmann, Lino Martschini, Oscar Lindberg oder Trainer Dan Tangnes betreut, schwebt konkret folgendes Szenario vor: «Muss ein Verein als Folge der Corona-Krise eine signifikante Einbusse beim geplanten Budget hinnehmen, muss er zwingend Kosten reduzieren, die sicher auch teils über die Lohnkosten der Spieler abgedeckt werden müssen.»

Er kann sich vorstellen, dass es einen ligaübergreifenden Ansatz geben werde, den die Klubs gemeinsam definieren. «Wie hoch eine Lohnreduktion in Prozent ausfallen wird, kann man meines Erachtens noch nicht sagen, da die Auswirkungen der Corona-Krise zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht zu beziffern sind.»

Zentrale Voraussetzung für diese Vorgehensweise sei es, dass die Klubs mit den Spielern und deren Agenten einen transparenten und vertrauenswürdigen Austausch haben. 

«Falls ein Spieler partout keinen Lohnverzicht akzeptieren will, kann es sehr gut sein, dass er von den restlichen Klubs nicht kontaktiert wird.»

Für den Fall, dass die nächste Saison trotz aller Umstände erfolgreich und darum finanziell besser läuft als erwartet, findet Giger, dass es Bestandteil einer Abmachung sein sollte, dass der Klub am Saisonende ein paar Prozent als Malus-Minderung an die Spieler zurückerstatten sollte. 

Was verantwortungsvoll und gut tönt, hat aber einen Haken. Keiner der Spieler kann zu einem Lohnverzicht gedrängt werden. Ohne seine Einwilligung geht nichts. Juristisch gesehen liegt ein Vertragsbruch vor, wenn der Arbeitgeber seinen finanziellen Pflichten nicht vollumfänglich nachkommt – und der Spieler wäre sofort verfügbar auf dem Transfermarkt.

Halten sich alle Klubs daran?

Aber auch für dieses Problem sieht Giger einen Ansatz, den die Klubs unter sich vereinbaren könnten: «Falls ein Spieler partout keinen Lohnverzicht akzeptieren will, werden sich die Klubs untereinander austauschen – und es kann sehr gut sein, dass dieser Spieler von den restlichen Klubs nicht kontaktiert wird.»

Aber das Ansinnen funktioniert nur, solange sich alle Klubs daran halten – und kein Spieler wegen Verletzung des Kartellgesetzes vor Gericht klagt.

«Wir sitzen alle im gleichen Boot und müssen gemeinsam eine vernünftige Lösung finden.»

«Die Krise fordert von uns allen ihren Tribut», sagt Giger. «Das Leben wird in zwei, drei Monaten nicht einfach so weitergehen, wie wir es uns vor dem Corona-Virus gewohnt waren.» Deshalb plädiert Zugs Meisterspieler von 1998 für «weitsichtiges Handeln. Wir sitzen alle im gleichen Boot und müssen gemeinsam eine vernünftige Lösung finden.»

Wohl erst in zwei Monaten werden Zugs CEO Patrick Lengwiler und die anderen Eishockey-Macher im Lande abschätzen können, wie schwer ihr Klub von der Corona-Krise finanziell getroffen wurde.

Vielleicht wird Giger bis dahin noch Überzeugungsarbeit bei dem einen oder anderen Klienten leisten müssen.

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