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Swissporarena bekommt gute Noten von Betroffenen
Im Rollstuhl ans FCL-Spiel: Kleine Schwellen, grosse Hingabe

  • Lesezeit: 5 min
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Eingefleischte Fans: Tschügge Meyer (Mitte) und seine «Rollstuhl-Gang». (Bild: pze)

Ein Spiel des FCL live zu erleben ist für Rollstuhlfahrer seit dem Bau der Swissporarena deutlich einfacher geworden. Der Verein hat einiges unternommen, um die Match-Besuche für Menschen mit Behinderung so unkompliziert wie möglich zu gestalten. Es gibt viel Lob, aber auch kritische Worte seitens der Betroffenen.

Diesen Montag ist wieder ein Heimspiel. Die Besucher auf den Rollstuhl-Plätzen sind eingefleischte Fans, die Vorfreude auf das Spiel ist gross – auch wegen der jüngsten Resultate. Man verpflegt sich noch kurz, denn bald rollt der Ball. Verpassen will man hier nichts.

Die Rollstuhlfahrer machen einen kleinen, aber enthusiastischen Teil der Fans in der Swissporarena aus. Esther Oberholzer, Behindertenverantwortliche des FC Luzern und Mitarbeiterin im Führungsteam Stadionsicherheit, sagt: «Wir wollen behinderten Menschen ermöglichen, möglichst unkompliziert Fussballspiele zu erleben.»

Gratis ans Spiel

Das Behindertenkonzept des FC Luzern wurde mit dem neuen Stadion nach Normen der Barrierefreiheit umgesetzt. «Der FCL kam damit den Vorgaben der Liga zuvor», sagt Oberholzer. In der Swissporarena befinden sich die Plätze nun am Rand der VIP-Tribünen, einerseits hin zu den Stehplätzen, andererseits hin zum Familiensektor (siehe Bild).

Der Situationsplan der Swissporarena mit eingezeichneten Rollstuhlsektoren.

Der Situationsplan der Swissporarena mit eingezeichneten Rollstuhlsektoren.

(Bild: screenshot Homepage)

Insgesamt bietet das Stadion 32 Rollstuhlplätze an. Das ist vergleichbar mit anderen modernen Stadien derselben Grösse: Beim FC Thun gibt’s beispielsweise deren 33, beim FC St. Gallen 29.

Ausverkauft waren die Plätze beim FC Luzern noch nie. Nur bei Länderspielen sei man restlos ausgebucht – weil dort die Zuschauer aus der ganzen Schweiz anreisen würden, sagt Oberholzer.

Alleine ans Spiel dank Sicherheitskonzept

«Dank unseres Evakuierungskonzepts können wir im Notfall die Sicherheit für Menschen im Rollstuhl auch ohne die Hilfe einer Begleitperson gewährleisten», sagt Oberholzer.

«Man muss die Rollstuhlfahrer und ihre Anliegen mit Respekt behandeln.»

Fredy Koller, Steward für die Behindertenplätze

Das ist nicht überall so: Im Stade de Suisse beispielsweise braucht ein Besucher im Rollstuhl aus Sicherheitsgründen immer eine mündige Begleitperson. Oberholzer sagt, Mündigkeit garantiere noch nicht, dass man im Notfall einen erwachsenen Menschen evakuieren könne. Dafür brauche es Fachpersonal, so die 45-Jährige.

Begleitpersonen sind dennoch erlaubt. In Luzern zahlt auch nur die Begleitperson Eintritt – das Spiel ist für Menschen im Rollstuhl, die alleine kommen, kostenfrei. Für die Begleitung zahlt man jeweils den Preis eines Stehplatztickets. 

Zwei Stewards nur für die Rollstuhlfahrer

Um den Rollstuhlfahrern den Zugang zum Spiel so einfach wie möglich zu gestalten, stehen Oberholzer ihre zwei treuen Seelen zur Seite: Fredy Koller und Johann Bründler. Die beiden Stewards sind während des Spiels ausschliesslich für die Rollstuhl-Plätze verantwortlich.

Esther Oberholzer ist verantwortlich für das Behindertenkonzept des FCL.

Esther Oberholzer ist verantwortlich für das Behindertenkonzept des FCL.

(Bild: pze)

Koller ist ein FCL-Urgestein, seit 48 Jahren setzt er sich für den Verein ein. Im Allmend-Stadion noch Platzwart, wechselte er mit dem Bau der Swissporarena zu den Behindertenplätzen. Dank jahrelanger Erfahrung in der Altenpflege ist er eine grosse Hilfe für Esther Oberholzer. Seine Grunddevise: «Man muss die Rollstuhlfahrer und ihre Anliegen mit Respekt behandeln.» Dann entstünden spannende zwischenmenschliche Beziehungen. «Man kennt sich inzwischen sehr gut», so Koller.

 «In der Allmend oder im Gersag war es für behinderte Menschen kein Vergnügen.»

Gisela Simon, FCL-Fan im Rollstuhl

Das sieht auch Johann Bründler so. Er erzählt: «Ein Besucher fragt immer, ob ich ihm in der Pause sein Z’Obig hole – dabei weiss er genau, dass ich nicht von meinem Posten weg kann.» Gleichzeitig wisse Bründler, dass der Zuschauer trotz Rollstuhl den Imbiss sehr wohl selber holen könne. «Er versucht es trotzdem fast an jedem Spiel», sagt er lachend.

Zu wenig Parkplätze, tückische Schwellen

Diese Nähe zu den Stewards ist auch den Rollstuhlfahrern wichtig. Gisela Simon feuert den FCL an jedem Heimspiel an. Sie sagt: «Wenn Fredy nicht da ist, ist der Unterschied spürbar wie Tag und Nacht.» Kenne man sich länger, erübrigten sich viele Hindernisse im Vornherein. «Ist jemand das erste Mal da, muss ich viel erklären», sagt sie.

Gisela Simon verpasst kein Heimspiel des FC Luzern.

Gisela Simon verpasst kein Heimspiel des FC Luzern.

(Bild: pze)

Simon kennt die Abläufe in der Swissporarena bestens. Sie sagt: «Ich komme immer mindestens eine Stunde vor Anpfiff her.» Sonst riskiere sie, dass die Behindertenparkplätze vor dem Stadion besetzt seien – die zehn von der Stadt bereitgestellten Parkgelegenheiten vor dem Stadion reichten nicht aus, so Simon. Und anderswo parken könne mit viel Aufwand verbunden sein.

Ausserdem zeigt Simon auf: Die Einhaltung der Normen ist nicht für alle Menschen im Rollstuhl gleichbedeutend mit hindernisfrei. Simon kann nur noch Teile des linken Arms benutzen. «Die kleine Schwelle beim Eingang», sagt sie an Esther Oberholzer gerichtet, «die ist für mich ohne Hilfe nicht zu schaffen.»

Offen für direktes Feedback

Trotz der Schwierigkeiten: Simon gibt der Swissporarena sehr gute Noten. Das Team sei sehr hilfsbereit und Hindernisse würden oft durch offene Kommunikation schnell behoben. Das Fussballerlebnis sei dank den getroffenen Massnahmen im neuen Stadion nicht mit früher zu vergleichen. «In der Allmend oder im Gersag war es für behinderte Menschen kein Vergnügen», so Simon. Jetzt kann sie sich die Spiele in Begleitung ihres Mannes – natürlich je nach Resultat – gelassener ansehen.

Esther Oberholzer zeigt sich offen für das direkte Feedback der Besucherin. «Es ist auch für mich wertvoll, direkte Rückmeldungen zu erhalten», sagt sie. «Denn oft dringt Kritik gar nicht bis zu mir durch.» 

«Rollstuhl-Gang» geniesst Stimmung

Auf den Rollstuhl-Plätzen haben sich drei junge Männer eingefunden. Alle tragen sie FCL-Fanartikel. «Es ist ein tolles Angebot vom FCL», sagt Tschügge Meyer. Er komme seit sechs Jahren zu den Spielen und sei rundum zufrieden. Sein Freund Philippe Stöckli ergänzt: «Seit es die S-Bahn-Station Allmend gibt, ist sogar die Anreise viel einfacher.» 

Die Rollstuhlplätze geben eine gute Sicht aufs Spielfeld.

Die Rollstuhlplätze geben eine gute Sicht aufs Spielfeld.

(Bild: pze)

Die «Rollstuhl-Gang», wie Meyer sich und seine Freunde nennt, sei immer hier – gleich neben den Stehplätzen der FCL-Fans. Hier sei die Stimmung besser als auf der anderen Seite.

Investitionen eine Frage der Verhältnismässigkeit

Doch auch beim FCL könnten immer noch mehr Massnahmen für behinderte Menschen umgesetzt werden, gibt Oberholzer unverhohlen zu. Sie sagt: «Änderungen am Stadion sind immer mit Investitionen verbunden. Da muss die Verhältnismässigkeit gewahrt bleiben.» So könne man beispielsweise nicht für einen einzelnen Gast alle Geländer im Stadion blindengerecht gestalten. «Das würde den Rahmen sprengen», so Oberholzer.

Die FCL-Sicherheitschefin wünscht sich, dass noch mehr Menschen mit Behinderung die Heimspiele besuchen würden. «Viele wissen gar nicht von unserem Angebot und wie einfach ein Besuch des Stadions inzwischen trotz Rollstuhl ist», sagt sie. Am Ende des Spiels sind ihre Gäste jedenfalls glücklich. Wenn der FCL als Sieger vom Platz geht, umso mehr.

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