FC Luzern Sport

2009 rettete er die Luzerner in der Barrage
Fringer: «Der FCL muss sich den Ligaerhalt verdienen»

  • Lesezeit: 5 min
  • Kommentare: 4
  • FC Luzern
Die sportliche Situation des FC Luzern ist nicht zum Lachen: Für TV-Experte Rolf Fringer geht der Ligaerhalt der Luzerner nur über Mentalität und Charakter. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Der FC Luzern liegt nach seinem zweiten Spiel im 2022 sportlich am Boden. Unter seinem neuen Trainer Mario Frick hat sich die Krise verschärft. Gibt es noch Hoffnung? zentralplus redete mit jenem Mann, der den FCL in der letzten Dekade vor der Zweitklassigkeit bewahrt hatte.

Nach dem 0:3 gegen Basel bei der Luzerner Heimspiel-Premiere von Mario Frick eine Woche später ein 1:2 in Lugano (zentralplus berichtete): Die beiden Niederlagen haben das Umfeld des Tabellenletzten in seinen Grundfesten erschüttert.

Der FC Luzern hat in beiden Spielrichtungen eine trostlose Leistung abgeliefert (zentralplus berichtete). War’s das?

Wir haben bei Rolf Fringer nachgefragt, der den FCL 2008/09 aus einer sportlich ähnlich hoffnungslosen Situation heraus rettete. Ein paar Jahre später wurde er zudem Sportchef der Luzerner und Vorgänger von Remo Meyer. Was ist jetzt zu tun?

zentralplus: Rolf Fringer, nach zwei Niederlagen in zwei Meisterschaftsspielen 2022 ist die Wirkung des jüngsten Trainerwechsels im Umfeld des FC Luzern bereits verpufft. Wie kann man jetzt einen Booster kreieren?

Rolf Fringer: Für mich ist es ein bisschen zu hart, zu sagen, die Impulse des neuen Trainers Mario Frick seien schon verpufft. Klar: Punktgewinne und erst recht Siege stärken den Glauben einer Mannschaft in einen neuen Chef. Aber es ist ein Stück weit unglücklich verlaufen, dass statt Zuversicht bereits Enttäuschung zu spüren ist.

zentralplus: Warum?

Fringer: Ich möchte mildernde Umstände für Mario Frick geltend machen: In seinen Jobanfang beim FCL fielen Corona-Fälle unter den Spielern, dazu kamen eher späte Neuverpflichtungen und der Ausfall des Trainingslagers. Für einen in der Winterpause neu engagierten Trainer, der seine neuen Spieler kennenlernen und spüren will, ist ein solcher Zusammenzug extrem wichtig.

«Das sind korrigierbare Fehler, die ein Trainer in der nötigen Zeit abstellen kann und muss.»

Rolf Fringer, ex-FCL-Trainer und Sportchef

zentralplus: Haben Sie noch Hoffnung, dass diese Saison für den FC Luzern nicht im Abstieg endet?

Fringer: Aber sicher. Die Herangehensweise von Mario Frick an seine neue Aufgabe halte ich für die richtige. Zwar hat der neue Chef zweimal verloren, aber die Rahmenbedingungen waren meiner Einschätzung nach eben sehr schwierig, um zu erwarten, dass die Mannschaft den Tritt gleich finden und gewinnen könnte. Ich fand es auch richtig, die Spielanlage des FCL von einem schwierigen auf ein einfaches Level runterzuholen.

zentralplus: Das müssen Sie erklären. Defensiv wie offensiv ist beim FCL bis jetzt keine Besserung seit der Entlassung von Cupsieger-Trainer Fabio Celestini eingetreten. In den nachfolgenden sechs Meisterschaftsspielen hat der FCL ärmliche zwei Punkte ergattert.

Fringer: Im Gegensatz zur Vorrunde sind den Luzernern die Gegentore ja nicht wegen einer riskanten Spielweise aus der eigenen Hälfte entstanden. Es war ja geradezu Slapstick, wie Marco Burch für den ersten Gegentreffer des FCL in Lugano besorgt war. Und beim 1:2 darf der neuverpflichtete Denis Simani als Letzter einer Fehlerkette nicht gut zwei Meter Distanz zum Torschützen haben. Aber das sind korrigierbare Fehler, die ein Trainer in der nötigen Zeit abstellen kann und muss.

zentralplus: Aber mit Verlaub: Sie reden eine nach wie vor defensive Fehleranfälligkeit schön. Dazu kommt jedoch, dass beim FCL im Vorwärtsgang auch nichts läuft. Bis jetzt lassen sich die Luzerner Offensivbemühungen auf das Schlagen weiter Bälle reduzieren. Das kann es nicht sein.

Fringer: Ihre Darstellungsweise ist mir etwas zu extrem. In erster Linie muss es darum gehen, dass sich der FCL in der Vorwärtsbewegung keine blöden Ballverluste mehr leistet, die wie in der Vorrunde mit Gegentoren bestraft worden sind. Dieses Risiko ist bei den beiden Niederlagen gegen Basel und Lugano deutlich minimiert worden.

zentralplus: Aber Ihre Aussage ist jetzt auch nicht gerade als Fürsprache für die schmerzlich vermisste Offensivkraft des FC Luzern zu werten.

Fringer: Seien wir ehrlich: Es muss doch allen FCL-Anhängern nach den ersten zwei Spielen klar sein, dass es ihrem Herzensklub kaum gelingen wird, dem neunten oder zehnten Platz zu entgehen. St. Gallen mit aktuell neun Punkten Vorsprung hat sich gegenüber der Vorrunde gesteigert. Aufsteiger GC als auch Sion scheinen erst recht genügend Distanz auf den FCL zu besitzen. Aber die Luzerner sind in jedem Fall individuell besser besetzt als Lausanne. Nur läuft ihre Maschinerie noch nicht hochtourig.

zentralplus: Was also ist nun das Rezept aus Sicht der abstiegsbedrohten Luzerner?

Fringer: Mario Frick und seine Luzerner können den Ligaerhalt nur schaffen, wenn sie mit totaler Solidarität, tollem Charakter und einer gewissen Winner-Mentalität zusammen bis ans Ende dieser Meisterschaft gehen. Der FCL muss sich den Ligaerhalt verdienen.

«Für ein solches Szenario muss man im Kopf bereit sein.»

zentralplus: 2008/2009 haben Sie den FC Luzern in einer vergleichsweise aussichtslosen Mission über die Barrage gegen Lugano vor dem Abstieg bewahrt. Gibt es eine vergleichbare Analogie zu heute?

Fringer: Wir haben uns damals immer vor Augen geführt, dass wir im Kampf um den Ligaerhalt, wenn es sein muss, in der letzten halben Stunde Spielzeit die Entscheidung zu unseren Gunsten herbeiführen werden. Für ein solches Szenario muss man im Kopf bereit sein. Dann kann man es auch realisieren.

zentralplus: Der FC Luzern liegt aktuell am Boden. Was kann der aktuelle Trainer Mario Frick tun, um seine Mannschaft aufzurichten und zusammen zu schweissen?

Fringer: Ich würde alles dafür tun, um die negativen Gedanken von der FCL-Garderobe fernzuhalten. So simpel es tönt: Das kann ein Grillabend mit den Spielern und deren Partnerinnen sein. Gleichzeitig kann man auch positive Spielformen in die Trainingseinheiten, die den Spielern Spass machen und Erfolgserlebnisse vermitteln, einbringen. Die Freude sollte im Zentrum stehen, damit auch wieder eine gewisse Leichtigkeit entstehen kann.

zentralplus: Und was sollten Mario Frick und die Spieler tunlichst vermeiden?

Fringer: Sicher nicht in Selbstmitleid verfallen. Sie müssen bereit sein, alle Widerstände selbstkritisch zu bekämpfen.

zentralplus: Am Mittwochabend trägt der aktuelle Cupsieger sein Viertelfinal-Auswärtsspiel bei dem um zwei Klassen tiefer beheimateten Biel aus. Welche Bedeutung hat diese Partie für den um den Ligaerhalt kämpfenden FCL?

Fringer: Eine grosse. In der Situation der FCL-Spieler gibt dir jeder Sieg ein gutes Gefühl und viel Mumm, ganz egal, wie hoch ein solcher zu Stande kommt. Ein Erfolgserlebnis kann viel Positives auslösen in den Köpfen der Spieler.

zentralplus: Und im um umgekehrten Fall?

Fringer: Ich wünsche dem FCL die Rückkehr auf die Erfolgsstrasse. An einen anderen Ausgang mag ich nicht denken.

Verwendete Quellen
  • Aktuelles Gespräch mit TV-Experte Rolf Fringer.
  • Gespräche mit Mario Frick.
  • Eigene Erfahrungen und Erlebnisse mit dem FCL aus den Jahren vor und nach 2009.
Weitere Quellen
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4 Kommentare
  1. P. Kuenzi, 08.02.2022, 17:39 Uhr

    Der Mann ist der meistentlassenste Arbeitnehmer der Schweiz. 14x musste der Kamerad vorzeitig den Spind räumen. Man hört da in der Tat abstrusse Vorgänge, die der Mann – nicht nur beim FCL – konstruiert hat.
    Lustig auch, dass er im Teleclub erzählt hat, den Transfer von Remo Freuler zu Atalanta angewickelt zu haben. Nur war der Gute da bereits beim FCL zum 2x entlassen. Diese Geschichte dagt eigentlich alles.
    Ohne Fringer geht’s ringer – das wissen mittlerweile fast alle!

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    1. Michel von der Schwand, 09.02.2022, 08:29 Uhr

      Freuler deütierte übrigens bei Atalanta Bergamo am 7. Februar 2016 und Rolf Fringer wurde als Sportchef beim FC Luzern am 7. Januar 2016. So gesehen ist es durchaus plausibel, dass Rolf Fringer diesen Wechsel noch abgewickelt hat.

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  2. Michel von der Schwand, 08.02.2022, 11:34 Uhr

    Rolf Fringer ist und bleibt der richtige Mann für den FC Luzern. Schade, dass man es in Luzern nicht auf die Reihe gekriegt hat. Da können die Herren Wolf und Meyer sehr viel lernen. Rolf Fringer bleibt stets ruhig, besonnen und weitsichtig. Ich bin davon überzeugt, dass der FC Luzern mit solchen Menschen weiter wäre, als der Verein es heute ist.

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    1. Jürgen Mohr, 08.02.2022, 16:32 Uhr

      Fragen Sie mal das nahe FCL-Umfeld über die Zeiten von R.F. damals……da gibts leider nicht viel Gutes zu hören….Intrigen, Lügen usw…..wenn er so gut wäre, wie von Ihnen beschrieben, warum ist er seit Jahren nicht mehr im «Geschäft»….?

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