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Es muss die Eier legende Wollmilchsau sein
FCL sucht einen Heilsbringer, den es wohl gar nicht gibt

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Die qualitativ limitierten Luzerner benötigen ein taktisches Konzept, das die vielen Negativerlebnisse aus der Hinrunde überwinden kann. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Die Spieler limitiert und mental am Boden, der Sportchef angeschlagen und die Klubleitung nicht trittsicher: Der neue Trainer, den der Tabellenletzte FC Luzern spätestens zum Neujahrsbeginn verpflichtet haben will, steht vor einer Herkulesaufgabe. Kann einer überhaupt so viele Kompetenzen haben, um alle Luzerner Problemzonen zu meistern?

Der FCL ist in diesen Tagen daran, einen Trainertyp vom Schlage eines Fabio Celestini als Nachfolger des überforderten Interimstrainers Sandro Chieffo zu evaluieren. Er wolle seinem Grundsatz, den FCL mutigen, attraktiven und aggressiven Offensivfussball treu bleiben, sagte FCL-Sportchef Remo Meyer kürzlich im Interview mit zentralplus.

Doch zunächst muss der Neue den Tabellenletzten von den wachsenden Abstiegssorgen befreien. Und das geht in erster Linie über eine sattelfeste Defensive, zumal dem aktuellen FCL-Kader hinsichtlich Qualität und Leadership enge Limiten gesetzt sind (zentralplus berichtete).

Der vor zwei Spieltagen gefeuerte Fabio Celestini konnte beides. Anfang 2020, als der 46-jährige Romand beim FCL die Verantwortung für das Geschehen auf dem Platz übernahm, und im darauffolgenden Jahr bewahrte er die Seinen vor dem Fall in die Zweitklassigkeit. Ehe er sich daran machte, im diesjährigen Cupfinal sein spielerisches Meisterstück mit dem FC Luzern abzuliefern.

FCL-Verwaltungsrat agiert so, als hätte er keine Fussballkompetenz

Der «Fabio Celestini 2.0» muss ein breites Fachwissen auf sich vereinen. Und Charisma besitzen, damit er die Spieler für seine Vorstellung von erfolgreichem begeistern und Vertrauen in der Öffentlichkeit schaffen kann. In den letzten Wochen und Monaten ist dem FCL mit seinem sportlichen Kriechgang und dem Unvermögen in der Klubführung einiges an Goodwill verloren gegangen.

Das Problem? Trainer, die diesem Anforderungsprofil gerecht werden, besitzen in aller Regel auch eine starke Persönlichkeit. Doch im Umgang mit diesen tut sich die Luzerner Führungsriege schon seit Jahren schwer. Jüngstes Beispiel ist die unrühmliche Trennung von Fabio Celestini (zentralplus berichtete).

FCL-Sportchef Remo Meyer ist nach dem Scheitern Celestinis, dem Fehlgriff mit dem von der U21 zum Interimstrainer beförderten Sandro Chieffo und der Impf-Verweigerung in seinem Ruf angeschlagen (zentralplus berichtete). Volkes Zorn wird ihn aus dem Job fegen, wenn Luzerns erstmaliger Abstieg seit 2003 nicht abgewendet werden kann.

Und der seit Februar angeblich mit fussballerischer Fachkompetenz ausgestattete Verwaltungsrat der Luzerner agierte bislang so, wie wenn er keine hätte. Bis jetzt beschränkte sich sein Input darauf, vom Trainer uneingeschränkte Loyalität zum FCL zu fordern. Da wird auf einer moralinen Ebene gespielt anstatt auf einer strategischen. Als ob es auf dem Planeten Fussball nicht gang und gäbe wäre, dass Spieler wie Trainer mit anderen Arbeitgebern reden.

Darum muss der FCL die Katze im Sack kaufen

Zusammengefasst müssen Trainerkandidaten ins Assessment, die diesem FCL-Profil entsprechen: Taktisch begnadet, führungsstark, aber nicht erdrückend, zuversichtlich, aber nicht unrealistisch, Nibelungentreue schwörend auf den Verein und die Führungsetage.

Optimal, wenn die Persönlichkeit des neuen FCL-Cheftrainers ein Mittelding zwischen Fabio Celestini und Sandro Chieffo wäre. Nicht zu stark, aber auch nicht schwach. So stehen die Chancen wohl am besten, mit der zur Zeit auf wackligen Füssen stehenden Klub-Obrigkeit auf Augenhöhe zusammenarbeiten zu können.

Trotz klar umrissenem Profil folgt die aktuelle Trainersuche des Tabellenletzten dem Prinzip Hoffnung. Weil dieser sich mit der voreiligen Beförderung Chieffos den Weg verbaut hat, nochmals auf eine interne Lösung setzen zu können.

Chieffo traf die Wahl offensichtlich unvorbereitet. Es spricht für ihn, dass er sich dieser Herausforderung stellen wollte. Es spricht gegen ihn, dass er sich selber in der Aufgabenstellung überschätzte. Bereits nach einem Spiel entzog Sportchef Remo Meyer dem Interimstrainer faktisch das Vertrauen (zentralplus berichtete). Lässt ihn aber trotzdem bis Weihnachten gewähren. Denn ein Wort ist ein Wort.

Darum bleibt dem FCL im Hinblick auf das neue Jahr nichts Anderes übrig, als die Katze im Sack zu kaufen – und einen Trainer zu verpflichten, von dem man erst im Tagesgeschäft wissen wird, wie er im Zusammenspiel mit dem Team und im Verein wirklich funktioniert.

Dem FCL fehlt seit Jahren ein Profil

Falls der Neue den FCL tatsächlich vor der drohenden Relegation bewahren kann, wird er unweigerlich Gefahr laufen, in die seit dem «Fall Celestini» aufgebaute Luzerner Loyalitätsfalle zu tappen. Denn die sportliche Perspektive, die dieser FC Luzern bieten kann, ist für Cheftrainer mit Ambitionen so verheissungsvoll wie das Betreiben eines Bademode-Geschäfts in Grönland.

Wer als Trainer in Luzern mit diesem Team und diesem Umfeld gute Arbeit leistet, weckt anderswo Begehrlichkeiten. Diese sind in jedem Fall verlockender sind als das lotterige Konstrukt FCL. Das war bei Gerardo Seoane so, das war bei Fabio Celestini so.

Darum muss die Klubführung eilig Antworten auf die Frage finden, warum sich jene Trainer, die ihre Fähigkeiten beim FCL unter Beweis stellen, schnell nach einem attraktiveren Arbeitgeber umsehen. Und warum jene Spieler, die ihre internationale Karriere einst beim FCL lancierten, in fortgeschrittenem Alter kaum mehr zu ihrem Stammklub zurückkehren.

Die Antwort darauf liegt auf der Hand: Dem FCL fehlt seit unzähligen Jahren ein klar erkennbares Profil.

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3 Kommentare
  1. Kaufmann, 10.12.2021, 18:02 Uhr

    NUR einer könnte den Abstieg verhindern
    M A U R I Z I O J A C O B A C C I
    ob der Berner Meyer und Wolf genehm ist ?
    ……. die Spannung bleibt jedoch erhalten,
    gleich in welcher Liga !

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  2. Kalle Rumgekicke, 10.12.2021, 09:58 Uhr

    Hofberichterstattung? Sowie die LZ, deren Starreporter D.W. mit seinem Beitrag Herr Celestini zum Abschuss freigab? Ich schätze die Fachkompetenz von Herrn Ineichen auch, doch langsam reicht es mit dem FCL-Bashing. Von ihm, der vor kurzer Zeit noch den FCL-Sportchef in den Himmel lobte, erwarte ich auch mal Lösungsvorschläge. Wen sieht er als Trainer? Warum sprechen wir nicht über die dringenden Neuzuzüge in der Winterpause. YB hat nach dem Europa-Aus definitiv zu viele Spieler im Kader und wäre garantiert zu Ausleihen und/oder Transfers bereit. Sulejmani würde den FCL zweifellos weiterbringen. Und wenn Nsame zurückkehrt, wird da auch ein guter Stürmer überzählig. Es braucht für alle drei Achsen eine Topverpflichtung, dann ist der Ligaerhalt und vielleicht sogar ein erneuter Cupsieg durchaus machbar. HOPP FCL !

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  3. Berthold Heisterkamp, 10.12.2021, 08:33 Uhr

    Endlich jemand, der es auf den Punkt bringt. Ich danke Herr Ineichen dafür, dass er während dieser ganzen unschönen Affäre um den Celestini-Abgang dranbleibt und vor kritischen Fragen nicht zurückschreckt. Da können sich einige andere Luzerner Medien, die für den FCL Hofberichterstattung betreiben, eine fette Scheibe abschneiden.

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