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Tabellenletzter braucht ersten Saisonsieg

FCL-Offensive lahmt: Jetzt müssen Campo & Co. auftrumpfen

Seine persönliche Zwischenbilanz beim FCL fällt zu 100 Prozent positiv aus: der neue Spielmacher Samuele Campo. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Bloss zwei Tore gelangen den Offensivspielern des FC Luzern in den letzten sechs Meisterschaftsspielen. Wahrlich kein schlagkräftiges Argument, das auf ein Ende des seit Saisonstart andauernden Kriechgangs schliessen lässt. FCL-Regisseur Samuele Campo nimmt's locker – auch wenn im Heimspiel gegen St. Gallen nur der Sieg zählt.

Es ist Mittagszeit und einer dieser herzerwärmenden Sonnentage im Oktober. Samuele Campo bleibt nach der offiziellen Trainingseinheit noch auf dem Spielfeld hinter den Wohntürmen auf der Allmend. Und schiesst zusammen mit Lorik Emini auf das von FCL-Ersatzgoalie Pascal Loretz gehütete Tor.

Ist diese Momentaufnahme dem Fakt geschuldet, dass der Luzerner Neuzugang in diesem Sommer nach sechs Einsätzen mit einem Assist, aber noch ohne Torerfolg dasteht? Samuele Campo sagt zu zentralplus: «Das mache ich gelegentlich, wenn ich merke, dass mir noch ein paar Schüsse aufs Tor gut täten. Dann frage ich einen unserer Goalies, ob er noch etwas Zeit hat.»

Der 26-jährige Linksfuss ist mit einem Vertrag bis 2024 ausgestattet worden, um das vortrefflich funktionierende Offensivspiel der Luzerner in Schwung zu halten. Hinter dem erfolgreichen Titelverteidiger YB trafen die Mannen von FCL-Trainer Fabio Celestini in der letzten Spielzeit am zweitmeisten ins gegnerische Netz. Laut dem aktuell nach wie vor verletzten Teamleader und Stammgoalie Marius Müller war das der Hauptgrund dafür, warum der FC Luzern zunächst den Ligaerhalt und später den ersten Cupsieg seit 29 Jahren schaffen konnte (zentralplus berichtete).

Campo will nicht den Schaub mimen

Nun hingegen lahmt die FCL-Offensive: Die Selbstverständlichkeit, eine Vielzahl von Chancen kreieren und jederzeit einen Treffer erzielen zu können, ist weg. In den letzten sechs Spielen (je ein 1:1 gegen YB, Basel, Sion, GC und Lausanne sowie ein 2:3 gegen Lugano) haben nur zwei Luzerner Offensivspieler einen Torerfolg bejubeln können: Filip Ugrinic und Captain Dejan Sorgic vom Penaltypunkt aus. Das ist jetzt auch schon wieder zwei Spiele her.

«In Basel war ich der Nachfolger von Matias Delgado, und ich habe ihn auch nicht imitiert, sondern mein Spiel durchgezogen.»

FCL-Spielmacher Samuele Campo

Vor allem Sorgic befindet sich in einer Schaffenskrise: Mit Louis Schaub als Vorbereiter machte er in den ersten neun Saisonspielen vor einem Jahr fünf Tore und zwei Assists. Mit Schaubs Nachfolger Samuele Campo hat er sich bloss ein Törchen gutschreiben lassen.

Das spricht noch nicht dafür, dass der 26-jährige Basler schon in den Schuhen von Schaub stehen und das Angriffsspiel der Luzerner inspirieren kann. Aber derlei Kritik perlt an Samuele Campo ab. Er sei nicht hier, um den Schaub zu geben. «In Basel war ich der Nachfolger von Matias Delgado, und ich habe ihn auch nicht imitiert, sondern mein Spiel durchgezogen», sagt er gelassen.

Lange nicht mehr in einer Startelf

Samuele Campo will im Dress der Luzerner seine Karriere neu lancieren (zentralplus berichtete). Mit seinem Start kann er, der bislang vier Meisterschaftsspiele verletzungsbedingt verpasste, ganz gut leben.

«Die Entwicklung geht in die richtige Richtung. Niemand konnte von mir erwarten, dass ich gleich von 0 auf 100 sein werde», hält er mit Blick zurück auf die 18 Spielminuten fest, die er im letzten Halbjahr mit Darmstadt bestreiten durfte.

«Ich fühle mich so gut wie schon lange nicht mehr.»

Diese Erwartung hegte offenbar auch sein Chef Fabio Celestini nicht. Campo erzählt: «Fabio Celestini weiss, dass ich vor meiner Zeit in Luzern lange nicht mehr in einer Startelf stand und dass mir der Rhythmus fehlte. Darum hat es mir gutgetan, dass ich zuletzt gegen YB und Basel zweimal die volle Spielzeit absolvieren durfte. Der Trainer fordert und fördert mich, und ich fühle mich so gut wie schon lange nicht mehr.»

Campo wird an Toren und Assists gemessen

Obwohl der Tabellenletzte je einen Punkt gegen die Branchenleader YB und Basel holte, schwang am Spielende auch immer Enttäuschung darüber mit, dass es ihm nicht zum ersten Saisonsieg und zum befreienden Erfolgserlebnis gereicht hatte. Dennoch glaubt Campo daran, dass es zwei positive Erfahrungen für den FCL gewesen seien. «Wir haben als Team gekämpft und eine gute Leistung abgeliefert. So sind wir in unserer Entwicklung weitergekommen.»

Gegen die letzten beiden Gegner haben die Luzerner ihr Hauptaugenmerk auf eine kompakte Defensivleistung legen können. In den nächsten Spielen gegen St. Gallen, Schaffhausen im Cup, Lausanne, Sion und Lugano müssen sie aber auch offensive Lösungen finden.

Darum sind Kreativspieler wie Samuele Campo umso mehr gefordert. Er ist sich der Erwartungshaltung bewusst und weiss dass «ich Tore schiessen und Assists liefern muss».

Die Dringlichkeit, endlich den ersten Saisonsieg einzufahren, ist stark im Wachsen begriffen. Aber Samuele Campo hat keine Angst davor, dass der FCL am Druck zerbrechen wird. Er sagt: «Zu Beginn der Saison haben wir vielleicht zu viel gewollt und haben uns dabei verkrampft. Jetzt sind wir uns der Realität, in der wir stecken, bewusst. Und das zeigen wir auch auf dem Platz.»

Deshalb hat Samuele Campo keinen Zweifel daran, dass der FCL am Sonntag gegen St. Gallen vor dem ersten Saisonsieg steht. «Mit einer Leistung wie gegen Basel oder YB gewinnen wir gegen jeden Gegner auf Augenhöhe.»

Allerdings fehlt noch der Tatbeweis.

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