Sport
Warum mit Simon Grether in der Startformation?

FCL-Goalie Müller bügelt Fehlgriff seines Trainers aus

Der Mann beim FCL für alle Fälle im Heimspiel gegen Servette: Goalie Marius Mueller (im gelben Dress) kümmert sich um den am Boden liegenden Teamkollegen Lucas Alves (links Marvin Schulz und rechts Martin Frydek). (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Der 3:0-Sieg über Servette ist ein optimaler Start des FC Luzern in die Mission Ligaerhalt. Aber der vierte Saisonerfolg hing an einem seidenen Faden. Weil FCL-Trainer Fabio Celestini ohne personelle Not einen Mann in sein Aufgebot beorderte, der den Gegenentwurf seiner Vorstellung von technisch gepflegtem Fussball personalisiert.

Noch keine einzige Minute ist Simon Grether in den 14 Spielen vor der Winterpause für den FCL zum Einsatz gekommen. Dies verunmöglichte in erster Linie eine Verletzung.

Aber auch die neue Zeitrechnung, die Fabio Celestini beim FC Luzern anbrechen liess. Sein Team sollte nicht mehr nur Fussball arbeiten, sondern vor allem spielen. Und das widerstrebt den Qualitäten von Schwerarbeiter Simon Grether.

Obwohl sein Vertrag im letzten Sommer bis 2022 verlängert wurde, schien sein Platz im Team klar. Der 28-jährige Defensivspieler kam die Rolle eines Notnagels für personell schwierige Zeiten zu.

Emini: «Ich war hässig»

Doch weit gefehlt! Im ersten Spiel 2021 stand Simon Grether plötzlich in der Startformation und der aufstrebende Lorik Emini sass als Ersatzspieler bloss auf der Tribüne. «Ich war hässig, als ich nicht aufgestellt wurde», bekannte der 21-Jährige hinterher, bevor er relativierte: «Aber es wäre ja auch kein gutes Signal gewesen, wenn mir die Nichtberücksichtigung egal gewesen wäre.»

Aber welcher Teufel ritt FCL-Cheftrainer Fabio Celestini bloss? Emini brauchte nur knapp vier Minuten zuzuschauen, bis der ihm vorgezogene Grether prompt einen Penalty für Servette verschuldete. FCL-Goalie Marius Müller verhinderte aber einen Gegentreffer mit einer starken Parade (zentralplus berichtete).

«Jeden wichtigen Moment im Spiel haben wir für uns entschieden.»

FCL-Trainer Fabio Celestini

Grether war auch in der Folge eine sprudelnde Fehlerquelle im Spiel eines indisponierten FCL. Dieser stand nach der schwierigen Vorbereitung und der Corona-Quarantäne in der Winterpause neben sich. Der Weg ins Verderben gegen ein deutlich besseres Servette schien bloss noch eine Frage der Zeit zu sein.

Müller rettet FCL vor Untergang

Aber genau vor der Umsetzung dieses Drehbuchs bewahrte Goalietitan Marius Müller die Seinen und Chef Fabio Celestini auch im weiteren Spielverlauf. So stand der Deutsche mit einer Fussabwehr am Ursprung des Luzerner Führungstreffers kurz vor dem Pausentee.

Vor allem dank Müllers Klasseleistung durfte der FCL-Cheftrainer hinterher sagen: «Jeden wichtigen Moment im Spiel haben wir für uns entschieden.» Genau das habe in den vorangegangenen 14 Meisterschaftsspielen oft gefehlt.

Warum er aber mit der Nomination von Simon Grether seinem Team das Leben selber schwermachte, konnte Fabio Celestini nicht schlüssig erklären: «Wir wussten, dass der Weg zum Sieg über Servette nicht über technische und taktische Fähigkeiten führen wird. Sondern über die Mentalität.»

Celestinis erstaunliche Feststellung

Und er, der zwei Tage vor der Fortsetzung der Meisterschaft seinen Vertrag mit dem FCL um zwei weitere Jahre bis 2023 verlängert hatte (zentralplus berichtete), verwies darauf, dass er mit Christian Schwegler ja auch einen zweiten Mann zum ersten Mal von Anfang an gebracht habe.

Allerdings ist Schwegler Captain des Teams und einer der raren Aggressivleader. Sein Einfluss aufs Spiel der Luzerner wirkte sich im Gegensatz zu jenem von Grether positiv aus.

«Wenn er seine Emotionen kontrollieren kann, ist Marius Müller der beste Goalie der Super League.»

Es war geradezu ein Lehrstück, mit welcher Cleverness der 36-jährige Aussenverteidiger den zu Beginn auffälligen Servette-Angreifer Boubacar Fofana aus dem Konzept warf. Dieser wurde zur Halbzeit ausgewechselt, weil ihm die gelb-rote Karte drohte.

Grethers Vorzug vor Emini wirkte umso erstaunlicher, als Celestini hinterher freimütig festhielt, dass Lorik Emini gut trainiert habe. Der Jungspund lieferte nach seiner Einwechslung für den verletzten Lucas Alves (27.) eine gute Leistung ab und war dem mentalen Anspruch des FCL-Coachs problemlos gewachsen.

Verzicht auf unnötige Experimente

Selbstredend war Fabio Celestini klar, wem er und die Luzerner den ersten Sieg in diesem Jahr zu verdanken hatten. «Wenn er seine Emotionen kontrollieren kann, ist Marius Müller der beste Goalie der Super League», lobte der 45-jährige Romand.

Der Deutsche, der bis zur Winterpause gelegentlich schwächelte, hat laut Celestini «seit zwei Monaten wieder eine super Einstellung. Er ist positiver und konzentrierter geworden. Das macht den Unterschied aus.»

Allerdings kann Fabio Celestini nicht darauf vertrauen, dass Marius Müller von nun an alles ausbügelt, was beim FCL schieflaufen kann. Deshalb sollte sich der Trainer ab sofort wieder treu bleiben und auf unnötige Experimente in der Startaufstellung verzichten.

Deine Ideefür das Community-Voting

Die Redaktion sichtet die Ideen regelmässig und erstellt daraus monatliche Votings. Mehr zu unseren Regeln, wenn du dich an unseren Redaktionstisch setzt.

Deine Meinung ist gefragt
Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert. Bitte beachte unsere Netiquette.