Sport
Der Erfolgsdruck steigt rapide

FCL-Coach Fabio Celestini kann Krise – auch jetzt wieder?

Kann FCL-Trainer Fabio Celestini die Geschehnisse auf dem Platz noch einmal zu seinen Gunsten drehen? (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Lugano als sportlicher Wegweiser für den FC Luzern: In diesem April gab der Sieg in einem turbulenten Cup-Viertelfinal im Tessin die Initialzündung zum Ligaerhalt und dem ersten Pokalgewinn seit 29 Jahren. Im Februar 2019 war René Weiler aber seinen FCL-Trainerjob nach einem 0:3 gegen den gleichen Gegner los. Was heisst das nun für Fabio Celestini nach dem jüngsten 2:3 gegen Lugano?

Er suchte nach dem achten sieglosen Meisterschaftsspiel der laufenden Saison keine Ausflüchte, war nicht darauf bedacht, Luzerns Fussballlandschaft verbal schöner darzustellen, als sie in Realität ist (zentralplus berichtete). Also sagte Cheftrainer Fabio Celestini nach dem vor allem in der ersten Halbzeit ernüchternden Auftritt seiner Mannschaft: «Wir waren nicht gut genug, um zu gewinnen.»

Das schwerwiegende Problem ist: Gut genug, um sich den Sieg für die eigene Leistung zu verdienen, war der FCL bislang kaum je. Nur im Cup gelangen zwei Siege nach einem regelrechten Geknorze gegen jeweils unterklassige Teams aus der Zentralschweiz.

Wie üblich im Fussballbusiness schiessen nun die Spekulationen ins Kraut, ob der Luzerner Auftritt gegen Lugano der letzte für den mit einem bis 2023 gültigen Vertrag ausgestatteten Trainer gewesen ist. Denn der Leidensdruck in den Luzerner Fussballseelen steigt unweigerlich in Richtung Unerträglichkeit.

Celestini spricht Lösungsansatz selber an

Was also tun, um raus aus der Krise zu finden? Vielleicht hat es Fabio Celestini in seiner Matchanalyse unbewusst selber gesagt. Er kam zum Schluss: «Jedes Mal, wenn wir das Spiel mit dem Ball kontrollieren, kriegen wir die Gegentore. Wenn wir aber schlecht spielen, machen wir das Tor, das wenigstens zu einem Punkt reicht.» Damit hat der 45-jährige Romand auf die letzten beiden FCL-Vorstellungen gegen GC und Sion, die jeweils 1:1 endeten, referenziert.

Vielleicht überfordert Fabio Celestini seine neu zusammengestellte und nach einer neuen Hierarchie suchenden Mannschaft, die auf dem Platz noch nicht zueinander gefunden hat, mit seinen zukunftsweisenden Vorstellungen von Fussball. Darum muss der selbstbewusste Fussballfachmann wohl abermals einen Schritt zurück machen und über seinen eigenen Schatten springen.

Der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel. Dem FCL und Celestini helfen in der aktuellen Situation bloss Punkte. Wie sie zu Stande kamen, interessiert im Rückblick keinen. Das Gefühl entscheidet über den Weg in die sportliche Zukunft.

Celestini kann Krise – wenn er will

Celestini wird kein Zacken aus der Krone fallen, wenn er sein Spielsystem nochmals nach den Bedürfnissen einer nach wie vor nicht ausbalancierten Mannschaft ausrichtet. Krise meistern kann er nämlich bestens. Anderthalb Monate vor dem Ende der letzten Saison schlitterte er mit dem FCL dem Abstieg entgegen. Das Endresultat war ein total anderes: frühzeitiger Ligaerhalt und obendrauf der trotz Corona-Krise frenetisch gefeierte Cupsieg.

Das Erfolgsrezept vor gerade mal fünf Monaten? Blocken statt pressen im Spiel ohne Ball. Gut möglich, dass das der augenscheinlich verunsicherten Luzerner Truppe den dringend benötigten Halt verschafft.

Die Frage aber ist: Bekommt der dritte Trainer nach Rudi Gutendorf und Friedel Rausch, die einen Pokal in der 120-jährigen Vereinsgeschichte der Luzerner errangen, überhaupt die Chance und die Zeit dazu, das Steuer herumreissen zu können?

Transferkampagne des FCL-Sportchefs ist ungenügend

Ja, muss die Antwort des gesunden Menschenverstandes lauten. Schliesslich hat FCL-Sportchef Remo Meyer seinen Anteil an einer bislang ziemlich verunglückten Transferkampagne vor dieser Saison zu tragen:

  • Holger Badstuber kann die ihm zugedachte Rolle als neuer Abwehrchef nicht erfüllen. Zwar hat sich der frühere Champions-League-Sieger nach inferioren Leistungen zu Saisonbeginn gesteigert, aber er ist nicht dazu in der Lage, das Abwehrzentrum der Luzerner zu beherrschen und den zuletzt schwächelnden Marco Burch auf das nächste Level zu führen.
  • Samuele Campo hat bislang nicht ansatzweise das offensive Volumen, das seinen Vorgänger Louis Schaub als FCL-Regisseur bisweilen auszeichnete, erreicht. Das bekommt nicht zuletzt Torjäger Dejan Sorgic zu spüren.
  • Nikola Cumic besitzt als Angreifer zwar Technik und Tempo, aber vieles verpufft bislang in brotloser Kunst. Hätte er mehr drauf, wäre er kaum in Luzern gelandet.
  • Patrick Farkas ist nach dürftigen Leistungen bei Fabio Celestini in Ungnade gefallen. Als Rechtsverteidiger hätte der Österreicher den zurückgetretenen Christian Schwegler kompensieren sollen. Seit diesem Sonntag steht ihm wohl eine längere Zwangspause bevor. Der Einwechselspieler musste nach einem Zusammenprall im Strafraum der Luganesi wieder ausgewechselt werden. Weil Patrick Farkas seinen linken Fuss nicht belasten konnte, mussten ihn zwei Staffmitglieder auf dem Weg in die Garderobe der Swissporarena stützen. «Es sieht nicht gut aus», stellte Fabio Celestini fest.
  • David Domgjoni scheint ein überstürzter Transfer Meyers in der Not gewesen zu sein. Der Innenverteidiger hat bislang nicht den Nachweis erbringen können, dass er das Super-League-Niveau prestieren kann.
  • Jordy Wehrmann ist seit seinem grossen Auftritt beim Cupfinal mit dem wunderbaren Treffer zum zwischenzeitlichen 2:0 ein Versprechen. Allerdings giert es nach Einlösung. Bislang geht es in die falsche Richtung.

Die einzige FCL-Neuverpflichtung, die bislang einigermassen solide auftritt, ist Christian Gentner. Aber auch das Spiel des Bundesliga-Sauriers leidet unter der allgemeinen Verunsicherung des FCL.

Diese Zwischenbilanz stellt auch Sportchef Remo Meyer, der mit seinen Transfers bislang zumeist richtig lag, kein zufriedenstellendes Zeugnis aus.

Verletztenliste und Spielplan sprechen gegen Trainertausch

Neue Besen kehren gut, ist ein breitgetretenes Bonmot nach dem Vollzug eines Trainerwechsels im Mannschaftssport. Aber gerade beim FCL gilt es, ein Fragezeichen dahinter zu setzen, ob ein neuer Cheftrainer die mentale Blockade und die Unterform vieler FCL-Spieler – nicht nur der Neuzugänge – in Wohlgefallen auflösen kann.

Zudem ist die lange Verletztenliste beim Cupsieger eine unumstössliche Realität: Sie umfasst derzeit die Namen der Leistungsträger Marius Müller, Pascal Schürpf und Ibrahima Ndiaye. Und wird komplettiert durch Martin Frydek, Tsyi Ndenge, Samuel Alabi und neuerdings auch Patrick Farkas.

Entscheidend für den Moment eines sinnvollen Trainerwechsels ist aber auch der Spielplan. Für den FCL steht nun ein Auswärtsspiel in Basel vor und ein solches nach der nächsten Nationalmannschaftspause in Bern an. Die Erwartungshaltung auf weiteren Punktezuwachs auf dem Konto der Luzerner tendiert gegen Null.

Aber genau das ist die wohl letzte Chance für eine Wende zum Guten – falls Fabio Celestini erneut smart agiert.

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