FCL: Das sagen Verwaltungsrat und Alpstaeg

Verurteilen «aufs Schärfste»: Alpstaeg soll Aktien abgeben

2019 war die Welt zwischen dem FCL und Hauptinvestor Bernhard Alpstaeg noch in Ordnung. (Bild: Daniela Frutiger / freshfocus)

FCL-Aktionär Bernhard Alpstaeg verlangte im September vergebens die Entlassung von Sportchef Remo Meyer. Nun vermutet der Verwaltungsrat des FC Luzern, dass dessen Festhalten an Meyer der Grund für die Affäre gewesen ist. Vor der GV am Donnerstag verlangt das Gremium nun, dass Alpstaeg seine Aktien an Minderheitsaktionäre abgibt.

Das Interview von Bernhard Alpstaeg von Anfang Oktober hat den FC Luzern in seinen Grundfesten erschüttert. Präsident Stefan Wolf und Sportchef Remo Meyer wurden von Bernhard Alpstaeg öffentlich diskreditiert, unter anderem warf er ihnen mangelnde Demut und fehlenden Arbeitseinsatz vor.

18 Millionen Transferertrag in Ära von Sportchef Meyer

Diese grundlosen Anschuldigungen ohne jegliche Beweise verurteilt der Verwaltungsrat in einer Medienmitteilung vom Montag «aufs Schärfste», wie es heisst. Die Arbeit von Sportchef Remo Meyer habe der neue Verwaltungsrat stets akribisch beobachtet und professionell mit einer Leistungsanalyse beurteilt. Dem Verwaltungsrat sei nicht entgangen, dass es in den vergangenen Jahren Spieler-Transfers und auch Trainer-Verpflichtungen von Remo Meyer gab, die nicht den Erwartungen entsprachen.

Jedoch überwogen die erfolgreichen Transfers wie zum Beispiel die von Jonas Omlin, Ruben Vargas, Filip Ugrinic, Vako Gvilia, Darian Males, Ibrahima Ndiaye oder Trainer Gerardo Seoane bei Weitem. Der FC Luzern hat in der Ära von Remo Meyer als Sportchef einen Transfererlös von 18 Millionen Franken brutto (11 Millionen Franken netto) erwirtschaftet. Zudem hat er den Vertrag des Schweizer Neo-Nationalspielers Ardon Jashari frühzeitig bis im Sommer 2026 verlängert, was dem FCL in geraumer Zeit ebenfalls einen weiteren Transfererlös in Millionenhöhe einbringen dürfte.

Im September 2022 verlangte Bernhard Alpstaeg von drei anwesenden Verwaltungsräten die Entlassung von Remo Meyer. Der Verwaltungsrat hat die Forderung nach der Entlassung von Sportchef Remo Meyer einstimmig abgelehnt. Weil sich Präsident Stefan Wolf sehr aktiv gegen die Entlassung von Remo Meyer gewehrt habe, sei nun auch er bei Bernhard Alpstaeg in Ungnade gefallen.

Die Fakten zum Fall Ardon Jashari

Intern warf Bernhard Alpstaeg Sportchef Remo Meyer auch vor, dass er bestechlich sei und immer wieder mit den gleichen Spielerberatern zusammenarbeite. Auch diesen Vorwurf kann der Verwaltungsrat dementieren und hat dafür auch die nötigen Beweise, heisst es in der Mittelung weiter. Zudem teilte der Verwaltungsrat Bernhard Alpstaeg mit, dass er jederzeit bereit sei, für eine Untersuchung der Finanzströme durch eine externe Gesellschaft Hand zu bieten.

Ebenso wenig machte Remo Meyer bei der Vertragsverlängerung von Ardon Jashari einen Fehler oder beging eine Verfehlung. Es war der ausdrückliche Wunsch der Familie Jashari, die Vertragsverlängerung in diesem Sommer mit dem Spielerberater Agron Krasniqi durchzuführen. Auch dafür hat der Verwaltungsrat schriftliche Beweise.

Stadionverbot gegen Krasniqi wieder aufgehoben

Das daraus folgende Stadionverbot für Jashari-Berater Agron Krasniqi stellte der Verwaltungsrat widerwillig und aufgrund der Kurzfristigkeit ohne rechtliche Prüfung auf Drängen von Bernhard Alpstaeg aus. Mittlerweile wurde dieses Verbot nach rechtlicher Prüfung durch den Verwaltungsrat wieder aufgehoben. 

Der Verwaltungsrat vermutet, dass sein Widerstand gegen die Pläne von Bernhard Alpstaeg der Auslöser für die aktuellen Unruhen gewesen ist. Nach der Bekanntgabe, dass der Verwaltungsrat Remo Meyer nicht entlassen werde, folgte das bekannte Interview mit den öffentlichen Vorwürfen von Bernhard Alpstaeg gegenüber Remo Meyer und Stefan Wolf. Der Verwaltungsrat bot Bernhard Alpstaeg eine Mediation mit Stefan Wolf und Josef Bieri an, welche dieser jedoch klar ablehnte.

Mediation nicht zustande gekommen

Erst einige Tage später zeigte er Bereitschaft, an einem vom ehemaligen Luzerner Stadtrat Kurt Bieder und von Rosie Bitterli Mucha, Verwaltungsrätin der Stadion Luzern AG, angebotenen Gespräch zur Auslotung der Chancen einer möglichen Mediation teilzunehmen. Dies jedoch nur unter der Bedingung, dass seitens des FC Luzern nur Verwaltungsratsmitglied Laurent Prince dabei sein dürfe. Diesem Wunsch stimmte der FC Luzern zu. In der Folge fand am 21. Oktober ein einleitendes Gespräch zu einer möglichen Mediation statt.

Nach einem umfassenden Meinungsaustausch kamen die Beteiligten zum Schluss, dass eine Mediation nicht zielführend durchgeführt werden könne. Der Inhalt der Gespräche wurde als vertraulich deklariert.

Der aktuelle VR kann die Zukunft des FC Luzern sicherstellen

Die finanzielle Abhängigkeit des FC Luzern von Bernhard Alpstaeg sei eine Mär. Der Verwaltungsrat kann belegen, dass Herr Alpstaeg seit Bezug der swissporarena lediglich 24 Prozent aller Aktionärseinschüsse inklusive Aktienkäufe bezahlt hat. Über 75 Prozent aller Aktionärszuschüsse wurden demnach nicht von Bernhard Alpstaeg, sondern von anderen, auch bisherigen Aktionären bezahlt. Die Aktionäre haben jeweils nur ein allfälliges Defizit beglichen ‒ und das hat es vor Corona zwei Jahre lang nicht gegeben.

Alpstaeg-Tochter Giulia soll in den VR

Der Verwaltungsrat will in zwei bis drei Jahren das strukturelle Defizit komplett eliminieren und nicht mehr von den jeweiligen Aktionären abhängig sein. Daher wurde in den vergangenen Monaten auf der Geschäftsstelle eine sanfte Organisationsentwicklung durchgeführt, in der seit dem 1. September nun alle Schlüsselpositionen besetzt sind. Ebenfalls plante der Verwaltungsrat in Absprache mit Bernhard Alpstaeg, dessen Tochter Giulia ab September 2022 in den Verwaltungsrat einzubinden, um sie anschliessend als vollwertiges Mitglied zu wählen. Die Chemie zwischen Fans, Mitarbeitenden, Sponsoren, Donatoren, Clubführung und dem Verwaltungsrat stimme und soll in Zukunft noch intensiviert werden.

Als Vorbild dazu dient dem Verwaltungsrat der FC St. Gallen. Bei den Ostschweizern besitzen rund 15ʼ000 Kleinaktionäre, also die Fans, 51 Prozent der Club-Aktien. Dieses Modell ist auch beim FC Luzern möglich. Zudem könnte der aktuelle Verwaltungsrat dadurch sicherstellen, dass der Club ohne Bernhard Alpstaeg eine solide finanzielle Zukunft hätte. In den vergangenen zwei Jahren wurde mit über 130 Persönlichkeiten aus der Innerschweiz gesprochen. Zwischen 25 und 30 von ihnen wären bereit, den FC Luzern finanziell mitzutragen, wenn sich Mehrheitsaktionär Bernhard Alpstaeg zurückzieht.

Verwaltungsrat fordert Rückzug von Bernhard Alpstaeg

Nach all diesen Vorfällen ist es für den aktuellen Verwaltungsrat unmöglich, gemeinsam mit Bernhard Alpstaeg in die Zukunft zu gehen. Die Vorkommnisse in den vergangenen Tagen haben gezeigt, dass eine ganze Region hinter der aktuellen Vereinsführung steht. Es könne nicht sein, dass eine Person die Zukunft von 173 Mitarbeitenden (98 Vollzeitstellen) aufs Spiel setzte.

Aus diesem Grund hat der Verwaltungsrat Bernhard Alpstaeg gebeten, seine Aktienanteile abzugeben. Diese Aktien sollen anschliessend unter interessierten Persönlichkeiten aufgeteilt werden, damit diese Aktienanteile besser in der ganzen Innerschweiz verteilt sind. Der Club soll künftig breit aufgestellt sein und das Mehrheitsaktionärsmodell aufgehoben werden.

So erklärt sich Bernhard Alpstaeg

In einer Mitteilung, die Bernhard Alpstaeg ebenfalls am Montag verschickte, kündigt er für Donnerstag den grossen Showdown an. An der ausserordentlichen Generalversammlung will er den gesamten Verwaltungsrat austauschen, um die Geschäftsleitung neu besetzen zu können. «Nur wenn jeder seinen Job mit Einsatz und Sachverstand und mit klar definierten Aufgaben und Kompetenzen in Angriff nimmt, ist Erfolg möglich. Dazu braucht es eine fähige Geschäftsleitung.» Der Auslöser sei gewesen, dass Anregungen von ihm ignoriert wurden und ihm Akteneinsicht verweigert wurde.

Er sei für klare Strukturen. «Der Besitzer besitzt und gibt die Linie vor, der Präsident repräsentiert und der Verwaltungsrat überwacht. Der Geschäftsführer führt, der Sportchef stellt das Team zusammen und der Trainer dirigiert die Mannschaft. Der Spieler trainiert und spielt», erklärt er seine Vorstellungen. «Mit einem Modell einer sogenannt breiten Abstützung und vielen Aktionären kann ich mich momentan nicht anfreunden.»

Die vom Verwaltungsrat geforderte Vision eines breit abgestützten Aktionariats habe im Sport kaum je funktioniert. «Mitreden, aber keine Verantwortung übernehmen, wenn es unangenehm und schwierig wird – das führt unternehmerisch gesehen selten zum Erfolg», schreibt er. Er wünscht sich, dass der FC Luzern ein Siegerteam werde. Denn: «Wir müssten unter den absolut besten Schweizer Klubs sein.»

Verwendete Quellen
  • Medienmitteilung des FCL-Verwaltungsrates
  • Mitteilung von Bernhard Alpstaeg
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