Reto Nause zur Fan-Demo

FCL-Fans demonstrieren in Bern ohne Bewilligung

Reto Nause gilt in der Luzerner Fankurve als Hardliner in Sachen Repression. (Bild: fcl.fan-fotos.ch/Stadt Bern)

Die FCL-Fanorganisation USL ruft für Samstag zum nationalen Protest gegen Kollektivstrafen in Bern auf. Die Fan-Demo ist gemäss dem Stadtberner Sicherheitsdirektor Reto Nause (Mitte) unbewilligt.

Weil es im letzten Frühjahr vermehrt zu Ausschreitungen rund um Fussballspiele gekommen ist, hat die Kantonale Konferenz der Justiz- und Polizeidirektorinnen (KKJPD) beschlossen, Kollektivstrafen auszusprechen, um bei den Fans für ein Umdenken zu sorgen.

So bleiben am Samstag bei zwei Super-League-Spielen die Heimkurven gesperrt. Es sind dies der Kop Sud im Stade de la Tuilière, der Heimstätte von Lausanne-Sport, und die Ostkurve Berner Wankdorf, wo die YB-Fans zuhause sind. Gegen diese Kollektivstrafen wollen Fussballfans aus allen Ecken der Schweiz – auch FCL-Fans – in Bern demonstrieren (zentralplus berichtete).

Doch für die Protestaktion ist kein Bewilligungsgesuch eingegangen, sagt der Stadtberner Sicherheitsdirektor Reto Nause (Mitte) gegenüber zentralplus.

Chaos droht in Bern

«Ein Bewilligungsgesuch würde die Etablierung eines Dialogs und die Absteckung von Rahmenbedingungen ermöglichen, was grundlegende Voraussetzungen für einen geordneten Ablauf einer jeden Demonstration sind», erklärt Nause.

«Die Massnahme wäre nicht nötig gewesen, hätten die fehlerhaften YB-Fans ihre Verantwortung wahrgenommen und sich der Polizei gestellt.»

Reto Nause, Stadtberner Sicherheitsdirektor und Nationalrat

Sollten Hunderte, vielleicht sogar Tausende Fussballfans nach Bern reise, dürfte dies in der Bundeshauptstadt tatsächliches einiges an Chaos verursachen. Zum generellen Umgang mit unbewilligten Demonstrationen möchte Nause keine Auskunft geben.

Unbewilligte Corona-Demos

Als Massnahmenkritikerinnen während der Corona-Pandemie in Bern mehrfach ohne Bewilligung demonstrierten, fand Nause, Demonstrieren sei zwar legitim. Aber nicht unbewilligt und auch nicht 20-mal zum gleichen Thema. Die Stadt Bern forderte damals von gewalttätigen und verurteilten Demonstranten eine Gebühr in der Höhe von 200 bis 1000 Franken – als Beteiligung an den entstandenen Sicherheitskosten, wie «SRF News» berichtete.

Reto Nause ist in den Schweizer Fankurven fast so unbeliebt, wie Karin Keller-Sutter, als sie noch St. Galler Regierungsrätin war und als Präsidentin der KKJPD im Umgang mit Fussballfans vor allem auf Repression setzte. (Bild: Stadt Bern)

Aufgelöst wurden die Demos in der Regel nicht. Jedoch setzte die Berner Polizei regelmässig Wasserwerfer, Gummischrot und Reizstoffe ein. Doch ob die Fussballfans aus Luzern, Basel oder St. Gallen am Samstag auf überhaupt Krawall aus sind, wird sich zeigen.

Reto Nause steht bei Fans für Repression

Im Aufruf zum Fan-Protest wird Reto Nause persönlich erwähnt. Er sei eine der treibenden Kräfte hinter der Eskalationsstrategie, die im Umgang mit Fussballfans Nulltoleranz und Kollektivstrafen vorsehe. Dabei habe er seit längerem jegliches Augenmass verloren, steht auf der Webseite der USL geschrieben.

Seit Kurzem politisiert Reto Nause im Nationalrat und hat bis Ende Jahr ein Doppelmandat inne. Dass die Fans ihn auf dem Kieker haben, ist ihm bewusst. Dennoch lässt er eine Hintertür offen, wenn er sagt, dass die Stadt Bern durchaus bereit sei, auch ein spontanes Bewilligungsgesuch für die Demo zu prüfen.

Fans hätten sich stellen sollen

Die Kollektivstrafe gegen die YB-Fans verteidigt Nause hingegen. Zu gravierend seien die Ausschreitungen beim Spiel zwischen GC und YB Ende September gewesen. Darum habe die KKJPD schlicht reagieren müssen. Dass nun nicht nur Täterinnen, sondern sämtliche Kurvengänger bestraft werden, hätte gemäss Nause verhindert werden können. «Die Massnahme wäre nicht nötig gewesen, hätten die fehlerhaften YB-Fans ihre Verantwortung wahrgenommen und sich der Polizei gestellt.»

FCL-Fans protestierten im Dezember beim Heimspiel gegen den FC Basel mit massenhaft schwarzem Rauch gegen Kollektivstrafen. Schon damals handelte es sich um eine national koordinierte Protestaktion. (Bild: fcl.fan-fotos.ch)

Inwiefern die erlassene Sektorsperre ein wirksames Mittel gegen Ausschreitungen rund um Fussballspiele ist, zu denen es meist nur ausserhalb des Stadions kommt, konnte auch Reto Nause nicht erklären.

Gemäss Fabian Achermann von der Fanarbeit Luzern können solche Massnahmen gar kontraproduktiv sein. Darum verweigerten die Fanarbeiten der Schweizer Fussballclubs auch die Mitarbeit bei der Konzipierung des KKJPD-Kaskadenmodells (zentralplus berichtete).

Verwendete Quellen
  • Telefonat mit Reto Nause, Nationalrat und Sicherheitsdirektor der Stadt Bern
  • Artikel auf «SRF News»
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