FC Luzern
Eichhof bleibt FCL-Bierpartnerin

Alternative zu Eichhof? Nur mit kilometerlanger Bier-Pipeline

Schall und Rauch gehören zur Luzerner Fankurve, wie das Bier. (Bild: jdi)

In der Swissporarena setzt der FCL seit Jahrzehnten auf das Lagerbier der Brauerei Eichhof – und hat mit dieser die Partnerschaft bis im Juni 2029 verlängert. Auch, weil sie alternativlos zu sein scheint.

In Fussballstadien werden Freundschaften gepflegt, Tore bejubelt und Biere gekippt. So auch in der Swissporarena. Das FCL-Grosi im Family-Corner, der Schlipsträger auf der Haupttribüne oder die Kurvengängerin auf den Stehplätzen – sie alle nippen mal genüsslich, mal hastig, mal Bier verschüttend und sich bekleckernd am goldenen Kaltgetränk. Gefühlt seit immer kommt das Bier an FCL-Heimspielen von der nahegelegenen Brauerei Eichhof – und das wird mindestens sechs weitere Jahre so bleiben. Dies wurde vor Kurzem bekannt gegeben.

Fabrizio Romano kündet die Zusammenarbeit auf Instagram an. (Bild: Screenshot Instagram)

Die Verlängerung der Parnterschaft liess der FCL von Fabrizio Romano ankündigen – einem Journalisten, der dafür bekannt ist, immer zu wissen, welche hochkarätigen Spielertransfers demnächst bestätigt werden und bei welchen es sich um blosse Gerüchte handelt. Der prominente Auftritt auf der Instagramseite des FC Luzern dürfte gemäss «Blick» 135 Franken gekostet haben. Ein Trinkgeld, verglichen mit den Finanzströmen, die der Bierkonsum im Stadion mit sich bringt. Oder konkret: Dem FCL war die Videobotschaft 22,5 verkaufte Biere à 6.00 Franken und 4 dl wert.

Bierwürfe in der Ostschweiz

Dafür dürfte ein Torjubel am Sonntag im Heimspiel gegen Servette reichen. Auf ekstatische Momente reagiert eine nicht zu vernachlässigende Minderheit der Stehplatz-Fans mit Bierwürfen – zum Ärger der nicht minder ekstatischen Mehrheit. Eine fragwürdige Tradition, die beim letzten Gastspiel der Luzerner in St. Gallen für Irritation sorgte: Wie Recherchen der «Luzerner Zeitung» zeigten, sollen FCL-Fans nicht nur Bier, sondern auch Pommes Frites in die Menge geworfen haben (zentralplus berichtete).

Vertragsverlängerung mit der Brauerei Eichhof. Im Bild von links nach rechts: Eichhof-Verkaufsleiter Richard Waser, FCL-Präsident Stefan Wolf und Eichhof-Verkaufsberater Jan Pfalzer. (Bild: FC Luzern)

Die Brauerei Schützengarten, die Bierpartnerin des FCSG, liefert aber auch – so zumindest die hierorts oft gehörte Meinung – wenig Gründe, das Ostschweizer Bier zu trinken statt es zu werfen. Und auch in der FCL-Medienmitteilung verzichten die Zitierten darauf, das Bier, das in die Plastikbecher kommt, mit Lob zu überschütten.

Ehemaliger Eichhöfler im Kader des FCL

Der FC Luzern begründet die Vertragsverlängerung stattdessen mit Kontinuität. «Wir sind daran interessiert, gute und erfolgreiche Partnerschaften langfristig weiterführen zu können. Entsprechend gab es für den FCL keinen Grund, den Vertrag mit der Brauerei Eichhof nicht um mehrere Jahre zu verlängern», erklärt Präsident Stefan Wolf gegenüber zentralplus.

«Eine Partnerschaft mit dem FCL wäre ein Riesending.»

Simon Schurtenberger, Geschäftsführer von Luzerner Bier

Ähnlich harmoniebetont und auf Bierlob verzichtend lässt sich Eichhof-Verkaufsleiter Richard Waser zitieren: «Die meisten Mitarbeitenden sind treue Fans, und es spielt sogar ein ehemaliger Eichhöfler im Kader des FCL.» Es ist dies Luuk Breedjik, wohnhaft in Merlischachen, die Eltern aus den Niederlanden. Eichhof? Niederlande? Da war doch was!

Das Luzerner Bier aus Luzern

Vor 15 Jahren wurde die Brauerei Eichhof vom niederländischen Getränkegiganten Heineken geschluckt. Rund 15'000 via Online-Petition gesammelte Unterschriften hielten den damaligen Verwaltungsrat nicht davon ab, das Traditionsunternehmen ins Ausland zu verkaufen. Infolgedessen erlebten (pseudo-) lokale Biere einen Aufschwung. So etwa das Lozärner Bier – das in Schaffhausen gebraut und inzwischen eingestellt wurde – und das wirklich in Luzern gebraute Luzerner Bier.

Sympathisch oder anbiedernd? Für Richard Waser, Verkaufsleiter der Brauerei Eichhof, ist klar: «Unser Herz schlägt blauweiss. Alles andere wäre falsch.» (Bild: Brauerei Eichhof)

zentralplus hat mit David Schurtenberger, Geschäftsführer von Luzerner Bier, gesprochen. «Mit einem feinen Bier einer unabhängigen Luzerner Kleinbrauerei», lautet seine mit einem sanften Seitenhieb Richtung Eichhof versehene Antwort auf die Frage, womit Luzerner Bier als mögliche Bierpartnerin des FCL punkten könnte. Für Schurtenberger ist klar: «Eine Partnerschaft mit dem FCL wäre ein Riesending.» Doch sei Luzerner Bier für einen solch grossen Deal wohl ein paar Nummern zu klein.

Es fliesst nicht nur Bier Richtung Allmend

«Die Zahlen sind mir nicht bekannt, aber da wird wohl mehr Geld fliessen, als für uns nur annähernd zu stemmen wäre.» Wenn es hingegen alleine um die Lieferung von Bier und nicht um eine Sponsoringvereinbarung ginge, könnte Luzerner Bier die benötigte Menge wohl sogar ohne Ausbau des Betriebs stemmen, so Schurtenberger.

«Zum Stadtkeller hin haben wir eine 70 Meter lange Leitung verlegt.»

Alois Keiser, Geschäftsführer der Rathaus Brauerei

Nebst der Lieferung von Bier und weiteren Getränken gebe es denn auch eine partnerschaftliche Zusammenarbeit in den Bereichen Hospitality und Werbung, verrät FCL-Mediensprecher Markus Krienbühl. «Über weitere Vertragsdetails geben wir jedoch keine Auskunft.»

Engpässe bei der Rathaus Brauerei

Die Redaktion von zentralplus befindet sich – ganz ohne Bierpartnerschaft – in direkter Nachbarschaft zum Stadtkeller in der Luzerner Altstadt. Das Bier, das dort (nicht auf der Redaktion) ausgeschenkt wird, fliesst von der Rathaus Brauerei direkt in die Gläser der Gäste. Und zwar wortwörtlich, wie Geschäftsführer Alois Keiser erklärt: «Zum Stadtkeller hin haben wir eine 70 Meter lange Leitung verlegt.» In der Luzerner Altstadt verlasse das Bier die Leitungen erst dann, wenn es im Glas der Kunden landet. In Fässer abgefülltes Bier erhielten hingegen nur die eigenen Gastronomiebetriebe.

Das spreche gegen eine Bierpartnerschaft mit dem FC Luzern. Nebst der Tatsache, dass die herstellbare Menge aus Platzgründen beschränkt sei. Selbst bei der Belieferung der eigenen Betriebe habe die Rathaus Brauerei mit Engpässen zu kämpfen.

Das Pipeline-Projekt

«Daher käme ein Engagement als Bierpartnerin des FC Luzern nur dann in Frage, wenn das Stadion in die Nähe unserer Brauerei verlegt würde», meint Keiser witzelnd, «oder dann, wenn wir das Bier via Pipeline aus der Brauerei zur Swissporarena in eigene Gär- und Lagertanks pumpen könnten.»

Wie die Rathaus Brauerei die Produktion ohne Qualitätsverlust dermassen hochfahren würde, um jedes zweite Wochenende das ganze Stadion versorgen zu können, wäre dann wohl die nächste Frage. Sie dürfte sich frühestens in sechs Jahren wieder stellen.

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit Stefan Wolf, Präsident des FC Luzern
  • Schriftlicher Austausch mit David Schurtenberger, Geschäftsführer von Luzerner Bier
  • Schriftlicher Austausch mit Alois Keiser, Geschäftsführer der Rathaus Brauerei
  • Medienmitteilung des FC Luzern
  • Artikel im «Blick» vom 20. September 2023
  • Artikel in der «Luzerner Zeitung» vom 25. April 2008
  • Webseite der Brauerei Eichhof
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