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8:2-Heimsieg über den HC Ambri-Piotta

EVZ: Ein Serientäter, ein Schock und eine Symphonie

Die Folgen der rücksichtslosen Aktion von Ambris Tobias Fohrler kurz vor Schluss: EVZ-Stürmer Jérôme Bachofner liegt verletzt auf dem Eis und wird von Reto Suri und der Physiotherapeutin erstversorgt. (Bild: Patrick Straub/freshfocus)

Schiesst Yannick Zehnder das erste Tor, gewinnt der EV Zug. Das war in den bislang drei Spielen nach der Olympia-Pause so. Allerdings beinhaltete das Zuger Schaulaufen beim 8:2 über Ambri auch einen Schockmoment.

Es war das unschöne Ende eines Schlagabtauschs, in dem die spielerische Klasse des Meisters den Willen und die Leidenschaft der Tessiner dominierte. Der Zuger Stürmer Jérôme Bachofner lag in der 58. Minute regungslos auf dem Eis, die unmittelbaren Reaktionen seiner auf dem Eis stehenden Mitspieler, die medizinische Unterstützung von der Spielerbank forderten, verhiessen nichts Gutes.

Ambris Hühne Tobias Fohrler (1,95 Meter) hatte gänzlich die Kontrolle über sich verloren, als er Bachofner rücksichtslos von hinten checkte. Der Verteidiger, der bis 2019 im Fanion- und Farmteam der Zuger verteidigte, war noch nie ein Kind von Traurigkeit.

Vielmehr neigt der gebürtige Deutsche dazu, durchzudrehen, wenn die Emotionen hochgehen. Und das Spiel war im Verlaufe des letzten Drittels zusehends ruppiger und gehässiger geworden.

Ambris Feuerkopf vorzeitig unter die Dusche geschickt

Ambris Feuerkopf wurde mit einer Fünf-Minuten- und Spieldauer-Disziplinarstrafe vorzeitig unter die Dusche geschickt. Aber auch Zugs Captain Jan Kovar musste frühzeitig Feierabend machen. Er liess gegenüber den Spielleitern solange Dampf ab, bis diese ihn mit einer Zwei-plus Zehnminuten-Disziplinarstrafe belegten.

«Ich habe Verständnis dafür, dass Jan Kovar richtig sauer war.»

EVZ-Trainer Dan Tangnes

Der Topskorer der Zuger erhielt nach dem Spiel Rückendeckung von seinem Chef. EVZ-Trainer Dan Tangnes sagte: «Ich habe Verständnis dafür, dass Jan Kovar richtig sauer war. Die Schiedsrichter gaben den Spielern die Chance, den Match eskalieren zu lassen.»

Tangnes versuchte seinerseits, die Emotionen mit eindeutigen Gesten abkühlen zu lassen und schickte gegen Ende der Partie seine besten Kräfte aus Sicherheitsgründen nicht mehr aufs Eis. Die offene Rechnung musste letztlich Jérôme Bachofner begleichen: Nach ersten Erkenntnissen kamen zur Schnittwunde im Gesicht ein paar in Mitleidenschaft gezogene Zähne dazu.

Zehnder trifft für EVZ mit zwei Ablenkern

Aus Zuger Sicht bot die Partie aber auch Glanzlichter. Da stach vor allen Dingen der Auftritt von Yannick Zehnder ins Auge. Ein Serientäter, der einem für gewöhnlich negativ besetzten Wort einen positiven Anstrich verlieh. Er hat in dieser Woche seine Tore sechs (beim 5:2 gegen die ZSC Lions), sieben (beim 3:2 in Lugano) und am Samstagabend beim Heimspiel gegen Ambri acht und neun gemacht.

In jedem Fall war es das erste Tor der Partie, zuletzt gar die ersten beiden. «Ich hätte nichts dagegen, diese Serie fortzusetzen», sagte Yannick Zehnder mit einem Augenzwinkern zu zentralplus. Der gebürtige Zuger nähert sich nach einer schwierigen Saison mit zwei Verletzungen, die ihn empfindlich zurückwarfen, langsam seiner Topform an. Im Hinblick auf die nahenden Playoffs fürwahr kein schlechtes Timing.

«Niklas Hansson hat ein gutes Auge für den Stock eines Mitspielers oder den freien Mann.»

EVZ-Stürmer Yannick Zehnder

Seine beiden Treffer gegen die Leventiner hat er auf die immer gleiche Art und Weise erzielt: Zehnder lenkte jeweils einen Schuss eines Teamkollegen entscheidend und erfolgreich ab.

Zufall? Nein. Zehnder erläuterte: «Nach dem Training schnappe ich mir mal einen Verteidiger, der ein paar Schüsse aufs Tor abgeben soll, und diese versuche ich, abzulenken.» Dabei schwärmte er von einem schwedischen Teamkollegen: «Niklas Hansson hat ein gutes Auge für den Stock eines Mitspielers oder den freien Mann.» Er lieferte Zehnder die Vorlage zum Zuger 2:0.

Eine Symphonie eines EVZ-Tors

Mit Sven Senteler gab es noch einen weiteren Zuger Doppeltorschützen, und der lieferte darüber hinaus zwei weitere Torvorlagen. Vielleicht war es für ihn so etwas wie eine leise Genugtuung dafür, dass er wegen eines positiven Corona-Tests nicht zu den Olympischen Spielen nach China reisen durfte.

Senteler und Zehnder bildeten zusammen mit Carl Klingberg eine Sturmreihe. Diese produzierte insgesamt vier Tore und fünf Assists. Ein eindrücklicher Arbeitsnachweis.

Aber auch Zugs Paradelinie mit Genius Jan Kovar und den beiden Torjägern Grégory Hofmann und Dario Simion liess sich nicht lumpen. Sie war für eine in Entstehung und Vollendung mitreissende Hockey-Symphonie zum 7:1-Treffer besorgt. Wie Simion den Angriff initiierte, Kovar einen magistralen Pass spielte und der vor einer mehrjährigen Vertragsverlängerung stehende Hofmann locker-flockig vollstreckte (zentralplus berichtete) – das verdient die Aufnahme in jedem Rückblick auf die laufende Qualifikation.

Eine Qualifikation, die der Titelverteidiger im Schlussspurt zum zweiten Mal in Folge auf Platz 1 abschliessen könnte. Er ist dem Leader Fribourg nach dessen Niederlage in Langnau auf die Pelle gerückt. Vielleicht mag dies Jérôme Bachofner auch ein wenig über seine Schmerzen hinwegtrösten.

Verwendete Quellen
  • Matchbesuch in der Zuger Bossard-Arena.
  • Persönliche Gespräche mit Dan Tangnes und Yannick Zehnder.
  • Statistik von National League.
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