EV Zug

In der NHL vermisste er Emotionen und Vertrauen
EVZ-Torjäger Hofmann: «Ja, ich brauche Nestwärme»

  • Lesezeit: 5 min
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Vielleicht sei der Schritt in die NHL nicht die beste Entscheidung seiner Karriere gewesen, sagt EVZ-Torjäger Grégory Hofmann. (Bild: Patrick Straub/freshfocus)

steht vor dem Höhepunkt einer für ihn bewegenden Saison. Zugunsten seiner Familie hat der 29-Jährige seine -Karriere abgebrochen und kehrte zum EV Zug zurück. Das hat Kritik und Unverständnis hervorgerufen. Darüber haben wir mit Grégory Hofmann geredet.

Mit seiner Rückkehr aus Nordamerika im Januar 2022 ist die Zuversicht der Zuger Anhängerschaft, den Titel aus dem Vorjahr erfolgreich verteidigen zu können, sprunghaft gestiegen. Mit seinem Speed und Torinstinkt hat der Nationalspieler das Offensivspiel der Zuger dynamisiert (zentralplus berichtete).

2021 hat den entscheidenden Treffer im dritten Playoff-Finalspiel gegen den Genève-Servette HC erzielt. Damit durfte der nach 23 Jahren zum zweiten Mal den Meisterpokal in die Höhe stemmen.

zentralplus hat den Meisterschützen vor dem ersten Playoff-Viertelfinalspiel am Freitag gegen Lugano getroffen. Im ersten Teil des Interviews geht der Blick zurück auf seine Zeit bei der -Organisation Columbus.

zentralplus: Grégory Hofmann, sind Sie nach Ihrem vorzeitigen Abbruch des NHL-Abenteuers noch motivierter als sonst vor einem Playoff-Start?

Grégory Hofmann: Ich muss tatsächlich aufpassen, dass ich nicht übermotiviert bin. Wir haben die nächste Riesenchance, etwas Grosses für unsere Fans und den EV Zug zu erreichen.

zentralplus: Wie wichtig ist es Ihnen, der Öffentlichkeit klarzumachen, dass der EV Zug für Sie der genau richtige Arbeitgeber zum aktuellen Zeitpunkt Ihrer Karriere ist?

«Mit habe ich mich ausgesprochen. Zwischen uns ist alles in bester Ordnung.»

Hofmann: Meine Vergangenheit in der NHL spielt in meinem Denken keine Rolle. Mir geht es darum, mein bestes Hockey im richtigen Moment zu zeigen. Ich habe den Anspruch, jedes Spiel entscheiden zu können. Und wenn ich keine gute Leistung abliefere, gehe ich mit mir selber hart ins Gericht. Ich will den Meistertitel unbedingt gewinnen. Aber mir ist wichtig, zu betonen, dass das sportliche Wohl des EVZ nicht von mir abhängt. Ich bin nichts Besonderes, nur ein kleiner Teil, der dem Team helfen will. Unsere Sturmreihe mit Jan Kovar, Dario Simion hat noch nicht alles zeigen können, was sie drauf hat. Daran arbeiten wir intensiv bis zum Playoff-Start.

zentralplus: Aber es gibt Leute, dazu gehört auch Ihr ehemaliger Columbus-Teamkollege Elvis Merzlikins, die sich auf den Standpunkt stellen, dass Sie ihren NHL-Traum viel zu früh und und zu einfach aufgegeben hätten. Was sagen Sie zu dieser Kritik?

Hofmann: Mit Elvis Merzlikins habe ich mich ausgesprochen. Zwischen uns ist alles in bester Ordnung. Dabei stellten wir fest, dass vieles einfach nicht stimmte, was in den Medien stand. Jedes Medium hat sich die Zitate rausgepickt, die es wollte – auf Kosten des Zusammenhangs. Die Kritik der Leute akzeptiere ich. Die mir wichtigen Leute wissen, warum ich mir die Chance in der NHL nicht entgehen lassen wollte. Und das zählt für mich.

zentralplus: Sie wissen genau, wie das Hockey-Business läuft. Darum hätten Sie sich ja denken können, dass ein NHL-Klub einem 29-jährigen Spieler ohne Lobby in Nordamerika nicht die Rolle gibt, die seinen Fähigkeiten entspricht. Sind Sie zu blauäugig ins NHL-Abenteuer gestartet?

Hofmann: Eine gute Frage. Vielleicht habe ich es mir einfacher vorgestellt, als es in der Realität war. Als -Spieler pushst du dich jeden Tag mit dem Ziel, eines Tages mit den Besten mitspielen zu können. Und als die Anfrage kam, ging es um den Entscheid, ob ich gehen sollte oder nicht. Mir war bewusst, dass ich es nicht in jedem Spiel ins Aufgebot von Columbus schaffen könnte. Vielleicht war es nicht die beste Entscheidung meiner Karriere. Denn letztlich brauche ich Emotionen und Vertrauen, um mein Level abrufen zu können.

zentralplus: In Nordamerika hat Ihnen also die Nestwärme gefehlt.

Hofmann: Ja, die brauche ich. Ich war als 29-Jähriger ein Rookie und wurde gleich behandelt wie ein 18-jähriger Neuling. Dieses Gefühl war für mich nicht so einfach zu akzeptieren. Ich hatte ja mit dem Titelgewinn und der Nationalmannschaft schon einiges erlebt. In Nordamerika ist die Kommunikation eine andere, und mir hat das nicht so viel Spass gemacht.

zentralplus: Und als Sie dann zum ersten Mal ihre neugeborene Tochter in den Händen hielten, kam das eine zum anderen.

Hofmann: Da habe ich mir überlegt, was das Wichtigste in meinem Leben ist. Es ist meine Familie, und sie wird immer über meiner Karriere stehen. Denn sie gibt mir die Ruhe und Kraft, um im Eishockey professionell arbeiten zu können.

zentralplus: Was haben Sie mitnehmen können aus der NHL für Ihre sportliche Zukunft beim EVZ?

Hofmann: In Nordamerika habe ich die besten Spieler der Welt auf dem Eis miterleben können. Ich zähle mich zu den besseren in der Schweiz. Im Direktvergleich wird dir klar, wie viel Arbeit noch auf dich wartet. Dieses Bewusstsein verleiht mir Demut.

«Für mich ist auch schon klar, dass ich nach dem Karriereende dem Eishockey in anderer Funktion erhalten bleiben möchte.»

zentralplus: Wobei es zu berücksichtigen gilt: Ihrem explosiven Antritt und Tempo kommt das kleinere Eisfeld in Nordamerika nicht entgegen.

Hofmann: Ja, das war eine grosse Umstellung. Die Spieler aus den USA und Kanada kennen nichts anderes als das kleine Eisfeld. Mir und meiner Spielweise liegt das grössere europäische Eisfeld besser. Bei mir geht es ja darum, im richtigen Moment explosiv anzutreten und mit sehr viel Speed in die gegnerische Zone einzudringen.

zentralplus: Sie haben vor wenigen Wochen Ihren Vertrag mit dem EVZ bis 2028 verlängert. Warum ist der Klub zu Ihrer sportlichen Heimat geworden?

Hofmann: Der EVZ hat in den letzten paar Jahren als Organisation einen riesigen Schritt vorwärts gemacht. Er zieht seine Philosophie, mit den eigenen Talenten zu arbeiten und jedes Jahr um den Titel mitzuspielen, auf einem hohen Niveau durch. Dieses Commitment erlebe ich jeden Tag, weil wir alle hart dafür arbeiten, um erfolgreich zu sein. Und ich bin nicht hier, um das zu machen, worauf ich gerade Lust habe. Ich bin hier, um mich und den Klub weiterzubringen.

zentralplus: Bei Ablauf Ihres Vertrages werden Sie 35 Jahre alt sein. Werden Sie noch weiter spielen wollen oder eine andere Funktion im EVZ übernehmen?

Hofmann: Ich hoffe schon, dereinst noch das eine oder andere Jahr als Profi vor mir zu haben. Ich liebe den Sport und seine Kultur. Sie haben mich viel gelehrt als Mensch. Und für mich ist auch schon klar, dass ich nach dem Karriereende dem Eishockey in anderer Funktion erhalten bleiben möchte.

Verwendete Quellen
  • Persönliches Gespräch mit Grégory Hofmann im OYM zu Cham
Weitere Quellen
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1 Kommentare
  1. Wayne Gretzky, 23.03.2022, 11:33 Uhr

    Das Beispiel Patrick Fischer zeigt, dass es auch ältere Semester in die NHL schaffen können. Seine neu erschiene Biografie kann ich nur empfehlen. Sehr lesenswert. HOPP EVZ

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