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Dem neuen Cheftrainer Sandro Chieffo zum Trotz
Der FC Luzern spielt wie ein Absteiger

  • Lesezeit: 4 min
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Applaus für seine Schützlinge trotz Niederlage in seinem Super-League-Debüt: FCL-Trainer Sandro Chieffo. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Der Trainerwechsel beim Tabellenletzten bleibt ohne Wirkung auf das Leistungsvermögen der Luzerner. Der Cupsieger setzt seinen Kriechgang auch unter FCL-Interimstrainer Sandro Chieffo fort. Dessen positives Denken vermag nicht über die qualitativen Defizite seiner Mannschaft hinwegzutäuschen.

Es ist sein erster Auftritt als hauptverantwortlicher Übungsleiter in der Super League gewesen. Dafür hatte sich der 42-Jährige mit einer neuen Kurzhaarfrisur extra noch herausgeputzt.

Seine Matchanalyse nach dem 1:3 gegen Basel begann Sandro Chieffo damit, dass er einen «super Spirit und viel positive Energie vor dem Spiel» gespürt habe. Auch zur Pause, als seine Mannschaft 0:1 durch einen frühen Treffer Cabrals im Hintertreffen lag, trug er, der wie ein unruhiger Tiger in seiner Trainerbox auf- und abwanderte, unvermindert «ein gutes Gefühl» in sich.

Allerdings hatten sich seine Schützlinge durch inkonsequentes Verhalten in der Abwehrarbeit und ein Blackout von Jordy Wehrmann an der eigenen Strafraumgrenze schon früh in der zweiten Halbzeit aller Hoffnungen auf einen Punktgewinn beraubt (zentralplus berichtete). Dennoch blieb Sandro Chieffo unerschütterlich bei seinem positiven Denken: «Ich habe sehr viele positive Ansätze erkannt.»

Auch wenn seine Einschätzung objektiv nur wenig mit der Wirklichkeit auf dem Fussballplatz gemein hatte: Man kann den Zürcher in seiner Situation durchaus verstehen. Dem Trainer-Debütanten bleibt nichts anderes übrig, als seinen strauchelnden Spielern Mut und Zuversicht einzuflössen. Es ist seine einzige Chance, den sportlichen Umschwung bis zur Winterpause zumindest einzuleiten (zentralplus berichtete).

Hälfte der Luzerner Abwehr ausgewechselt

Das erste Spiel nach der Ära von Cupsieger-Trainer Fabio Celestini förderte eine für die Luzerner Klubverantwortlichen unangenehme Wahrheit zutage: Die angeblich durch die starke Persönlichkeit Celestinis blockierten FCL-Spieler traten nach wie vor nicht befreit auf.

Bloss in den zehn Minuten vor der Pause versuchten sie, gegen ihr drohendes Schicksal anzukämpfen. Aber nach dem Überwinden des frühen Gegentreffers stand ihnen wie gewöhnlich die Effizienz bei diesem Vorhaben im Weg.

Darum verfestigte sich letztlich der Eindruck, dass der Luzerner Equipe nach der Transferkampagne im Sommer die Persönlichkeit und Qualität abgegangen ist, um in der höchsten Schweizer Liga bestehen zu können. Ganz egal, wer sich als FCL-Übungsleiter versuchen darf. Man muss es ohne Wenn und Aber sagen: In dieser Verfassung spielt der FC Luzern wie ein Absteiger.

«David Domgjoni und Patrick Farkas machten mir in den drei Tagen Vorbereitung aufs Spiel einen guten Eindruck.»

FCL-Interimstrainer Sandro Chieffo

Vielleicht hat auch Sandro Chieffo mit seiner Aufstellung zur Erneuerung dieses Gesamteindrucks beigetragen. Durch die Beförderung von Innenverteidiger David Domgjoni (für Holger Badstuber) und Rechtsverteidiger Patrick Farkas (für Silvan Sidler) in die Startformation der Luzerner wechselte er die Hälfte der Abwehr aus. Diese war in den letzten Wochen von Fabio Celestini als FCL-Trainer etwas solider geworden.

David Domgjoni lief seit dem 22. August und dem blamablen 1:4 in Genf nicht mehr von Beginn weg für die Luzerner auf. Und Patrick Farkas seit dem 26. September und seinem verletzungsbedingten Ausscheiden beim 2:3 gegen Lugano. Beide Neuverpflichtungen waren fortan bei Fabio Celestini wegen ihrer überschaubaren Fähigkeiten in Ungnade gefallen.

FCL leistet sich zu viele Fehler im Passspiel

Die neuen Kräfte in der FCL-Startformation machten weder die eigene Abwehr stabiler noch hatten sie positiven Einfluss auf die Spielauslösung und die offensive Durchschlagskraft. Auf die Frage von zentralplus, ob dieses Risiko ein zu grosses gewesen sei, entgegnete Sandro Chieffo: «Nein, das war es nicht. David Domgjoni und Patrick Farkas machten mir in den drei Tagen Vorbereitung aufs Spiel einen guten Eindruck. Für mich passt diese Entscheidung.»

Zwischen neuformierter Abwehr und der ungewöhnlich hohen Fehlerquote bei den weiten Bällen von Marius Müller mag ein Zusammenhang bestanden haben. Man könnte fehlendes Vertrauen vermuten. Vielleicht erwischte der FCL-Goalie in dieser Disziplin aber auch bloss einen schlechten Tag.

«Es gibt einfach solche Tage, an denen die technische Qualität nicht so gut ist.»

Unumstösslicher Fakt aber ist: Die Luzerner leisteten sich im Spielaufbau noch immer viel zu viele unerzwungene Abspielfehler. Diese luden die schnellen Basler Offensivspieler dazu ein, ihre zumeist präzise vorgetragenen und jederzeit gefährlichen Gegenstösse zu lancieren. Und es kostete die Luzerner einiges an Energie, die unnötig verlorenen Bälle zurückzuerobern.

Kann positives Denken beim FCL Berge versetzen?

Dieses Manko ist seit Anbeginn dieser Saison ein treuer Begleiter des FC Luzern. Nicht einmal Sandro Chieffo versuchte, die Feststellung von zentralplus in Abrede zu stellen. Stattdessen sagte er zum Chronisten: «Ich muss Ihnen recht geben. Wir waren im Spielaufbau bis hin zur Vollendung unserer Angriffe nicht präzise genug.»

Doch im nächsten Augenblick erinnerte sich der FCL-Interimstrainer an seine Kommunikationsstrategie. Also fuhr er fort: «Es gibt einfach solche Tage, an denen die technische Qualität nicht so gut ist.»

Frei von jeglicher Bösartigkeit bleibt festzuhalten: Solche Tage begleiten den FCL seit nunmehr 15 Meisterschaftsspielen. Doch das kann nichts an der Zuversicht Sandro Chieffos ändern, dass er dieses Defizit nach einem für die Spieler freien Montag in den Griff bekommen werde.

Vielleicht kann sein positives Denken tatsächlich Berge versetzen – auch wenn ihn die nächsten beiden Spiele der Luzerner in den Letzigrund (gegen Tabellenführer FC Zürich und Aufsteiger GC) führen werden. Und zum Abschluss dieser verkorksten Hinrunde wird der FCL zu Hause noch Servette empfangen.

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9 Kommentare
  1. Roger Bättig, 29.11.2021, 11:11 Uhr

    So viele Fachleute sind der Meinung, dass das Kader gut genug ist. Die Tabelle lügt nicht und Luzern steht dort wo sie mit den wöchentlichen Leistungen auch hingehören. Das Kader wurde mit den Abgängen Ende Saison extrem geschwächt, weil keiner der neu Verpflichteten, auch nur annähernd das bringt, was man erwartet hat. (Die Fehleinschätzungen bei den Transfers ist gravierend, die Quittung dafür ist der Tabellenplatz) Die Verteidigung ist in jedem Spiel überfordert und die Abstimmung mit dem Mittelfeld stimmt in keiner Weise. Ich frage mich noch heute, wie kann man nur auf die Idee kommen einen H.B zu verpflichten. ( z.B. Bei Alves sagte man er ist langsam, unbeweglich und hat eine schlechte Spielauslösung… trotzdem war er um vieles besser als die Neuverpflichteten IV) Jetzt versucht man mit einen Nachwuchstrainer die Fehler bei der Kaderzusammenstellung zu korrigieren. Der motivierte S.C. versucht das Kader gut zu reden, aber wie soll er aus einem Fiat Uno einen Ferrari machen? Mit kaum genügenden Verteidigern und ohne treffenden Stürmern, dafür aber mit ca. 14 Mittelfeldspielern wird Luzern nie aus dem Keller kommen. Leider wird nach wie vor alles schön geredet statt die Fehler eingesehen….

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    1. Michel von der Schwand, 29.11.2021, 12:23 Uhr

      ich vermute mal, dass sich Chieffo masslos selbst überschätzt. In meinen Augen ein Uli-Forte-Gedächtnis-Blender. Er war ja auch dessen Assistent und wenn es jemand zu Stande bekommt, dass Kriens am Ender der Saison noch vor Yverdon steht, dann dieser Blender aus Zürich.

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  2. Mac Tanner, 29.11.2021, 09:49 Uhr

    Super-Sportchef Meyer wird es wie immer richten und uns mit 1-2 genialen Transfers in der Winterpause sogar bis auf die Europacup-Plätze (Cupsieg 2022) führen, davon bin ich felsenfest überzeugt!

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    1. Lucio Dalla, 29.11.2021, 10:54 Uhr

      Ich nehme mal an das war Ironisch? Cup Sieger 2022, da Tipp ich auf den FC Lugano. Der FCL sollte sich jetzt voll auf die Super-League Aufstockung auf 14 oder 16 konzentrieren, da besteht noch die Möglichkeit in der Liga zu bleiben. Leider geht das aber noch zwei oder drei Jahre.

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    2. Michel von der Schwand, 29.11.2021, 11:27 Uhr

      Satire?

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      1. Lucio Dalla, 29.11.2021, 11:41 Uhr

        Ja, es heisst jetzt bei FCL man soll Lachen 🙂

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      2. Michel von der Schwand, 29.11.2021, 12:21 Uhr

        @Lucio Dalla: Über den Uli-Forte-Gedächtnis-Blender kann ich nicht lachen.

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  3. Michel von der Schwand, 29.11.2021, 08:42 Uhr

    Es zeigt sich, dass die jungen Fussballer klare Anforderungen an deren Übungsleiter haben. Dieser muss in der Lage sein, seinem Team Lösungen aufzuzeigen. Dazu war Celestini und erst recht Chieffo nie in der Lage. Zudem ist das Vorgehen der sportlichen Leitung äusserst besorgniserregend. Der ehemalige Assistent von Uli Forte soll diesem Team Lösungen aufzeigen und versucht dies über den Faktor Spass? Eigenartig, dass man nicht erkennt, dass es in Luzern lichterloh brennt. Das macht Spass? Herr Alpstaeg ist gut beraten, wenn er Wolf und Meyer vom Hof jagt. Unfassbarer Dilentantismus, welcher jedoch nicht von ungefähr kommt. Sieht man sich den Verwaltungsrat an, dann erkennt man schnell, dass diese fehlende Fussballkompetenz dazu führt, dass man eben das eigentlich Problem «Wolf und Meyer» nicht erkennt. Aber wie schon mal gesagt: Der Wolf kann ja Abstieg. Sollte also nichts mehr schief gehen.

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  4. Hannes Estermann, 29.11.2021, 00:26 Uhr

    Unerfüllte Hoffnung ?
    Realistisch betrachtet-NEIN, selbst als Laie sah man das wieder holte Ungemach kommen.
    Vermutlich mit Ausnahme beim einwenig (?) blauäugigen,neuen Trainer.
    Ein Welt bekannter Buchtitel aus den 60 er Jahren, passend zur jetzigen Situation,der ersten FCL
    Mannschaft gewünscht ? Er hiess viel sagend «Vorwärts Kameraden-wir müssen zurück!»
    Passt irgendwie auch zum der zeitigen FCL in die nächst tiefere Liga ,um später mit frischem Elan und hoffentlich (!) wieder eingekehrter Freude den Aufstieg anstreben.
    Glaube-längerfristig allseits ein Gewinn.

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