Sport
Vor dem Duell der besten Rückrunden-Teams

Celestinis Massnahme und Elekes unvorteilhafte Statistik

Das Stossgebet zum Himmel vor dem letzten Heimspiel gegen Lugano blieb wohl unerhört: FCL-Stürmer Blessing Eleke konnte seine Position im Team nicht verbessern. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Am erfolgreichsten ist der FC Luzern, wenn sein Stürmerstar eingewechselt wird oder gar nicht spielt. Allerdings hapert es, wenn Blessing Eleke (24) in der Luzerner Startformation steht. Das besagt die Statistik unter Trainer Fabio Celestini. Was macht das mit der Mentalität des Teams?

Der FCL schoss am letzten Sonntag im Heimspiel gegen Lugano drei Tore in Serie, um wenigstens noch einen Punkt zu retten. Doch Fabio Celestini machte keinen Hehl daraus, dass er von der Spielweise seiner Mannschaft in den ersten 60 Minuten enttäuscht war. Der Trainer der Luzerner sagte, dass er jetzt eingreifen müsse, damit die Werte seiner Mannschaft nicht verloren gingen (zentralplus berichtete).

In seiner Situation hat ein verantwortungsbewusster Cheftrainer drei Möglichkeiten, um die Köpfe seiner Mannschaft neu auszurichten:

  • Erstens: Fabio Celestini redet seiner Mannschaft ins Gewissen.
  • Zweitens: Fabio Celestini verändert den Ablauf seiner Spielvorbereitung, um die Mannschaft aus einer Lethargie zu reissen.
  • Drittens: Fabio Celestini ergreift personelle Massnahmen und verändert seine Startformation – auch wenn seine Kreativität wegen Verletzungen (Marco Burch, Ibrahima Ndiaye, Christian Schwegler und Tsiy Ndenge) und der Tiefe des Kaders eingeschränkt ist.

Das hat Fabio Celestini gemacht

Fabio Celestini hat sich als Massnahme, um seine unerlässlichen Tugenden wie Kampf, Mentalität, Lust am Fussball, mannschaftliche Geschlossenheit und Zusammenarbeit hochzuhalten, für ein Gespräch entschieden, wie der 44-jährige Romand gegenüber zentralplus bekennt: «Ich habe den Spielern gesagt, was ich denke.»

Auf die Nachfrage, ob er dabei laut werden musste, hält Fabio Celestini fest: «Das geschah in einer normalen Lautstärke.» Weil mittlerweile drei Tage seit der Leistung gegen Lugano ins Land gezogen sind, hat sich bei ihm der Unmut offensichtlich verzogen wie ein Unwetter über der Allmend: «Man darf nicht vergessen, dass es unglaublich ist, was dieses Team leistet», betont er.

Das lässt sich statistisch belegen: Luzern ist mit 24 Punkten in 12 Partien nach wie vor das beste Team der Rückrunde 2020, dank des besseren Torverhältnisses gegenüber dem aktuellen Tabellenführer und Titelanwärter St. Gallen. Und der erwartet den zum Jahreswechsel mit 18 Punkten abstiegsbedrohten FCL am Donnerstag (20.30 Uhr) zum Kampf der Überflieger.

Ohne Eleke läuft es dem FCL gut

Es gibt allerdings einen guten Grund für Fabio Celestini, über Punkt 3 und sein personelles Aufgebot in der Startformation nachzudenken. Seit er nämlich Anfang Jahr Nachfolger von Thomas Häberli geworden ist, hat sich die Leistungskurve von Blessing Eleke nicht in die gewünschte Richtung entwickelt.

«Blessing Eleke zeigte nicht das, was wir wollten.»

FCL-Trainer Fabio Celestini

Der Nigerianer hat in einer für ihn persönlich nicht einfachen Vorrunde zwei Tore gemacht, jetzt steht er nach zwei Dritteln der Rückrunde unter Fabio Celestini bei zwei Toren und einer Vorlage. Kein Quantensprung.

Noch unvorteilhafter unter Celestinis Ägide: Der FCL gewann die beiden Partien in Zürich (3:2) und Neuenburg (1:0), als Blessing Eleke die gesamte Spielzeit auf der Ersatzbank schmoren musste.

Mit Eleke als Einwechselspieler noch besser

Dem FCL lief es am besten, wenn der mit einem bis 2022 gültigen Vertrag ausgestattete Angreifer erst mit Fortdauer ins Spielgeschehen eingriff: Dabei schauten vier Siege und zwei Remis heraus. Ausschliesslich in dieser Rolle kam er als Torschütze und Vorbereiter zum Zug.

Stand Eleke allerdings in der Startformation, gab es für den FCL einen Sieg (3:0 gegen Thun), ein Unentschieden (3:3 gegen Lugano) und eine Niederlage (0:2 in Genf). Die schlechteste aller Varianten.

Nur bei der ersten Niederlage unter Celestinis Ägide überhaupt, beim 0:2 in Lugano, stand der Stürmer wegen eines Knieproblems nicht im Aufgebot.

Celestini redet mit Eleke Klartext

Von aussen betrachtet scheint der Fall eine klare Richtung anzunehmen: Blessing Eleke bringt es auch unter Fabio Celestini, der viele FCL-Spieler an deren Leistungsgrenze trieb, nicht. Darum scheint ein Verkauf im nächsten Transferfenster die beste Lösung für beide Seiten zu sein.

Doch gegen diesen Eindruck erhebt Fabio Celestini Einspruch: «Was Blessing Eleke als Einwechselspieler dem Team bringt, ist grossartig. Er gibt immer 120 Prozent.»

Allerdings gelingt seinem Stürmer nicht die gleiche Wirkung als Mitglied der Startformation. «Beim 3:0 gegen Thun war er nicht so gut. Er zeigte nicht das, was wir wollten. Und das weiss Blessing, weil ich ihm das erläutert habe», gibt Celestini zu. Und nun?

Warum sich Celestini clever verhält

Die sportliche Wichtigkeit von Blessing Eleke für den FC Luzern wird sich an den Geschehnissen in den nächsten Wochen und Monaten ablesen lassen.

Celestini wird einen Teufel tun, den Wert des Sturmtanks für seinen Arbeitgeber mutwillig mit unbedachten Äusserungen zu minimieren. Und schon gar nicht, Eleke die restliche Motivation für den weiteren Saisonverlauf mit dem FCL zu nehmen. Man kann ja noch aufeinander angewiesen sein.

Celestini betont: «Blessing Eleke war nicht der einzige Akteur mit einem Leistungsabfall in den letzten Spielen und Wochen.»

Auch wenn es im Umfeld der Luzerner schon längst ein offenes Geheimnis ist: Gegen die egozentrische und extrovertierte Wesensart von Blessing Eleke haben nicht nur einige Teamkollegen anzukämpfen.

Aber diese Tendenz begann sich im inneren Zirkel des Teams schon zu verfestigen, als Fabio Celestini und die FCL-Führung noch nichts von ihrem Glück ahnen konnten, dereinst eine erspriessliche Zusammenarbeit einzugehen.

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