Sport
Tefik Bajrami gegen Diego Javier Sanabria

Blut, Schweiss und harte Schläge – der WM-Titelkampf in Luzern

Ein Novum im Kanton Luzern: Ein WM-Boxkampf.

(Bild: pgu)

Sieben Boxkämpfe fanden am Samstagabend in der Krauerhalle in Kriens statt. Highlight des Abends: Der erste WM-Boxkampf im Kanton Luzern. Grund genug für zentralplus, diesem historischen Anlass beizuwohnen.

Tefik «Hurricane» Bajrami trat am Samstagabend in Kriens gegen Diego Javier Sanabria aus Argentinien an. Sein Ziel: der WM-Titel in der World Boxing Union (WBU). Bajrami ist 40 Jahre alt, ehemaliger Schweizermeister im Thaiboxen, besitzt eine eigene Sicherheitsfirma und betreibt mit seinem Bruder, dem ehemaligen Thaibox-Weltmeister Xhavit Bajrami, eine Kampfsportschule in Luzern. Daneben absolviert er ein Fernstudium in Politikwissenschaften. Ein Tausendsassa also, wie er im Buche steht.

Lecker schmausen während des Prügelfests

Bevor es allerdings so weit ist, werden in der Krauerhalle Kriens sechs andere Kämpfe ausgetragen. Davon zwei Boxkämpfe und vier Thaiboxkämpfe, wo neben den Faustschlägen auch Tritte zum Einsatz kommen.

Rund um den Ring stehen sogenannte VIP-Tische für je sechs Personen bereit, welche für 600 Franken im Voraus reserviert werden konnten. Hier lässt es sich gediegen speisen, einen Wein oder ein Bierchen schlürfen, während wenige Meter weiter sich die Herren Boxer gegenseitig verkloppen. Für alle anderen hat es in den drei Stuhlreihen weiter hinten oder auf der Tribüne Platz.

Auch Bajrami muss Treffer einstecken.

Auch Bajrami muss Treffer einstecken.

(Bild: pgu)

Nach einer längeren Verspätung ist es nach 19 Uhr so weit und der erste Boxkampf kann beginnen. Die Kämpfer laufen einzeln begleitet von ihrer persönlich gewählten Fanfare ein. Eine Nebelmaschine bläst mehr schlecht als recht Dampf aus, um so etwas wie Atmosphäre zu erzeugen. Obwohl sich die beiden Kämpfer nicht zu schade sind, von Beginn weg den Infight zu suchen, will an den umliegenden Tischen nicht so richtig Stimmung aufkommen. Anstatt mit dem handfesten Haudrauf-Spektakel mitzufiebern, unterhält man sich eben doch lieber mit den Tischnachbarn.

Meinen beiden Sitznachbarn entgeht die fehlende Begeisterung ebenfalls nicht und sie beklagen sich missmutig. Mit lautem Jubel versuchen sie ihre Umgebung mitzureissen, jedes Mal, wenn wieder ein Schlag so perfekt platziert im Gesicht eines Boxers landet, dass es jedem Kieferorthopäden die Freudentränen in die Augen treiben würde.

Vor Beginn des Kampfes haben sich mir die beiden als heissblütige Bajrami-Fans zu erkennen gegeben. Auf meine Frage, wie sie die Chancen ihres Favoriten einschätzten, zeigten sie sich verhalten optimistisch. «Sein Alter könnte ein Problem sein», meinte der eine, während der andere zu bedenken gab, dass der Boxsport unberechenbar ist, «da kann alles passieren». Sie sind sich darin einig, dass Tefik Bajrami heute eine schwierige Aufgabe erwartet.

Kompromisslose Fights, faire Sportler

Beim vierten Kampf kommt es zum ersten technischen KO des Abends. Der angeschlagene Kämpfer humpelt von seinen Teamkollegen gestützt aus dem Ring. Die Stimmung in der Halle ist inzwischen aufgetaut und auch die Gäste an den Tischen fiebern von Runde zu Runde stärker mit. Das liegt sicherlich auch daran, dass sich die Kämpfer im Ring nichts schenken.

Da wird nicht lange herumgetänzelt, sondern aggressiv vorangeprescht. Das erste Highlight des Abends ist der Titelkampf zwischen Ylber Azizi und Alessandro Pucci im Thaiboxen. Ylber Azizi geniesst hierbei als Teil der Kampfsportschule Bajrami Heimvorteil und kann sich der Sympathien des Publikums, das ihn vor allem von der Tribüne aus inbrünstig anfeuert, sicher sein. Die Fans werden nicht enttäuscht. Azizi gewinnt nach Punkten.

Bajramis Trainer ruft derweil immer wieder laut in den Ring: «Tefik, du darfst dich nicht treffen lassen! Zeig ihm nicht, wenn du schlägst!» Einfacher gesagt als getan.

Neben aller Härte, die hier kompromisslos aufgefahren wird, gehen Fairness und Sportlichkeit nie verloren. Unnötige Rüpeleien gibt es keine. Stattdessen umarmen sich die Kontrahenten nach den Kämpfen und zollen sich Respekt. Auch der Ringrichter, der die sechs Vorkämpfe leitet, macht einen guten Job.

Nur einmal kommt er ins Straucheln, als er einen Kampf bereits in der dritten und letzten Runde wähnt, woraufhin ein Punkterichter ihn daran erinnert, dass der Kampf über sechs Runden dauere. Der Ringarzt bekommt an diesem Abend wenig zu tun. Es fliegen weder Zähne noch spritzt das Blut durch die Luft. Nur ab und zu holt jemand nach getaner Arbeit für einen der Kämpfer die verdiente Schmerztablette am Arzttisch ab. Wer mag es ihnen vergönnen.

Ein Hurricane bahnt sich an

Nach rund zwei Stunden ist es dann endlich so weit und der eigentliche Hauptact, auf den alle gewartet haben, wird angekündigt. Der WBU-WM-Kampf zwischen Tefik Bajrami und Diego Javier Sanabria. Gesäumt von ihren Landesflaggen treten die Kämpfer ihren Weg zum Ring an.

Der Kampf zwischen den beiden ist auf Augenhöhe.

Der Kampf zwischen den beiden ist auf Augenhöhe.

(Bild: pgu)

Nachdem die letzten Kämpfe von den wendigen und schnellen Thaiboxern absolviert wurden, wirken die beiden Schwergewichtler ein wenig behäbig und langsam. Dem Argentinier gelingt der bessere Start in den Kampf und er dominiert anfangs. Bajramis Trainer ruft derweil immer wieder laut in den Ring: «Tefik, du darfst dich nicht treffen lassen! Zeig ihm nicht, wenn du schlägst!» Einfacher gesagt als getan. Mit stoischer Mine nimmt Bajrami die Zurufe aus seiner Ecke entgegen. Doch er findet immer besser in den Kampf. Es ist noch alles offen.

Überraschendes Ende und viel Blitzlichtgewitter

Dann vor Beginn der vierten von zwölf Runden die überraschende Nachricht: Der Kampf wird nicht fortgeführt, der Argentinier muss aufgeben. Trotz des eher unspektakulären Sieges ist der Jubel gross. Der Ausdruck von überwältigender Freude fegt die stoische Mine aus Bajramis Gesicht, als er die Arme zum Sieg in die Höhe reckt.

Tefik Bajrami hat es geschafft: Er holt sich den WM-Gürtel.

Tefik Bajrami hat es geschafft: Er holt sich den WM-Gürtel.

(Bild: pgu)

Nachdem ihm der WM-Gurt umgeschnallt wurde und er ein paar Worte des Dankes gesprochen hat, beginnt für ihn ein langer Fotomarathon. Jeder möchte ein Bild von sich zusammen mit ihm im Ring. Und Bajrami scheint das gerne über sich ergehen zu lassen und posiert ein ums andere Mal mit jedem, der ihn darum bittet – immer schön lächelnd.

Und so nähert sich unweigerlich das Ende eines langen Abends. Es wurde kräftig ausgeteilt und viel eingesteckt. Den Leuten hat’s scheinbar gefallen. Haufenweise zufriedene Gesichter, wohin man schaut an diesem Abend, an dem zum ersten Mal ein WM-Kampf im Kanton Luzern stattgefunden hat. Mal schauen, was die Historiker eines Tages zu alldem noch so sagen werden.

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