FC Luzern Sport

Durchbruch eher Zufall als Strategie?
Alounga und der zweifelhafte FCL-Plan mit den Talenten

  • Lesezeit: 4 min
  • Kommentare: 5
  • FC Luzern
FCL-Stürmer Yvan Alounga nimmt auf Leihbasis bei Schaffhausen einen neuen Anlauf in der Challenge League: «Das ist keine Bestrafung, sondern eine Chance», so FCL-Sportchef Remo Meyer. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

In Yvan Alounga (19) hat der FCL im Sommer 2020 eine schöne Summe investiert. Nach einer ordentlichen Debüt-Saison verschwand er im letzten Halbjahr in der Versenkung und wurde nun nach Schaffhausen ausgeliehen. Der Tabellenletzte musste im Sturm mit Asumah Abubakar nachrüsten. Doch FCL-Sportchef Remo Meyer verteidigt die Talentförderung.

Es fing alles so an, wie man es sich bei den FCL-Verantwortlichen erhofft hatte. Yvan Alounga, die Neuverpflichtung aus Aarau, machte 25 Spiele in der Saison 2020/21 und dabei liess er mit einem Tor und drei Assists bisweilen sein Talent aufblitzen.

Aber mit Beginn dieser Saison fing es an zu harzen. Kein Tor und keinen Assist in den zwölf Einsätzen bis zur Winterpause. Was war da passiert?

«Yvan Alounga hat in seiner Entwicklung stagniert. Er bekam wegen seiner Leistungen nicht mehr genügend Einsatzzeit», sagt FCL-Sportchef Remo Meyer. Für einen jungen Spieler sei Spielpraxis das Wichtigste, bemerkt Meyer. «Deshalb haben wir uns darauf geeinigt, Yvan Alounga bis zum Saisonende an den FC Schaffhausen auszuleihen.»

FCL: Abubakar für Alounga

Es ist nicht überliefert, wie toll Yvan Alounga seinen Neustart im Norden der Schweiz empfindet. Das sei keine Bestrafung, sondern eine Chance für ihn, stellt Meyer klar.

Zentral aber ist die Kostenfolge für seinen Arbeitgeber. Der FC Luzern musste seinem vor Beginn der Winterpause neuverpflichteten Cheftrainer Mario Frick einen neuen Stürmer posten. Von Lugano kam Asumah Abubakar (24) und wurde mit einem Vertrag bis 2024 ausgestattet.

«Es braucht viel Geduld, bis sich ein Spieler in der höchsten Liga durchsetzen kann.»

FCL-Sportchef Remo Meyer

Allerdings ist der flinke und frühere Kriens-Stürmer in seinen 37 Meisterschaftseinsätzen für Lugano (fünf Tore und zwei Assists) bislang den Nachweis schuldig geblieben, dass er auch eine Mannschaft in der Super League gefährlicher machen kann. Aber genau darauf ist der Tabellenletzte FC Luzern bei seiner Mission Ligaerhalt in diesem Halbjahr angewiesen.

Celestini brachte drei FCL-Talente gross raus

Im FC Luzern entstand zuletzt der Eindruck, dass die Karriere einer Hochbegabung mehr von den persönlichen Präferenzen und der Klasse des jeweiligen Cheftrainers als von einer klaren Planung der Klubführung abhing. Fabio Celestini hat in seinen fast zwei Jahren beim FCL Innenverteidiger Marco Burch und Filip Ugrinic, Luzerns mittlerweile grössten Trumpf im Vorwärtsgang (zentralplus berichtete), zu festen Grössen gemacht. Und darüber hinaus den aktuellen Basel-Stürmer Darian Males gross rausgebracht.

Bei Interimstrainer Sandro Chieffo tauchte unvermittelt Jungstürmer Noah Rupp auf. Planlos und vogelfrei wurde der 18-jährige Offensivspieler gegen Ende der Vorrunde ins kalte Wasser geworfen. Ob man Rupp damit einen Gefallen gemacht hat, bleibt zu bezweifeln.

«Im Kampf um den Ligaerhalt geht es für uns in erster Linie darum, die bestmöglichen Spieler auf den Platz zu bringen.»

FCL-Sportchef Remo Meyer

In der Gunst des aktuellen Cheftrainers Mario Frick scheint wegen seiner Aufgebote in den Testspielen Ardon Jashari (19) ein hohes Standing zu haben. Ist das aber bloss eine weitere Momentaufnahme oder hat der FCL eine klare Vorstellung davon, wie er seine Talente weiterentwickeln will?

Zeit für eine eigenständige Zukunftsstrategie des FCL?

«Wir glauben an jedes unserer Talente aus der eigenen Nachwuchsabteilung als auch an jene, die wir von auswärts zu uns holen», versichert Remo Meyer. «Aber es braucht viel Geduld, bis sich ein Spieler in der höchsten Liga durchsetzen kann. Und wir lassen uns nicht unter Druck setzen. Es gibt verschiedene Wege zu diesem Ziel.»

Um ein Missverständnis auszuschliessen: Es ist nicht so, dass der FCL in der Talentförderung versagt hat. Das belegen die Karrieren von Jonas Omlin, Ruben Vargas, Darian Males und der aufstrebenden Marco Burch sowie Filip Ugrinic.

Aber der FCL könnte, wenn er seine mit gut drei Millionen Franken pro Saison alimentierte Nachwuchsstrategie schärft, noch mehr aus seinem Potenzial und seinen beschränkten finanziellen Mitteln herausholen. An der Schwelle zur Challenge League könnte das Definieren einer eigenständigen Zukunftsstrategie erst recht Sinn ergeben.

Vor dem Hintergrund des aktuellen Tagesgeschäfts sagt FCL-Sportchef Remo Meyer: «Im Kampf um den Ligaerhalt geht es für uns in erster Linie darum, die bestmöglichen Spieler auf den Platz zu bringen.»

Verwendete Quellen
  • Gespräch mit FCL-Sportchef Remo Meyer
  • Regelmässige FCL-Matchbesuche seit Sommer 2018
  • Diverse Gespräche mit Experten
  • Statistiken von www.transfermarkt.ch
Weitere Quellen
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5 Kommentare
  1. Goeggeler, 28.01.2022, 17:58 Uhr

    Der FCL spielt mit dem Feuer! Die jungen Talente werden abgeschoben und dafür drittklassige Spieler aus der Challenge League geholt, die keine oder nur wenig Erfahrung in der Super haben. Man hat nicht den Mut auf den eigenen Nachwuchs zu setzen. Dazu kommt, dass die halbe Verteidigung in der Winterpause ausgewechselt wurde. Bis eine Verteidigung eingespielt ist und die Automatismen klappen vergehen mindestens zehn Spiele. Doch dann kann es längst zu spät sein.
    Doch die Hoffnung stirbt zuletzt…. Manchmal gibt es im Fussball auch Wunder.

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  2. Vreni, 28.01.2022, 08:14 Uhr

    Bringt Luzerner Spieler die sich mit dem Verein und Landschaft identifizieren
    Nicht irgendwelche zusamnengekaufte billige Spieler.

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  3. Tacheless, 27.01.2022, 13:52 Uhr

    Es ist richtig Talenten möglichst viel Spielminuten in der Challenge League zu ermöglichen, schliesslich ist und bleibt der FCL ein Ausbildungsverein mit bescheidenen finanziellen Mitteln (was leider immer wieder vergessen wird und was eigentlich europäisch gesehen für die ganze Liga gilt). Es ist ein bisschen wie russisches Roulette, wo bildlich gesehen von 6 Patronen nur eine «sitzt». Jede Spielminute zählt in den obersten Ligen, das gilt auch für Rupp. Ich schätze Herrn Ineichen als Sportjournalist sehr, aber das ständige Schiessen, um in der bildlichen Sprache zu bleiben, gegen das unglückliche Engagement von Herrn Chieffo geht langsam unter die Gürtellinie und entspricht eigentlich nicht seinem Niveau sondern eher des fragwürdigen Protagonisten der LZ.

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    1. Michel von der Schwand, 27.01.2022, 15:12 Uhr

      Es stellt sich dann aber auch die Frage, warum sich der FC Luzern im Hinblick auf den bevorstehenden Abstiegskampf mit Spielern aus der Challenge League «verstärkt» und gleichzeitig scheint es für die eigenen Talente nicht zu reichen. Da stellt sich schon die Frage, wie gut ist die Ausbildung des Nachwuchses beim FC Luzern. Hier hat der FC Luzern nun einen neuen Leiter. Was die angesprochenen Erfolge der Talentförderung resp. Ausbildung beim FC Luzern angeht, waren damals – so weit ich weiss – ein gewisser Gerry Seoane zusammen mit Genesio Colatrella verantwortlich. Kommt beim FC Luzern eben auch dazu, dass er dann nicht nur gute Spieler verliert, sondern auch das sehr gute Personal.

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    2. Redaktion Andreas Ineichen, 27.01.2022, 15:21 Uhr

      Besten Dank für Ihre Rückmeldung! Ich habe mit keiner Silbe im Artikel gesagt, dass eine Ausleihe falsch ist. Und das Beispiel Rupp unter der Führung von Sandro Chieffo ist für mich ein Beispiel der Planlosigkeit im FCL. Plötzlich taucht Rupp auf, spielt nach zwei Teileinsätzen von Anfang an, um dann entweder kurz nach oder im zweiten Fall zur Pause ausgewechselt zu werden. Das bringt den Spieler in seiner Entwicklung nicht weiter. Und vor allem: Wie geht’s jetzt mit Rupp unter dem neuen Trainer Mario Frick weiter? Für mich ist entscheidend, dass der FCL einen Kreis von ausgewählten Toptalenten definiert und einen Plan entwickelt, wie er ihnen schrittweise zum Durchbruch in der ersten Mannschaft verhelfen will. Und der Cheftrainer wird dazu verpflichtet, diese Strategie umzusetzen. Die Talente aus der zweiten Reihe sollen ausgeliehen werden, um sich weiterzuentwickeln. Beim FCL basiert in diesem Bereich zu vieles auf dem Prinzip Zufall. Zumindest nach meinem Gutdünken.

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