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Sport- und Eventhalle steht vor Durchbruch
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Auf dem rot eingefärbten Areal soll die neue Überbauung – 80-Meter-Hochhaus plus Pilatus-Arena – entstehen. Links davon zu sehen ist die Zentralbahn, rechts hinter der Fläche das Hauptgebäude der Stiftung Brändi in Horw. (Bild: zVg )

Erste Feuerprobe für Pilatus Arena Sport- und Eventhalle steht vor Durchbruch

8 min Lesezeit 15.12.2015, 08:45 Uhr

Volldampf voraus: Eine Mehrheit der städtischen Parteien wird diesen Donnerstag grünes Licht geben für die multifunktionale Eventhalle im Krienser Mattenhof. Die SP ist gespalten. Das zeigt die Umfrage von zentral+. Um eine spezielle Frage dürfte noch kräftig gestritten werden. Und: Die Finanzierung der Halle ist auch weiterhin nicht gesichert.

4’000 Sitzplätze, Kosten von 30 Millionen Franken, Platz für regionale und nationale Sportanlässe sowie Konzerte, Tagungen etc.: Die im Krienser Schlund geplante Pilatus Arena wäre ein grosser Wurf (hier geht’s zum ausführlichen Artikel plus zum Interview mit dem Bauherrn). Zusätzlich sollen auf dem Areal 40’000 Quadratmeter kommerziell genutzte Fläche entstehen – für Wohnungen, Büros und Dienstleistungen. Insgesamt würde das Projekt 200 Millionen Franken kosten. Bauen möchten es Private, nämlich die Sarner Firma Eberli. Betreiber wäre eine private Gesellschaft, angeführt von Nick Christen, Projektleiter und CEO des Handballclubs HC Kriens-Luzern. Speziell am Ganzen und bei weitem noch nicht gesichert ist jedoch die Finanzierung (siehe Box). Stadträtin Manuela Jost ist überzeugt: «Die Pilatus Arena entspricht einem grossen regionalen Wunsch. Sie ergänzt das Sportangebot auf der Luzerner Allmend ideal und wirkt sich auf die regionale Wertschöpfung aus.»

Das 13’000 Quadratmeter grosse Mattenhof-Areal gehört der Stadt Luzern. Diesen Donnerstag debattiert das Stadtparlament darüber, ob die Stadt den privaten Initianten der Pilatus Arena das Kaufrecht zusichern soll. Und wie die Umfrage von zentral+ unter den Fraktionen zeigt, erteilt der Grosse Stadtrat dem Projekt grünes Licht.

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GPK: Ja, aber …

Bereits Mitte November hat sich die Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Stadtparlaments mit dem Geschäft befasst. Sie stimmte diesem mit 6 Ja, 4 Nein und einer Enthaltung zu. Ablehnend allerdings steht die GPK dem Plan des Stadtrates gegenüber, den Buchgewinn von 13,45 Millionen in einen Fonds zur Sanierung von Schulhäusern zu legen. Denn die Sanierung von Schulhäusern ist laut GPK eine ständige städtische Aufgabe, welche wenn nötig durch eine Erhöhung des Investitionsplafonds realisiert werden müsse.

Handball soll in der neuen Pilatus Arena die erste Geige spielen. Aber auch viele andere Sportarten sollen Platz finden.

Handball soll in der neuen Pilatus Arena die erste Geige spielen. Aber auch viele andere Sportarten sollen Platz finden.

(Bild: zVg)

SVP: Es gibt nur Gewinner

Seitens der SVP (sieben Sitze im 48-köpfigen Stadtparlament) wird es laut Fraktionschef Marcel Lingg keinen Widerstand gegen die Pilatus Arena geben. «Im Gegenteil, auch wir sehen die grossen Vorteile, welches dieses Projekt in sich vereinigt.» Die geplante Saalsporthalle sei vergleichbar mit dem neuen FCL-Stadion und den beiden Hochhäusern auf der Allmend. «Dass die Allmendentwicklung als städtebaulicher Erfolg gewertet werden darf, lässt sich wohl auch kaum mehr von der damaligen Gegnerschaft, vorab aus linken Kreisen, bestreiten.»

«Durch die fast ausschliessliche private Finanzierung wird auch der Steuerzahler nicht zur Kasse gebeten.»

Marcel Lingg, Fraktionschef SVP

Finanzierung steht in der Schwebe

Die Pilatus Arena soll auf eine spezielle Weise finanziert werden: Die Halle soll mit über 20 Millionen Franken quersubventioniert werden. Und zwar, indem auf dem Areal anstatt einem 45-Meter-Hochhaus ein 80-Meter-Hochhaus erlaubt wird – dessen Mehrwert aber nur für die Saalsporthalle verwendet werden darf. Die restlichen knapp 10 Millionen Baukosten für die Halle sollen durch Private sowie Beiträge des Kantons und des Bundes zusammenkommen. Die Stadt oder die Gemeinde Kriens sind finanziell nicht beteiligt.

Weil unklar ist, ob diese Spezialfinanzierung überhaupt klappt, haben sich die Beteiligten auf ein zweistufiges Verfahren geeinigt. Der Käuferin Eberli Sarnen AG wird zuerst ein Kaufrecht über fünf Jahre eingeräumt. Dafür zahlt sie der Stadt pro Jahr 100’000 Franken. Kommt das Projekt nicht zustande, kann Eberli vom Kauf zurücktreten. Offen ist auch, ob der Betrieb und Unterhalt der Arena kostendeckend sein werden.

Lingg ist überzeugt: «In erster Linie profitiert der Sport. Es kann zudem ein volkswirtschaftlicher Nutzen generiert werden, was Einkommen und Arbeitsplätze sichert. Durch die fast ausschliesslich private Finanzierung wird auch der Steuerzahler bei Finanzierung und Betrieb nicht zur Kasse gebeten.» Zudem entsteht laut Lingg auch neuer Wohnraum. Und: Die Erschliessung des Areals mit dem privaten und öffentlichen Verkehr sei ideal. Dem Vorschlag des Stadtrates, den Verkaufserlös in ein separates Schulhaussanierungs-Kässeli zu stecken, steht die SVP auch eher kritisch gegenüber.

FDP: Für Verkauf, gegen Spezial-Kässeli

Sonja Döbeli-Stirnemann ist Fraktionschefin der städtischen FDP (neun Sitze). Sie sagt klipp und klar: «Für uns ist der Bedarf nach einer Sporthalle nachgewiesen. Den Standort mit der Nähe zu den Allmend-Sportanlagen erachten wir als sehr sinnvoll.» Eine Abgabe im Baurecht komme für sie nicht in Frage. Der Verkauf sei hier die einzig richtige Variante, der Verkaufserlös angemessen.

Dann tritt Döbeli noch kurz GLP-Baudirektorin Manuela Jost ans Schienbein: «Ein Wermutstropfen ist das sehr passive Vorgehen der Stadt. Offensichtlich bestand von Seiten des Stadtrats keine Strategie für dieses Stück Land. Da kommt ein einziger Investor mit der Idee einer Saalsporthalle, und dem wird nun das Areal gleich verkauft.»

«Wir möchten das ganze Konstrukt wegen einer buchhalterischen Frage nicht zu Fall bringen.»

René Peter, FDP

Bezüglich Verwendung des Verkaufserlöses ist man sich innerhalb der FDP offensichtlich nicht ganz einig. So sagt Grossstadtrat René Peter: «Grundsätzlich sind wir gegen verschiedene Kässeli und schlagen vor, dass der Buchgewinn nicht in die Rückstellung für Schulhausbauten gebucht wird. Jedoch möchten wir das ganze Konstrukt wegen einer buchhalterischen Frage nicht zu Fall bringen.» Damit signalisiert Peter, dass er aus Rücksicht auf das Projekt eventuell bereit wäre, diesen Punkt zu akzeptieren. Etwas anders sieht dies Sonja Döbeli: «Mit dieser Kässeli-Idee konnte der Stadtrat keinen Blumentopf gewinnen und hat diesen Antrag nach der Besprechung in der GPK auch zurückgezogen.» Dieser Antrag sei deshalb vom Tisch.

Auf dem Areal Mattenhof II soll bis 2019 die Sport- und Eventhalle entstehen.

Auf dem Areal Mattenhof II soll bis 2018 eine grosse Sport- und Eventhalle entstehen. 30 Millionen Franken kostet das Projekt.

(Bild: zvg)

CVP: «Wollen die Chance nutzen»

Eine klar positive Haltung zur Pilatus Arena vertritt auch die CVP (neun Sitze), wie deren Grossstadtrat Albert Schwarzenbach erklärt: «Wir stehen voll hinter der geplanten Saalsporthalle. Das Bedürfnis ist ausgewiesen, der Standort passt und ist mit dem ÖV gut erschlossen.» Ab 2021 verkehrt die Zentralbahn laut Schwarzenbach ja im 7,5-Minuten-Takt. Er sagt weiter: «Wir wollen diese Chance nutzen, die sich ja nur dank der Mantelnutzung durch das 80-Meter-Hochhaus eröffnet. Wenn man so etwas bauen will, dann auf dem Mattenhof.» Die CVP stelle sich grossmehrheitlich auch hinter den Verkauf des Areals.

Nicht einverstanden ist die CVP jedoch mit der vom Stadtrat geplanten Verwendung der Einnahmen aus dem Landverkauf. «Diese Gelder sollen nicht in ein eigenes, für die Sanierung von Schulhäusern bestimmtes Kässeli fliessen.»

Zudem will die CVP an der Ratssitzung vom Donnerstag noch einige Fragen beantwortet haben. So etwa zum Risiko, dass die Betriebsgesellschaft die Halle wirtschaftlich nicht erfolgreich betreiben könnte. «Und zur Grösse der Halle und den Mietpreisen für Vereine, die nicht auf Rosen gebettet sind. 4000 Personen werden ja nur ausnahmsweise in die neue Halle kommen, so dass die Tribünen grösstenteils leer stehen», so Schwarzenbach.

Auch für Konzerte oder, wie hier im Bild, Tennis-Länderspiel könnte die Pilatus Arena genutzt werden.

Auch für Konzerte oder, wie hier im Bild, Tennis-Länderspiel könnte die Pilatus Arena genutzt werden.

(Bild: zVg)

GLP: Auch ökologisch überzeugend

Klar hinter dem Projekt steht auch die GLP (vier Sitze), wie Fraktionschef Andras Özvegyi sagt. Positiv zu werten seien etwa das Engagement für den Sport und dass ein Marktpreis bekannt sei und auch eingefordert werde. «Für die Pilatus Arena sprechen auch die ökologischen Absichten der Initianten und die gute Lage des Standortes auf der Allmend, mit direkter Haltestellenerschliessung ab der Zentralbahn-Haltestelle Kriens Mattenhof.»

Bezüglich Verwendung der Einnahmen aus dem Landverkauf sagt Özvegyi: Ausdiskutiert haben wir das noch nicht. Aber ich sage dazu: Wir werden zukünftig grosse Fehlbeträge haben, unter anderem wegen der anstehenden Schulhaussanierungen. Warum nicht die Landverkaufserlöse teilweise dafür brauchen?» Das Geld nur zweckgebunden für Landkäufe zu horten, die es erstens gar nicht gebe und zweitens dafür schon 10 Millionen Franken bereit lägen, mache doch auch keinen Sinn.

SP: Fraktion ist gespalten

Spannend ist die Haltung der mit zwölf Grossstadträten grössten Fraktion im Stadtparlament, der SP. Bislang machte es den Anschein, als seien die Genossen dem Projekt gegenüber sehr kritisch eingestellt (siehe Interview mit Daniel Furrer). Nun räumt Daniel Furrer aber ein: «Die SP/JUSO-Fraktion ist hinsichtlich der Pilatus Arena geteilter Meinung. Etwa die Hälfte der Fraktion befürwortet das Projekt.» Für sie entspreche die Pilatus Arena einem Bedürfnis und sei ein Gewinn für den Sport in der Region, und der Verkauf mache aufgrund der Heimfall-Problematik in diesem Fall mehr Sinn als die Abgabe im Baurecht.

Die andere Hälfte der Fraktion bezweifelt laut Furrer zwar nicht unbedingt das Bedürfnis für eine solche Halle. «Sie würde aber auf diesem Areal andere Entwicklungsmöglichkeiten vorziehen, welche der Region und ihrer Bevölkerung mehr Nutzen bringen könnten.» Auch sei das Areal nie in ein Gesamtkonzept eingebunden worden, zudem werde die Verkehrssituation als kritisch beurteilt.

«Der Verkaufserlös soll zweckgebunden für den Kauf von Grundstücken bereitgestellt werden.»

Daniel Furrer, SP

Einigkeit herrscht bei der SP laut Furrer jedoch in einem Punkt: «Der Verkaufserlös soll zweckgebunden für den Kauf von Grundstücken bereitgestellt werden.» Es könne nicht sein, dass die Stadt Luzern laufend Grundstücke verscherble, um damit aktuelle Finanzlöcher zu stopfen. Der SP ist dieser Punkt dermassen wichtig, dass die Befürworter innerhalb der Fraktion dem Geschäft nur zustimmen, wenn der Rat mit der Zweckbindung des Gewinns einverstanden ist. Falls nicht, dürfte interessant sein zu sehen, ob die gespaltene SP auf die Abstimmung vom 28. Februar hin aktiv für ein Nein werben wird. Zumal die Zustimmung der Bevölkerung wohl absehbar ist.

Grüne: Öko-Wohnungen statt Sportstätte

Geschlossen gegen die geplante Pilatus Arena stellen sich folglich nur die Grünen (sieben Sitze). Stadtparlamentarier Christian Hochstrasser sagt: «Den Verkauf des städtischen Grundstücks an die Eberli Sarnen AG lehnen die Grünen ab. Eberli versucht, mit diesem Kauf und dem Bau von teurem Wohnraum eine hohe Rendite zu erzielen. Auswirkungen auf die Verkehrssituation sowie das ökologische Bauen werden im vorliegenden Projekt zudem zu wenig berücksichtigt.»

«Wir fordern weiterhin, dass das Grundstück im Baurecht ausgeschrieben wird, um eine 2000-Watt-Siedlung zu erstellen.»

Christian Hochstrasser, Grüne

Zudem kritisieren die Grünen, dass mit dem Verkaufserlös keine neuen Grundstücke erworben würden. Weiter beklagen sie, wie die FDP, dass der Stadtrat für dieses Grundstück offenbar keine Strategie entwickelt habe und das Areal nun einfach dem privaten Investor abtreten wolle. Hochstrasser fordert deshalb: «Die Diskussion über Sinn und Nutzen einer Saalsporthalle müsste zuerst offen und transparent geführt werden, inklusive Standortfrage.» Bekanntlich hätten die Grünen die Sporthalle lieber an anderen Standorten, wie etwa in Rothenburg, gesehen. «Die Grünen fordern weiterhin, dass das Grundstück im Baurecht ausgeschrieben wird, damit eine 2000-Watt-Siedlung erstellt werden kann.»

Droht ein Krienser Referendum?

Und so sieht der Zeitplan aus, falls das Volk am 28. Februar Ja sagt zum Projekt: Im Herbst 2016 soll der Gewinner des Architekturwettbewerbs feststehen, bis im Frühling 2017 die baurechtlichen Voraussetzungen geklärt sein, im Herbst 2017 die Baubewilligung erteilt werden – und im Herbst 2019 die Eröffnung der Pilatus Arena gefeiert werden. Wobei auch das sicher noch sehr sportlich ist. Denn in Kriens kann gegen den Bebauungsplan noch das Referendum ergriffen werden. Und wenn man sieht, wie stark die Widerstände speziell bei Hochhäusern sind (siehe Eichhof West in Kriens), könnte hier noch einiges an Überzeugungsarbeit bevorstehen.

3D-Karte der geografischen Einbettung der Pilatus Arena.

3D-Karte der geografischen Einbettung der Pilatus Arena.

(Bild: pilatusarena.ch)

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