Spitex-Chefin: «Die Patienten wollen vermehrt zu Hause bleiben»
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Spitalaufenthalt oder Pflege zuhause? Das sollen Covid-19-Patienten selber entscheiden können. (Bild: zvg)

Weniger Corona-Hospitalisierungen in Luzern Spitex-Chefin: «Die Patienten wollen vermehrt zu Hause bleiben»

3 min Lesezeit 16.11.2020, 18:50 Uhr

In verschiedenen Schweizer Spitälern hat sich die Lage während der zweiten Welle wieder vermehrt zugespitzt. Dennoch hat der Bund keinerlei Unterstützung von Pflegediensten wie der Spitex angefordert. Wie die Situation in der Zentralschweiz aussieht, erklärt die Geschäftsleiterin der Spitex Luzern.

Die Schweizer Spitäler stossen während der zweiten Corona-Welle erneut an ihre Grenzen. Mancherorts, etwa in Genf oder auch im Kanton Schwyz, waren ihre Kapazitäten zwischenzeitlich ausgelastet. Was dabei verwundert: Der Bund hat bisher keine Unterstützung von Pflegediensten wie der Spitex angefordert. Könnte auf diese Weise nicht das Spitalpersonal etwas entlastet werden? Das findet zumindest Marianne Straub Ruetz, Mitarbeiterin der Spitex aus der Ostschweiz.

Unmut aus der Ostschweiz

In einem offenen Brief, der auf der Onlineplattform «die Ostschweiz» erschienen ist, schreibt Straub Ruetz, dass es aus ihrer Sicht nicht erklärbar sei, weshalb der Bund mit seinem aktuellen Corona-Reglement Hospitalisierungen erzwingen würde und somit Spitäler unnötig belaste. Sie stellt die Frage: «Warum nur rennen mit Covid-19 alle ins Spital, um sich pflegen zu lassen oder um zu sterben?» Vielmehr könnten sie doch zu Hause auskuriert werden. Die Pflege durch die Spitex sei in vielen Fällen genauso gut möglich – vorbereitet wäre der Pflegedienst jedenfalls.

Auf Anfrage bei der Spitex Luzern weiss man nichts vom offenen Brief der Ostschweizer Kollegin. Und es klingt folgendermassen: «Covid-19-Patienten werden von uns behandelt, wenn sie bereits vor der Infektion Klienten von uns waren oder wenn Sie aufgrund einer Corona-Infektion mit einer ärztlichen Anordnung bei uns angemeldet werden», erklärt Barbara Hedinger, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Spitex Luzern auf Anfrage. Denn für die Spitex gilt grundsätzlich: «Wir leisten die Pflege, solange keine Spitalpflege erforderlich oder gewünscht ist.»

Wenig Spitaleinweisungen in Luzern

Das Angebot, welches insbesondere während der ersten Corona-Welle am meisten gefragt war, sei die spezialisierte Palliativpflege. Gerade in diesem Bereich konnte damals eine starke Mehrbelastung festgestellt werden, da aufgrund des Besuchsverbots in Spitälern mehr Patienten zu Hause bleiben wollten. «Die Spitaleinweisungen in der Zentralschweiz sind erfreulicherweise zurzeit nach wie vor tief», meint Hedinger zur Situation während der zweiten Welle.

Die Frage, ob da nicht fix vereinbarte Unterstützung seitens Spitex notwendig wäre, liege daher gar nicht auf dem Tisch. Dennoch: Wenn der Pflegedienst mit einem Fall konfrontiert wird, müssen sich die Mitarbeiterinnen um die Versorgung der Patientin kümmern – in der Stadt unterliegt die Institution nämlich einer Behandlungspflicht.

Patienten sollen für sich entscheiden können

Hedinger erklärt weiter: «Wichtig erscheint uns, dass die sozialen Kontakte weiterhin zumindest in kleinem Rahmen möglich sind – ganz gleich, ob im ambulanten oder stationären Bereich.» Aktuell seien aus Sicht der Spitex nämlich momentan auch Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen, die durch Corona stärker isoliert sind, besonders gefordert. So sollen die Klienten im Rahmen des Möglichen selbst entscheiden können, welcher für sie der richtige Weg ist.

Die grösste Herausforderung für das Team der Spitex zeichnet sich derzeit insbesondere bei den personellen Ressourcen ab. «Durch die Corona-bedingten Quarantänen der Mitarbeitenden und auch einzelner erkrankter Mitarbeitenden sind wir aktuell gefordert», führt Hedinger aus. Sie weist zudem darauf hin, dass die Auslastung aber auch unabhängig von Corona zurzeit recht hoch sei.

Das Wichtigste: gesunde Mitarbeiter

Dennoch hat die Spitex mehrere Patienten mit positivem Testergebnis behandelt. Im Verhältnis zur Gesamtzahl aller Klientinnen handle es sich aber um einen kleinen Anteil von zwei bis fünf auf 1000 Fälle. Mehr zu tun gebe es bei sich in Quarantäne befindenden Personen – die Spitex bietet beispielsweise auch Mahlzeiten-Dienste an.

Hauptziel der Geschäftsleitung ist es, «die Ansteckungen unter den Mitarbeitenden gering zu halten, um die Pflege aufrechterhalten zu können.» Auch im Rahmen des Testings setzt sich die Institution ein, konkret bei den Drive-in-Zentren Luzerns.

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