Spitalpersonal darf trotz Quarantäne zur Arbeit
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Für das Personal der Spitäler erlaubt der Kantonsarzt eine erleichterte Quarantäne. (Symbolbild: zvg)

Luzern reagiert auf Anstieg der Coronazahlen Spitalpersonal darf trotz Quarantäne zur Arbeit

3 min Lesezeit 6 Kommentare 30.10.2020, 19:29 Uhr

Die Luzerner Spitäler wappnen sich für einen weiteren Anstieg der Coronafallzahlen – und können dabei auf eine erleichterte Quarantäne-Regel für ihre Angestellten zählen.

240 neue Coronafälle hat der Kanton Luzern am Freitag vermeldet. Dazu zwei weitere Todesfälle, zwei Personen im Alter von 61 und 88 Jahren, wie Gesundheitsdirektor Guido Graf an einer Pressekonferenz zum Stand der Situation sagte (zentralplus berichtete).

Den Anstieg bekommen auch die Spitäler zu spüren. Am Freitag waren 61 Personen hospitalisiert, 11 befanden sich auf der Intensivstation. «Die Spitäler füllen sich, wir müssen uns auf eine Verschärfung der Situation vorbereiten», sagte Marco Rossi, Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene am Luzerner Kantonsspital (LUKS).

Dafür arbeitet man einerseits mit anderen Spitälern zusammen. Das LUKS hat beispielsweise zuletzt Patienten aus Zug aufgenommen, wenn die dortige Intensivstation überlastet war. Andererseits werden erneut – wie bereits letzten Frühling – gewisse Eingriffe verschoben. «Es handelt sich um nicht dringliche Operationen, deren Verschiebung den Patienten keinen gesundheitlichen Nachteil verschafft, beispielsweise wenn jemand ein künstliches Gelenk braucht.» 

In der Freizeit müssen sie in Quarantäne bleiben

Für Aufsehen sorgte diese Woche ein Schreiben der Aargauer Kantonsärztin: Sie erlaubt bei akutem Personalmangel selbst Angestellten den Einsatz, die in Quarantäne sind oder selber mit dem Coronavirus infiziert sind, wie die «Aargauer Zeitung» berichtete. Auch in anderen Kantonen gibt es Ausnahmeregelungen, die auch das Nationale Zentrum für Infektionsprävention (Swissnoso) empfiehlt.

Im Video spricht Marco Rossi vom Luzerner Kantonsspital über die Situation und die Stimmung im Spital:

Dass Gesundheitsfachpersonen zum Einsatz kommen, die aufgrund eines engen Kontaktes mit einer positiv getesteten Person in Quarantäne sind, kommt auch in den Luzerner Spitälern vor, sagt Chefarzt Marco Rossi. Man habe in enger Absprache mit dem Kantonsarzt eine Lösung gefunden. «Man muss aber präzisieren: Es ist nicht so, dass diese Personen nicht in der Quarantäne sind», sagt der stellvertretende Leiter des Sonderstabs Pandemie am LUKS.

Die betroffenen Mitarbeiter hätten einzig die Erlaubnis, für den Arbeitsweg und ihre Arbeit im Spital die Quarantäne zu unterbrechen. Im privaten Umfeld und ihrer Freizeit hingegen müssen sie sich weiterhin an die Regeln halten und sich in Quarantäne begeben.

«Wer positiv getestet wurde, darf selbstverständlich nicht eingesetzt werden.»

Marco Rossi, LUKS

Der Schutz der Mitarbeitenden und der Patienten sei trotzdem gewährleistet, versichert Marco Rossi. Dafür sorgen die hohen Hygieneanforderungen, die Maskenpflicht sowie die Abstandsregeln. «Darum sind wir zuversichtlich, dass wir auch Leute aus der Quarantäne einsetzen können.»  

Welche Bedingungen erfüllt sein müssen

Kantonsarzt Roger Harstall bestätigt auf Anfrage, dass für Gesundheitsfachpersonen Erleichterungen der Quarantäne vereinbart wurden.

Dafür müssen allerdings klare Bedingungen erfüllt sein. Die erleichterte Quarantäne kommt nur für Personen infrage, die engen Kontakt mit einer infizierten Person hatten, selber aber keine Symptome aufweisen. Wer solche entwickelt, muss sich sofort einem Coronatest unterziehen. «Wer positiv getestet wurde, darf selbstverständlich nicht eingesetzt werden», sagt Marco Rossi.

Kantonsarzt Roger Harstall schliesst aber nicht kategorisch aus, dass man diese Bedingungen weiter lockern muss, sollte dies aufgrund einer Eskalation der epidemiologischen Lage nötig werden. «Wir alle hoffen aber, dass es nicht so weit kommt.»

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6 Kommentare
  1. Kaufmann, 31.10.2020, 17:54 Uhr

    All die Skeptiker, bleibt brav zuhause am PC
    und schreibt was ihr glaubt,
    so kann wegen Euch nicht viel passieren;
    und „gsund biibe“ das wünsche ich allen!

  2. Andrea, 31.10.2020, 11:58 Uhr

    Ich hoffe sie kommen nicht davon.

    Warum darf denn das gesamte „nicht -Spitalpersonal“ unter Quarantäne nicht arbeiten?
    Die haben ja im Gegensatz zum Spitalpersonal nicht mit Risikogruppen zu tun…

    Oberschräg!

    Und dann in der Freizeit sich daheim einschliessen und nicht mal ins Fitnesscenter gehen dürfen. Wo absolut keine Risikogruppen sind.

    Es nützt nichts sich aufzuregen/rsp verstehen zu wollen.

    Die Mehrheit will diese „Pandemie“

  3. Roli Greter, 31.10.2020, 11:41 Uhr

    Endlich wird es etwas klarer was mit den Massnahmen tatsächlich beabsichtigt wird: wir sollen gefälligst arbeiten gehen und bloss keine Freizeit genuesssn. Meine beiden ausgesteckten Mittelfinger in Richtung der Verantwortlichen! Habt ihr wirklich das Gefühl dass ihr damit davonkommt? Zieht euch warm an…

  4. Raymond, 31.10.2020, 11:37 Uhr

    Wenn man die Regeln ignoriert dann gibts eine Busse: https://www.zentralplus.ch/das-passiert-wenn-du-die-quarantaene-regeln-ignorierst-1927651

    Aber ins Spital arbeiten gehen ist dann erlaubt? Das versteht nun wirklich kein Mensch mehr. Diese Pandemie sollte man eigentlich ernst nehmen aber bei solch seltsamen Regeln wird einem das sehr schwer gemacht.

  5. Andrea, 30.10.2020, 20:43 Uhr

    Schwer kranke Patienten betreuen ist möglich aber in der Freizeit soll das Spitalpersonal zuhause sitzen?

    Jetzt wird‘s auf die Spitze getrieben.

    Pünktlich zum Start der Schnelltests. 80‘000 Tests täglich. Bald wird das ganze Land in Quarantäne sitzen.
    Der BR braucht den Lock Down nicht anzuordnen.
    Alle welche sich wegen minimalsten Symptomen testen lasst, tragen zum Stillstand bei.

    1. Raymond, 31.10.2020, 10:57 Uhr

      Sehe ich auch so. Entweder ist man in Quarantäne oder eben nicht. Aber in Quarantäne zur Arbeit aber sonst ist nichts erlaubt geht gar nicht. Kein Wunder nehmen das viele Leute nicht mehr ernst. Der Anteil der Coronaskeptiker wird steigen. Alles ander würde mich wundern.

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