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SP spielt die Frauenkarte – und erntet Kritik
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Der Frauenstreik bewegte auch in Luzern – und klingt noch immer nach. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Frauenanteil im Luzerner Stadtparlament bei 27 Prozent SP spielt die Frauenkarte – und erntet Kritik

5 min Lesezeit 1 Kommentar 10.02.2020, 17:07 Uhr

Nur gut ein Viertel der Sitze im Luzerner Stadtparlament besetzen Frauen. Die linken Parteien treten deshalb mit vielen Kandidatinnen an – deutlich mehr als auf bürgerlicher Seite. Mit ihrer Kritik an der Frauenvertretung trifft die SP allerdings nicht nur den Zeitgeist, sondern auch einen wunden Punkt der eigenen Partei.

Die Herren dominieren im Luzerner Rathaus: 35 der 48 Mitglieder des Stadtparlaments sind männlich. Der Frauenanteil liegt bei 27 Prozent. Das ist deutlich tiefer als im Luzerner Kantonsrat oder auf nationaler Ebene, wo er bei 34 respektive 42 Prozent liegt.

Daher erstaunt es kaum, dass – im Jahr nach dem Frauenstreik und der nationalen Kampagne «Helvetia ruft» – die Diskussion über die Vertretung der Geschlechter auch im Hinblick auf die städtischen Wahlen am 29. März 2020 zum Thema wird.

Zumindest auf linker Seite. Mit «viel Frauenpower» trete man an, betonen die Grünen bei der Bekanntgabe ihrer Nominationen. 24 der 42 Namen auf der Liste sind weiblich. Noch weiter geht die SP, die das «ambitionierte Ziel von zwei Dritteln Frauen auf der Liste» erreicht hat und gar 32 Kandidatinnen für den Wahlkampf aufbietet.

Wer am meisten Frauen aufbietet

Ein Erfolg, den sie sich gerne auf die (Wahlkampf-)Fahne schreibt. Auf Twitter schreibt die Partei, dass sie von den grössten sechs Parteien den höchsten Frauenanteil auf der Hauptliste aufweisen kann und 40 Prozent der Kandidatinnen auf den Hauptlisten auf die SP entfallen. «Etwas düsterer» sehe es bei den bürgerlichen Parteien aus, so die Kritik Richtung mitte-rechts.

In der Tat ist die Frauenquote im Kandidatenfeld der Bürgerlichen deutlich unter 50 Prozent. Mit je einem Drittel Kandidatinnen steigen CVP und GLP ins Rennen, auf einen Viertel Frauen kommt die FDP, während die SVP lediglich gut 15 Prozent weibliche Anwärterinnen vorzuweisen hat (siehe Grafik).

Wer im Glashaus sitzt …

Die Stichelei der SP in den sozialen Medien hat rasch Reaktionen ausgelöst. CVP-Präsidentin Karin Stadelmann zum Beispiel antwortete auf Twitter, dass ihre Partei mit einer Stadträtin und einer Fraktionschefin gute Frauen in wichtigen Positionen habe. Eine Aussage, die durchaus als Seitenhieb Richtung SP zu verstehen ist, die in den Schlüsselpositionen derzeit männerlastig unterwegs ist.

Diel Schmid Meyer, Mitglied der CVP-Parteileitung und selber Kandidatin für den Grossen Stadtrat, spielt den Ball ebenfalls zurück an die SP. «Wir wählen unsere wenigen Frauen, ihr stellt sie teilweise nicht mal auf …» Sie spricht die jüngsten Männer-Nominationen der SP für den Regierungsrat (Jörg Meyer) und den Ständerat (David Roth) an – und trifft damit einen Punkt, welcher der SP in der Vergangenheit schon einige Kritik eingebracht hat.

«Es lohnt sich nicht, sich bei diesem Thema gegenseitig den Schwarzen Peter zuzuschieben.» 

Maria Pilotto, SP-Grossstadträtin

Dass Kritisierte lieber zurück auf den Mann spielen, mag in der Natur der Sache sein. Bei der SP hat sie noch einen anderen Grund. Die grösste Fraktion und Wortführerin in Sachen Gleichstellungspolitik weist selber den zweittiefsten Frauenanteil im Stadtparlament auf. 3 von 14 Sitzen der SP/Juso-Fraktion gehören aktuell Frauen. Nur in der SVP ist das weibliche Geschlecht noch schwächer vertreten.

Kein Wunder, greifen die Gegner diesen Punkt auf: «Etwas düsterer sieht die Situation zurzeit bei euch in der Fraktion aus», antwortet FDP-Grossstadtrat Marco Baumann in Anspielung auf die SP-Kritik via Twitter.

Frauen-Netzwerk wird nicht speziell aktiv

Für ein stärkeres Miteinander plädiert Maria Pilotto, eine der wenigen Frauen in der SP/Juso-Fraktion. «Es lohnt sich nicht, sich bei diesem Thema gegenseitig den Schwarzen Peter zuzuschieben.»

Dass die SP/Juso-Fraktion in Sachen Frauenanteil Luft nach oben hat, bestreitet auch sie nicht. Die aktuelle Situation sei der Tatsache geschuldet, dass viele SP-Männer sehr engagiert seien, nicht nur innerhalb der Partei. «Wir waren uns daher bewusst: Es braucht jetzt einen Effort.» Umso mehr freut sie sich, dass die SP nun so viele Kandidatinnen präsentieren kann. «Wir haben damit ein klares Zeichen gesetzt, dass wir die Geschlechterverteilung in der Fraktion wieder ausgleichen wollen.»

Dabei geht es nicht nur einfach um eine Zahl. «Frauen bringen andere Lebensentwürfe mit und damit andere Perspektiven und Fragen in die Politik», sagt Pilotto. Deshalb seien alle Parteien gefordert, am Thema dranzubleiben.

Die überparteiliche Zusammenarbeit lebte in den letzten zwei Jahren das Netzwerk «Frauen Luzern Politik» vor (zentralplus berichtete). Anders als auf Kantons- und Bundesebene ist für die kommunalen Wahlen keine orchestrierte Kampagne geplant, sagt Maria Pilotto, eine der Initiantinnen des Netzwerks. «Doch die Botschaft gilt nach wie vor. Die Sichtbarkeit der Frauen ist gestiegen, das Thema heute präsenter.» Sie ist deshalb überzeugt: «Was sich 2019 bewegt hat, wirkt sich auch auf die kommunalen Wahlen aus.»

Wie sich das zahlenmässig niederschlägt, wird sich am 29. März zeigen. Die Wahrscheinlichkeit für eine höhere Frauenvertretung im 48-köpfigen Stadtparlament ist auf jeden Fall vorhanden. Nicht nur, weil der Trend des Wahljahres 2019 in diese Richtung zeigt.

Auch die Formstärke der Grünen, die mit 50 Prozent Kandidatinnen ins Rennen steigen, könnte den Frauen Auftrieb geben. Und nicht zuletzt gehören sechs der acht frei werdenden Sitze einem Mann. Die grösste Rochade wird es bei der SP/Juso-Fraktion geben – bei der gleich drei Männer zurücktreten (zentralplus berichtete). Die Chancen stehen also gut, dass sich ihre Bemühungen am Wahlsonntag bezahlt machen – und die SP zukünftig gefahrlos den Frauenanteil in den anderen Parteien kritisieren kann.

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1 Kommentare
  1. Landberner, 17.02.2020, 07:06 Uhr

    „Sie spricht die jüngsten Männer-Nominationen der SP für den Regierungsrat (Jörg Meyer) und den Ständerat (David Roth) an – und trifft damit einen Punkt, welcher der SP in der Vergangenheit schon einige Kritik eingebracht hat.“

    Von der SP nominierte Frauen, alles hervorragende Kandidatinnen, werden in Mehrheitswahlen von den „Bürgerlichen“ NICHT gewählt, so 2015 Frau Zopfi als Regierungsrätin. Die SP-Mitglieder nominieren natürlich immer die Person, von der sie annehmen, dass sie im „bürgerlichen“ Umfeld am meisten Stimmen macht – ausser, es ist jemand bereit, sich „verheizen“ zu lassen. Gerade das wollen die SP-Frauen nicht, und sie haben recht.