SP-Politikerinnen stören sich an Muskelprotz auf Fitnessplakat
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Squats, Push- und Pull-Ups: Die Herren zeigen es auf dem Schild vor. (Bild: ida)

Stadt Luzern soll «zeitgemäss kommunizieren» SP-Politikerinnen stören sich an Muskelprotz auf Fitnessplakat

4 min Lesezeit 17 Kommentare 22.09.2020, 05:03 Uhr

Die Stadt Luzern schliesse bei ihrer Kommunikation einzelne Personengruppen aus, kritisieren die SP-Grossstadträtinnen Maria Pilotto und Tamara Celato. Stein des Anstosses ist unter anderem ein Fitnessplakat in der Luzerner Ufschötti.

Sie will – aber irgendwie doch nicht. Die Stadt Luzern will sich zwar vermehrt für die Gleichstellung einsetzen. Mit der Unterschrift der europäischen Charta für Gleichstellung beispielsweise.

«Trotzdem zeigen sich in letzter Zeit immer wieder Beispiele, wo die städtische Kommunikation in ihren eigenen Bekenntnissen zurückbleibt», kritisieren die beiden SP-Grossstadträtinnen Maria Pilotto und Tamara Celato. Namens der SP-Fraktion haben sie kürzlich einen Vorstoss eingereicht. Darin fordern sie den Stadtrat auf, zu überprüfen, wie «eine zeitgemässe ein- statt ausschliessende Kommunikation» in den städtischen Kommunikationsstellen konsequent umgesetzt werden kann.

Kommuniziert werden soll, dass niemand ausgeschlossen wird. Weder die verschiedenen Geschlechter noch Menschen mit Behinderungen oder Zugewanderte.

Fitnessplakat soll auch Frauen, molligere und dünnere abbilden

Die beiden Politikerinnen führen drei Beispiele auf, die ihnen die Bevölkerung zugetragen habe und an denen sie sich stören. Zum einen das Plakat vor dem Street-Workout-Park in der Ufschötti. Darauf zu sehen ist ein Mann, der zeigt, wie man Push-ups, Squats und Co. macht. Dieses zeige «eindeutig auf, für wen dieser Park gedacht ist», so Pilotto und Celato.

Alle zwölf Übungen werden von einer männlichen Figur vorgeführt. (Bild: ida)

Wie würde das Plakat im besten Fall aussehen? «Indem beispielsweise eine Übung eine eher rundliche Person vorzeigt, die andere Übung eine Frau», sagt Pilotto auf Anfrage. Aber auch eine dunkelhäutige Person könnte abgebildet werden sowie jung und alt. Bei den zwölf Workout-Übungen, die auf dem Plakat abgebildet sind, sei es eigentlich kein Problem und auch eine Chance, mehr Menschen damit abholen zu können, findet die Politikerin.

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Stadt steht Genderstern skeptisch gegenüber

Die Stadt Luzern publizierte letztes Jahr in ihrem Personalmagazin die Weisung, nur die weibliche und männliche Schreibweise zu verwenden und auf den Genderstern zu verzichten. Dieser entspreche nicht «den Prinzipien der Verständlichkeit, Eindeutigkeit, Vorlesbarkeit der korrekten Grammatik oder Rechtssicherheit».

Weiterer Vorstoss zur barrierefreien Kommunikation

Zeitgleich zum Vorstoss von Pilotto und Celato haben zwei grüne Grossstadträte einen Vorstoss zur ähnlichen Thematik eingereicht. Martin Abele und Laura Spring fordern den Stadtrat auf, «baldmöglichst» alle öffentlich zugänglichen Publikationen für alle Menschen barrierefrei bereitzustellen. Unter anderem soll die Website der Stadt barrierefrei sein und zentrale Dokumente und Schilder zusätzlich in Blindenschrift angefertigt werden. Zudem soll die Stadt Unterlagen zu städtischen Abstimmungen im Hörformat zur Verfügung stellen.

Dass die Stadt dies auf die gesamte städtische Kommunikation übertrage, mache die Vielfalt der städtischen Bevölkerung absichtlich unsichtbar und sei nicht mehr zeitgemäss, lautet nun die Kritik der Sozialdemokratinnen.

«Die Stadt stützt sich auf einen über zehnjährigen Sprachleitfaden», so Pilotto. «Diese Kommunikation trägt dem gesellschaftlichen Wandel und dem heutigen Diskurs aber schlicht nicht mehr Rechnung.»

Wenn die Untertitel bei Filmen fehlen

Doch auch Zugewanderte oder Menschen mit einer Hörbehinderung würden aus der Kommunikation ausgeschlossen. Seit wenigen Wochen sind die historischen Spaziergänge in Film und Leporello verfügbar. Diese sind auf Mundart geführt. Erst nachträglich und aufgrund externer Hinweise habe man die Filme auf Schriftdeutsch untertitelt, moniert Pilotto.

«Dass wir gleichzeitig die Initiative ergriffen haben, zeigt, dass es bei der Stadt definitiv Handlungsbedarf gibt.»

Maria Pilotto, SP-Grossstadträtin

Das zusammen mit dem Vorstoss veröffentlichte Statement eines gehörlosen Luzerners illustriere eindrücklich, welche Hürden mit Untertiteln abgebaut werden könnten. «Untertitel ermöglichen auch den Zugang für Menschen, die kein Schweizerdeutsch sprechen, oder auch dann, wenn ein Beitrag ohne Ton abgespielt werden soll», so Pilotto. Bei Bedarf soll auch die Übersetzung in Gebärdensprache oder in eine Fremdsprache möglich sein.

Die Stadt soll handeln

Neben der Stadtluzerner SP sehen auch die Grünen Handlungsbedarf bei der Kommunikation. Zeitgleich haben Martin Abele und Laura Spring einen Vorstoss zum Thema barrierefreie Kommunikation eingereicht (siehe Box). «Dass wir gleichzeitig die Initiative ergriffen haben, zeigt, dass es bei der Stadt definitiv Handlungsbedarf gibt», so Pilotto.

Es gehe weniger darum, anderen Vorschriften zu machen, wie sie genau zu kommunizieren haben. Vielmehr wolle man fürs Thema sensibilisieren. Dass jemand vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Vielfalt überlegt, bevor er oder sie kommuniziert. «Jede Person, die im Namen der Stadt kommuniziert, soll sich Gedanken darüber machen, wen sie mit ihren Worten anspricht – und wen eben ausschliesst.»

Die beiden SP-Grossstadträtinnen Maria Pilotto (links) und Tamara Celato fordern, dass die Stadt «zeitgemäss» kommuniziert.

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17 Kommentare
  1. Luca Ernst, 25.09.2020, 19:10 Uhr

    Warum muss man sich mit solchem blödsinn rumschlagen ich denke es gibt garantiert wichtigeres zu besprechen oder zu bemängeln als sowas!!!! Bitte liebe SP Frauen macht euch mehr Gedanken über wirklich wichtige Dinge und macht nicht heissen Wind um etwas dass schon eh und je so ist wie es ist und es niemand stört so wie es ist!!!

  2. Roland Grüter, 23.09.2020, 08:36 Uhr

    Sorry: Das Ganze ist lächerlich und und brutal ausgedrückt krank!

  3. Thea Götte, 22.09.2020, 23:17 Uhr

    Dass solch blödsinnige Ideen von SP- Frauen kommen, überascht mich nicht.

  4. Ecytos, 22.09.2020, 21:42 Uhr

    Ich verstehe nicht, wie man (Frau) in einem politischen Mandat sich mit so einem hahnebüchenen Brunz abgeben kann. Wenn das das Wirken der SP darstellt, wäre Luzern besser ohne diese nutzlosen Kostenfaktoren dran.

  5. Murti Muheim, 22.09.2020, 16:08 Uhr

    Bitte die neuen Schilder dann gleich auf Deutsch beschriften. Damit es auch jeder versteht. Danke.

  6. Alois, 22.09.2020, 14:28 Uhr

    Solche Probleme braucht die Welt. Grosses HAHA.

  7. lucommenter, 22.09.2020, 13:22 Uhr

    Einmal mehr kümmert sich die SP um die wirklich grossen Probleme unserer Zeit!
    Für gar nichts statt für wenige…

  8. Andreas Peter, 22.09.2020, 11:05 Uhr

    Eine Meinung kann jeder/jede/jedende/jeder*Innen gerne haben.
    Das einzige, was mich wirklich wundert ist, das solche Leute wie diese Grossstadträtinnen in die Politik gewählt werden.
    Wer wählt die? Das kann doch gar nicht sein.

  9. Anna Meier, 22.09.2020, 08:51 Uhr

    Leider ist es so, dass gerade bei sehr jungen Männern, sprich Buben, sich über Youtube und Filme das Bild des Muskelprotzes einzubrennen beginnt. Es ist durchaus richtig, dass dies hinterfragt wird. Nun könnte man es natürlich emanzipatorisch nennen, dass nun auch Buben Körperkulten ausgesetzt sind und nicht nur Mädchen. Aber das wäre Emanzipation in die falsche Richtung.

    1. Joseph de Mol, 22.09.2020, 10:23 Uhr

      Ob das nicht massgeblich mit den durch und durch patriarchal geprägten Vorstellungen (Kulturimport) betreffend Menschen- und Gesellschaftsbildes vieler Migranten (Naher Osten, Afrika, Südosteuropa) zusammenhängt und eine unheilvolle Vorbildwirkung auch für einheimische Boys entfaltet (weil es eben Identifikation mit vermeintlicher Stärke usw. verspricht), sei dahingestellt. Da die Linken die Massenmigration aber uneingeschränkt fördern und fordern, muss man folgern, dass dies somit absolut erwünscht ist. Warum wird dann hier überhaupt Kritik am vermeintlichen Machismo geübt? Ich finde das politisch wie auch gesellschaftlich kein kohärentes, nachvollziehbares Vorgehen, sondern erinnert mich entfernt und als Metapher gedacht eher an einen mäandrierenden Fluss auf dem das geheimnissvolle Nicht-Fisch-nicht-Vogel-Wesen hirntot aber voller Sendungsbewusst treibt und langsam vom Kopf her zu stinken beginnt…

  10. Martin Schleiss, 22.09.2020, 08:43 Uhr

    Sie dürfen sich gerne stören. Ich störe mich auch an einigen Dingen. In beiden Fällen ist es eine kleine Welt, die sich auf den Schlips getreten fühlt (pardon: das Foulard oder die Echtholzkette natürlich)

  11. Hugo Ball, 22.09.2020, 08:27 Uhr

    Nein!!! Ein Ausruf des gräulichen Entsetzens! Das geht nun wirklich zu weit! Die Stadt muss das umgehend korrigieren und sich öffentlich entschuldigen. Die Kosten sind selbstverständlich von der SP der Stadt Luzern, äähh von der Stadt zu tragen. Neuer Vorschlag: Tamara Funiciello (vielleicht noch flankierend Sprechblasen mit eklektischen und eloquenten Inhalten verwenden? Gregor Gysi-Zitate?). Dann haben wir auch gleich noch das body positivity-Problem gelöst! Es läuft echt rund!

  12. René Gruber, 22.09.2020, 07:31 Uhr

    Ich sehe auf dem Plakat einen Menschen der illustriert wie man die Sportübungen macht. Die Ausgrenzung welche die beiden Frauen anprangern findet nicht auf dem Plakat statt sondern in ihren Köpfen! Sie selber sind es welche durch ihre Engstirnigkeit andere Menschen mental ausgrenzen.

  13. Hans Hafen, 22.09.2020, 07:04 Uhr

    Herrje! Als gäbe es auf dem realpolitischen Parkett keine wichtigeren Angelegenheiten, die für alle äusserst ungenügend laufen und dringenden Handlungsbedarf aufweisen. Aber der SP liebstes Steckenpferd ist natürlich der Gesellschaftsumbau und Neudefinition der „Geschlechter“ resp. Zerstörung tradierter Identitäten. Frei nach den Ideen von Judith Butler & Co. Rot/Grün sind für mich auch gerade deshalb nicht mehr wählbar! Weder auf kommunaler und erst nicht auf nationaler Ebene!

  14. paul, 22.09.2020, 06:39 Uhr

    …. und noch etwas — der mensch –
    muss geändert werden in das oder die mensch

  15. paul, 22.09.2020, 06:34 Uhr

    oje! ist nur ein mann drauf ist es falsch, nur eine frau ist es sexistisch, nur kinder ist es ein spielplatz , ……. bitte kümmert euch um wichtiges. ist doch toll gibts plakate mit übungen und platz für sport.

  16. Dibidäbi, 22.09.2020, 05:45 Uhr

    Whs gehts bei diesen Plakaten darum zu zeigen welche Muskelgruppen trainiert werden.
    Frauen besitzen mehr Fett und weniger Muskel. Dies ist so! Sonst meldet euch beim lieben Gott wenn ihr da auch Gleichberechtigung wollt.

    Ansonsten hört endlich auf die Nadel im Heuhaufen zu suchen.

    Oder baut euch euren eigenen Feministinnen-Parcours. (Selbst aufgebaut ohne eine Mannes-Kraft).

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