Umweltsorgen, «undemokratische Entscheide» und Chance für die Region
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Das WEF kommt auf den Bürgenstock. (Bild: Evangeline Shaw/Unsplash)

So reagieren die Luzerner Parteien auf den WEF-Entscheid Umweltsorgen, «undemokratische Entscheide» und Chance für die Region

4 min Lesezeit 1 Kommentar 08.10.2020, 05:00 Uhr

Das WEF findet nächstes Jahr definitiv auf dem Bürgenstock statt. Das spaltet, wenig überraschend, die Luzerner Parteien. Oder, wie es so schön heisst: Des einen Freud ist des anderen Leid.

Die Würfel sind gefallen: Das WEF findet 2021 definitiv auf dem Bürgenstock statt. Der Manager des Bürgenstocks spricht von einem «Ritterschlag» (zentralplus berichtete). Von den Luzerner Parteien gibt es Lob – doch es hagelt auch harte Kritik.

So zum Beispiel von den Luzerner Grünen. Die sind weniger begeistert, wie Co-Präsidentin Irina Studhalter sagt: «Das WEF wird ja grundsätzlich nicht anders als in Davos, wo es viele Ressourcen verschlingt und wenig nachhaltig ist. In Luzern wird wohl einfach die Betroffenheit höher sein.» Hinzu komme, dass die Leute, die am Forum teilnehmen, nicht diejenigen sind, die für nachhaltigen Tourismus stehen. Chancen für die Ferienregion ortet Studhalter daher nur bedingt.

«Es stellt sich deshalb die Frage, ob wir das wirklich brauchen. Falls die Politik jedoch flankierende Massnahmen, zum Beispiel im Bereich Umwelt, umsetzt, könnte zumindest etwas Schadensbegrenzung drinliegen.»

Unverständnis bei den jungen Linken

Weniger zimperlich zeigt man sich bei den Jungen Grünen: «Wir sind nach wie vor nicht Fan vom WEF. Es nehmen hauptsächlich reiche Wirtschaftsvertreter und Staatsoberhäupter teil. Es geht aber nicht darum, dass man gross über Inhalte diskutiert», sagt Co-Präsidentin Michelle Meyer. Man gehe nicht auf Krisen und die Ungleichheit auf der Welt ein und arme Länder spielten nach wie vor keine Rolle.

«Am WEF sind auch heute noch Leute anwesend, die rassistisch und sexistisch sind .»

Michelle Meyer, Co-Präsidentin Junge Grüne

«Am WEF sind auch heute noch Leute anwesend, die rassistisch und sexistisch sind und in ihren Ländern die Menschen unterdrücken und die Demokratisierung verhindern», so Meyer. Dass man an Demos teilnehmen wird, schliesst sie nicht aus, da die Jungpartei in den letzten Jahren bei solchen Aktionen immer dabei gewesen sei. Für die Region ortet Meyer keine wirklichen Vorteile, da möglicherweise einiges abgesperrt werden dürfte und Leute mit Privatjets in die Region kommen.

Wenig überraschend sieht man den Anlass auch bei der Luzerner Juso kritisch. «Wir behalten uns vor, dagegen zu demonstrieren», sagt Präsident Jonas Ineichen. Sicherlich werde man der Öffentlichkeit aufzeigen, was an solchen Treffen passiert und welche Menschen dort anwesend sind. «Wir glauben ausserdem nicht, dass das WEF die richtige Lösung ist, um Werbung für die Region zu machen. Wir bezweifeln, dass solche Veranstaltungen zu einem nachhaltigen Tourismus beitragen», so Ineichen.

Ein Laufsteg für Trump und sonst nichts?

Auch bei der Mutterpartei ist man alles andere als begeistert: «Das WEF ist ein Event, an welchem mächtige Leute hinter verschlossenen Türen undemokratisch Entscheide treffen, die das Leben aller Menschen auf der Welt beeinflussen», sagt Sebastian Dissler, Sekretär der SP Kanton Luzern. Deshalb stehe die Partei dem WEF schon lange sehr kritisch gegenüber.

«Wir sind dagegen, dass Millionen von Steuerfranken für Polizisten und Soldaten ausgegeben werden. Zumal der Anlass der Region keinerlei Vorteile bringt.» Letztlich sei das WEF in den vergangenen Jahren der Ort gewesen, an dem sich Donald Trump auf europäischem Boden präsentieren und seine irren Aussagen platzieren konnte, kritisiert Dissler.

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CVP ist erfreut, stellt aber Forderungen

CVP-Präsident Christian Ineichen spricht von einer «Feuertaufe» für den Bürgenstock. «Eine so grosse Geschichte hatten die wohl noch nicht.» Er ist aber erfreut, dass unsere Region auserkoren wurde. Das sei für den Bürgenstock wie auch für die Region Zentralschweiz und insbesondere für Luzern eine «sehr interessante Ausgangslage» und gerade für die Wirtschaft attraktiv. Es würden aber einige Herausforderungen auf uns zukommen, die wichtiger Vorarbeiten bedürften, insbesondere unter Berücksichtigung von Covid-19. «Die Gesundheit geht vor», so Ineichen. «Zudem muss gewährleistet werden, dass die heimische Bevölkerung nicht unter möglichen Einschränkungen und dem Anlass selbst leidet.»

«Es ist die grosse Frage, wie viel Verkehr und CO2 eine solche Veranstaltung verursachen wird.»

Michel Rudin, Co-Präsident GLP

Auch bei Michel Rudin, Co-Präsident der Grünliberalen Kanton Luzern, schwingen leichte Bedenken mit. Obwohl er den Entscheid «im Grundsatz» begrüsst: «Für unseren Wirtschaftsstandort ist es wunderbar, ebenso ist das WEF ein schönes Schaufenster für unsere Region.» Aber als Grünliberaler habe er eben auch den Anspruch, einen ökologischen und nachhaltigen Tourismus und einen nachhaltigen Event zu gewährleisten. «Es ist die grosse Frage, inwiefern das gewährleistet werden kann, sprich, wie viel Verkehr und CO2 eine solche Veranstaltung verursachen wird.»

SVP sieht Chancen für gebeutelte Branchen

Angela Lüthold, Präsidentin der kantonalen SVP, ist über den Entscheid erfreut. «Dass sich die Organisatoren für den Bürgenstock entschieden haben, spricht für unsere Region.» Gerade jetzt tue es der Wirtschaft gut und sei eine Chance für Gastronomie und Hotellerie. «Nach der Coronakrise kann dies allen, die schon länger eine Durststrecke haben, einen Motivationsschub geben.»

FDP-Parteipräsidentin Jacqueline Theiler ist gegenüber dem Entscheid ebenfalls «positiv gestimmt», wie sie sagt. So lange die Sicherheitsmassnahmen gewährleistet seien – und davon gehe sie aus. «Die Durchführung des WEF ist gutes Marketing für unsere Region, denn wir sind in aller Munde. Hier sehe ich mehr Chancen als Risiken, gerade weil unsere Tourismusregion besonders stark von der Coronakrise betroffen ist.»

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1 Kommentare
  1. Carlo Agrario, 08.10.2020, 10:32 Uhr

    Betreffend Umweltsorgen müsste man die „Ufschütti“ und den Bahnhofplatz in Luzern schon viel naheliegender schliessen. Dasselbe ist in Bern an der Klimademo passiert. Da haben die jungen Politiker mit Angst um fehlende Nachhaltigkeit geschwiegen.

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