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Solidaritätsfahrt für das Emmer Gewaltopfer
  • Gesellschaft
Am Lenker der Velos soll als Zeichen der Solidarität ein weisses Band angebracht werden. (Bild: zvg)

Briefe und ein Bäumchen als Zeichen der Hoffnung Solidaritätsfahrt für das Emmer Gewaltopfer

4 min Lesezeit 14.08.2015, 17:11 Uhr

Die Solidaritäswelle für die junge Frau, die nicht nur vergewaltigt wurde, sondern seither auch gelämt ist, reisst nicht ab. Am 22. August soll als Zeichen der Hoffnung und des Mitgefühls eine Velofahrt von Luzern Richtung Emmen stattfinden. Die Eltern des Opfers freuen sich über die Aktion – und über möglichst viele Briefe, die für sie am Ende der Fahrt hinterlegt werden können.

Der tragische Vergewaltigungsfall einer jungen Frau in Emmen vom 21. Juli lässt die Bevölkerung nicht los. Nachdem bei der Schweizerischen Paraplegiker-Stiftung in Nottwil bereits ein Spendenkonto für das 26-jährige Opfer eröffnet wurde, findet nun am 22. August eine Velo-Solidaritätsfahrt statt. Damit soll gemäss Organisationskomitee «der grossen Betroffenheit der Bevölkerung im Zusammenhang mit der Gewalttat» Ausdruck verliehen werden. Dies steht in einem Mail des Komitees, das zentral+ vorliegt. Alle, die ihr Mitgefühl demonstrieren möchten, treffen sich demnach mit dem Fahrrad um 16.30 Uhr am Mühleplatz in Luzern. Von dort geht’s bis zum Reusszopf Richtung Emmen.

Briefe schreiben für das Opfer

Weiter steht im Mail: «Am Startpunkt werden weisse Bänder verteilt, die um die Velolenker gebunden werden können. Dieses Erkennungszeichen soll auch später noch in der Stadt Luzern präsent sein.» Im Schritttempo auf dem Velo oder zu Fuss führt der Weg entlang des Sankt Karli-Quai zur Geissmattbrücke, weiter auf dem Veloweg entlang des linken Reussufers bis zum Spielplatz am Reusszopf.

«Beim Reusszopf besteht die Möglichkeit, mitgebrachte Briefe für das Opfer und dessen Familie abzugeben.»

Aus dem Mail des Organisationskomitees

Auch Fussgänger und Rollstuhlfahrer sind eingeladen, die Solidaritätsbekundung zu begleiten. «Am Endpunkt beim Reusszopf besteht die Möglichkeit, mitgebrachte Briefe für das Opfer und dessen Familie abzugeben oder gleich vor Ort zu verfassen. Als Zeichen der Hoffnung wird beim Reusszopf ein Bäumchen gepflanzt.»

Der Anlass wird laut den Organisatoren grosszügig unterstützt durch die Bäckerei Bachmann, die Papeterie Waldis und die Gärtnerei Heini sowie das Näh- und Hobby-Zentrum Vonarburg.

Laut dem Organisationskomitee wird die Solidaritätsfahrt mit dem Einverständnis der Familie des Opfers von Privatpersonen organisiert. «Die Teilnehmenden sind gebeten, die Privatsphäre des Opfers und der Familie im höchsten Masse zu respektieren.»

Anonyme Organisatoren

Das einzig merkwürdige an dieser sympathischen Aktion: Die Organisatoren agieren anonym. Wer dahinter steckt, wird aus dem Mail nicht ersichtlich. Bei der Stadt Luzern bestätigt man zwar, dass ein entsprechendes Gesuch eingegangen und mittlerweile bewilligt ist. Nach Absprache mit dem Rechtsdienst dürfe man aber, dem Amtsgeheimnis verpflichtet, die Namen der Gesuchssteller nicht bekannt geben. Dies sagt Mario Lütolf, Leiter Dienststelle Stadtraum und Veranstaltungen auf Nachfrage.

«Wir finden es eine schöne Geste, dem Opfer und den Eltern gegenüber Solidarität zu zeigen.»

Tanja Waldis von der Papeterie Waldis

Dass die Aktion kein Scherz ist, bestätigen auch die im Mail des OKs erwähnten Unternehmen. «Wir wurden angefragt, Briefpapier und Couverts zu spenden, was wir auch gerne gemacht haben», sagt etwa Tanja Waldis, Mitglied der Geschäftsleitung der Papeterie Waldis in Luzern. Der Wert dieser Spende betrage ein paar Hundert Franken. «Wir finden es eine schöne Geste, dem Opfer und den Eltern gegenüber Solidarität zu zeigen», erklärt Waldis die Bereitschaft zur Spende. Aus der gleichen Motivation heraus hat sich auch Werner Stirnimann von der Luzerner Gärtnerei Heini an der Aktion beteiligt. Sein Betrieb spendet das Bäumchen, das im Reusszopf gepflanzt werden soll. Wert inklusive Arbeit: Rund 500 Franken. «Das Schicksal der jungen Frau bewegt uns alle sehr, wir diskutieren noch immer darüber», sagt Stirnimann.

«Die Eltern des Opfers freuen sich sehr über diese Aktion und sind unglaublich dankbar über die grosse Solidarität mit ihrer Tochter.»

Mitglied des Organisationskomitees

Kein Platz für negative Gedanken

zentral+ ist es schliesslich diesen Freitagnachmittag gelungen, ein Mitglied des OKs ausfindig zu machen. «Wir möchten nicht mit Namen erwähnt werden, weil es bei der Solidaritätsfahrt nicht um uns, sondern um das Opfer und deren Angehörige geht», begründet die Frau den Wunsch nach Anonymität. «Ganz wichtig ist für uns zu erwähnen: Die Eltern des Opfers freuen sich sehr über diese Aktion und sind unglaublich dankbar über die grosse Solidarität mit ihrer Tochter.» Dem OK-Mitglied ist es auch wichtig zu betonen, dass die Velofahrt ein positives, hoffnungsvolles Gefühl vermitteln soll. Allfällige rassistische Äusserungen seien völlig fehl am Platz und würden nicht toleriert.

Täter läuft noch immer frei herum

Die 26-jährige Frau ist am Abend des 21. Juli auf dem Dammweg in Emmen vom Velo gerissen und vergewaltigt worden. Sie erlitt dabei so schwere Verletzungen, dass sie vom Hals abwärts gelähmt ist. Sie konnte aus aufgrund der schweren Verletzungen von der Polizei noch immer nicht befragt werden. Der Täter, vermutlich ein Ausländer, konnte nicht gefasst werden. Polizei und Staatsanwaltschaft arbeiten unter Hochdruck an dem Fall. Für Hinweise, die zur Ermittlung des Täters führen, hat sie eine Belohnung von bis zu 10’000 Franken ausgesetzt. Bislang gingen einige Hinweise bei der Polizei ein. Einige Verdächtigte mussten laut «Neue  Luzerner Zeitung» DNA-Proben abgeben. Der Durchbruch ist der Polizei bis bislang jedoch noch nicht gelungen.

Hier ist es passiert: Dammweg am Ufer der Reuss in Emmen.

Hier ist es passiert: Dammweg am Ufer der Reuss in Emmen.

(Bild: azi)

Zur Hotline der Luzerner Polizei: Tel. 041 248 81 17, oder per Mail [email protected].

Mit dem Vermerk «Gewaltopfer Emmen» kann man unter der Kontonummer 60-147293-5 (Schweizer Paraplegiker-Stiftung, 6207 Nottwil) spenden.

Lesen Sie auch: Hat der gleiche Täter auch schon am Strassenstrich im Ibach und in Österreich zugeschlagen?

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