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So wehrt sich der EVZ-CEO gegen den Vorwurf der Geldmacherei
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EVZ-CEO Patrick Lengwiler vor der Bossard Arena: Er wird sich dafür einsetzen, dass im Playoff keine Geisterspiele stattfinden. (Bild: EVZ)

Fan-Protest gegen dynamische Preise flammt auf So wehrt sich der EVZ-CEO gegen den Vorwurf der Geldmacherei

5 min Lesezeit 22.12.2019, 05:00 Uhr

Hatten gewisse Fan-Kreise des EV Zug doch Recht? Bei der Einführung der dynamischen Ticketpreise witterten sie Geldmacherei und liefen im Sommer dagegen Sturm. Nun scheint ihnen eine Statistik neuen Auftrieb zu verleihen. Doch EVZ-CEO Patrick Lengwiler hält dagegen.

Um nachvollziehen zu können, worum es in dieser Meinungsverschiedenheit geht, ist ein Blick zurück unabdingbar: Auf diese Saison hin führt der EV Zug als erster professioneller Sportverein Europas ein vollautomatisiertes Ticketsystem für dynamische Preise betreffend Einzeltickets ein (zentralplus berichtete).

EVZ-CEO Patrick Lengwiler beabsichtigte damit, die Auslastung der 7200 Besucher fassenden Bossard-Arena von ohnehin schon beeindruckenden 97 Prozent nochmals zu steigern. Deshalb unterwarf er die maximal 500 Einzeltickets für die EVZ-Stehplatzrampe und die gut 70 Einzeltickets für Stehplätze den dynamischen Preisen.

Die Spannweite der dynamischen Preise sieht so aus:

  • Der Stehplatz für einen Erwachsenen kostet mindestens 19 und maximal 31 Franken. 2018/2019 kostete dieser noch fix 28 Fr.
  • Der Stehplatz für Jugendliche kostet von 12 bis 19 Franken (letzte Saison fix 17 Fr.).
  • Die Sitzplätze kosten von 55 bis 64 Franken (letzte Saison fix 58 Fr.).

Zwei Stunden vor Spielbeginn wird der aktuelle Ticketpreis jeweils eingefroren und gilt dann für den Verkauf an der Abendkasse, falls das EVZ-Heimspiel nicht schon ausverkauft ist.

Die Erkenntnisse eines EVZ-Fan

Zum Glück gibt es aber auch im EV Zug Fans, die der Klubleitung genau auf die Finger schauen. Ein Anhänger hat die letzten sieben Zuger Heimspiele vor dem Jahreswechsel unter die Lupe genommen, die jeweilige Preisentwicklung in einem Diagramm festgehalten und auf dem Forum der klubeigenen Homepage unter dem Nickname «HockeyBoy» veröffentlicht.

Die Untersuchung des «HockeyBoy» auf www.evz.ch: Die Vorverkaufskosten von Fr. 2.50 pro Ticket sind einberechnet (Bild: screenshot).

Der Fan kam bei der Auswertung seiner Arbeit zu folgenden Erkenntnissen:

  • Die Ticketpreise steigen laufend.
  • Frühbucher profitieren nur teilweise: Nur zwei der letzten sieben Spiele bis zur Weihnachtspause lagen anfänglich unter dem in der letzten Saison festgesetzten Preis von 28 Franken.
  • Beim Spiel gegen Langnau am 7. Dezember stiegen die Preise vor dem Spieltag rasant an, obwohl mindestens 400 Stehplätze verfügbar waren. Damit wollte der EVZ die Preise für die Abendkasse maximieren.

Lengwiler: «2500 Franken weniger Einnahmen»

Vor dem mit 7200 Zuschauern ausverkauften Heimspiel am Freitagabend gegen den HC Davos (zentralplus berichtete) sagt EVZ-CEO Patrick Lengwiler gegenüber unserer Plattform: «Ich kann und will nicht auf die Preisentwicklung bei jedem einzelnen Heimspiel eingehen.»

Aber er kramt in seiner Hosentasche und zieht ein für die Öffentlichkeit nicht bestimmtes Dokument hervor, aus dem hervorgeht: «Hätten wir wie letzte Saison mit festgesetzten Preisen gearbeitet, so hätten wir nun 2500 Franken mehr in der Kasse. Der Vorwurf der Geldmacherei ist damit widerlegt.»

Zudem ruft Lengwiler in aller Gelassenheit in Erinnerung, was schon im Juni ein offenes Geheimnis war: «Die Spiele gegen Ende November und im Dezember sind die attraktivsten in der Qualifikation. Das sind Premium-Spiele, erst recht gegen Gegner wie Davos oder am Montag gegen den SC Bern. Das widerspiegelt sich im Preis – und das haben wir von allem Anfang an so deklariert.»

Nach jedem Spiel bekommen die EVZ-Verantwortlichen vom Berliner Systemanbieter einen Report, in dem alle markanten Werte und Preissteigerungen ersichtlich sind. Zudem können sie bei Bedarf ins System eingreifen, bevor die nächste Tranche an Zuger Heimspielen auf der klubeigenen Plattform zum Verkauf angeboten wird. Diese werden je nach Spieldatum, Gegner und Attraktivität in fünf Levels kategorisiert.

Bislang hat Zug mehr Einzeltickets verkauft

Nach fast vier Monaten seit Einführung der dynamischen Preise zieht der EVZ-CEO trotz Kritik aus den eigenen Fan-Reihen eine positive Zwischenbilanz: «Wir haben gute Erfahrungen gemacht. Mit dem neuen System bieten wir das ganze Kontingent an Einzeltickets online an. Wir haben schon ein paar Spiele gehabt, in denen wir alle Tickets verkauft haben und die Abendkasse geschlossen blieb», hält Lengwiler fest.

Aber was heisst das nun für seine ursprüngliche Zielsetzung, die Auslastung der Bossard-Arena über 97 Prozent hinaus zu steigern? Diese Frage sei nicht einfach zu beantworten und der Vergleich mit der Vorsaison insofern schwierig, weil ein Heimspiel gegen den gleichen Gegner nicht mehr im September, sondern in der attraktiven Zeit vor dem Jahreswechsel stattfände. «Für aussagekräftige Erkenntnisse müssen deshalb wohl zwei, drei Saisons ins Land ziehen.»

Was Lengwiler aber sagen kann: Gegenüber der letzten Saison hat der EVZ mehr Einzeltickets verkauft. «Das spricht dafür, dass die dynamischen Preise etwas Positives bewirkt haben. Was wir aber nicht wissen, ist, welchen Einfluss die Transfers von einem Grégory Hofmann oder Leonardo Genoni auf dieses Ergebnis haben.»

Weniger Vorverkaufsgebühr als letzte Saison

Wer ein EVZ-Ticket über die klubeigene Homepage erwirbt, muss neben dem effektiven Preis noch eine unumgängliche Vorverkaufsgebühr von 2.50 Franken pro Einheit entrichten. Beim Kunden stösst das selbstredend auf überschaubare Begeisterung, doch Lengwiler entgegnet: «Bis und mit vorletzter Saison war diese Gebühr bei unserem damaligen Anbieter Starticket deutlich höher. Effektiv kommen wir unseren Kunden also entgegen, weil sie weniger Gebühren bezahlen müssen.»

Im Sinne der Transparenz legt der EVZ die Kostenstruktur für den Erwerb eines Tickets offen. «Selbstverständlich könnten wir die Vorverkaufsgebühr in den Ticketpreis integrieren.» Aber was wäre dann die Reaktion, fragt er rhetorisch und gibt die Antwort gleich selber: «Man würde uns grundlos einen happigen Preisaufschlag vorwerfen.»

Lengwiler ist gerne bereit, seine bisherigen Erfahrungen beim nächsten periodischen Treffen mit den eigenen Fans abermals zu diskutieren. Doch er hat die Erfahrung gemacht, dass dann meistens EVZ-Anhänger mit einem Saisonabo mit von der Partie sind, aber praktisch keine Käufer von Einzeltickets.

Die Saisonkarten-Inhaber werden auch in Zukunft in den Genuss des günstigsten Eintrittspreises kommen. «Daran wird sich ganz bestimmt nichts ändern», versichert Lengwiler unvermindert.

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