So viel «Bullshit» steckt in den Mitteilungen der Stadt Luzern
  • Regionales Leben
Das «Geschwurbel» aus dem Stadthaus ist teils schwer zu verstehen.

Der «Blabla-Meter» bringts ans Licht So viel «Bullshit» steckt in den Mitteilungen der Stadt Luzern

3 min Lesezeit 30.07.2019, 17:04 Uhr

Die SP kritisiert, die amtlichen Dokumente der Stadt Luzern seien kryptisch geschrieben. zentralplus hat diese Behauptung von einem Online-Dienst überprüfen lassen. Fazit: Es stimmt. Die Partei muss sich aber auch selber an der Nase nehmen.

Verschachtelte Sätze, lange Wörter, unverständliche Fachbegriffe: amtliche Dokumente zu lesen, ist für viele Menschen eine Knacknuss. Die SP kritisiert in einem aktuellen Postulat, dass Mitteilungen der Stadt Luzern oft in einer Sprache geschrieben seien, die das «Verstehen für viele Menschen unnötig erschwert oder gar verunmöglicht» (zentralplus berichtete).

zentralplus hat eine Auswahl von Dokumenten unter die Lupe genommen. Und zwar mit dem beliebten Internetdienst «BlaBla-Meter». Dieser prüft die Texte auf ihre Lesbarkeit, schlechten Stil und die Verwendung von Phrasen.

Ermittelt wird ein sogenannter «Bullshit-Index», der bei einem guten Text zwischen 0,1 und 0,3 liegt. Bei einem schlechten Text liegt er bei 1, in Extremfällen sogar bei 2 (zentralplus berichtete).

Die SP kritisiert als Beispiel die Dokumente zur Einbürgerung, die grosses Vorwissen voraussetzen würden. zentralplus testet deshalb das städtische «Merkblatt Erwerb Schweizer Bürgerrecht». Darin finden sich Mördersätze wie:

Für die Berechnung der Aufenthaltsdauer wird die Zeit, während welcher Sie zwischen dem vollendeten 8. und dem 18. Lebensjahr in der Schweiz gelebt haben, doppelt gerechnet.

Trotz der Rechenaufgabe, vor die der Leser gestellt wird, kommt das Merkblatt mit einem Bullshit-Index von 0,34 noch verhältnismässig gut weg.

Wir versuchen es mit einem Thema, das selbst für eingefleischte Politiknerds ein harter Brocken ist. Die Medienmitteilung mit dem sinnigen Titel «AFP 2019–2022: Die städtische Finanzlage verschlechtert sich». Darin finden sich sprachliche Stolpersteine, die ihresgleichen suchen:

Die vorgeschlagenen Kompensationsmassnahmen zur Gegenfinanzierung des Volksschulkostenteilers 50:50 und zur Gegenfinanzierung des Wasserbaugesetzes werden die Stadt Luzern ausserordentlich stark belasten.

Für solche Formulierungen gibt es von Blabla-Meter einen Bullshit-Index von stolzen 0,55. Und die folgende Kritik:

Aber das Thema Finanzpolitik ist ja auch ein komplexes. Wenden wir uns den erfreulicheren Nachrichten zu: Der Kunst beziehungsweise der Medienmitteilung: «Kreativwirtschaft Stadt Luzern: Ausschreibung Projektförderung 2019».

Ein sinnliches Thema, über das man anschaulich schreiben kann. Könnte man meinen. Im Text findet sich aber ein Satz, der dem Lesenden die Haare zu Berge stehen lässt:

Profitieren in Form einer finanziellen Unterstützung sollen Personen, Institutionen oder Unternehmen, die marktorientierte Produkte und Projekte herstellen beziehungsweise realisieren, welche einen kreativ-künstlerischen Hintergrund haben oder in einem solchen Zusammenhang stehen.

Dafür setzt es vom Blabla-Meter einen rekordverdächtigen Bullshit-Index von 0,74 und die Kritik:

Der nicht repräsentative Test von zentralplus zeigt: Es besteht tatsächlich Handlungsbedarf, damit die Bevölkerung künftig versteht, was der Stadtrat ihr eigentlich sagen will. Hat die SP also recht?

Hmmm. Vielleicht. Aber wie steht es eigentlich um den Bullshit-Index des Postulats, mit dem die Partei eine «einfach verständliche Sprache in Verwaltungsdokumenten» fordert?

Immerhin hat es darin auch ganz schön lange Sätze wie:

So wird bei der Angabe städtischer Gebühren (bspw. in verschiedenen Informationsdokumenten zur Einbürgerung) oftmals nicht darauf hingewiesen, dass die Möglichkeit besteht, diese bedürftigen Menschen ganz oder teilweise zu erlassen.

Dafür setzt es immerhin einen Bullshit-Index von 0,44 und die Kritik:

Fazit: Die Behördensprache klingt nicht nur unschön, sie ist oftmals auch kaum zu verstehen. Das sollte man künftig besser machen (auch den Journalistinnen und Journalisten zuliebe, wenn die Bemerkung erlaubt ist). Das gilt aber nicht nur für die Verwaltung, sondern auch für die Parteien, liebe SP!

PS: Der Bullshit-Index dieses Artikels liegt bei 0,28. Und das trotz der zitierten Mördersätze.

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