So verteilt der Kanton Luzern die Impftermine
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Einblick ins Impfzentrum in Willisau, wo die Corona-Pandemie bekämpft werden soll. (Bild: Lara Jornod)

Impfdrängler oder Systemfehler? So verteilt der Kanton Luzern die Impftermine

3 min Lesezeit 8 Kommentare 04.05.2021, 05:00 Uhr

Junge und gesunde Menschen erhalten einen Impftermin, während Risikofälle sich noch in Geduld üben müssen. Auch in Luzern kam es zu solchen Einzelfällen. Aber warum eigentlich? zentralplus hat beim Kanton nachgefragt.

Der Autor dieser Zeilen ist ein attestierter Risikofall. Trotz früher Anmeldung hat es ganz schön lange gedauert, bis ein Impftermin eingetrudelt ist. Verständlich, der Andrang im Kanton Luzern ist gross.

Wie aber kommt es, dass Personen, die unter 65 Jahre alt, keine Vorerkrankungen oder beruflich bedingte Priorität haben, bereits Impftermine oder gar schon die Impfung erhalten haben? Solche Fälle sind der Redaktion namentlich bekannt. «Falls die Personen keine Vorerkrankungen haben, dann ist es systemtechnisch ausgeschlossen, dass sie einen Termin bekommen haben», erklärt David Dürr, Leiter der Dienststelle Gesundheit und Sport auf Anfrage. «Bis jetzt haben in den beiden Impfzentren Luzern und Willisau nur Personen einen Impftermin erhalten, die zur Kategorie der besonders gefährdeten Personen zählen.»

Nachzügler bei spontanen Absagen

Und trotzdem haben auch junge, gesunde Menschen Termine oder den Piks bekommen. Dafür gibt es zwei Gründe. Einer davon liegt beim Ablauf des Kantons: «Es handelt sich um eine rollende Planung, die bei genügend Impfstoff beschleunigt, bei Lieferengpässen aber auch verzögert werden kann», so David Dürr. «Pro Woche werden mehrere Tausend Impftermine vergeben. Je nach verfügbarem Impfstoff kann es sein, dass auch Personen aus der Kategorie ‹übrige Bevölkerung› einen Impftermin erhalten.»

«Wir machen keine Handeingaben bei der Verteilung der Impftermine.»

David Dürr, Leiter der Dienststelle Gesundheit und Sport

Damit gemeint sind Personen unter 65 Jahren, die keine chronische Erkrankung haben – also auch jüngere und gesunde Leute. Dies sei vor allem der Fall, wenn kurzfristig Termine abgesagt würden. In einem solchen Falle führt der Kanton eine Warteliste mit Personen, die innert 15 Minuten vor Ort sein können. Diese werden telefonisch kontaktiert und gefragt, ob sie zu einem Impftermin später an diesem Tag kommen können. Alle regulären Impftermine werden übrigens vollautomatisch durch eine Software des Bundes verteilt. «Wir machen keine Handeingaben bei der Verteilung der Impftermine. So ist sichergestellt, dass keine Willkür entsteht.»

Mogelei bei der Anmeldung

Die andere – bedeutend unschönere – Erklärung liegt darin, dass es Leute gibt, die sich mittels Falschangaben einen Termin ergattern, weil sie bei der Anmeldung beispielsweise angeben, zu den gefährdeten Personen zu gehören. Dagegen geht der Kanton nach Dürr wie folgt vor: «Wir handhaben es so, dass die Leute vor dem Impfen ein Attest vorlegen müssen, das belegt, dass die Leute tatsächlich chronisch krank sind. Von den rund 127’000 Personen, die sich bisher für eine Impfung in einem Impfzentrum angemeldet haben, haben 31’500 Personen angegeben, dass sie zu den besonders gefährdeten Personen zählen.» Bei den ärztlichen Attesten verlasse man sich darauf, dass diese dann auch korrekt ausgefüllt seien.

Mit den verlangten Attesten gerieten dann auch die Hausärzte unter Druck, weil sich in kürzester Zeit zahlreiche Personen gemeldet haben, die kurzfristig ein Attest brauchten. Das führte teilweise zu einer Überlastung der Hausarzt-Praxen. «Die Situation ist dem Kanton bekannt. Wir sind mit der Ärztegesellschaft in Kontakt», sagt Dürr.

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8 Kommentare
  1. baldo juhu, 05.05.2021, 10:55 Uhr

    Bei dem Chaos und Desorganisation das hier herrscht, ist man noch erstaunt das die Leute es selbst in die Hand nehmen?

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  2. Marga, 04.05.2021, 12:49 Uhr

    Es wird seit längerer Zeit nicht genau kontrolliert, ob die ärztlichen Attests gültig sind. Zudem gibt es Hausarztpraxen, die dem langjährigen Kunden mit einem Attest entgegenkommen.Die Schlauen haben rechtzeitig herausgefunden, dass man nach Willisau fahren kann. Nicht alle wurden darüber informiert oder können diesen Weg machen. Auch in einer Pandemie sind die Gewinnler sofort zur Stelle.

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    1. Peter Bitterli, 04.05.2021, 14:14 Uhr

      Ja, nicht wahr, was so eine „Pandemie“ doch alles zu Tage fördert! In der Tat, es gibt Gewinnler und Loser. Letztere zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht „sofort zur Stelle“ sind. Vielleicht, weil sie zu sehr auf die „Pandemie“ starren. Die Einen wohnen in Soldatenstuben und finden den Weg nach Willisau nicht, die Andern können sich Wohnungen in genossenschaftlichen Soziotopen leisten und sich im Internet bewegen. Und dann gibt es noch die Ideologen. Die möchten, dass ab sofort die Einen in den Genossenschaften wohnen und die Andern erst ganz ganz spät nach Willisau dürfen. Sagen sie. In sämtlichen bisherigen Realitäten wohnten dann aber die Ideologen in den Soziotopen, und der Weg nach Willisau konnte Jahre dauern.

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  3. Niklaus, 04.05.2021, 11:07 Uhr

    Die Impfterminvergabe ist ein Misterium. Als Risikoperson wartete ich (ü60) fast 3 Monate auf einen Termin. Mein Arztzeugnis interessierte im Impfzentrum niemand und wurde weder verlangt noch wollte es, trotz meiner Nachfrage, niemand sehen🤔

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    1. Peter Bitterli, 04.05.2021, 12:34 Uhr

      Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie sich anstecken, ist sehr klein. Mit aufkeimendem Sommer strebt sie bei der Vorsicht, die ich Ihnen unterstelle, gegen Null. Symptome entwickelt dann gerade mal ein Fünftel der „Angesteckten“. Einen schweren Verlauf haben dann wiederum die Wenigsten. Daraus folgt – und jetzt müssen Sie sehr sehr tapfer sein: Es geht überhaupt nicht um Sie und Ihre Umstände, sondern um Statistik und Herdenimmunität, die dann wiederum Ihnen zugute kommt. Es geht darum, dass der Irrsinn bald aufhört. Wenn Sie Ihr Arztzeugnis gerne jemandem zeigen möchten, stellen Sie es doch ins Internet.

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  4. Verwunderter BGP, 04.05.2021, 10:49 Uhr

    Ist halt schon verständlich.

    Was ich immer noch nicht verstehe ist: weshalb setzt sich der Kanton über die BAG Richtlinien hinweg? Die Gruppe «Enge Kontake von BGP» erhält in den BAG Richtlinien eine höhere Priorität (und dies aus guten Gründen). In Luzern werden diese erst mit der übrigen Bevoelkerung geimpft.

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  5. Peter Bitterli, 04.05.2021, 08:52 Uhr

    Kaum Einer will zum Beispiel nach Willisau. Ergo gibt es dort freie Termine. Also werden die vergeben, wie die Anmeldungen halt reinkommen. Schlägt jemand Abwarten und Spritzchen Drehen vor? Das Ganze ist so selbstverständlich, zielführend, effizient und dem gesunden Menschenverstand gemäss, dass jedes Wort darüber überflüssig ist. Nur Panikschieber und Neidcharaktere meckern. Sollen sich sich anmelden in Willisau. Oder sonstwo, wo es gerade mal eine Lücke hat.

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    1. guy, 04.05.2021, 19:35 Uhr

      Herr Peter Bitterli
      Ihre Kommentare verschönern mein Abend. Danke dafür 😉
      Liebe Grüsse
      Guy

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