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So verblödet man während der Zwangsferien nicht
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Schülerdemo 2013 in Luzern: Auch diesen November werden Schüler, Lehrer und Bildungsvertreter erneut gegen die Sparpläne der Regierung auf der Strasse protestieren. (Bild: zvg)

Ideen gegen den Luzerner Bildungs-Shutdown So verblödet man während der Zwangsferien nicht

5 min Lesezeit 17.10.2016, 05:06 Uhr

Hilfe, die Schule hat geschlossen! Um Geld zu sparen, verlängert der Kanton Luzern die Ferien für Mittel- und Berufsschüler sowie Lehrer um eine Woche. Doch Bildung geht auch ohne Schule – zentralplus serviert das Programm dazu.

Jetzt ist der Luzerner Bildungs-Shutdown also Realität. Alle Gymnasien, Mittel- und Berufsschulen im Kanton Luzern haben für eine Woche geschlossen, sie verlängern die Herbstferien. «Vorübergehend zu wegen fehlendem Budget», könnte man ein Schild an die Tür nageln. Man möchte lachen, wenn’s nicht zum Heulen wäre.

4 Millionen Franken tragen die Lehrpersonen im Kanton Luzern so zum aktuellen Sparpaket bei. Nicht freiwillig notabene, sie wurden zu diesem Sparbeitrag gezwungen.

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Zwangsverordnete Ferien

Darum protestieren Betroffene ab Montag täglich lautstark und öffentlichkeitswirksam (zentralplus berichtete). Bis Freitag gibt es auf dem Theaterplatz Protestwachen – inklusive einem «Hau den Lukas» – gegen die Sparwoche.

Und die Schüler? Selbst von ihnen ist nix von wegen «Yeah, eine Woche länger Ferien!» zu hören. Vielmehr so: «Schüler sind gezwungen, die Fehler [der Regierung] zu beheben, indem sie auf Bildung verzichten müssen», teilte der Verband der Luzerner Schülerorganisation mit.

Inserat im «Entlebucher Anzeiger» vom vergangenen Freitag.  (Bild: zvg)

Inserat im «Entlebucher Anzeiger» vom vergangenen Freitag.  (Bild: zvg)

Hand aufs Herz, ihr wissensdurstigen Heranwachsenden und politisch Frühinteressierten: Einige unter euch wehren sich insgeheim kaum gegen die zusätzliche, von höchster Instanz verordnete Freizeit. Und sei’s, wie’s ist: Verhindern kann man die dritte Herbstferien-Woche eh nicht mehr. Also sollte man das Beste aus der freien Woche machen – und wie kann man am besten gegen einen Bildungsabbau protestieren? Genau: mit Bildung!

Mal aus dem Stundenplan ausbrechen

Schauen wir, dass die Zwangsferien nicht zu einer staatlich verordneten Verblödung führen, indem alle Teenager eine Woche lang Pokémons jagen oder FIFA17 zocken.

Mit folgenden Empfehlungen sollte man die schulfreie Woche unbeschadet überstehen: ohne nennenswerte Wissenslücken und ohne Verrohung der guten Sitten. Ok, das meiste findet abends statt, aber mal für ein paar Tage aus dem streng getakteten Stundenplan-Leben auszubrechen, kann nicht schaden.

Hier unsere Tipps für zwangsbeurlaubte Lehrer und Schüler

Montag, 17. Oktober: Medien und eine Oper

Das Verkehrshaus hat eine neue Ausstellung – irgendwas mit Medien? Genau, an zehn Stationen lernt man die moderne Medienwelt kennen und kann selber Hand anlegen (zentralplus berichtete). Bei unserem Besuch der «Media World» funktionierte das noch nicht so einwandfrei und wir lernten vor allem etwas über die Tücken der Technik. Mal vorbeigehen und schauen, ob alles schon geflickt ist? Gute Idee, ab 11.30 Uhr ist es offen.

Der «Media Globe», das Herzstück der neuen Ausstellung Media World im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern.

Der «Media Globe», das Herzstück der neuen Ausstellung Media World im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern.

(Bild: pbu)

Dann später eine Oper zum Wochenstart: Wenn in Luzern Kultur und Bildung bluten, tut es gut, in die opulente Welt des Londoner Royal Opera House einzutauchen. Mozarts skurrile Liebes-Komödie «Così fan tutte» wird geboten – und nein, man muss dazu nicht nach London. Netterweise ermöglichen uns die Kinos, live und hautnah dabei zu sein. Und man kann sogar Popcorn knabbern dazu. Um 19.30 Uhr geht’s los im Kino Maxx in Emmenbrücke. Aber Achtung: Dauert aber mehr als drei Stunden. Doch am nächsten Tag ist ja schulfrei, easy. Wer das Gebotene nachhaltig verarbeiten will, schreibt tags darauf einen Aufsatz zum Thema: «Würde Mozart Tinder nutzen?». Ist ganz fakultativ und nicht notenrelevant.

Dienstag, 18. Oktober: Wandern und lernen

Nun aber raus an die frische Herbstluft. Ein Tag ganz im Zeichen des Biologie-Unterrichts – oder heisst das Fach immer noch Mensch + Umwelt?

Wir haben verschiedene Optionen: Tagsüber bietet es sich an, einen der Lernpfade im Kanton abzuwandern: Auf dem archäologischen Lernpfad im Wauwiler Moos etwa lernt man viel über … nun ja, Archäologie. Die Gegend im Wauwiler Moos ist sehr schön, vor allem wenn der Nebel in der Ebene klebt. Dazu ist es eine der wichtigsten steinzeitlichen Fundstellen in Europa. Man erfährt dort also, was die Pfahlbauer so trieben vor Urzeiten. Und sogar ihre Hüttchen und bescheidenen Gadgets wurden nachgebaut.

Abends zurück in die Stadt: «Aufenthaltsqualität unserer Aussenräume» heisst eine Exkursion des Öko-Forums, geleitet von der Raumplanerin Marlis Gander. Treffpunkt ist um 17.30  Uhr in der Tribschenstadt. Bei einem Spaziergang durch die Tribschenstadt schärft man den Blick für Aussenräume. Denn: Aussenräume sind die Visitenkarte einer Stadt, erfährt man. Ob sich das die Steinzeitmenschen auch schon überlegten? Mit dieser Fragestellung im Kopf und den zwei Spaziergängen in den Beinen beenden wir diesen ereignisreichen Tag.

Mittwoch, 19. Oktober: Rund um Wörter

Am Mittwoch startet das Woerdz – das ist ein Festival der gesprochenen Literatur. Das ist für Deutschlehrer interessant: Da gibt’s Inspiration zuhauf, wie man den Unterricht aufpeppen kann.

Aber insbesondere ist das auch für Jugendliche super: Am Mittwoch zum Beispiel messen sich 14 Schülerinnen und Schüler zwischen 16 und 18 Jahren an einem Poetry-Slam: Es ist das Resultat aus einem Vermittlungsprogramm an der Kanti Alpenquai und mit Berufsschülern. Die Schüler haben unter kundiger Anleitung von Literaten Texte erarbeitet, die besten davon werden im Südpol vorgetragen. Von Kim, Martin, Elina, Simon, Katja, David und Luisa.

Das Woerdz dauert noch bis am Sonntag, 23. Oktober, neben dem empfehlenswerten Programm gibt’s auch Workshops: Wie man eine vollere Stimme kriegt, zum Beispiel. Oder wie man beatboxt. Mindestens eines davon kann man gut im Unterricht gebrauchen.

Donnerstag, 20. Oktober: Fantastischer Plastik

Es wird langsam streng – gehen wir den Donnerstag gemütlich an: Sitzen und zuschauen.

Mittags könnte man sich mal ein Lunchtime-Konzert geben, da kommt man ja sonst nie dazu: Studierende der Luzerner Musikhochschule spielen für eine halbe Stunde. Dazu kann man ungeniert sein mitgebrachtes Picknick verputzen. Ab 12.30 Uhr im Musikpavillon an der Obergrundstrasse 9.

Theater hatten wir noch nicht – da bietet sich im Theaterpavillon eine gute Option: eine Theaterperformance vom selbsternannten Kreativkollektiv «Hirshin & Gaul». Es geht irgendwie um Plastik und es scheint bewegungstechnisch recht wild: «Eine bunte, explosive, ästhetische, trashige, sinnliche, bewegte und bewegende Collage», verspricht das Stück «Plastic Fantastic». Um 20 Uhr im Theaterpavillon geht’s los.

 

Freitag, 21. Oktober: Schlüsselfigur der Bildung

Damit wir’s zum Ende der schulfreien Woche nicht vergessen: Luzern ist ein «Ort des Wissens». Das besagt folgende Veranstaltung, die wir zum Ende der Woche empfehlen. Wer sich davon überzeugen will, wie Luzern zur Wissensstadt geworden ist, sollte den Freitagnachmittag im Naturmuseum verbringen: Von 15.15 bis 21 Uhr findet dort ein Symposium und Podium zur Zukunft des Bildungs- und Wissensplatzes Luzern statt: «Wie viel will Luzern wissen?»

Wie die Jesuiten bereits im 17. Jahrhundert die Naturwissenschaften hierher brachten – und wieso der Universalgelehrte Karl Nikolaus Lang eine Schlüsselfigur in der hiesigen Bildungsgeschichte ist. Damit das nicht zu trocken wird, gibt’s zwischendurch barocke Musik und barocke Häppchen.

Was sind eigentlich barocke Häppchen? Und wer ist heute die Schlüsselfigur der Luzerner Bildung? Im Regierungsrat sitzt sie wahrscheinlich nicht.

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