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So übernachtest du in der freien Natur – ohne böses Erwachen
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Wild campieren: Unter Beachtung der verschiedenen Bestimmungen in der Schweiz kann das ein unvergessliches Erlebnis werden. (Bild: Symbolbild Adobe Stock)

Campieren: wild, aber legal So übernachtest du in der freien Natur – ohne böses Erwachen

4 min Lesezeit 1 Kommentar 31.05.2020, 05:00 Uhr

Corona hat manchen Strand-Fan zum Schweiz-Entdecker gemacht. Weil die Campingplätze noch geschlossen sind, übernachten Erholungssuchende vermehrt in der freien Natur. Was es dabei zu beachten gibt und warum du mit einer kleinen Schaufel gross auftrumpfst, erfährst du hier.

In der freien Natur übernachten, an einem schönen Flüsschen oder See wild campieren? Ein romantischer Gedanke, aber ist das überhaupt erlaubt? Die kurze Antwort: Jein.

Wie so oft kommt es drauf an. Denn obschon gemäss dem Schweizerischen Zivilgesetzbuch Wald und Weide jedermann zugänglich sind, ist die Sachlage nicht eindeutig. Denn wie so oft haben in dieser Angelegenheit Kantone und Gemeinden ein gewichtiges Wörtchen mitzureden.

Grundsätzlich schwierig ist das Wildcampieren für all jene mit einem motorisierten Untersatz. Der Touringclub der Schweiz (TCS) schreibt dazu auf seiner Homepage: «Freies Übernachten an öffentlichen Orten wie Raststätten, Parkplätzen, abseits von Strassen und in freier Natur ist in der Schweiz verboten.» Ausnahmen kennen lediglich ein paar Kantone, wie etwa Schwyz und Uri, die ein einmaliges Übernachten auf Parkplätzen oder Raststätten unter Vorbehalten erlauben.

In Luzern braucht es eine Bewilligung

Eine Ausnahmeregel kennt auch der Kanton Obwalden. Sofern kein privates oder öffentliches Interesse verletzt wird, ist das einmalige Übernachten abseits der Campingplätze ohne Bewilligung erlaubt.

Holt man sich erst die Erlaubnis vom Landeigentümer ein, dann ist wildes Campieren in folgenden Zentralschweizer Kantonen möglich: Luzern (bis zu 30 Tage), Schwyz (bis zu 48 Stunden), Nidwalden (ohne Beschränkung). In Zug wiederum ist das Wildcampieren kommunal geregelt. In jedem Fall wird empfohlen, sich vorab bei der Gemeinde zu erkundigen.

Besser sieht es für all jene aus, die in den Bergen zelten wollen. Denn laut dem Schweizer Alpen-Club (SAC) ist dies grundsätzlich erlaubt. Je nach Kanton und Gemeinden können aber Einschränkungen gelten. Deshalb empfiehlt sich ein Anruf ins Tourismusbüro oder auf die entsprechende Gemeinde.

Ein absolutes Wildcampier-Verbot gilt für den Nationalpark, Jagdbann- und Naturschutzgebiete sowie für Wildruhezohnen während den Schutzzeiten. Ebenfalls verboten ist das Übernachten in freier Natur, wenn es explizit vom Landeigentümer verboten wird.

Oberhalb der Baumgrenze «unproblematisch»

Als «grundsätzlich unproblematisch» erachtet der SAC das Wildcampieren oberhalb der Waldgrenze und in kleinen Gruppen für eine kurze Zeit. Wer über längere Zeit am gleichen Ort bleiben will, sollte das Zelt tagsüber jeweils abbauen. Wer in einer grösseren Gruppe wild campieren will, sollte zwingend Kontakt mit dem Landeigentümer aufzunehmen. Befindet sich das geplante Nachtlager in unmittelbarer Nähe einer Alphütte, sollte dort um Erlaubnis gefragt werden.

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Ein besonderes Augenmerk sollten Campierwillige auf das Wetter legen. Heftige Regenfälle etwa können Bergflüsse blitzschnell anschwellen lassen, was häufig unterschätzt wird. Deshalb sollte ein Rastplatz gewählt werden, der genügend weit von Gewässern entfernt und im Idealfall erhöht ist.

Aber nicht so exponiert, dass ein Blitzeinschlag zu befürchten ist. Ebenfalls abzuklären ist, ob man sich in einem Gebiet mit Mutterkuhhaltung befindet – ein weiteres Risiko.

Mitnehmen: Schöne Erinnerung – sowie alles andere!

Daneben gilt es noch einige Verhaltensregeln zu beachten, ganz nach dem Motto: «Nimm nichts mit – ausser Eindrücken. Hinterlasse nichts – ausser Fussspuren.»

Absolut tabu ist Littering: Der gesamte Abfall gehört im eigenen Rucksack verstaut und im Tal entsorgt. Das gilt auch für Essensreste. Zudem sollte man, wenn möglich, bestehende Feuerstellen benutzen und insbesondere während der Dämmerung Störungen jeglicher Art vermeiden – die alpine Fauna dankt.

Was aber, wenn man mal muss? Entweder man packt das erledigte Geschäft ein oder aber man gräbt ein Loch, das man nach verrichteter Arbeit wieder zuschüttet. Deutlich einfacher geht das, wenn man dazu eine kleine Schaufel mitnimmt. Beim Graben sollte zudem unbedingt ein Mindestabstand zum nächsten Gewässer von 50 Metern eingehalten werden.

Ein letzter Tipp

Werden diese Grundsätze eingehalten, steht einem unvergleichlichen Naturerlebnis nichts im Weg. «Mit entsprechender Planung, Rücksichtnahme auf sensible Lebensräume und der Einhaltung geltender Bestimmungen kann gut gezeltet werden», schreibt der SAC auf Anfrage.

Damit das Übernachten unter dem freien Sternenhimmel wahrlich zu einem unvergesslichen Erlebnis wird, hat Martin Künzle, Fachmitarbeiter Bergsport und Umwelt des SAC, zudem noch einen letzten Tipp im Köcher: Einen Übernachtungsort wählen jenseits der altbekannten, besonders populären Spots.

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1 Kommentare
  1. Gruesse vom Einhorn Schlachthaus, 02.06.2020, 13:28 Uhr

    Langer Rede kurzer Sinn: Wo kein Kläger, da kein Richter!

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