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So überleben Sie das lange Allerheiligen-Wochenende
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Jessiquoi, Monotales, «Stadt Land Fluss», Johnny Burn: nur vier von etlichen Möglichkeiten in den nächsten Tagen. (Bild: zvg/Montage zentralplus )

Unser Guide für die kalten Tage in Luzern So überleben Sie das lange Allerheiligen-Wochenende

5 min Lesezeit 31.10.2018, 16:16 Uhr

Wegfahren? Sicher nicht! Es läuft so viel in und um Luzern zwischen Mittwoch und Sonntag. Hier eine Gebrauchsanweisung, damit Ihnen garantiert nicht langweilig wird. Doch Vorsicht, es beginnt anstrengend.

Wetter: nasskalt. Stimmungslage: trinkselig. Veranstaltungskalender: üppig. Die Aussichten für Allerheiligen könnten besser nicht sein.

Für viele beginnt am Mittwochabend ein langes Wochenende, also muss ein Programm her. Anstrengend, aber durchaus machbar.

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Mittwoch: Binge-Konzert-Hopping

Wie viele Konzerte schaffen Sie an einem Abend? Der Mittwoch bietet sich für diese Challenge an – wahlweise können Sie sich auch einfach eines herauspicken, aber das würde unserem Vorhaben kaum gerecht.

Wir finden uns für das Feierabendbier um 19 Uhr in der Jazzkantine ein, da läuft die spassige Volksmusik-Stubete von Musikstudenten. Garantiert «Hudigäggeler»-frei.

Fertig gemütlich, ab 21 Uhr wird’s anspruchsvoll: Wir empfehlen die Plattentaufe der Luzerner Band Monotales in der Schüür und den amerikanischen Songwriter Ian Fisher im Neubad-Keller. Wem das Eine gefällt, der ist beim Anderen nicht falsch. «Run Run Run» heisst der Opener auf dem neuen Monotales-Album, also denn: Die schnellen Schuhe montieren und zu Folk- und Countryklängen den Puls wieder herunterfahren.

Danach bietet es sich an, den Abend in der Baselstrasse ausklingen zu lassen. Mit Glück erwischen Sie noch ein Ohr voll Musik der Hamburger Unhappybirthday in der Kegelbahn. Da geht’s 80erig-düster zu und her – und die Nacht ist noch jung. Hat da wer Halloween gerufen?

 

Donnerstag: Von Renaissance bis Prog-Rock

Zu euphorisch ins lange Wochenende gestartet? Dann haben wir die perfekte Fortsetzung. Lassen Sie sich besinnlich entspannt in diesen Feiertag begleiten – es gibt diverse Möglichkeiten. Um 11 Uhr in der Hofkirche mit dem Renaissance-Ensemble Il Dolcimelo, Chor und Orgel. Oder später um 17 Uhr mit der feierlichen «Evensong» voller Chormusik.

Um 18 Uhr könnten Sie in den Südpol pilgern, dort zeigt die noch frische Luzern Company Tanzerei ihr erstes Programm «Projekt A» (Leitung: Daniela Fischer & Emma Skyllbäck). Elf Laien-Tänzerinnen mit professionellem Anspruch zeigen je eine Choreographie unter professioneller Anleitung.

Als Alternative oder Ergänzung zeigt im Theaterpavillon das Theater Bagasch das Stück «Shoppen» (Regie: Dieter Ockenfels). Es geht um Speed-Dating, um paarungswillige Grossstadtsingles, um Flirten und Sex. Passt ja nicht schlecht zu unserem ambitionierten Wochenend-Programm.

Und wer doch lieber mit Konzerten fortfährt, der findet auch am Donnerstag welche: Zum Beispiel Zibbz, das sympathische Geschwister-Duo, das am Eurovision Song Contest unverdientermassen in der Vorrunde scheiterte. Sie haben die neue Single «Rich» am Start und spielen im Stadtkeller. Voraussichtlich nicht auf einem Surfbrett:

 

Oder aber, wer jetzt «Kommerz!» schreit – easy bleiben. Der kann ins Uferlos, da spielt eine garantiert noch als Geheimtipp zu betitelnde neue Luzerner Band namens Geons. Das Quartett spielt unbequemen Prog-Rock. Wir hatten’s doch ruhiger angehen wollen?

Freitag: Aus der Gewohnheit ausbrechen

Jetzt müssen wir wählerisch werden: Die Kräfte lassen nach und das Programm dünnt nicht aus, im Gegenteil. Wir bewegen uns heute deshalb abseits der Hauptströme und wagen Neues.

Haben Sie viel Zeit am Freitag und alle Netflix-Serien schon geschaut? Falls Sie noch wissen, was ein Kino ist und gern vom bequemen Sessel aus die Welt bereisen, empfehlen wir das Stadttheater Sursee. Da läuft das kleine «Festival Sursee» (noch bis 4. November). Es zeigt Filme, die uns andere Kulturen und fremde Menschen näherbringen. Es geht bereits um 10.30 Uhr los mit dem Film «Noces» (Regie: Stephan Streker) und dauert bis 20.30 mit «White Sun» (Regie: Deepak Rauniyar). Es geht um eine pakistanische Familie in Belgien im einen, um das Dorfleben am Fuss des Himalaya im anderen Streifen.

Einen «Kulturschock» verspricht das gleichnamige Label mit der Oper in der Bar um 20.30 Uhr im Madeleine in Luzern: Es führt die Rossini-Oper «La Cenerentola» in einer bodenständigen Version für Bar, Sänger, Orchester und Publikum auf (Regie: Klaus Opilik). Grosse Oper in Club-Atmosphäre bei Bier? Geht schon, sagen sich die Macherinnen. Witzig, unkonventionell und ohne Frack und Roben – macht doch neugierig.

Wer die Oper lieber klassisch und auf der grossen Bühne mag, geht im Luzerner Theater zur Premiere von «Roméo et Juliette» (zentralplus berichtete). Die Inszenierung des Franzosen Vincent Huguet mit der Luzernerin Regula Mühlemann läuft bis am 26. Dezember.

Zudem im Angebot: Weil die Premiere am Mittwoch ausverkauft war, könnten Sie am Freitag das Kleintheater anzielen: Der Luzerner Comedian Johnny Burn zeigt sein neues Programm «Wok-uhila». Tante Wong ist wieder dabei, und der gewohnte Slapstick von Mav Bun, wie er richtig heisst. Schnappatmung beim Publikum garantiert! (Am Samstag gibt’s eine weitere Gelegenheit.)

Auftritt von Johnny Burn bei «Deville»:

 

Samstag: Auf die Berge

Das Wetter soll besser werden, wieso also nicht einen ausgedehnten Spaziergang mit Kultur verbinden?

Variante 1: Im Festsaal des Hotels Villa Honegg läuft noch bis am Sonntag das Bürgenstock-Festival. Emmanuel Pahud präsentiert um 18.30 Uhr Highlights der Flötenliteratur – etwa Mozarts berühmtes Flötenquartett sowie virtuose Arrangements von Rossini und Dvořák. Begleitet wird er von Streicherinnen und Klavier.

Variante 2: auf den Pilatus! Am Freitag hat ebenda schon Stiller Has gespielt mit dem ganz weltfühligen Endo Anaconda (zentralplus interviewte ihn). Am Samstag geht’s mit den Lokalhelden Dada Ante Portas weiter. Die Bahnfahrt ist zwar inbegriffen, doch hinaufwandern macht mehr Spass – und lässt auch das Drei-Gang-Menü besser munden.

Sie spielt zwar nicht auf dem Berg, ist dafür eine Senkrechtstarterin: Jessiquoi (Jessica Plattner) ist eine der aufregendsten Schweizer Neuentdeckungen – «ungekrönte Neon-Pop-Queen» wird sie genannt. Die Bernerin zerstampft Electronica, World, Rap und Gesang zu einem schwindelerregenden Amalgam. Ein Album hat sie noch nicht veröffentlicht, trotzdem ist sie schon in aller Munde. Ein Konzert-Must in der Schüür, für alle, die das Schweizer Musikschaffen von morgen jetzt schon erleben wollen.

 

Sonntag: Brot und Spiele

Gemütlich und familientauglich wird’s am Sonntag, darum geht’s um 14 Uhr nordwärts nach Emmenbrücke in den Akku. Dort findet die Finissage von «Stadt Land Fluss» statt. Angelehnt an den Namen des bekannten Quizspiels bringt die Ausstellung spielerisch zeitgenössische Kunst und Bilder aus der Sammlung zusammen. An der Finissage gibt’s eine Führung und einen Spielenachmittag mit einem Quizturnier.

Um 18 Uhr steht die Box des Luzerner Theaters auf dem Programm, diese hat sich derzeit in eine offene Festival-Küche verwandelt. Im Rahmen der «Open Kitchen» wird am Sonntag der vierte von fünf Gängen serviert: «Worüber wir reden, wenn wir übers Essen reden» von Regisseur Giacomo Veronesi. Darin begegnen sich zwei Schauspieler (Mira Rojzman und Julian-Nico Tzschentke) in der Küche und nutzen sie als Denkraum, um über die Menschheit und ihre Zukunft zu philosophieren. Auch an Essen und Trinken wird’s nicht fehlen – ein perfekter Ausklang des langen Wochenendes.

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