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So touren die Luzerner Ständeratskandidaten durch den Kanton
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Damian Müller, Franz Grüter, Andrea Gmür und Monique Frey (von links oben, im Uhrzeigersinn) sind für ihre Ständeratskandidatur im ganzen Kanton unterwegs. (Bild: zvg)

Unterwegs mit Velo, APE und Tourbus So touren die Luzerner Ständeratskandidaten durch den Kanton

7 min Lesezeit 03.08.2019, 13:47 Uhr

Sechs Luzernerinnen und Luzerner kämpfen um die zwei Sitze im Ständerat – mit ausgefallenen Gefährten und aufwendigen Reiserouten. Nicht alle gehen dabei gleich geschickt vor, sagt der Experte.

Am weitesten herum kommt im Wahlkampf Monique Frey, Kandidatin der Grünen. Auf einer Velotour hat sie letzte Woche alle 83 Gemeinden im Kanton besucht, und dabei in sechs Tagen 420 Kilometer und 6’000 Höhenmeter zurückgelegt. 

«Die Tour ist mein persönlicher Auftakt in den Wahlkampf», sagt Frey, die auch sonst jeden Sommer mit dem Velo verreist. Unterwegs habe sie viele Gespräche geführt, und so erfahren, was die Bevölkerung in den Gemeinden beschäftige.

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Häufig genannte Themen seien das Klima, Verkehr, Energie, Migration, Sozial- und Wohnungspolitik. «Nun will ich im Wahlkampf auf den anstehenden Podien ganz spezifisch aufzeigen, welche Auswirkungen die nationale Politik in diesen Bereichen für die Leute in den Dörfern hat.»

Aus jeder Gemeinde postete Monique Frey ein Foto auf Facebook, mit sich und dem jeweiligen Gemeindehaus. «Wir Grünen müssen unseren Wahlkampf mit relativ bescheidenen Mitteln bestreiten. Halbseitige Zeitungsinserate können wir uns nicht leisten», sagt Frey. «Umso wichtiger ist es, dass wir über Social Media möglichst viele Wähler erreichen.» Das Budget für den Ständeratswahlkampf liege bei rund 13’000 Franken. 

Franz Grüter unterwegs im SVP-Tourbus

Mit Sicherheit deutlich grösser, aber geheim, ist das Wahlkampfbudget der SVP. Trotzdem setzt auch die Schweizerische Volkspartei mit ihrer Aktion «SVP on Tour» auf Präsenz in allen 83 Luzerner Gemeinden. Die Nationalratskandidatinnen und –kandidaten kurven ab dem 1. August gemeinsam mit einem Bus durch den Kanton. Mit dabei ist in den meisten Fällen Ständeratskandidat Franz Grüter

Die SVPler sind unter anderem an der Chilbi in Geuensee präsent, am Wahlkreisparteitag in Willisau oder laden zu «Fürobe-Bier und Wurst» in Grosswangen. Wie bereits beim Wahlkampf vor vier Jahren wollen die SVPler dabei erfahren, «wo der Schuh drückt».

Wahlkampfleiter Marco Frauenknecht ist überzeugt, dass sich die Aktion lohnt. Die Partei zeige damit, dass sie nicht nur in der Stadt und Agglomeration präsent sei. «Bei der Bevölkerung kommt es sehr gut an, wenn man sich Zeit für sie nimmt und ihre Sorgen vor Ort anhört.» 

Damian Müller hebt mit dem FDP-Ballon ab

Mit einer Kantonsrundfahrt der anderen Art startete FDP-Ständerat Damian Müller in den Wahlkampf. Im FDP-Heissluftballon flog er, zusammen mit einer Wettbewerbsgewinnerin, von Hildisrieden bis Ballwil. 

Daneben tourt Müller, wie bereits vor vier Jahren, mit einem «APE» im Retro-Design durch den Kanton. Seit der damals erfolgreichen Wahl in den Ständerat ist er regelmässig mit seinem «Müller-Mobil» unterwegs: Zu Podien oder Dorfplätzen, wo er sein Mobil parkiert, Kaffee ausschenkt und unkompliziert mit der Bevölkerung ins Gespräch kommt. 

«Der direkte Kontakt ist entscheidend, gerade wenn man mit bescheidenen finanziellen Mitteln unterwegs ist», sagt Müller. Sein persönliches Wahlkampfbudget liege im oberen fünfstelligen Bereich. Anders als Frey und Grüter will Müller aber nicht sämtliche Luzerner Gemeinden abklappern.

Geplant sind im Rahmen des Wahlkampfes neben unzähligen Podien und Reden rund 20 Auftritte mit dem «Müller-Mobil». «Seit vier Jahren bin ich regelmässig mit meinem selbst gebauten Gefährt unterwegs. Die Leute wissen, dass ich mich nicht nur vor den Wahlen unters Volk mische», sagt Müller.  

Andrea Gmür mit dem APE auf dem Dorfplatz

Ganz ähnlich sieht das Konzept der CVP-Kandidatin Andrea Gmür aus. Auch die Nationalrätin setzt diese Wahlen bereits zum zweiten Mal auf den dreirädrigen Kleintransporter APE, fährt damit zu Podien, Standaktionen, serviert daraus Kaffee und Willisauer Ringli auf Dorfplätzen und sucht so den «wertvollen Austausch mit der Bevölkerung.» Fast täglich sei sie bis zu den Wahlen damit unterwegs. An mindestens zwei Auftritten wollen Müller und Gmür gemeinsam mit ihren Piaggios auffahren. 

CVP-Nationalrätin Andrea Gmür kämpft im Piaggio um den Einzug ins Stöckli. An ihrer Seite Ehemann Philipp Gmür. (Bild: pd)

«Vor vier Jahren sagten meine Kinder noch, du machst damit nur die Leute verrückt, wenn du so langsam dahin tuckerst und die Strassen blockierst», sagt Gmür mit einem Lachen. Doch der Einsatz zahle sich aus, wie die damals erfolgreiche Kandidatur für den Nationalrat zeige.

Mit dem Velo sei sie das ganze Jahr über unterwegs, nicht nur während der Wahlen. Die Leute hätten aber Freude am ungewohnten Gefährt, sie erhalte viele positiven Rückmeldungen. «Man muss wirklich unter die Leute, wenn man etwas erreichen will.» Ihr Wahlkampfbudget sei «höher als vor vier Jahren.» Damals waren es rund 80’000 Franken. 

David Roth verzichtet auf «Wahlkampf-Gags»

Klar von seinen Mitkonkurrenten distanziert sich der Kandidat der SP, David Roth. «Irgendwelche Wahlkampf-Gags oder Effekthascherei mit lustigen Gefährten wird man von mir keine sehen», sagt er. Während der letzten Jahre als Kantonalparteipräsident habe er viele Gemeinden und ihre Menschen kennengelernt. Der Austausch mit Menschen im ganzen Kanton müsse «permanent stattfinden und nicht nur während ein paar Wochen vor den Wahlen.»

Will nichts wissen von «Effekthascherei mit lustigen Gefährten»: SP-Ständeratskandidat David Roth.

Gestartet hat Roth seinen Wahlkampf Mitte Juni an einem Apéro mit rund 100 Personen, die ihn unterstützen. Geplant sind unter anderem zehn Auftritte an Podien. Sein Wahlkampfbudget: rund 20’000 Franken.

Die Kandidatin der Grünliberalen, Michèle Graber, reagierte nicht auf eine entsprechende Anfrage von zentralplus.

Nicht jeder ist gemacht für Schwatz mit Hinz und Kunz

Bringen solche Aktionen etwas? «Der Kontakt mit der breiten Bevölkerung ist im Wahlkampf sehr wichtig, insbesondere in ländlich geprägten Kantonen wie Luzern», sagt dazu Politikberater Mark Balsiger, Autor mehrerer Wahlkampfbücher.

«Das funktioniert aber nur, wenn der Kandidat oder die Kandidatin das Flair haben für den unkomplizierten Austausch mit Hinz und Kunz.» Andernfalls nütze es auch nichts, möglichst viele Hände zu schütteln. «Wer sich verstellt, linkisch auftritt oder arrogant wirkt, verliert an Unterstützung.» Den Luzerner Ständeratskandidatinnen und -kandidaten traut er aber allen zu, den Zugang zur Bevölkerung zu finden. 

Eine Tour durch die Gemeinden sei zwar aufwendig, könne sich aber auszahlen. «Auf dem Dorfplatz spricht der Politiker vielleicht nur mit fünf Personen. Doch die erhalten einen sehr persönlichen Eindruck, erzählen davon ihrem eigenen Umfeld und wirken so als Multiplikatoren», erklärt Balsiger. 

Neben viel Volksnähe spielen im Wahlkampf 25 weitere Faktoren eine wichtige Rolle, wie Balsiger 2003 mit einer Befragung von 1’500 Kandidierenden herausgefunden hat. Zu den wichtigsten gehören dabei die Vernetzung, Fachkompetenz und Medienpräsenz. 

Gute sportliche Leistung, wenig Zeit für Bevölkerung

Die Aktionen der Luzerner Kandidatinnen und Kandidaten bewertet der Politikberater unterschiedlich. Das dreirädrige Gefährt APE, mit welchem Damian Müller und Andrea Gmür unterwegs sind, wirke sympathisch. «Dass beide bereits zum zweiten Mal darauf setzen, zeigt, dass das Konzept mit der kleinen, mobilen Kaffeebar funktioniert», sagt Balsiger. Eine Tour in einem konventionellen Auto mit Verbrennungsmotor hingegen würde vor dem Hintergrund der Klimadebatte wohl kaum mehr goutiert. «Im Wahlkampf 2011 war die Luzerner FDP mit einem Doppelstöcker-Bus unterwegs. Das würde sie sich nicht mehr erlauben», sagt Balsiger. 

Kritischer beurteilt der Politologe die Velotour von Monique Frey. Dass sie in sechs Tagen alle 83 Luzerner Gemeinden besucht habe, sei zwar eine beeindruckende sportliche Leistung. «Es ist aber fraglich, ob sie dabei genug Zeit für qualifizierte Kontakte mit der Bevölkerung hatte», sagt Balsiger. Immerhin: Als Grüne habe sie mit dem Velo auf das einzig richtige Fortbewegungsmittel gesetzt. 

Der SVP-Tourbus mit Franz Grüter an Bord erinnert Balsiger an den US-Wahlkampf, wo die Spitzenkandidaten jeweils im eigenen Bus unterwegs sind. «Wenn die ganze Truppe auf dem Dorfplatz aussteigt und daraus ein Event gemacht wird, hinterlässt das durchaus eine Wirkung.« Die Partei zeige damit Volksnähe und könne gerade während des Sommerlochs auch auf Berichterstattung in den lokalen Medien hoffen. 

Als routinierter Wahlkämpfer weiss David Roth, dass es den Effort der Konkurrenten schlechtzureden gilt.»

Mark Balsiger, Politikberater

Dass David Roth seinen Mitbewerbern Effekthascherei vorwirft, wertet Balsiger so: «Als routinierter Wahlkämpfer weiss Roth, dass es den Effort der Konkurrenten schlechtzureden gilt.» Auf den direkten Kontakt zur Bevölkerung setzt Roth aber ebenso. «Ob er dies mit oder ohne Gefährt macht, ist zweitrangig.»

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