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So sehen die FCL-Helden 30 Jahre später aus
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Wer kennt sie noch? 30 Jahre nach dem ersten und einzigen Meistertitel feiern die Helden von damals in Sempach. (Bild: les)

Sechs Geschichten rund um die Meisterfeier So sehen die FCL-Helden 30 Jahre später aus

5 min Lesezeit 07.06.2019, 21:41 Uhr

Sie kamen von überall her: aus Griechenland, Deutschland und Spanien. Weil sie etwas ein Leben lang verbindet: Sie sind die einzigen Meisterhelden des FC Luzern. 1989 landeten sie den grossen Coup – ihre Freundschaft liessen sie am Freitagabend abermals aufleben.

Wenn der FC Luzern jemals auf Niveau Champions League gespielt hat, dann am Freitagabend. Ziemlich genau 30 Jahre nach dem ersten und einzigen Titelgewinn der Luzerner trafen sich die Meisterhelden mit ihren Partnerinnen in der von Meisterspieler Hansi Burri geführten Seebadi in Sempach zum Dinner. Es war ein herzliches Wiedersehen mit vielen Anektdoten. 

Der weitgereiste Gast 

Als der damalige Regisseur Jürgen Mohr sich das Retro-Trikot von 1989 überstreifte, tat sich dieses nicht eben leicht, das Hindernis Bauch zu überwinden. Er musste ein paar Sprüche über sich ergehen lassen. Peter Nadig war sein Gegenentwurf: Der ehemalige Torjäger sah aus, als wäre er gerade aus einer Garderobe rausgekommen, um aufs Spielfeld zu laufen. Hintergrund der Ankleide war der Vorsatz, ein Mannschaftsfoto zu schiessen mit den zumeist ehrenvoll ergrauten Helden.

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Bloss einer liess lange auf sich warten. Als der Wind schon fast böenartig über den Sempachersee blies, tauchte er endlich auf: Der Isländer Sigi Gretarsson unterbrach seine Ferien in Griechenland, flog am Freitag mit seiner Frau nach Zürich und sagte später: «Dass wir alle zusammen etwas ganz Spezielles darstellen, sieht man, wie herzlich die Leute miteinander umgehen.» Man mochte ihm nicht widersprechen.

Der Pechvogel

Er war der Meistergoalie, sein Markenzeichen die langen Trainerhosen. Doch sein Name ist nicht so klingend wie der anderer Torhüter in der Historie des FC Luzern. Das liegt daran, dass Roger Tschudin das Pech beim Unterschreiben neuer Verträge an den Sohlen zu kleben schien. Ein Jahr nach dem Meistertitel wurde er vom FCL mit einer Vertragsverlängerung vertröstet, «bis plötzlich Beat Mutter als neuer Goalie verpflichtet wurde», erzählt der 52-Jährige. «Da war die Türe bei Zürich, Servette und Wettingen, die sich für mich interessierten, schon zugegangen.»

Ein halbes Jahr später hatte er die Chance, beim RSC Gent unterzukommen. «Doch der Spielervermittler hatte mit dem Vorvertrag in der Tasche einen schrecklichen Autounfall», so Tschudin. «Weil sie deshalb lange nichts von mir hörten, zerschlug sich auch dieser Transfer.» Das schmerzte ihn insofern, als Gent anderthalb Jahre später auf europäischer Bühne gegen den FC Luzern spielte. Tschudin schloss sich später noch dem SC Kriens an, stieg mit dem Klub in die NLA auf.

FCL-Meistergoalie Roger Tschudin erzählt von damals.

FCL-Meistergoalie Roger Tschudin erzählt von damals.

(Bild: les)

Mit seiner Karriere hat der grossgewachsene Versicherungsfachmann längst Frieden gemacht. Gerne erzählt er die Anekdote, wie er beim Einspielen in Neuenburg einen eigenen Fan verblüffte: «Dieser rief mir zu: Willst Du auch ein Kaffee Zwetschge? Und ich entgegnete ihm: Ja klar, komm her. Er konnte es nicht glauben, als ich einen Schluck nahm.» So schlecht hatte es Tschudin danach nicht gemacht. Den zweitletzten Schritt zum Meistertitel machten die Luzerner mit einem 1:0-Sieg.

Der Braungebrannte

Schlank, braungebrannt und eine coole Sonnenbrille auf der Nase: Urs Birrer (57) wäre wohl in die Endausmarchung gekommen, hätte es einen Contest des bestaussehenden FCL-Meisterspieler gegeben. Der Alberswiler Verteidiger ist vor gut drei Jahren nach Calpe ausgewandert, in einen Ort rund fünf Viertelstunden von Valencia in Spanien entfernt. «Wir haben es traumhaft dort, 320 Sonnentage im Jahr.»

Aber wie verschlug es ihn überhaupt dahin? Lachend sagt der frühere Nationalspieler: «Das hatte mit meiner Schulterverletzung zu tun. Wochenlang konnte ich nichts machen, ich wurde richtig unausstehlich.» Er sagte zu seiner Frau, dass er schauen wolle, wo es richtig schön sei. «So kamen wir auf Spanien und hatten schon drei Häuser angeschaut, die mich aber nicht wirklich überzeugten.» Da habe die Maklerin gesagt, sie hätte noch ein weiteres, aber das liege über Budget. «Ich weiss noch genau. Ich lief zehn Meter ins Haus hinein und spürte sofort: Das ist es.» Von Zeit zu Zeit arbeitet Birrer nach wie vor als Maler in der Zentralschweiz.

Die Korrektur

Er steht als Präsident für die erfolgreichste Zeit in der Geschichte des FC Luzern: Romano Simioni hat 1989 den Meistertitel und 1992 den Cupsieg gefeiert. Mittlerweile ist er 84, aber trotz einer Herzklappen- und einer Meniskusoperation im Knie gut zwäg. «Solange man noch essen und trinken kann, geht’s einem gut», sagt Simioni lachend.

Da kann man es ihm auch problemlos nachsehen, dass er in seiner Erinnerung wohl etwas durcheinander gebracht hat. Die 50’000-Franken-Meisterprämie, die Simioni auch zentralplus gegenüber genannt hat, ist zu hoch angesetzt. Ein paar Meisterhelden witzelten, sie hätten sich schon überlegt, dem Präsidenten einen Einzahlungsschein zuzuschicken, weil sie weniger bekommen hätten. Lustig ist aber auch: Über die genaue Höhe der Meisterprämie gibt es unterschiedliche Angaben der damaligen Helden. Sie muss irgendwo zwischen 10’000 und 20’000 Franken gelegen haben. 

Emotionaler Moment

Er ist seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten, und als die Meisterhelden fast schon komplett waren, bekannte Ingo Rausch: «Für uns ist es schon eine emotionale Sache. Schade, dass der Vater an diesem Abend nicht mehr dabei sein kann.» Papa Friedel war der legendäre und charismatische Meistertrainer, der druckreif reden konnte und markige Sprüche raushaute. Leider verstarb er, den die Fans 1992 mit einem «Friedel, wir danken Dir» aus Luzern verabschiedeten, im November 2017.

Familie Rausch fühlt sich Luzern noch immer sehr verbunden. Von links: Mark, Marlies und Ingo Rausch.

Familie Rausch fühlt sich Luzern noch immer sehr verbunden. Von links: Mark, Marlies und Ingo Rausch.

(Bild: les)

Seine Frau Marlies benötigte bloss ein Wort, um zu sagen, was ihr die FCL-Meistermannschaft von 1989 bedeutet: «Alles.» Die Brüder Ingo und Mark hatten früher mit den Meisterspielern gelegentlich mittrainieren dürfen. «Daraus sind viele Freundschaften entstanden», hielt Mark fest. Und Ingo ergänzte: «Unser Vater hatte viele Stationen in seiner Karriere. Aber nirgends empfand er die Bande so eng und freundschaftlich wie in Luzern.»

Standing Ovations

Hanspeter Kaufmann, der smarte Innenverteidiger, beendete seine Karriere ein Jahr nach dem Titelgewinn. «Ich war körperlich kaputt», sagt er und erinnert sich gerne daran, wie sie im Meisterjahr von den FCL-Fans so euphorisch unterstützt wurden. «Nach dem Heimsieg gegen GC spendeten uns die Fans eine Viertelstunde lang Standing Ovations. Eine Viertelstunde lang. Das werde ich nie mehr vergessen.»

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