So schätzt EVZ-Sportchef Kläy die Leistungen seiner Zuger in der Nati ein
  • Sport
  • Eishockey
Der Zuger Meisterstürmer Grégory Hofmann (rechts) gehört zu den besten Torjägern und Punktesammlern der WM – hier bejubelt er mit Enzo Corvi das 4:0 gegen die Slowakei. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus)

Eishockey-WM in Lettland So schätzt EVZ-Sportchef Kläy die Leistungen seiner Zuger in der Nati ein

7 min Lesezeit 28.05.2021, 19:00 Uhr

Die Meisterspieler des Ligadominators EV Zug bilden das Rückgrat der diesjährigen Schweizer WM-Delegation in Riga. Sie stellen mit sechs Titanen die grösste Fraktion aller National-League-Klubs. «Jedem ist es nahezu gelungen, seine Playoff-Form aufs internationale Level zu transferieren», urteilt EVZ-Sportchef Reto Kläy nach vier WM-Spielen.

Goalie Leonardo Genoni, die Verteidiger Raphael Diaz, Santeri Alatalo und Tobias Geisser sowie die Stürmer Grégory Hofmann und Dario Simion hat der EVZ nach Lettland entsandt. Die Schweizer streben am Samstag (15.15 Uhr, SRF 2) im Spitzenkampf gegen Russland den vierten Sieg im fünften Gruppenspiel an.

Sie haben am Donnerstag mit einem 8:1 über die Slowakei auf das 0:7-Debakel gegen Schweden reagiert. Für den EVZ-Sportchef ein wichtiges Signal: «Es ist entscheidend, dass man auf ein missratenes Spiel reagieren kann. Genau das ist uns auch im Playoff gelungen. Gegen Tschechien, Dänemark und die Slowakei war die Schweiz die dominante Mannschaft, die das Spiel diktierte», sagt Reto Kläy.

Zum Start gegen die Tschechen mit Zugs Genie Jan Kovar gab es ein 5:2, gegen die zähen Beton-Dänen ein 1:0.

Die Leistungen der Zuger Feldspieler

Reto Kläy vertritt die Auffassung, dass «die Zuger grossen Anteil am positiven Gesamteindruck der Schweizer haben». So beurteilt er das Zuger Sextett im Einzelnen:

  • Grégory Hofmann: Der Goalgetter scheint sein Level noch einen Tick höher geschraubt zu haben, nachdem der 28-Jährige den EV Zug zum Meistertitel geschossen hat. Hofmann macht nicht nur Tore, er bringt auch viel Energie und ein grosses Laufvermögen ins Spiel der Schweizer. «Grégory Hofmann war bei uns sechs Wochen lang verletzt. Dann begann ein Steigerungslauf, den er in der Nati fortführt», bestätigt Reto Kläy. Der Flügel setzt alles daran, um sich den NHL-Scouts vor Ort im besten Lichte zu präsentieren (zentralplus berichtete).

«Die National League kann ein gutes Sprungbrett sein, um sich an die NHL heranzutasten.»

  • Tobias Geisser: Die Entwicklung, die der 22-Jährige beim EVZ gemacht hat, ist beeindruckend (zentralplus berichtete). Darum spielt der Verteidigerhüne an seiner ersten WM so, als stelle das keine echte Herausforderung für ihn dar. Sein Spiel wirkt abgeklärt, Tobias Geisser will mit der Scheibe etwas kreieren und geht mit in den Angriff. «Er brauchte viel Spielpraxis, um sich weiterzuentwickeln. Und die hat er bei uns bekommen. Sich derart weiterzuentwickeln, wäre ihm wohl in der AHL schwerer gefallen», sagt Reto Kläy. Für ihn ist Tobias Geisser nach einem Roman Josi oder Mark Streit eines von vielen Beispielen dafür, dass die National League ein gutes Sprungbrett sein kann, um sich an das NHL-Level heranzutasten. Tobias Geisser hat noch einen ein Jahr gültigen Vertrag mit dem Washington Capitals. Für die Zuger Mission Titelverteidigung rechnet Kläy nicht ihm.
  • Raphael Diaz und Santeri Alatalo: Die beiden Verteidiger werden nicht mehr für den EVZ auflaufen. Meistercaptain Diaz (35) setzt seine Karriere in Freiburg, Alatalo (31) in Lugano fort. Während Diaz mit der Nati schon 2013 und 2018 Silber gewann, ist es für den vor einem Jahr eingebürgerten Alatalo der erste WM-Auftritt mit der Schweiz. «Raphael Diaz spielt sehr solid und Santeri Alatalo recht stabil. Sie leisten einen wertvollen Beitrag», urteilt Reto Kläy.
  • Dario Simion: Was für eine Leistungsexplosion des Tessiners in dieser Saison! Im Zuger Dress hat Dario Simion seine Punkteausbeute im Vergleich zu den Vorjahren fast verdreifacht (zentralplus berichtete). Als Belohnung dafür spielt der Flügel mit 27 seine erste WM. Aber seinem ersten Torerfolg jagt er noch hinterher. «Dario Simion fehlt noch das Wettkampfglück. Aber es ist schön zu beobachten, wie hart er arbeitet und wie ungemein schwierig es ist, ihm den Puck abzunehmen», sagt Reto Kläy.

Warum Genoni ausserhalb jeglicher Kritik steht

Aber halt, da fehlt doch noch einer in Kläys Einzelbeurteilung! Richtig: Es ist Leonardo Genoni. Er hat beim 0:7 gegen die Schweden einen schlechten Abend eingezogen und steht mit einer Fangquote von 84,21 Prozent in zwei Spielen bloss an 17. Stelle aller eingesetzten WM-Goalies. Für einen Titanen wie Leonardo Genoni eine Ungeheuerlichkeit, die nach Korrektur schreit.

«Wer weiss, wie Leonardo Genoni tickt, der weiss, dass er am stärksten ist, wenn es wirklich wichtig ist.»

Reto Kläy hütet sich wohlweislich davor, seinen Meistergoalie zu tadeln. Stattdessen sagt er: «Wer weiss, wie Leonardo Genoni tickt, der weiss, dass er am stärksten ist, wenn es wirklich wichtig ist. Das macht ihn so einzigartig.»

Diese Fähigkeit hat der mittlerweile sechsfache Schweizer Meister in diesen Playoffs eindrücklich unter Beweis gestellt. Der 33-Jährige besitzt mit den Zugern einen gültigen Vertrag bis 2024.

Herzog ist das nächste EVZ-Projekt

In der Schweizer WM-Auswahl ist aber auch Fabrice Herzog mit von der Partie, der ab nächster Saison mit einem Zweijahresvertrag zum EV Zug zurückkehren wird. In zwei WM-Spielen hat der 27-jährige Powerflügel zwar noch keinen Punkt erzielen können, aber damit kann Kläy gut leben.

Ab über die Bande: EVZ-Rückkehrer Fabrice Herzog verräumt den Slowaken Adam Janosik. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus)

Er freut sich auf das Projekt, das der EVZ mit Fabrice Herzog durchziehen will: «Fabrice Herzog gelangt von seinem Alter her in seine Primetime. Von seinem Potenzial her ist er in der Lage, einen Punkt pro Spiel zu machen. Jetzt geht es darum, dass die Wellenbewegungen in seinen Leistungen verschwinden. Die Ausgangslage ist eine ähnliche wie bei Dario Simion», erläutert Reto Kläy.

Will Klingberg das fünfte Rad am Wagen sein?

Spannend erscheint aber auch die berufliche Zukunft von Carl Klingberg. Der schwedische Meisterspieler der Zuger, der an der WM wegen einer Verletzung am Syndesmoseband für bis zu sechs Wochen ausfallen wird, macht sich derzeit ernsthafte Gedanken darüber, welcher Arbeitgeber ihm die besten Perspektiven für seine berufliche Zukunft bieten wird.

Ist es der EV Zug? Bei ihm hängt für den 30-jährigen Flügel alles davon ab, ob Grégory Hofmann in die NHL wechseln wird. In diesem Fall darf EVZ fünf Ausländer einsetzen, weil Hofmann mit einem weiterhin gültigen Vertrag in die beste Liga der Welt wechseln wird. Dann wird Klingberg, der seit 2016 in Lohn und Brot steht, das neue Angebot wohl unterschreiben.

«Ein Jan Kovar auf 80 Prozent seines Energielevels ist noch immer dazu in der Lage, an einer WM einen Punkt pro Spiel zu machen.»

Die Zuger können sich zwar vorstellen, so oder so mit fünf Ausländern in die Saison zu starten, weil früher oder später ohnehin ein zusätzlichen Söldner vonnöten sein wird (zentralplus berichtete). Aber unsicher ist, ob Klingberg bei einem Verbleib Hofmanns das fünfte Rad am Wagen spielen will. Und das wird er aller Voraussicht nach sein, nachdem der EVZ die Verteidiger Niklas Hansson und Christian Djoos sowie Anton Lander, Schwedens Antwort auf Jan Kovar verpflichtet hat (zentralplus berichtete).

Eine definitive Antwort auf Klingbergs berufliche Zukunft gibt es spätestens Anfang Juli, wenn in der NHL die Zeit der «free agents», unter die auch ein Engagement Hofmanns fällt, beginnen wird.

Warum Zugs neu verpflichtete Schweden nicht in Lettland sind

Aber was hält Reto Kläy von den WM-Leistungen von Jan Kovar, des überragenden Einzelspielers in der letzten National-League-Saison? Der 31-jährige Tscheche, der sich jüngst für eine weitere Saison zum EVZ bekannte, scheint nicht mehr die Frische zu besitzen wie beim Zuger Gipfelsturm. «Das mag sein, weil er schon viele Spiele in den Beinen hat», ordnet Kläy ein. «Aber ein Jan Kovar auf 80 Prozent seines Energielevels ist noch immer dazu in der Lage, an einer WM einen Punkt pro Spiel zu machen. Und das sagt alles über seine Klasse aus.»

«Die Schweizer stellen ein sehr gutes Team und die Topnationen keines von einem anderen Stern.»

Übrigens: Niklas Hansson (26), der dominierende Verteidiger in Schwedens höchster Spielklasse, war im Nationalteam vorerst nur auf Pikett. Da er sich mit dieser Rolle nicht anfreunden konnte, zog sich der neu verpflichtete EVZ-Spieler zurück. NHL-Verteidiger Christian Djoos (26) und Mittelstürmer Anton Lander (30) stellten sich gar nicht erst zur Verfügung. Sie wollen sich für ihre nächste Saison mit dem EV Zug optimal vorbereiten.

Das traut Kläy den Schweizern zu

Aber zurück zu den Schweizern: Was traut ihnen Reto Kläy an dieser WM zu? «Viel», sagt er.

Und was heisst das? «Wenn den Schweizern vor allem gegen Russland ein gutes Spiel gelingt, werden sie an Selbstvertrauen zulegen. Und wenn sie dann den Viertelfinal überstehen, werden sie sich in einen Rausch spielen wie 2018. Die Schweizer stellen ein sehr gutes Team und die Topnationen keines von einem anderen Stern.»

Es erwarten uns spannende und unterhaltsame Tage mit der Schweizer Nati in Riga.

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

Dieser Artikel hat uns über 600 Franken gekostet. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

0 Kommentare

Wie viel ist Dir unabhängiger Journalismus wert?

Schön besuchst Du zentralplus. Für Dich gehen wir vor Ort, sind mitten drin und nahe dran. Doch ganz gratis geht Qualitätsjournalismus nicht. Um die unabhängige Stimme zu den Grossverlagen in der Zentralschweiz zu bleiben, benötigen wir Deine Unterstützung. Zeig uns mit Deinem freiwilligen Abo oder einem einmaligen Beitrag, was wir Dir wert sind.

Schön besuchst Du zentralplus. Du verwendest einen Adblocker. Werbung ist für eine wichtige Einnahmequelle, die uns hilft, die unabhängige Stimme zu den Grossverlagen in der Zentralschweiz zu bleiben. Denn gratis geht Qualitätsjournalismus nicht. Zeig uns mit Deinem freiwilligen Abo oder einem einmaligen Beitrag, was wir Dir wert sind.

CHF