So läuft das Geschäft mit Sex seit Corona in Zug
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Flora kümmert sich im «Luxescort» um die Frauen und nimmt unter anderem Telefone von Freiern entgegen. (Bild: ida)

Bordell-Betreiberin beklagt sich über aggressive Kunden So läuft das Geschäft mit Sex seit Corona in Zug

7 min Lesezeit 07.08.2021, 19:28 Uhr

Seit der Corona-Pandemie ist es mit der Sexarbeit anders. Das Zuger Bordell-Betreiber-Paar Jimmy und Flora erzählt von Kunden, die frustriert und aggressiv sind. Auch um die Preise der Sex-Dienstleistungen wird mehr gefeilscht.

Wir sitzen im Subway, an der Baarerstrasse. Ein wenig mehr als 100 Meter entfernt des «Luxescort», in dem bis zu sechs Frauen ihre Dienste anbieten. «Jimmy», wie der Szenename von Christian Gärtner lautet, hat eben ein Sandwich gegessen, jetzt hat er vor sich einen Espresso. Als er erzählt, dass die Kunden immer «extremere Wünsche» hätten. Ob wir das wirklich hören wollen? Wollen wir.

Härteren Sex. Analsex. «Jeder dritte am Telefon will Analsex …» Und «Deep Throat». Wenn der Penis beim Blowjob gänzlich im Rachen aufgenommen wird. «Mit Mundspritzen.» Kopfkino. Jimmy hat uns ja gewarnt. «Da sitzt du Zuhause am Frühstückstisch mit deiner vierjährigen Tochter und liest so was …»

Geflüstert wird hier nicht. Jimmy will dem Sex-Geschäft das Anrüchige, das Schummrige und das Verpönte nehmen. Seit acht Jahren betreiben er und seine Frau Flora einen Escort-Service an der Baarerstrasse in Zug. Vor einem Jahr haben sie Historisches geschaffen, in dem sie ihr Bordell hochoffiziell angemeldet haben. Damit sind sie die ersten im Kanton Zug. Diskret soll’s aber trotzdem bleiben.

«Problemkunden» fernhalten

Zuvor zeigen Jimmy und Flora eine der beiden Wohnungen an der Baarerstrasse 63, die auch direkt von der Tiefgarage erreichbar sind. Blaugraue Fassade, mit dem Lift rauf in den 7. Stock. «MBP» steht an der Klingel – die Buchstaben der Firma Jimmys. Schicke Wohnung, nichts Luxuriöses. Boxspringbetten, eine Poledance-Stange. Taschentücher, Gleitmittel, Kondome liegen bereit.

Sissy läuft durch die Wohnung, in Dessous und High Heels und grüsst uns freundlich. Bald wird sie einen Kunden empfangen. Als wir mit dem Lift herunterfahren, steigt ein Mann – vielleicht anfangs 30, nicht unattraktiv – in den Lift. Jimmy schaut auf seine Uhr. «Pünktlich. Muss ein Kunde sein. Der fährt bestimmt in den siebten Stock.»

Einblick in eines der Zimmer im «Luxescort» an der Baarerstrasse.

Jimmy ist gelernter Jurist und sorgt sich im Hintergrund um die rechtlichen und administrativen Dinge. Flora kümmert sich um die Frauen, nimmt die Telefonate der Freier entgegen. «Das Fernhalten von Problemkunden ist eine der wichtigsten Aufgaben», sagt Flora nun, am Tisch im Subway, wo wir per Zufall gelandet sind, denn eigentlich wollten wir in ein Café, aber nun eben schnell zur Sache kommen.

«Wenn einer am Telefon prompt sagt, er will eine ficken, aggressiv und harsch ist – dann wäre er im Zimmer mit den Damen nicht anders.»

Jimmy

Abwägen, wer die Frauen besuchen darf, dazu brauche es Erfahrung, ergänzt Jimmy. «Das merkt man schnell. Wenn einer am Telefon prompt sagt, er will eine ficken, aggressiv und harsch ist – dann wäre er im Zimmer mit den Damen nicht anders.» Oder wenn jemand bei der Terminvereinbarung um die Preise der Serviceleistungen feilsche. «Wir sind hier nicht auf dem türkischen Basar», sagt Flora. «Das ist erniedrigend für die Frauen.» Solche Männer werden erst gar keine Kunden. «Uns geht es nicht darum, möglichst viele Gäste unseren Damen zu vermitteln.» Viel wichtiger sei es, den Sexarbeiterinnen einen möglichst angenehmen Ort zu bieten, an dem sie anschaffen können. «Und das geht am besten, in dem wir sie vor Problemkunden schützen.»

Nicht weniger Kunden – aber teilweise tabuloser und aggressiver

Während in Luzern noch viele Sexarbeiterinnen über zurückhaltende Freier erzählen (zentralplus berichtete), läuft das Geschäft im «Luxescort» gut. Über zu wenig Kundschaft können sich die beiden nicht beklagen. Bereits nach dem ersten Lockdown hätten sie «extrem viel Zulauf» gehabt. Dasselbe in diesem Frühjahr, als umliegende Kantone – wie auch Luzern – ein coronabedingtes Bordell-Verbot ausgesprochen haben.

«Küsse und derartige Intimitäten sind keine Selbstverständlichkeit mehr.»

Flora

Jedoch habe sich das Verhalten vieler Gäste seit Corona geändert. Massiv. «Die von uns betreuten Damen beklagen sich über mehr aggressive und offenbar frustrierte Gäste. Sie geraten schnell in Wallung, sind ungeduldiger. Häufig können sie nicht einmal ein paar Minuten warten oder machen deshalb ein Riesentheater», erzählt Flora.

Rund 1000 Nummern blockiert

Erst vor zwei Tagen hat sich eine der Sexarbeiterinnen, die wir zuvor in der Wohnung getroffen haben, über einen Gast beschwert. Er sei «aggressiv und unhöflich gewesen», habe sie an den Haaren gezerrt, obwohl sie ihn bat, behutsam zu sein mit ihr. «Soha többet nem szeretnem làtni», schreibt die Frau in einer Nachricht an Flora. Nun zeigt uns Flora die Nachricht und übersetzt gleich selbst. Ungarisch für: «Ich will ihn nie wieder sehen.»

«Wenn jemand einmal aggressiv gegenüber einer Frau ist – dann ist er es auch das nächste Mal», sagt Jimmy. Benimmt sich ein Gast daneben, ist er angetrunken oder wird grob, wird er ermahnt. Kommt es erneut zu Problemen, wird seine Nummer blockiert. Ungefähr 1000 Nummern hätten sie gesperrt. Im «Luxescort» können Termine grundsätzlich nur telefonisch oder per SMS vereinbart wären, einfach so vorbeikommen geht nicht wie in herkömmlichen Bordellen.

Küssen mit Zunge ist seit Corona keine Selbverständlichkeit mehr

Corona hat bei einigen dazu geführt, bedachter mit den Finanzen umzugehen. So hätten einige der Freier begonnen, über Preise und Serviceleistungen zu streiten. Im «Luxescort» können die Sexarbeiterinnen selbst ihre Preise festlegen, das sei seit jeher so. 250 Franken pro Stunde sind in Zug marktüblich. Zum Teil haben Sexarbeiterinnen ihren Service seit Corona geändert. «So sind Küsse und derartige Intimitäten keine Selbstverständlichkeit mehr. Frustriert sind dann all jene, die von innigen Zungenküssen träumen und diese nicht bekommen.» Diese Zeiten seien vorbei – und kämen wohl nicht wieder.

«Die Frauen, die wir betreuen, wissen, dass wir sie gut behandeln.»

Flora

Es komme sogar vor, dass solche Gäste mündliche und sogar schriftliche Garantien haben möchten. Etwa dann, wenn ein Freier aus Basel anreist für eine bestimmte Sexarbeiterin. Und er nur kommt, wenn er weiss, «dass sie auch Zungenküsse macht». «Solche Garantien über den Serviceumfang gibt es selbstverständlich nicht», stellt Flora klar. «Was eine Frau im Einzelnen macht, kann sie erst entscheiden, wenn der Gast bei ihr im Zimmer ist und sie sich persönlich kennenlernen.»

Jetzt seufzt Jimmy. «Früher war eine Stunde mit einer schönen Frau mehr Wert. Heute stehen die Dienstleistungen über der Frauen.»

Parallelwelt Porno

Tabulosere und aggressivere Freier: Auch andere Sexarbeiterinnen haben laut Medienberichten damit zu kämpfen. Auch über die Landesgrenze hinaus, wie in Deutschland.

Warum einige der Freier so frustriert sind? «Vielleicht haben manche während des Gewerbeverbots zu viele Pornos geschaut und denken, sie sind immer noch in dieser Parallelwelt», sagt Flora. Sex ohne Gummi, die Frau, die Gefügige, für jeden Preis und für alles zu haben? Das gibt’s in den Zimmern des «Luxescort» nicht.

«Wenn das andere eine Woche täten, hätten die Albträume. Ich bewundere diese Frauen, das ist ein knallharter Job.»

Jimmy

«Die Frauen, die wir betreuen, wissen, dass wir sie gut behandeln», sagt Flora. Immer wieder würden sich neue Sexarbeiterinnen bei ihnen melden, weil sie für das «Luxescort» arbeiten wollen. Gerade vor zwei Wochen hat sich eine Frau gemeldet und gefragt, ob sie spontan zu ihnen kommen könnte. Sie habe in Luzern für eine Woche ein Apartment gemietet, und probierte – zum ersten Mal – auf eigene Faust ohne eine Agentur zu arbeiten. «Sie war geschockt von den vielen Problemkunden. Angefangen von irgendwelchen Perversen, die nur mal eine weibliche Stimme hören wollten.»

Ein knallharter Job

So frustriert manche Freier derzeit vielleicht sein mögen, der Grossteil ist anders. «Zum Glück», sagt Flora. Viele der von ihr betreuten Frauen haben Stammkunden. «Auf diese ist stets Verlass.» Sie sind pünktlich, höflich – und kommen regelmässig. Ja, sogar mehr als das: Sie schenken den Frauen manchmal auch Taschen von Louis Vuitton und Schuhe von Louboutin. Wenn’s gut läuft, verdient eine Frau sie bis zu 5’000 Franken in einer Woche.

Den Geschenken zum Trotz: Die Frauen zahlen einen hohen Preis. Das weiss auch Jimmy. «Wenn das andere eine Woche täten», sagt er und guckt uns an. «Dann hätten die Albträume. Ich bewundere diese Frauen, das ist ein knallharter Job», sagt’s noch und trinkt seinen Kaffee leer.

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