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So kommt der Kunde günstig zur exklusiven Globus-Tüte
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14.90.- kostete das Lebensmittelpaket im Globus. Über den herkömmlichen Verkauf hätten die Lebensmittel rund 70 Franken gekostet. (Bild: hch)

Selbstversuch mit Anti-Foodwaste-App in Luzern So kommt der Kunde günstig zur exklusiven Globus-Tüte

4 min Lesezeit 2 Kommentare 22.09.2019, 11:00 Uhr

Sushi für 5 Franken – was in der Schweiz sonst unmöglich ist, macht die App «Too Good To Go» möglich. Lebensmittel, die am Ende ihres Haltbarkeitsdatums angelangt sind, können so günstig bezogen werden. zentralplus hat das Angebot in Luzern getestet.

Foodwaste ist als Problem anerkannt. Seit Juni 2018 hilft die App «Too Good To Go» gegen das schlechte Bauchgefühl beim Wegwerfen von Lebensmitteln – und ist dabei auch etwas für Sparfüchse. Die Idee dahinter ist einfach: Gastrobetriebe oder Detailhändler stellen je nach Überschuss ein oder mehrere Überraschungspakete für die Kunden zusammen. Bezahlt wird online, in der Regel nicht mehr als ein Drittel des Originalpreises, so die Abmachung der Anbieter mit den Betreibern der App.

15 statt 70 Franken für ein Lebensmittelpaket

Wie einfach das Konzept funktioniert, erfuhr zentralplus in einem Selbstversuch. In zwei Minuten ist die Gratis-App heruntergeladen, auswählen kann man zwischen Frühstück, Mittag- oder Abendessen, wobei jeweils angegeben ist, in welchem Zeitraum das Menü vor Ort abgeholt werden muss. Das Angebot ist gross, neben verschiedenen Bäckereien bieten auch bekannte Namen wie die Migros, die Globus Delikatessenabteilung oder das Sushi-Restaurant Yoojis Menüs für wenig Geld an.

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«Für uns steht ganz klar der Foodwaste-Aspekt im Vordergrund.»

Joel Dittli, Yoojis

Entschieden haben wir uns für ein Überraschungspaket von Globus für 14.90 Franken, Sushi von Kaiten für 7.90 Franken und ein Mittagessen vom Jugendkulturhaus Treibhaus für 4.90 Franken. Der Kunde kommt dabei durchaus auf seine Kosten, wie das Paket von Globus zeigt, einzeln zusammengerechnet haben die Produkte einen Wert von etwa 70 Franken.

Täglich werden sieben Pakete in drei Grössen angeboten, die umgehend ausverkauft sind. In unserem Paket finden wir unter anderem eine Melone, zwei Auberginen, ein Brot, zwei Paar Wasserbüffelwürste, mehrere Antipasti und verschiedene Saucen.

Wie Sara Osmani von «Too Good To Go» sagt, wird die App in der Region Luzern rege genutzt: «154 Betriebe beteiligen sich im Kanton Luzern an der Idee, womit bereits 41’000 Mahlzeiten gerettet werden konnten, 28’000 allein in der Stadt Luzern.» Auf Platz zwei der Lebensmittelretter liegt Sursee.

Teilnahme verbessert das Image

Dass der Kampf gegen den Foodwaste im Zentrum steht, zeigt sich daran, dass der Deal für die Anbieter meist nicht rentiert. So meint Philipp Kehrli, Küchenchef des Treibhaus: «Durch die Ein-Drittel-Vereinbarung mit der App und die dazugehörigen Abgaben von 2 Franken an die Betreiber ist die Zusammenarbeit eher ein Minusspiel für den Betrieb.»

Dennoch möchte er weiterhin mit der App zusammenarbeiten. Einerseits, weil dem Betrieb der Kampf gegen Foodwaste am Herzen liegt, andererseits, da er es auch als Gratiswerbung betrachtet: «Wo sonst kann man Werbung für 2 Franken machen?»

Über die App «Too Good To Go» können Lebensmittel, deren Haltbarkeit abläuft, günstig gekauft werden.

Bei Globus heisst es, dass es bei der Zusammenarbeit in erster Linie um die Vermeidung von Foodwaste geht. Dies bestätigt auch Joel Dittli, Geschäftsführer des Sushi-Restaurants Yoojis am Bahnhof Luzern. «Für uns steht ganz klar der Foodwaste-Aspekt im Vordergrund», sagt er. Er sieht sich in der Pflicht, sich des Themas anzunehmen. Der Profit steht für keinen der befragten Beteiligten im Vordergrund.

«Wenn dadurch das Image der Marke verbessert wird, ist das toll», sagt Dittli schliesslich. Der Werbeeffekt sei aber kein ausschlaggebendes Argument, warum Dittlis Betrieb mitmacht. Das Yoojis vertreibt im Schnitt acht bis neun Überraschungspakete am Tag durch die App. Der Inhalt variiert, je nachdem was vom Tag übrig bleibt. Neu gibt es aber auch ein fixes Vegi-Paket im Angebot.

Migros Luzern verkauft wöchentlich 500 Pakete

Auch die Migros Luzern arbeitet mit der Anti-Foodwaste-App zusammen. Rund 500 Portionen werden pro Woche verkauft. So kann die Migros Luzern auch Lebensmittel vergünstigt weitergeben, für die trotz bestehender Massnahmen keine anderweitige Verwendung mehr möglich ist. «Das betrifft Lebensmittel, die bis zu ihrem Verkaufsdatum nicht zu einem reduzierten Preis an Kunden oder Mitarbeitende verkauft oder gratis an gemeinnützige Organisationen abgegeben werden konnten», teilt eine Sprecherin mit.

Generell bemühe sich die Migros stark, dass dank ausgeklügelter Mengenplanung und optimal abgestimmter Prozesse die Lebensmittelverluste so gering wie möglich gehalten werden können, teilt das Unternehmen weiter mit. Knapp 99 Prozent der Lebensmittel, welche die Migros anbietet, werden als Lebensmittel verkauft oder abgegeben.

Hackbraten mit Kartoffelstock

Bei den Kooperationen steht der ökologische Aspekt an erster Stelle, dass die Teilnehmer Geld damit verdienen, spielt eine zweitrangige Rolle. Dies bestätigt auch Sara Osmani von «Too Good To Go»: «Die primäre Vision der App und der Beteiligten besteht in der Reduzierung von Lebensmitteln im Abfall.» Damit seien auch die kooperierenden Unternehmen nach wie vor einverstanden.

Anfragen, die Ein-Drittel-Vereinbarung zu ändern, gab es bisher keine. Aus dem gleichen Grund würden auch die Konsumentinnen auch mal ein Auge zudrücken, meint Osmani. So kann es auch mal vorkommen, dass eine Bestellung wieder storniert wird, da keine Menüs mehr übrig sind.

Das bestellte Essen im Treibhaus lässt sich in Anbetracht des Preises durchaus sehen: Es gab Hackbraten, Kartoffelstock und gemischtes Gemüse, das Essen ist warm. Alles in allem ein gutes Erlebnis. Ebenso die grosszügig ausgefallene Sushi-Portion (15 Stück in verschiedenen Grössen).

Fazit: Die App scheint für alle eine Win-win-Situation zu schaffen: für die Umwelt, die Konsumentinnen sowie die Gastrobetriebe.

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2 Kommentare
  1. Roland Grüter, 22.09.2019, 16:21 Uhr

    Seien wir etwas zynisch: Schweinen darf das nicht mehr verfüttert werden, wohl aber dem Menschen.

  2. Roger Levy, 22.09.2019, 15:45 Uhr

    Meine Frau hat das Angebot ebenfalls mehrfach getestet. Dabei sind wir in den Genuss von Pizzen und anderen feinen Leckereien gekommen. Spitzenreiter ist bei unserem Test das Worldcafe im KKL.
    Auch ist zu erwähnen, dass in allen Orten das Personal sehr nett und hilfsbereit waren.
    Eine gute Idee, die wir empfehlen können.