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So kommt das 104-Meter-Hochhaus am Stammtisch an
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«Lieber in die Höhe bauen als Grünfläche zerstören.» Die Ur-Krienser Stefan und Beatrice Suter im Restaurant «Chrüzi». (Bild: bic)

Stimmen aus der Bevölkerung zum Krienser Wohnturm So kommt das 104-Meter-Hochhaus am Stammtisch an

5 min Lesezeit 21.02.2018, 17:17 Uhr

Das geplante 104-Meter Hochhaus beim Krienser Mattenhof wird für Diskussionsstoff sorgen. Während das Projekt einerseits auf Gegenliebe stösst, gibt es andererseits bereits Vorbehalte. Interessant: Das Hauptproblem scheint nicht einmal der Mega-Wohnturm an sich zu sein.

Noch liegt die Fläche eingangs des Krienser Kuonimattquartiers brach. Doch geht es nach den Initianten des Projekts «Pilatus Arena», sollen hier schon bald die Baumaschinen auffahren.

Neben der geplanten Multifunktionshalle wird im Süden Luzerns auch ein gigantischer Wohnturm in den Himmel ragen. Mit 104 Metern wäre das geplante Megagebäude das höchste Wohnhaus der Schweiz. Das Siegerprojekt wurde diese Woche der Öffentlichkeit präsentiert (zentralplus berichtete).

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Kaum Widerstand im Dorfkern

Doch wie kommt das Projekt bei der Krienser Bevölkerung an? Viele werden sich wohl noch an die regen Diskussionen rund um die beiden Wohntürme bei der Swissporarena auf der Luzerner Allmend erinnern. Die beiden 77 beziehungsweise 88 Meter hohen Türme stehen nur gut 500 Meter entfernt und sind vom Mattenhof aus sehr gut zu sehen. 

Ob des Ausmasses des Hochhauses war im ersten Moment sogar Gemeindepräsident Cyril Wiget etwas erschrocken, wie er sagte (zentralplus berichtete). Lange Zeit war man von etwa 80 Metern Höhe ausgegangen. 

«Von mir aus hätte man auch gleich ein 130 Meter-Haus hinstellen können, wenn man schon dabei ist.»

Lisa Matter, Inhaberin Metzgerei Matter Kriens

Zumindest im Krienser Dorfkern scheinen die Meinungen indes bereits gemacht. Jedenfalls gewinnt man diesen Eindruck am Stammtisch im Restaurant «Chrüzi» an der Fenkernstrasse. Die anwesenden, alteingessenen Krienser scheinen am Tag nach der Präsentation des Projektes damit leben zu können.

«Wir müssen in die Höhe bauen. Was sollen wir sonst machen?», fragt Kurt Weber kurz und knapp. Die Pilatusarena sei wichtig für Kriens und die ganze Region und irgendwie müsse sie ja bezahlt werden. Deshalb gelte es, den Entscheid zu akzeptieren.

«Wir kommen wohl nicht darum herum, das Projekt so zu realisieren.» Kurt Weber ist mit dem Hochhaus einverstanden.

«Wir kommen wohl nicht darum herum, das Projekt so zu realisieren.» Kurt Weber ist mit dem Hochhaus einverstanden.

(Bild: bic)

«Es ist zwar nicht schön, aber es muss wohl sein», ist auch Stefan Suter überzeugt. «Lieber sie bauen in die Höhe, anstatt immer mehr Fläche zu verbrauchen», sagt er. «Wo sollen die Kinder noch spielen können, wenn jeder Quadratmeter überbaut wird?», ergänzt seine Frau Beatrice.

Das Problem sei eigentlich, dass es immer mehr Menschen gebe, die immer mehr Wohnraum bräuchten. Ein Hochhaus sei daher wohl schon das Richtige, sagt sie sehr pragmatisch. 

Auch bei Lisa Matter, Inhaberin der Metzgerei Matter vis-à-vis des «Chrüzi», löst das Projekt kein Kopfschütteln aus. «Mich stören die geplanten Hochhäuser überhaupt nicht. Von mir aus hätte man auch gleich ein 130 Meter-Haus hinstellen können, wenn man schon dabei ist», sagt sie.

Die Pilatusarena und wohl auch die Hochhäuser sind eminent wichtig für Kriens, so Matter. Während das Megahochhaus also durchaus ein Thema zu sein scheint, führt dessen konkrete Höhe, zumindest im Krienser Dorfkern, kaum zu Diskussionen. Opposition gegen das Megaprojekt ist keine zu spüren.

«Die Pilatusarena ist sehr wichtig. Die Hochhäuser stören mich nicht.» Lisa Matter, Inhaberin Metzgerei Matter.

«Die Pilatusarena ist sehr wichtig. Die Hochhäuser stören mich nicht.» Lisa Matter, Inhaberin Metzgerei Matter.

(Bild: bic)

Bedenken in der Kuonimatt

Doch wie sehen das die Menschen aus dem Kuonimattquartier? Die ersten Wohhäuser stehen nur gut 100 Meter neben der geplanten Arena. Hier betrachten die Menschen das Projekt um einiges kritischer, wie schnell klar wird. 

«Ich musste zuerst einmal leer schlucken, als ich vom Siegerprojekt gehört habe.» Man sei immer von 70 bis 80 Metern ausgegangen. «Mit dem Gedanken ‹104 Meter› muss man sich nun zuerst einmal anfreunden», sagt ein Quartierbewohner, der, wie die anderen Anwohner, anonym bleiben möchte.

Er stamme ursprünglich aber aus einer schweizerischen Grossstadt, weshalb er sich solche Türme gewohnt sei. Dass es zu Einsprachen und dem Referendum kommen wird, sei wohl aber ziemlich sicher.

Gesamtentwicklung problematisch?

«Es ist gut, dass wir in der Schweiz das Referendum kennen», sagt auch ein Rentnerpaar aus dem Quartier. Dieses werde wohl ergriffen, sind die beiden überzeugt. Die 104 Meter sind auch ihnen eindeutig zu viel.

Ob man ein Hochhaus bauen soll, sollte aber nicht im Zentrum der Diskussion stehen. «Bei der Allmend haben wir auch gedacht, es mache die Landschaft kaputt. Mittlerweile stören uns die Türme aber nicht mehr», so die beiden Senioren.

«Wenn sie ennet der Gleise zwei Hochhäuser haben, wollen wir hier auch eins.»

Eine 84-jährige Anwohnerin

Mit Sorge betrachten die beiden vielmehr die Verdichtung, die im Bereich Schweighof und im Gebiet Mattenhof bereits im Gange ist. Hunderte Wohnungen und Geschäftsfläche sind am Entstehen. Der geplante Wohnturm trägt seinen Teil dazu bei. «Das Ganze geht klar zu weit», sagt das Ehepaar.

Die Belastung für die Kuonimatt werde immens sein, sind sie überzeugt. Das Verkehrsaufkommen werde wahrscheinlich zu einem grossen Problem. Und ein weiterer Quartierbewohner Mitte 40 ergänzt: «Ich könnte mir vorstellen, dass einige Leute ein Referendum gegen das Projekt ‹Pilatusarena› als Protest gegen die Gesamtentwicklung in Luzern Süd nutzen werden.»

Nichts gegen Entwicklung, aber…

Mit einer guten Prise Humor betrachtet eine andere Seniorin aus der Kuonimatt das Projekt. «Wenn sie ennet der Gleise zwei Hochhäuser haben, wollen wir hier auch eins», sagt die 84-jährige lachend. Sie lebt mit ihrem Mann seit über 50 Jahren im Quartier. Entwicklungen im Quartier betrachtet sie nicht per se als negativ.

«Als wir hierhin gezogen sind, sah es auch ganz anders aus. Es gab viel weniger Häuser im Quartier.» Dass sich etwas bewegt, sei absolut normal, sagt sie. Die Höhe des geplanten Turms habe aber auch sie im ersten Momen erschreckt, räumt sie ein. «80 Meter, wie auf der Allmend, hätten auch gereicht», so die Rentnerin.

Und auch für sie ist weniger das Hochhaus als die gesamte Entwicklung des Gebietes das Problem. Auch sie spricht die befürchteten Probleme mit dem Schweighof und der Gesamtüberbauung Mattenhof an.

Die neue Wohnsiedlung im Schweighof macht vielen Bewohnern der Kuonimatt Angst.

Die neue Wohnsiedlung im Schweighof macht vielen Bewohnern der Kuonimatt Angst.

(Bild: bic)

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