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«So kommen Touristen schlicht nicht mehr nach Luzern»
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So könnte der Schwanenplatz ohne Cars aussehen. (Bild: Visualisierung zvg)

Parking-Initiant kritisiert Luzerner Stadtrat «So kommen Touristen schlicht nicht mehr nach Luzern»

5 min Lesezeit 4 Kommentare 18.05.2018, 15:48 Uhr

Der Stadtrat ist gegen die Initiative für das Parkhaus Musegg, er will den Carumschlag stattdessen auf die Allmend verbannen. Fritz Studer, Präsident der Musegg Parking AG, geht mit diesem Entscheid hart ins Gericht. Seine Angst: dass Luzern zu einem Ballenberg verkommt.

Seit Freitag herrscht Gewissheit: Der Luzerner Stadtrat lehnt die Initiative zur Rettung des Parkhauses Musegg ab. Er will die Option eines Carparkplatzes auf der Allmend weiterverfolgen und schlägt eine Reihe von Massnahmen vor, um die Innenstadt attraktiver zu gestalten – etwa den Schwanenplatz oder den St.-Karli-Quai (zentralplus berichtete).

Weil die Allmend alleine in touristischen Spitzenzeiten nicht reicht, schliesst der Stadtrat zwei Optionen für Carparkhäuser nicht aus: das Seeparking oder das Parkhaus Musegg. Diese allerdings ohne zusätzliche Autoparkplätze.

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Ende Juni kommt’s zu einem weiteren verkehrspolitischen Showdown im Stadtparlament (siehe Box am Ende): Die Aufwertungsprojekte dürfte unumstritten sein, ob jedoch die linksgrüne Mehrheit ebenfalls an den Parkhausoptionen festhält, ist fraglich.

Wir haben bei Fritz Studer, Präsident der Musegg Parking AG, gefragt, was er von den Plänen des Stadtrates hält.

zentralplus: Der Stadtrat lehnt die Initiative zum Parkhaus Musegg ab, nimmt aber die Hauptforderung der Aufwertung der Innenstadt auf. Sie können zufrieden sein.

Fritz Studer: Ja, er will den Schwanen- und Löwenplatz von Cars befreien. Das predigen wir seit Jahren und das finde ich gut. Denn irgendwann stösst der Tourismus an Belastungsgrenzen.

zentralplus: Aber?

Studer: Für den Tourismus, das Gewerbe und die Gastronomie ist die Erreichbarkeit entscheidend. Mit der Lösung auf der Allmend wäre diese nicht mehr gewährleistet. Es braucht in der Innenstadt ein Carparking.

zentralplus: Ist es für Touristen nicht zumutbar, in der Allmend auf die S-Bahn umzusteigen?

Studer: Der Grossteil der Touristen kommt im Schnitt für zweieinhalb Stunden nach Luzern, die verlieren zu viel Zeit, wenn sie umsteigen müssen. Pro Weg verliert man schnell eine halbe Stunde. Das ist für die Tour Operators nicht mehr interessant, die kommen dann schlicht nicht mehr nach Luzern und wir verlieren gegenüber anderen Tourismusorten. Man kann das auf der Allmend allenfalls ausprobieren mit Fernbussen oder Vereinsausflügen, aber nicht als Rundumschlag für alle Gäste.

zentralplus: Ist das nicht Angstmache? Mit entsprechenden Massnahmen könnte man die Situation verbessern und die Touristenströme lenken.

Studer: Es ist problematisch, das wird sich mit den Versuchen zeigen. Grosse Touristengruppen können sich schlecht orientieren und Einzelne gehen schnell verloren.

Fritz Studer, Verwaltungsratspräsident der Musegg Parking AG, sieht noch eine Chance für das Projekt.

Fritz Studer, Verwaltungsratspräsident der Musegg Parking AG.

(Bild: jal)

zentralplus: Der Stadtrat hält die Option eines reinen Carparkings in der Innenstadt als Ergänzung offen. Misstrauen Sie ihm?

Studer: Vordergründig behauptet er, dass er die Parkhäuser weiterverfolgt. Ich glaube aber, dass der Stadtrat eigentlich keine zentrumsnahe Carparkierung will. Alles soll auf der Allmend abgewickelt werden. 85 Prozent der Touristen kommen über die Autobahn nach Luzern, mit unserem Projekt fahren sie direkt ins Parkhaus und die Touristen laufen vorne raus und können gleich einkaufen und ihre Fotos machen – und dann zurück ins Parkhaus. Das führt zu einer deutlichen Abnahme von Verkehr und erlaubt die Freistellung von Schwanen- und Löwenplatz.

zentralplus: Sie haben angekündigt, dass auch ein reines Carparking Musegg möglich wäre, also ohne die 660 Autoparkplätze. Wieso dieser Wandel?

Studer: Die Anzahl Autoparkplätze war immer Gegenstand von Diskussionen. Wir haben drei Varianten: ein Carparking solo, ein Parking plus mit einem Deck für 165 Autoparkplätze sowie eines mit zwei Decks, wobei das zweite für Logistik genutzt werden könnte. Zum Beispiel für Grossspeicherbatterien für Elektroautos. Meiner Meinung nach braucht es ein Parkdeck für Autos und Kleinbusse. Ich habe viel mit Hoteliers gesprochen und immer mehr Touristen kommen mit Mietautos nach Luzern.

zentralplus: Sie sagen, der Stadtrat verweigere sich der Diskussion: Aber genau das hat die Regierung jetzt mit allen Beteiligten doch vor.

Studer: Die Linken und der Stadtrat wollen kein neues Parkhaus, obwohl wir eine tragfähige Lösung haben. In Thun hat man ein ähnliches Parkhaus gebaut, Salzburg hat ebenfalls bewiesen, dass es funktioniert. Ohne Tourismus verarmt die Stadt und wird zu einem Ballenberg. Dann haben wir nur noch schöne Häuser, ich mache mir ernsthafte Sorgen. Sehen Sie, ich bin auch Velofahrer, ich mache das nicht für mich, sondern für eine wohnliche und florierende Stadt.

zentralplus: Kürzlich haben die Initianten die Machbarkeit zum Seeparking präsentiert. Was sagen Sie dazu?

Studer: Zu diesem Projekt äussere ich mich nicht.

zentralplus: Ende Juni entscheidet das Parlament, wie es weitergeht. Wie zuversichtlich sind Sie?

Studer: Die Politiker haben eine Auswahl an Möglichkeiten, jetzt müssen sie sich entscheiden. Ich bin skeptisch, doch ich hoffe sehr, dass man nun einen Kompromiss eingeht und alle Betroffenen einen Schritt nach vorne machen. Wir müssen eine Lösung finden und es darf dabei keine Verlierer geben. Es gibt auf jeden Fall eine heisse Diskussion.

Drei Szenarien: So könnte es weitergehen

Der Stadtrat hat vorgelegt: Er will Carparkplätze auf der Allmend testen, zentrale Plätze aufwerten und ein zentrales Carparking als Option weiterverfolgen. Wie es weitergeht, hängt nun vom Stadtparlament ab. Dieses wird am 28. Juni über die Pläne des Stadtrates debattieren. Das sind die möglichen Szenarien:

1. Das Volk hat die Wahl: Das Parlament heisst den Bericht und Antrag des Stadtrates gut, macht ihn aber zum Gegenvorschlag. Dann hätte das Stimmvolk am 23. September die Wahl zwischen der Initiative «Kein Diskussionsverbot – Parkhaus Musegg vors Volk» und dem Vorschlag des Stadtrates.

2. Initiative wird zurückgezogen: Das Parlament heisst den Bericht und Antrag gut – inklusive der beiden Optionen für ein zentrales Carparkhaus. Daraufhin ziehen die Bürgerlichen ihre Initiative zurück, weil das Museggparking dann neben dem Seeparking wieder zurück im Spiel wäre.

3. Parlament will kein Parkhaus: Das Parlament heisst den Ansatz für die Carparkplätze auf der Allmend gut, ebenso die Massnahmen für die Aufwertung der öffentlichen Räume. Es kippt aber die Optionen für ein zusätzliches Parking für Cars aus dem Konzept (was angesichts der linksgrünen Mehrheit nicht abwegig ist). Dann verkäme die Abstimmung im September zur entscheidenden Frage: Will das Volk weiterhin Cars in der Innenstadt oder nicht?

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4 Kommentare
  1. Walter Albrecht, 21.05.2018, 12:42 Uhr

    Szenarium 4: Wenn das Parkhaus Musegg scheitert, der Stadtrat und die Mehrheit des Stadtparlamentes die Cars auf die Allmend verlegen, sollte das Metro-Projekt sofort wieder auf
    den Tisch kommen, optimiert werden mit Erweiterung nach Emmen und zum Bahnhof Luzern.
    Davon hat der Tourismus und die Bevölkerung Luzern am meisten Mehrwert.

  2. Jörg Willi Dr.med.vet., 19.05.2018, 18:49 Uhr

    Herr Studer erachtet die Fahrt mit der S-Bahn von der Allmend zum Bahnhof als Zumutung für Touristen. Immer mehr Bewohner der Stadt Luzern empfinden jedoch die Völkerscharen, die unsere Stadt heimsuchen, als Zumutung. Tragen wir doch besser Sorge zu jenen, die unsere schöne Stadt als Lebensraum schätzen und nicht bloss als Zwischenhalt zum Shoping und für Selfies benützen.

  3. Hansjörg Kaufmann, 19.05.2018, 15:56 Uhr

    Als Bewohner der Stadt Luzern dürfen wir uns fragen, ob auch unsere Interessen und Anliegen ein Thema sind?
    Die Bedürfnisse und Lebensqualität der Stadtbevölkerung interessiert die Initianten und die Parkhaus Musegg AG nicht.
    Fritz Studer sieht nur den Tourismus und die Gastronomie. Wollen wir noch mehr Touristen? Die Mehrheit sei nur 2,5 Stunden in Luzern und wird da von ihren Landsleuten bedient.
    Das Projekt Parkhaus Musegg oder auch nur Teile davon widersprechen der Mobilitätsstrategie der Stadt Luzern. Sie will im Stadtraum hohe Lebens- und Wohnqualität erhalten und schaffen.
    Nur mit einer sinnvollen Verlagerung via Allmend kann der Verkehrskollaps schon bei der Stadteinfahrt Kasernenplatz vermieden werden. Der Stadtrat will mit der Lösung Allmend seine Bevölkerung vor übermässigem Verkehr und Abluftkaminen aus Tiefgaragen in Wohngebieten schützen.
    Empfangen wir unsere Gäste auf der Allmend mit der prächtigen Sicht auf den Pilatus und nicht im Loch unter den Museggtürmen.
    Hansjörg Kaufmann, Co-Präsident “verein gegen das parkhaus musegg”

  4. Marc Unternährer, 19.05.2018, 13:23 Uhr

    “Ohne Tourismus verarmt die Stadt und wird zu einem Ballenberg.” – Der Ballenberg ist ein Museum, das nur von den Besucher*innen lebt. Die Stadt Luzern hingegen, das wird Herr Studer zugeben müssen, ist Lebensraum und wird bewohnt von Luzernerinnen und Luzernern. Die Stadt lebt, auch mit weniger Stunden-Touristen, von denen nur einige Geschäfte profitieren. Vielleicht sogar mit mehr Lebensqualität.