Bessere Beratungsangebote für Zuger Sexarbeiterinnen gefordert
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In Zug gibt es keine Beratungsstelle für Sexarbeiterinnen. (Bild: zvg)

Für mehr Sicherheit und gegen Stigmatisierung Bessere Beratungsangebote für Zuger Sexarbeiterinnen gefordert

4 min Lesezeit 05.06.2020, 08:28 Uhr

In Zug gibt es keine Beratungsstelle für Sexarbeiterinnen. Expertinnen umliegender Kantone sind der Ansicht, dass dies ein gutes und wichtiges Angebot wäre. Doch die Verantwortlichen setzen eher auf andere Lösungen.

Der Kanton Zug ist nicht dafür bekannt, offen mit seinem Sexgewerbe umzugehen. Im Gegenteil: Lange versuchte es der Kanton Zug, es den Sexbetrieben so ungemütlich wie möglich zu machen (zentralplus berichtete). Trotzdem: Auch in Zug wird Sexarbeit praktiziert respektive konsumiert. Vor kurzem wurde das erste offizielle Bordell eröffnet (zentralplus berichtete).

Anders als in den umliegenden Kantonen Schwyz, Luzern und Zürich, fehlt Zug jedoch eine Beratungsstelle für Sexarbeiterinnen. Markus Noser, der Leiter der Zuger Anlaufstelle Eff-Zett erklärt: «Unser Fokus liegt eher auf anderen Gebieten wie der Sexual- oder Schwangerschaftsberatung. Auch sind wir eine Opferberatung.»

Zwar seien im Fachzentrum grundsätzlich alle Ratsuchenden willkommen. Bei Sexarbeiterinnen würde man aber mit spezialisierten Zentralschweizer Fachstellen zusammenarbeiten und bedarfsweise triagieren.

Die Hemmschwelle ist gross

Nur: Ob sich hiesige Sexarbeiterinnen tatsächlich in anderen Kantonen melden mit ihren Anliegen?

Cornelia Leutwyler, die Verantwortliche für die Präventionsarbeit für Sexarbeitenden im Kanton Schwyz, erklärt gegenüber zentralplus: «Selbst in Schwyz hat es eine Zeit lang gebraucht, bis die Arbeiterinnen Vertrauen gefasst haben und trauten, sich bei uns zu melden.» Zudem gehe man proaktiv auf die Sexarbeiterinnen zu, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Die Hemmschwelle, selber eine Beratungsstelle aufzusuchen, sei hingegen für viele zu gross.

Für Zuger Sexarbeiterinnen sei die Hürde, ihre Anfrage bei einer ausserkantonalen Organisation zu machen, wohl noch grösser, mutmasst Leutwyler. Entsprechend habe sich in den letzten knapp zweieinhalb Jahren, seit sie mit der Präventionsarbeit begonnen habe, noch niemand aus Zug gemeldet.

Beratungsstellen: Zeichen gegen die Stigmatisierung

Daher erachtet Leutwyler es als sinnvoll, wenn es auch ein analoges Beratungsangebot wie in Schwyz, das zu den Leuten geht, auch im Kanton Zug gäbe. «Bei Sexarbeiterinnen handelt es sich um eine stigmatisierte Gruppe. Deshalb ist es wichtig, dass ein Beratungsangebot vorurteilslos ist. Ausserdem gibt es in diesem Bereich keine Gewerkschaften oder ähnliches.»

Daher müssten Angebote speziell zugeschnitten sein. «Ein Sozialamt, welches nicht für diese Arbeit sensibilisiert ist, wäre nicht optimal», so Leutwyler.

Weiter ist die Sozialarbeiterin überzeugt, dass der Beruf der Sexarbeitenden durch Beratungsangebote sicherer wird. «Ein solches Angebot bedeutet, dass man das Thema Sexarbeit offen lebt und auch unterstützt. Ist Sexarbeit illegal, steigen auch die Gefahren. Dies nicht zuletzt, da sich die Frauen im Geheimen mit Männern treffen müssen, so wie das in Schweden der Fall ist.»

Die Themen? Geld, Gesundheit, Familie

Was sind die Themen, welche die Sexarbeiterinnen beschäftigen? «Häufig geht es um Geldsorgen. Bei unerfahrenen Sexarbeiterinnen geht es ausserdem darum, wie sie sich am besten gesundheitlich schützen können. Auch gibt es oft Fragen zum sozialen Umfeld, etwa zur Familie, die im Ausland lebt.»

Wie sieht die Lage im Kanton Zug aus? Im Januar hatte die Sicherheitsdirektion gegenüber dem «Tages-Anzeiger» verlauten lassen, dass man ein solches Angebot prüfen werde. Wie sieht es fünf Monate später aus?

«Ich sage nicht, dass dieses Thema nicht existiert. Doch höre ich etwa von der Polizei keine besorgniserregenden Hinweise.»

Beat Villiger, Zuger Sicherheitsdirektor

Der Regierungsrat Beat Villiger erklärt: «Eine Umfrage in der Verwaltung ergab, dass Sexarbeit hier kein Thema zu sein scheint. Ich sage nicht, dass dieses Thema nicht existiert. Doch höre ich etwa von der Polizei keine besorgniserregenden Hinweise.»

Dem Sicherheitsdirektor sei insbesondere wichtig, dass im Kanton Zug kein Frauenhandel bestehe und dass Frauen aus freien Stücken als Sexarbeiterinnen arbeiten. «Ausserdem ist wichtig, dass die entsprechenden Bewilligungen eingeholt wurden und von den Vermietern keine Wucherzinsen verlangt werden», so Villiger. Darauf halte die Zuger Polizei «ein wachsames Auge».

Villiger gibt zu bedenken: «Vielleicht genügt es, wenn wir mit einer ausserkantonalen Stelle zusammenarbeiten. Dies im Sinne einer Leistungsvereinbarung.»

Bereits heute zahlt der Kanton Zug einen jährlichen Beitrag an den Verein Lisa, der sich für die Interessen der Sexarbeitenden einsetzt. «Dabei geht es jedoch nicht um eine Leistungsvereinbarung für die Beratungsstelle, sondern um die Arbeit vor Ort auf dem Strassenstrich. Einen solchen gibt es in Zug nicht, entsprechend reisen Zuger Kunden eher nach Luzern», sagt Snefstrup, Geschäftsleiterin Verein Lisa, auf Anfrage von zentralplus. «Der Kanton Zug trägt unsere Dienstleistung finanziell mit.»

Gibt es bald einen Leistungsauftrag?

Einen Leistungsauftrag zwischen Zug und Luzern betreffend der Beratungsstelle erachtet die Geschäftsleiterin Birgitte Snefstrup als wünschenswert. «Dann könnten wir aktiv dafür sorgen, dass die Arbeiterinnen in Zug zu den nötigen Informationen kommen. Aktuell kann es gut sein, dass viele gar nicht wissen, dass es uns gibt und dass wir für Beratungen zur Verfügung stehen.»

Doch Snefstrup betont auch: «Für eine gute Beratung wäre dann die Zusammenarbeit mit den Behörden im Kanton Zug sehr wichtig. Die Anfragen, die an uns gelangen, sind nämlich je nach Kanton unterschiedlich.» Dies insbesondere, da einige Gesetze kantonal geregelt werden, insbesondere etwa was die Regelungen betreffend Selbständigkeit anbelangt.

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