So könnte die Bossard Arena künftig aussehen
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Die Bossard Arena: Wo heute 7200 Menschen Platz finden, sollen künftig 9000 Fans ihrem EVZ zujubeln können. (Bild: zvg)

Mehr Sitzplätze im Stadion und im Restaurant So könnte die Bossard Arena künftig aussehen

7 min Lesezeit 2 Kommentare 15.05.2021, 05:03 Uhr

An der kommenden Sitzung des Grossen Gemeinderats Zug wird über die Vergrösserung der Bossard Arena debattiert. Noch ist vieles undefiniert und nichts entschieden. Für den Zuger Stadtrat ist jedoch bereits klar, dass nicht die öffentliche Hand die Kosten tragen soll für das Grossprojekt.

Die Bossard Arena, die Halle der Meister, soll ausgebaut werden. 1800 Menschen mehr sollen auf den Tribünen Platz finden, die Gastronomie soll auf rund 1000 Plätze erweitert werden. Dazu kommen weitere bauliche Veränderungen, über die der Grosse Gemeinderat am 18. Mai diskutieren wird.

Nun, da der EVZ auf dem Zenit angekommen ist und die Meisterschaft sang- und klanglos gewonnen hat, kann man das Bedürfnis nach Erweiterung, welches sowohl die Stadt als auch der Verein verspürt, erst recht nachvollziehen. In den Hallen fünf anderer Clubs finden in der Schweiz mehr Menschen Platz als in Zug. Teils sogar rund doppelt so viele.

Der EVZ sei Ende 2019 auf den Stadtrat zugekommen und habe die Anfrage gestellt, eine Erweiterung ins Auge zu fassen. Das erklärt der Zuger Finanzchef André Wicki auf Anfrage. «Unter dem Aspekt, dass die Bossard Arena im Vergleich mit den anderen Stadien der National League bei der Zuschauerkapazität auf den sechsten von zwölf und im Gastronomiebereich auf den zehnten Platz abgerutscht ist, will der Stadtrat der sportlichen und wirtschaftlichen Entwicklung des EVZ nicht im Wege stehen.»

Die Erweiterung der Arena ist jedoch eine komplexe Angelegenheit, spielen doch mehrere Verantwortlichkeiten mit hinein. Eigentümerin der Halle ist die Stadt Zug, diese ist denn auch die Besitzerin der Kunsteisbahn Zug AG (KEB), welche die Halle betreibt. Hauptnutzer ist der EVZ.

Gemäss einer Machbarkeitsüberprüfung unter der Führung des Büros für Bauökonomie zog man zwei bauliche Varianten in Betracht, mit der die Zahl der Tribünen- und Gastronomieplätze erhöht werden könnten.

Der Bossard Arena könnte es den «Deckel lüpfen»

Variante 1 sähe ein neues Dach vor und die Aufstockung der Tribünenreihen auf allen vier Seiten. Die Achillesferse dieser Variante: Die hohen Kosten von über 50 Millionen Franken. Bloss: Diese Variante scheint heute chancenlos zu sein. Nicht zuletzt deshalb, weil es schwierig wäre, den Bau in Richtung Osten und Westen zu erweitern. Die Geschäftsprüfungskommission (GPK) schreibt in ihrem Zwischenbericht dazu: «Die erwähnte Machbarkeit hat zudem ergeben, dass die Variante 1 mit neuem Dach hinsichtlich Kapazitäten keine entscheidenden Vorteile bringt», weshalb sie nicht weiter verfolgt worden sei.

Realistischer klingt Variante 2. Hier soll das bisherige Dach um rund fünf Meter angehoben werden, wodurch ein weiteres Stockwerk entstehen würde. Kostenpunkt: Zwischen 30 und 35 Millionen Franken. Die grösste Herausforderung gemäss GPK: Die Erweiterung/Etappierung müsste unter laufendem Betrieb stattfinden.

Mit der Variante 2 würde ein weiteres Stockwerk ermöglicht. (Bild: Stadt Zug)

Das Zeitfenster für die in Etappen zu realisierenden Bauarbeiten betrage jeweils etwa drei Monate während der spielfreien Zeit im Sommer. Die Anhebung des Daches müsste in einem solchen Zeitfenster geschehen. Auch hier wären alle Gebäudefluchten betroffen.

Ein Aufstockung alleine auf der Nordseite?

Letzteres dürfte denn mitunter auch der Grund sein, warum noch eine weitere Variante ins Leben gerufen wurde. Die Variante «Keep building», welches vom ehemaligen Projektleiter der Bossard Arena stammt und Ende letzten Jahres auf Kosten des EVZ erstellt wurde.

«Ihm lag das mögliche Projekt sofort am Herzen und er machte sich ebenfalls Gedanken, wie sein Baby optimal weiterentwickelt werden könnte», entnimmt man dem aktuellen Zwischenbericht der Bau- und Planungskommission (BPK) des Stadtparlaments. Gemäss dem Konzept des ursprünglichen Projektleiters soll die Arena nur auf einer Seite, nämlich im Norden, erhöht werden. Das Hallendach würde im Nordbereich um rund 3 bis 5 Grad steiler gemacht.

Variante «Keep building» sieht eine Erhöhung auf der Nordseite vor. (Bild: Stadt Zug)

Dass der Arenaplatz nicht optimal genutzt wird und – wenn nicht gerade eine nicht ganz legale Meisterfeier stattfindet ­– meist brachliegt, ist kein Geheimnis. Auch dieser Tatsache soll mit baulichen Massnahmen entgegengewirkt werden. Das Konzept «Keep Building» sieht vor, dass eine Fanzone geschaffen wird, welche es rund 300 Personen erlauben würde, vor und nach dem Spiel auf dem Areal zu verweilen.

Dazu soll eine Gastronomie im Erdgeschoss den Platz ausserhalb der Spielzeiten beleben. Dies quasi mit einer Erweiterung der «Sixtyseven Sportsbar» auf zwei Stockwerke. «Wenn etwas für die Fans gemacht werden soll, dann wird das, egal bei welcher Variante, eine Auswirkung auf das Ausseneisfeld haben. Die Möglichkeit dafür besteht aber nur im Süden», so die BPK.

Die blauen Stellen bezeichnen die Veränderungen, die mit der Variante «Keep building» anfallen würden. (Bild: Stadt Zug)

Weiter bestünde die Möglichkeit, statt des heute «eher lieblos» gestalteten Eisfelds eine Winterlandschaft zu schaffen, wo beispielsweise Schlittschuhlaufen, Eisstockschiessen und eine Fondue-Chalet möglich seien. Dies mittels einer mobilen Ausseneisfeldlösung. Der Vorteil von «Keep building»: Diese Variante könne gemäss EVZ-CEO Patrick Lengwiler auch etappiert realisiert werden.

«Da wird es bestimmt Widerstand geben.»

André Wicki, Zuger Finanzchef

Dass mit dieser Variante der Arenaplatz belebt wird, dürfte insbesondere den Anwohnern des Hertiquartiers wenig behagen. «Da haben Sie recht, da wird es bestimmt Widerstand geben. Sobald wir die Variante definiert haben, können wir diese ausarbeiten und dem Stadtrat und dem GGR vorlegen», erklärt Finanzchef Wicki dazu. «Dies wird der Zeitpunkt sein, wenn wir aktiv auf das Quartier Herti und Schutzengel sowie auf Zug 94 und weitere zugehen werden.» Es sei wichtig, dass alle betroffenen Parteien die Variante sehen und in Kenntnis gesetzt würden, wie der EVZ respektive die Stadt mit der Erweiterung umgehen wolle. Dadurch sollen auch Fragen zu Lärm, Mobilität, Sicherheit und weiteren Anliegen beantwortet werden.

Die Stadt will nicht zahlen

Wer zahlt das Ganze? Nicht die Stadt Zug. «Es wurde mit der Prämisse in die Planung eingestiegen, dass die Finanzierung einer Erweiterung nicht durch die Stadt Zug getragen werden soll», äusserte sich André Wicki unlängst bei der Projektpräsentation vor den Kommissionen. Vielmehr solle die Bossard Arena im Baurecht an den EVZ übergeben werden. Damit wird auch die Verantwortung für Betrieb und Unterhalt auf diesen übertragen.

Wieso will die Stadt nicht selber zahlen, respektive warum will er die Steuerzahler in die Pflicht nehmen? «Das Stimmvolk hat am 24. Februar 2008 dem Ersatzneubau Eisstadion Herti mit Aussenfeld und Parkhaus und den Baukosten von rund 60 Millionen Franken zugestimmt, die Eröffnung der Bossard Arena fand am 20. August 2010 statt.» Der Stadtrat sehe es nach diesen zehn Jahren, also nach einer verhältnismässig kurzen Zeit, für ein Eisstadion als unwahrscheinlich an, dass das Stimmvolk weiteren 30-35 Millionen Franken für die Erweiterung zustimme.

Abgabe im Baurecht als Chance?

Bloss: Was passiert, wenn der EVZ die Halle im Baurecht übernimmt, es dem Verein in einigen Jahren jedoch finanziell mies geht? Dazu äussert sich Wicki wie folgt: «Das geschilderte Szenario, dass es dem EVZ in einigen Jahren schlecht gehen könnte, muss im Vertrag abgesichert sein, beispielsweise mit Heimfall. Das Stadion wurde eigens für Eishockey erstellt und die Stadt Zug steht schlussendlich auch als Baurechtsgeber in der Pflicht.»

«Der gordische Knoten, sprich EVZ –Kunsteisbahn AG Zug (KEB) – und Stadt Zug, kann damit gelöst werden.»

André Wicki, Zuger Stadtrat

Wicki selber sehe es als grosse Chance an, die Bossard Arena dem EVZ im Baurecht abzugeben. «Der gordische Knoten, sprich EVZ – Kunsteisbahn AG Zug (KEB) – und Stadt Zug, kann damit gelöst werden.» Der EVZ übernehme die Verantwortung als Baurechtsnehmer, sei jeden Tag nahe am Geschehen und wisse, was er machen müsse. «Die KEB wird vom EVZ übernommen und der EVZ ist somit gleich auch für den Unterhalt von allen Hallen und Aussenfläche zuständig. Es wird somit eine Entflechtung dieses Dreiecksverhältnisses entstehen, was der Sache nur guttun kann!»

EVZ-Chef bleibt zurückhaltend

Und weiter: «Klar kann die Stadt Zug die Kosten der Erweiterung aufnehmen. Dies geht aber nur mit Aufnahme von Fremdgeldern. Die flüssigen Mittel von 45 Millionen, Stichdatum Ende 2020, brauchen wir für den laufenden Betrieb der Stadt Zug.» Das Eigenkapital sei gebunden in Liegenschaften. «Der Stadtrat ist überzeugt, dass mit dem Baurecht der richtige Weg eingeschlagen wird. Dies folgt auch dem Trend in der erfolgreichen Sportwelt und wir wollen die Schienen für einen weiterhin erfolgreichen EVZ heute legen!» 

Bei der Sitzung der Geschäftsprüfungskommission, bei der auch EVZ-CEO Patrick Lengwiler anwesend war, erklärte dieser auf die Frage, ob er das Konzept «Keep building» favorisiere: «Das Konzept ‹keep building› ist eine mögliche Variante, die der EVZ als Alternative entwickelt hat. Das Konzept muss insbesondere betreffend Kosten noch vertiefter ausgearbeitet werden.»

Am Schluss sei es die Idee, dass zwei Varianten vorhanden seien und mit der Stadt Zug weiter diskutiert werden könne, welche Variante weiterzuverfolgen sei. «Der EVZ hat eine eigene Meinung, will aber damit nicht vorgreifen», so Lengwiler.

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2 Kommentare
  1. Daniel Übersax, 15.05.2021, 08:17 Uhr

    Der EVZ kann auf viel Unterstützung in der Bevölkerung zählen. Diese Erweiterung kann er aber nur selber zahlen. Die Stadt hat ihre Pflicht mit einem funktionsfähigen Neubau und Trainingshalle vor 10 Jahren mehr als erfüllt. Weitere Ansprüche muss der Verein selber erfüllen, er hat ja auch die Einnahmen. und wer 100 Millionen in ein Oym investiert, kann nachher schlecht beim Steuerzahler anklopfen.

    1. Marc, 15.05.2021, 13:10 Uhr

      Der Apotheker wird schon bezahlen.

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