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«So können wir das Projekt nicht akzeptieren»
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Birgit Aufterbeck hat als Stiftungsratspräsidentin des Luzerner Theaters den Auftrag, kritisch auf die Pläne zu schauen (Visualisierung im Hintergrund). (Bild: zVg)

Luzerner Theater kritisiert Salle Modulable «So können wir das Projekt nicht akzeptieren»

5 min Lesezeit 3 Kommentare 04.07.2016, 19:25 Uhr

Das Luzerner Theater wäre der Hauptnutzer der Salle Modulable auf dem Inseli. Die Theater-Präsidentin ist mit dem Projekt jedoch nicht zufrieden. Sie stellt Anforderungen, die nicht einfach zu erfüllen sein dürften. Gelingt kein Kompromiss, droht das vorzeitige Aus.

Vor zehn Jahren begann die Debatte rund um ein visionäres Theater- und Musikhaus in Luzern. Nun gilt es für das Projekt Salle Modulable ernst. In den nächsten Wochen und Monaten entscheidet sich, ob der Bau auf dem Luzerner Inseli realisiert werden kann – oder unter Getöse zu Grabe getragen werden muss.

Zu wenig Platz fürs Theater

Startschuss für die vorerst entscheidende Phase war diesen Montag. Regierungsrat Reto Wyss und Stadträtin Ursula Stämmer orientierten die Medien über den Projektierungskredit. Dieser wird mit 12 Millionen doppelt so hoch wie bislang angenommen (hier geht’s zum Artikel). Trotzdem zeigten sich die beiden Exekutivmitglieder einigermassen zuversichtlich, dass das Projekt dereinst umgesetzt werden kann.

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«Für das Theater fehlen in der Salle Modulable wesentliche Quadratmeter an Nutzfläche.»

Birgit Aufterbeck Sieber

Doch es ist noch ein langer Weg dorthin. Nebst der unsicheren Finanzierung und den hohen Kosten, dem Widerstand gegen den Standort Inseli sowie vielen bau- und umweltrechtlichen Fragen kommt nun ein neuer Aspekt hinzu: Diesen Montag sprachen nebst Wyss und Stämmer auch Hubert Achermann von der Stiftung Salle Modulable sowie Birgit Aufterbeck Sieber zu den Journalisten. Aufterbeck Sieber ist Stiftungsratspräsidentin des Luzerner Theaters. Und sie überraschte mit in dieser Form noch nie gehörten kritischen Worten: «Stand heute würden wir das Projekt Salle Modulable nicht akzeptieren. Denn für ein produzierendes Theater sind die Rahmenbedingungen nicht gegeben. Unter anderem fehlen im aktuellen Projekt der Salle Modulable für unser Theater wesentliche Quadratmeter an Nutzfläche, die wir permanent brauchen.»

Das Luzerner Theater.

So sieht das alte, sanierungsbedürftige Luzerner Theater am heutigen Standort aus.

(Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Projekt würde keinen Sinn mehr machen

Diese Aussage lässt aufhorchen. Denn das Luzerner Theater soll nicht ein Mieter von vielen in der neuen Salle Modulable sein. «Das Luzerner Theater ist der Hauptnutzer», betonte zuvor Hubert Achermann. Die anderen Player, wie speziell das Lucerne Festival, würden das Haus zu einem kleineren Teil nutzen. Heisst: Wenn für das Luzerner Theater die Nachteile einer Züglete in die Salle Modulable überwiegen, macht das Projekt keinen Sinn mehr.

«Die 80 Millionen bekommen wir nur, wenn die Salle Modulable auf dem Inseli erstellt wird.»

Reto Wyss, Luzerner Regierungsrat

Als Alternative müsste dann wohl das alte, sanierungsbedürftige Theater am heutigen Standort neben der Jesuitenkirche aufgemöbelt werden. Das würde zwischen 45 und 80 Millionen Franken kosten. Und es müsste ohne die 80 Millionen des verstorbenen Mäzens Christof Engelhorn finanziert werden. «Dieses Geld bekommen wir nur, wenn die Salle Modulable auf dem Inseli erstellt wird», stellte Reto Wyss erneut klar. Für ihn sei das klar die beste Lösung. «Damit schlagen wir zwei Fliegen auf einen Streich: Wir realisieren eine neue Heimat für das Luzerner Theater und investieren mit der Salle Modulable gleichzeitig in eine kulturelle Weiterentwicklung des Kantons Luzern.»

Wie entscheiden die Kommissionen?

Am 7. Juli und 29. August kommt das Projekt in die Kommission Erziehung, Bildung und Kultur (EBKK). Würde sich diese klar dagegen aussprechen, wäre die Salle Modulable bereits Ende August gestorben. Das Projekt käme dann zwar am 19. September noch in den Kantonsrat, hätte dort aber keine Chance.

Das Gleiche gilt in der Stadt. Dort befasst sich die Spezialkommission am 2. und 6. September mit der Vorlage. Das Parlament befindet dann am 29. September darüber.

Am 27. November kommt das Volk zu Wort. Nur wenn es dem Baurechtsvertrag zustimmt und die Juso-Initiative «Lebendiges Inseli statt Blechlawine» ablehnt, kann das Projekt weiter ausgearbeitet werden. Die definitive Abstimmung fände dann im Mai 2019 statt.

Standort für Theater zweitrangig

Doch Aufterbeck Sieber sieht dies deutlich nüchterner. Auf die Frage von zentralplus, welchen Standort sie für das Theater bevorzuge, sagte sie: «Der Standort ist für uns fast zweitrangig. Ich habe lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.» Zudem gefalle ihr der Platz neben der Jesuitenkirche und der Reuss sehr gut.

Ausgedeutscht heisst das: Aufterbeck Sieber ist nicht bereit, der Salle Modulable zuliebe Abstriche zu Ungunsten des Luzerner Theaters zu machen.

Lösung muss bis Ende August her

Die Theater-Präsidentin lässt aber Hoffnung auf eine Lösung durchblicken. Neue Verhandlungen mit Kanton, Stadt und Stiftung seien «vielversprechend» gewesen. «Wir wurden besser verstanden.» Jedoch drängt die Zeit: Bis Ende August müssen sich die Parteien gefunden haben. «Das Korsett, sowohl zeitlich wie finanziell, ist sehr eng», sagte Aufterbeck Sieber.

Die Salle Modulable bei Nacht auf dem Inseli.

Visualisierung der Salle Modulable bei Nacht auf dem Inseli.

(Bild: Visualisierung PD)

Damit hat sie vollkommen Recht. Denn mehr Platz fürs Luzerner Theater würde das Projekt Salle Modualble vergrössern und somit verteuern. Dabei steht schon längst fest: Das Projekt muss günstiger werden. Und das erreicht man unter anderem durch eine Verkleinerung. Wyss sagte: «Teurer werden darf das Projekt auf keinen Fall.» Es müssten andere Möglichkeiten gefunden werden, den Bedürfnissen des Theaters entgegenzukommen. Etwa in der besseren Ausnutzung von anderen Räumen.

Man darf gespannt sein, wie die Beteiligten diese neue Hürde nehmen.

Kanton fordert: Stadt muss mehr Kosten übernehmen

Das ist klar: Der Bau des neuen Theaters auf dem Inseli wird auf 161 Millionen budgetiert. Das gesamte Projekt samt Umgebungsarbeiten kostet 208 Millionen Franken. Nach Abzug der 80-Millionen-Spende bleiben 128 Millionen. Davon sollen Private 35 Millionen zahlen. Stadt und Kanton müssen den Rest von 93 Millionen übernehmen. Doch die beiden Parteien sind sich uneins, wer davon wie viel zahlen soll.

Kanton will Kostenschlüssel anpassen

«Der Regierungsrat erwartet eine höhere Beteiligung von der Stadt Luzern», steht in der Botschaft an den Kantonsrat. Laut Reto Wyss gilt bislang bei solchen Ausgaben die Formel: 70 Prozent übernimmt der Kanton, 30 Prozent die Stadt. «Darüber möchten wir neu verhandeln.» 

Dass die Stadt für ihr Inseli-Grundstück 20 Millionen verrechne, «soll durch einen neutralen Experten untersucht werden». Dabei hat die Stadt das Grundstück laut eigenen Aussagen bereits durch einen «anerkannten Experten» schätzen lassen. Zur Klärung: Je höher dieser Betrag für das Baurecht ist, umso teurer wird das Gesamtprojekt. Würde die Stadt dafür als Beispiel nur 10 Millionen verlangen, würde das Projekt noch 118 Millionen kosten. Je höher jedoch dieser Betrag ist, umso weniger muss die Stadt ans Projekt zahlen.

Landwert zwischen 3 und 75 Millionen

Gemäss der städtischen Schätzung hat das knapp 5700 Quadratmeter grosse Areal einen Wert von 3 Millionen (wenn man es als Grünzone definiert) respektive 50 bis 75 Millionen (wenn man es als Wohn- und Arbeitszone betrachtet). «Unter diesen Umständen ist der Landwert von 20 Millionen Franken als politischer Preis zu verstehen», schreibt der Stadtrat in seinem Bericht an das Stadtparlament.

Die Grafik zeigt die verschiedenen Beteiligten und ihre Beiträge ans Projekt.  (Bild: zvg)

Die Grafik zeigt die verschiedenen Beteiligten und ihre Beiträge ans Projekt.  (Bild: zvg)

Hinweis: zentralplus hat ein umfangreiches Dossier mit Artikeln über die Salle Modulable zusammengestellt. Hier finden Sie alles, was Sie wissen müssen.

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3 Kommentare
  1. Martin Werthmüller, 07.07.2016, 01:05 Uhr

    Ich hab’s schon mal gesagt: Die Stadt hat nicht einmal Geld um die Bänkli am Quai zu reparieren. Da soll mir jemand sagen wie dieses “Theater” finanziert werden kann? Oben genannte Zahlen sind Schätzungen die um Millionen unterschätzt werden. z.B. jährlicher Unterhalt!

  2. Beat Stocker, 05.07.2016, 17:00 Uhr

    ENDLIH KLARTEXT!
    Gratulation und vielen Dank an Frau Aufterbeck Sieber und Regierungsrat Reto Wyss!

  3. Steffi Bergmann, 05.07.2016, 16:03 Uhr

    Die Stadt Luzern hat kein Geld, soll aber wie auch der Kanton Millionen in dieses Projekt einzahlen? Nur schon die Projektierung kostet 10 Mio. Soll das doch das Theater oder die Gönner übernehmen. Die Stadt und der Kanton würden das Geld lieber in die Schule stecken. Die HPS Luzern Beispielsweise kann nicht einmal mehr ins Klassenlager. Abgesehen davon, Finger weg vom Inseli!