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So hätte das EWL-Areal auch aussehen können
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Der zweitplatzierte Vorschlag hätte das Rote Haus so inszeniert. (Visualisierung: zvg)

Luzern: Das sind die unterlegenen Projekte So hätte das EWL-Areal auch aussehen können

4 min Lesezeit 06.07.2019, 05:10 Uhr

Das Siegerprojekt für das EWL-Areal steht fest. Wir zeigen, wie die neue Überbauung inmitten der Stadt Luzern auch hätte aussehen können. Die Ideen reichen von Dachgärten über einen ultramodernen Glaskasten bis hin zu feuerwehrroten Details.

Für rund 200 Millionen Franken wird das EWL-Areal beim Steghof in Luzern auf den Kopf gestellt. In rund drei Jahren soll auf dem «Filetstück der Luzerner Stadtentwicklung» alles abgerissen werden – bis auf eine Ausnahme: das Rote Haus. Die Industriehalle von 1929 steht im Inventar der schützenswerten Bauten und wird zum Herzstück der neuen Überbauung.

«Rotpol» heisst das Siegerprojekt, das die EWL Areal AG letzte Woche vorgestellt hat. Entworfen wurde das Projekt vom Team Arge Halter/Eberli Sarnen, das auch der Pilatusarena seinen Stempel aufdrückt (zentralplus berichtete).

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14 Teams hatten Interesse

Hier sind alle Projekte zu sehen

Die sechs eingereichten Projektvorschläge zur Gesamtleistungsstudie sind bis Samstag, 13. Juli, bei der EWL an der Industriestrasse 6 in Luzern ausgestellt (von 9 bis 11 Uhr ist jeweils eine Fachperson für Auskünfte vor Ort). Die Öffnungszeiten der Ausstellung sind:
– Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag: von 9 bis 12 Uhr und 13 bis 17 Uhr
– Donnerstag: von 9 bis 12 Uhr und 13 bis 19 Uhr
– Samstag: von 9 bis 12 Uhr

Anfänglich hatten sich 14 Teams für den Wettbewerb um das EWL-Areal interessiert. Die Verantwortlichen wählten sechs aus, die ihre Ideen eingeben durften. Nach einer ersten Runde schieden drei aus. Am Ende waren noch die späteren Gewinner sowie HRS Real Estate AG im Rennen, sie mussten eine Zusatzschlaufe absolvieren, weil beide Projekte als gut, aber noch nicht perfekt erachtet wurden.

Das Rote Haus zu erhalten, war eine Bedingung im Wettbewerb. Ebenso mussten die Planer alle Nutzungen – von EWL über Feuerwehr und andere Sicherheitsorganisationen bis zu den Wohnungen und den städtischen Dienststellen – in das Dreieck zwischen «Uferlos», «Bar59» und Gassenküche packen.

Wie sie das gemeistert haben, kann jeder mit Blick auf die Projekte der fünf unterlegenen Teams selber beurteilen:

Das Mutige: «Stadthof Luzern» von HRS Real Estate

Anstelle des heutigen EWL-Gebäudes wäre dieser Bau zu stehen gekommen… Visualisierung: zvg)

Dem Siegerprojekt am dichtesten auf den Fersen war das Projekt «Stadthof Luzern» von HRS Real Estate. Das Team aus Frauenfeld war bis zuletzt im Rennen. Es schlug eine Blockrandbebauung mit insgesamt fünf Gebäuden vor, die jeweils der Nutzung entsprechend unterschiedlich und sehr prägnant gestaltet gewesen wären. Was dazu führte, dass sie sich deutlich unterschieden.

Teilweise gefiel das der Jury, auf der anderen Seite stellte sie erhebliche Kontraste auf dem Areal fest. Im Zentrum steht das Rote Haus als Dreh- und Angelpunkt des «Stadthofs». Die Situation ist laut Jury aber so beengt, sodass ihm nicht der gebührende zentrale Rolle zukomme.

Fazit: Die Idee, den jeweiligen Gebäuden individuellen Charakter zu geben, gefällt. Das Potenzial, daraus ein grösseres gemeinsames Ganzes zu schaffen, werde aber nicht maximal genutzt.

…während das Feuerwehrgebäude am Geissensteinring moderner ausgefallen wäre. (Visualisierung: zvg)

Das Grüne: «Im Stadtgarten» von Implenia Schweiz AG, Dietlikon

Dieser Vorschlag kommt einheitlich daher. (Visualisierung: zvg)

Ebenfalls in die zweite Runde kam das Projekt «Im Stadtgarten» von Implenia Schweiz. Das Zürcher Team markierte mit drei Gebäuden mit unterschiedlichen Terrassen und Dachgärten die Ecken des Areals. Dazu kommen drei platzartige Aussenräume, die laut Jury eine gute Vernetzung mit den benachbarten Stadtteilen schaffen. Sie lobt den schön gestalteten Stadtgarten und das Potenzial mit dem Platz um das Rote Haus.

Was weniger gefällt ist hingegen, dass das Rote Haus durch die Bauten eingezwängt wirke. Zudem zweifelt die Jury am Potenzial des EWL-Platzes, der «ein rein monofunktionaler Vorplatz als Entrée des EWL-Verwaltungsgebäude» bleibe. Auch die Architektur der drei Bauten überzeugt die Verantwortlichen nicht restlos. Zudem weise der Vorschlag teilweise schwerwiegende Nutzungsmängel auf.

Fazit: Städteräumlich sehr wertvoll, aber zu viele architektonische Unstimmigkeiten und betriebliche Mängel. Zudem wäre es das Teuerste aller Projekte.

Das Rote Haus.

Das Klare: «Allmendli» von Frutiger AG, Thun

In diesem Fall wäre die Fruttstrasse zur Feuerwehrmeile geworden. (Visualisierung: zvg)

Die Berner Planer unterschieden in ihrem Projekt ganz klar zwischen den praktischen Nutzungen, etwa durch Feuerwehr und Co., und dem ruhigen Wohnteil. Zur Industriestrasse hin wäre zum Beispiel eine sogenannte «Esplanade» entstanden, was der Jury sehr gefiel.

Gleichzeitig befürchtete sie, dass der Geissensteinring und die Fruttstrasse zu Hinterseiten werden könnten. Fazit: Gute Ansätze und Einzelideen, aber funktional und städtebaulich zu wenig überzeugend.

Das Rote Haus in einem belebten Innenhof. (Visualisierung: zvg)

Das Moderne: «Trinita» von Allreal Generalunternehmung AG, Zürich

Das schwungvolle EWL-Gebäude haben die Architekten in diesem Fall zur Gassenküche hin in Szene gesetzt. (Visualisierung: zvg)

Dreieckige Blockrandbebauung mit drei Teilen, die allesamt einen eigenen Innenhof aufweisen, der zum Herzstück des Ganzen weist: dem Roten Haus. Spannend: Die ehemalige Teer- und Ammoniakgrube neben dem Roten Haus wäre zu einem Wasserbecken umgestaltet worden.

Optisch konnte der Vorschlag die Jury indes nicht überzeugen. Das Haus gegenüber der Gassenküche erscheine in seiner gerundeten und gläsernen Fassade als Fremdkörper. Zudem orten die Verantwortlichen auch hier praktische Probleme, etwa betreffend Verkehrsfluss bei einem Grosseinsatz der Feuerwehr.

Fazit: Interessanter städtebaulicher Ansatz, aber mit vielen offenen Fragen.

Zur Industriestrasse hin wäre das Areal offen gestaltet. (Visualisierung: zvg)

Das Überraschende: «do-re-mi» von Anliker AG Generalunternehmung, Emmenbrücke

Blick von der Industriestrasse her auf diese – überraschende – Anordnung. (Visualisierung: zvg)

«Überraschend anders», findet die Jury diesen Vorschlag. Ein länglicher Bau entlang der Gleise wird ergänzt durch drei weitere Gebäude. Zwar sei das Projekt in sich stimmig, loben die Verantwortlichen. Doch es verstehe das EWL-Areal stark als Insel und orientiere sich weniger an der Umgebung. «Das ist eine grosse Stärke und zugleich die grösste Schwäche des Projekts.»

Zudem wirke das Rote Haus etwas verloren. Fazit: Eigenständiger Vorschlag, aber zu selbstbezogen und zu wenig verflochten mit dem Quartier.

In der Bildergalerie können Sie sich das Siegerprojekt Rotpol ansehen:

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