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So geht die neue ABL-Präsidentin mit all den Baustellen um
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Die neue ABL-Präsidentin Marlise Egger Andermatt auf der Dachterrasse des Himmelrich 3. (Bild: jal)

Luzerner Genossenschaft schlägt hohes Tempo an So geht die neue ABL-Präsidentin mit all den Baustellen um

5 min Lesezeit 09.08.2019, 18:00 Uhr

Gleich fünf Grossprojekte hat die Allgemeine Baugenossenschaft Luzern derzeit am Laufen. Nicht alles läuft dabei wie gewünscht. Im Himmelrich gibt es Verzögerungen, beim EWL-Areal Kritik. Die neue Präsidentin Marlise Egger Andermatt lässt sich nicht beirren.

Hie und da sind Schuhe, Kinderwagen oder Velos in den Gängen zu sehen, doch vor allem auch Baugerüste, -maschinen und -arbeiter. Der Denner und ein Perlenfachgeschäft sind geöffnet, in anderen Läden wird eingerichtet, mancherorts ist es dunkel. Die Überbauung Himmelrich 3 ist derzeit eine bewohnte Baustelle.

Einen Monat vor dem offiziellen Eröffnungsfest (siehe Box) fragt man sich unweigerlich: Wird das in vier Wochen fertig werden?

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Marlise Egger Andermatt nickt unbeirrt. «Wir rechnen fest damit, dass am 7. September alle Türen offen sind, das wird ein tolles Fest.»

Die neue Präsidentin der Allgemeinen Baugenossenschaft Luzern empfängt uns gut gelaunt auf der Dachterrasse der Siedlung. Seit 2011 im Vorstand, zuletzt Vizepräsidentin, hat sie im Mai die Nachfolge von Ruedi Meier an der ABL-Spitze übernommen. Vom Dach oben blickt man – vom Pilatus bis zur Rigi – über die ganze Stadt. Und auch auf die unfertigen Stellen, die es beim Himmelrich noch gibt.

Hat sich die ABL übernommen?

Zuletzt sorgten Verzögerungen beim Grossbauprojekt für Gesprächsstoff (zentralplus berichtete). Obwohl viele der 180 Wohnungen bereits bezogen sind, fehlen beispielsweise noch die Storen. Mieter müssen selber Handwerkertermine vereinbaren, dazu kommen Baulärm und Reklamationen. Nicht das, was man sich als Präsidentin zum Start wünscht.

«Die meisten bringen uns viel Verständnis entgegen.»

«Der Zeitplan war sicher ehrgeizig», sagt Marlise Egger Andermatt, «aber bei einem Projekt dieser Dimension sind solche Mängel keine Seltenheit.» Sie verneint, dass sich die ABL mit ihrer grössten Baustelle übernommen habe. Sie könne aber sicher für weitere Projekte daraus ihre Lehren ziehen.

Was die Mieter angeht, beruhige sich die Situation allmählich. «Die meisten bringen uns viel Verständnis und Geduld entgegen. Und, was mich besonders freut: Trotz des Baulärms ist das Feedback zu den Wohnungen sehr positiv.»

Eröffnungsfest

Die Siedlung Himmelrich 3 sowie das neu gestaltete Bleichergärtli in Luzern werden am 7. September mit einem Fest eingeweiht. Von 12 bis 17 Uhr finden in den Lokalen, im Innenhof, auf der Strasse und auf der (an diesem Tag öffentlich zugänglichen) Dachterrasse zahlreiche Konzerte statt. Dazu gibt es Foodstände, einen Barbetrieb und ein Kinderprogramm.

Als selbstständige Kommunikationsberaterin weiss Marlise Egger Andermatt, wie man mit schwierigen Situationen umgeht. Die 60-Jährige spricht viel von Dialog, Offenheit und Austausch. Es mögen auf den ersten Blick nett gemeinte Floskeln sein, doch im Gespräch spürt man, dass mehr dahintersteckt. Nämlich ihr Interesse an Prozessen, die komplexer sind als ein Befehl der Chefin. Räume sozial zu verstehen und zu entwickeln habe sie schon immer fasziniert, sagt die Germanistin.

Kritik aus den eigenen Reihen

Besonders ausgeprägt wird dies beim Projekt Industriestrasse umgesetzt. Dort realisiert die ABL bis 2025 gemeinsam mit vier weiteren Genossenschaften für 83 Millionen Franken Wohn- und Arbeitsplätze für insgesamt 600 Personen (zentralplus berichtete).

Marlise Egger Andermatt im Einzigart, einem der Läden in der Himmelrich-Siedlung.

Auch gegenüber, beim EWL-Areal, ist die ABL involviert. 72 Wohnungen sollen dort entstehen, es ist Teil eines 200-Millionen-Gemeinschaftsprojekts mit der Stadt und der EWL. Nachdem im Juli das Siegerprojekt erkoren worden war, blies den Verantwortlichen allerdings ein eisiger Wind entgegen. Die IG Industriestrasse und die IG Stadtentwicklung bezeichneten das Projekt als Fremdkörper mit toten Fassaden und als Antithese zu einer lebendigen Industriestrasse. Sogar die Forderung, die Notbremse zu ziehen, stand im Raum (zentralplus berichtete).

«Eine Notbremse ist aus unserer Sicht überhaupt nicht angezeigt.»

«Dass ein Projekt dieser Grösse an einem solchen Entwicklungsschwerpunkt Kontroversen auslöst, erstaunt nicht», sagt die ABL-Präsidentin. Inhaltlich widerspricht sie den Kritikpunkten aber klar. «Eine Notbremse ist aus unserer Sicht überhaupt nicht angezeigt. Wir sind überzeugt, dass auf beiden Seiten der Industriestrasse gute Projekte auf dem Tisch liegen.» 

Blick von der Industriestrasse her auf die geplanten Neubauten beim EWL-Areal. (Visualisierung: EWL Areal AG)

Die Kritik am EWL-Areal-Projekt erklang pikanterweise auch aus jenen Kreisen, mit denen ABL gemeinsam an der Industriestrasse agiert. Dass auch der fehlende Austausch bemängelt wurde, warf ein besonderes Licht auf die ABL, die quasi als Brückenbauerin agiert. Die Stadt Luzern hielt beispielsweise fest, der Austausch sei auch über die ABL gewährleistet.

Der «sensiblen» Rolle ihrer Institution ist sich Marlise Egger Andermatt durchaus bewusst. Wer behaupte, dass sie deswegen automatisch als Vermittlerin agieren müsste, mache es sich aber zu einfach. «Man darf davon ausgehen, dass die Planer von zwei so grossen Projekten das Gespräch suchen, ohne dass wir als ABL das organisieren.» Es brauche nun beidseitig eine Offenheit, um die kritischen Punkte zu diskutieren.

«Der Austausch ist bereits im Gang und wir tragen gerne, wo immer möglich, zum Dialog bei», betont Marlise Egger Andermatt. Auch hier sei Kooperation für die Nutzung von Synergien wichtig. So sieht sie beispielsweise eine Chance, die Gestaltung der verbindenden Industriestrasse gemeinsam anzupacken.

ABL klopft an 12’000er-Marke

Über Langeweile kann sich Marlise Egger Andermatt definitiv nicht beklagen. «Seit ich das Präsidium übernommen habe, gab es nie Ruhe», sagt die Freiburgerin – ihr Dialekt verrät sie – und lacht.

«Wir müssen nicht überall mit dabei sein.»

Gleich fünf grosse Projekte laufen derzeit. Und auch die Mitgliederzahlen zeigen nur nach oben. Inzwischen zählt die ABL fast 12’000 Mitglieder. Diese Wachstumsstrategie hat ihren Grund. «Das Bedürfnis nach gemeinnützigen Wohnraum ist vorhanden», sagt Egger Andermatt. «Wo sich die Möglichkeit bietet, schaffen wir neuen.» Mit rund 2’100 Wohnungen sei der aktuelle Bestand im Vergleich zu den Mitgliederzahlen relativ tief.

Das heisst aber nicht, dass sich die ABL alles unter die Finger krallt, was zu haben ist. «Wir müssen nicht überall mit dabei sein, sondern wollen dort wachsen und verdichten, wo wir schon präsent sind», sagt die 60-Jährige.

Nebst dem Himmelrich, den beiden Grossprojekten beim EWL-Areal und an der Industriestrasse läuft aktuell die Sanierung und Erweiterung der Siedlung im Maihof. Und das Baugesuch für die Bernstrasse wurde eingereicht.

Bis am 7. September soll der Innenhof des Himmelrich 3 fertig gestaltet sein.

Ruhig werden dürfte es also nicht so bald. Doch das wünscht sich die ehemalige Kommunikationschefin der Luzerner Stadtverwaltung auch nicht. Denn trotz der vielen Arbeit und mancher Kritik sagt sie: «Es gibt für mich nichts Interessanteres, als das, was ich derzeit mache.»

Selber wohnt die ABL-Präsidentin übrigens nicht in einer ultramodernen Wohnung mit einem urbanen Konzept. Sondern in einem alten Haus, gemeinsam mit ihrem Mann und den drei erwachsenen Kindern – im Kanton Aargau.

Bünzlitum mit Gartenzaun und Zwergen? Marlise Egger Andermatt winkt ab: «Nein, es ist alles sehr dicht und lebhaft in unserer WG.»

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