So erlebt ein Rekrut aus Zug die «Homeoffice»-RS
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In der ersten RS 2021 wird nicht im Kollektiv gebüffelt, sondern individuell in den eigenen vier Wänden. (Bild: Broschüre Höhere Kaderausbildung der Armee HKA)

Die erste Woche gab's nur Sport und Netflix So erlebt ein Rekrut aus Zug die «Homeoffice»-RS

4 min Lesezeit 01.02.2021, 17:12 Uhr

Die Rekrutenschule wird umgangssprachlich oft «grüne Ferien» genannt. Ein Begriff, der mit dem Start der ersten «Homeoffice»-RS Realität wurde. Wegen technischen Pannen haben viele junge Rekruten eine gemütliche erste Woche verbracht. Doch wie ist es jetzt? Ein Zuger Rekrut erzählt.

Joel* aus Zug ist einer von rund 5000 jungen Männern und Frauen, die im Januar für die erste Rekrutenschule des Jahres aufgeboten wurden – coronabedingt in einer neuen Form.

Um den aktuellen Coronamassnahmen zu entsprechen, sollen Rekruten nämlich die ersten drei Wochen der Grundausbildung nicht in einer Kaserne, sondern von zu Hause aus am Bildschirm absolvieren und Theorie büffeln.

«Es muss klar gesagt werden, dass besondere Zeiten auch besondere Lösungen brauchen», sagt der Armeesprecher Stefan Hofer dazu. «Der Start der RS für einen Teil der jungen Männer und Frauen ist eine solche.»

Eine Woche Sport und Netflix

«Bisher waren meine Erfahrungen mit der Homeoffice-RS sehr zwiegespalten», sagt Joel, der anonym bleiben möchte. «Die ersten sechs Diensttage waren praktisch Ferientage.» Dies, weil das sogenannte Learning Management System (LMS) beim Start nicht funktioniert hat. Joels Account war für die folgenden fünf Tage gar komplett gesperrt.

«Ich wurde dann per Telefon angewiesen, dass ich die Zeit so nutzen kann wie ich möchte, da man tatsächlich keine Möglichkeit hatte, auf diese Inhalte zuzugreifen», erklärt Joel. Die freien Stunden hat er dann mit Sport, Zukunftsplanung und Netflix verbracht.

«Man lernt viele Grundlagen und das Risiko einer Ansteckung wird hoffentlich tatsächlich vermindert.»

Joel, Rekrut aus Zug

Als Grund für den Ausfall nennt die Schweizer Armee den Beginn der RS mit der gleichzeitig verordneten Homeoffice-Pflicht des Bundes – und einer damit einhergehenden Überlastung des Netzes. Um die Leistung zu erhöhen, hat die Ruag als Betreiberin des LMS neue Server installiert.

Woche 2: Läuft!

In der zweiten Woche hat die Armee die technischen Probleme in den Griff bekommen. «Mittlerweile läuft das System so, wie es sollte», sagt Stefan Hofer. «Es sind auch keine Performance-Probleme gemeldet worden.» Das bestätigt auch Joel. Die offizielle Weisung lautet nun wie folgt: Pro Tag müssen sechs Stunden lang Module gebüffelt werden. Dazu kommen mindestens vier Stunden Sport pro Woche. Seinen Tagesablauf mit dem funktionierenden System beschreibt der Zuger wie folgt:

  • 7:15 Uhr: Aufstehen
  • 7:30 bis 11:30 Uhr: Module bearbeiten
  • 11:30 bis 12:30 Uhr: Mittagspause
  • 12:30 bis 14:30 Uhr: Module bearbeiten
  • 15:00 bis 15:45 Uhr: Sport

Worum geht’s in diesen Onlinemodulen? Dienst an der Waffe fällt in den eigenen vier Wänden ja wohl aus. Trotzdem: Bearbeitet werden unter anderem der theoretische Umgang mit Waffen oder mit anderer spezifischer Ausrüstung sowie verschiedenste Reglemente. Ebenfalls werden in den digitalen Kursen Gesundheits- und Hygieneregeln thematisiert.

Wer nicht lernt, kriegt die Quittung

Der digitale Einsatz wird nicht direkt geprüft oder kontrolliert. Wer will, kann theoretisch auch einfach die Füsse hochlegen und das süsse Nichtstun geniessen – vorausgesetzt, er weiss schon alles. Denn «beim Einrücken am 8. Februar müssen wir Tests vor Ort absolvieren und bestehen», sagt Joel. Wer beim Test durchfällt, muss die Lerninhalte nachholen – an den wertvollen Wochenenden.

«Distance Learning ermöglicht zwar das Erarbeiten von theoretischem Wissen, ersetzt den praktischen Dienst aber nicht.»

Stefan Hofer, Armeesprecher

Joel ist froh, die ersten drei Wochen seines Dienstes von zu Hause aus zu absolvieren. «Man lernt viele Grundlagen und das Risiko einer Ansteckung wird hoffentlich tatsächlich vermindert.» Ein weiterer Faktor ist sicher auch, dass er die «Homeoffice»-RS als gemütlicher einstuft als den Dienst in der Kaserne.

Am 8. Februar geht’s in die Kaserne

Nun steht den Rekruten noch eine Woche Dienst zu Hause bevor. Am 8. Februar heisst es dann: einrücken. Denn Corona hin oder her, die ganze RS lässt sich nicht am Computer absolvieren. «Distance Learning ermöglicht zwar das Erarbeiten von theoretischem Wissen, ersetzt den praktischen Dienst aber nicht», schreibt Armeesprecher Hofer. Das volle Programm mit Kilometermarsch, «Zwipf» und «Tenü-Figg» steht den Rekruten also noch bevor.

Wer sich selbst ein Bild eines E-Learning-Kurses machen möchte, kann das tun. Die Schweizer Armee bietet hier einen Einblick.

*Name der Redaktion bekannt

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